Augenspiegeluntersuchung
(Ophthalmoskopie; Augenspiegelung)
Wozu dient die Untersuchung mit dem Augenspiegel?
Die Augenspiegelung (Ophthalmoskopie) ist eine Methode zur Untersuchung des Augenhintergrundes. Unter dem Augenhintergrund versteht man die Innenfläche des Augapfels, die ohne Augenspiegel nicht einsehbar ist.
Bei dieser Untersuchung kann der Arzt die unterschiedlichen Strukturen des Augenhintergrundes wie Netzhaut, Aderhaut und die versorgenden Blutgefäße einsehen. Auch die so genannte Papille, der Teil des Sehnervs, der im Augapfel verläuft, ist beurteilbar.
Krankhafte Veränderungen des Augenhintergrundes können so erkannt werden.
Wie wird eine Augenspiegelung durchgeführt?
Bei der Augenspiegelung wird der Augenhintergrund ausgeleuchtet. Um eine bessere Übersicht zu gewinnen, wird kurz vor der Untersuchung ein Medikament ins Auge getropft, welches pupillenerweiternd wirkt. Das Maximum der Pupillenerweiterung tritt bei den verwendeten kurzwirkenden Arzneimitteln nach 30 Minuten auf, nach 5 bis 6 Stunden klingt diese Wirkung wieder vollständig ab. Da der Patient dadurch etwas verschwommen sieht, sollte er erst nach Erreichen des normalen Sehvermögens wieder am Straßenverkehr teilnehmen oder Arbeiten ausführen, die die Augen beanspruchen.
Es gibt zwei unterschiedliche Arten der Augenspiegelung: die direkte und die indirekte Spiegelung. Bei der direkten Augenspiegelung (Spiegeln im aufrechten Bild) benutzt der Arzt einen elektrischen Augenspiegel mit Lupe und eingebauter Lampe, das Ophthalmoskop. Er führt den Augenspiegel möglichst nahe an das Auge des Patienten heran und leuchtet durch die Pupille in den Innenraum des Auges. Das Bild des Augenhintergrundes erscheint 16-fach vergrößert. Im Opthalmoskop sind unterschiedliche Linsen eingebaut, die vorgeschaltet werden können. So werden Fehlsichtigkeiten des Untersuchers und des Patienten ausgeglichen. Die hohe Vergrößerung ermöglicht eine gute Detailerkennung, zeigt aber jeweils nur einen kleinen Ausschnitt des Augenhintergrundes und liefert nur ein zweidimensionales Bild.
Für die indirekte Augenspiegelung (Spiegeln im umgekehrten Bild) verwendet der Arzt eine Sammellinse und benötigt außerdem eine zusätzliche Lichtquelle. Er hält die Linse in etwa 13 Zentimeter Entfernung vor das Auge des Patienten, indem er sich mit der Hand an dessen Stirn abstützt; mit der anderen Hand hält er die Lichtquelle auf das Auge gerichtet. Die 2- bis 6-fache Vergrößerung ermöglicht dem Augenarzt größere Bereiche zu betrachten, um so eine gute Gesamtübersicht über den Augenhintergrund zu gewinnen.
Bei welchen Erkrankungen wird eine Ophthalmoskopie durchgeführt?
Augenerkrankungen wie z. B. Verdacht auf eine Netzhautablösung oder Schäden am Sehnerven können durch eine Augenspiegelung diagnostiziert und in ihrem Verlauf kontrolliert werden. Bei bestimmten internistischen Erkrankungen ist es ebenfalls besonders wichtig, den Augenhintergrund regelmäßig untersuchen zu lassen. Hierzu gehören insbesondere die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), ein hoher Blutdruck (Hypertonie) und die Gefäßverkalkung (Arteriosklerose), die die Augen schädigen können.
Die Bedeutung dieser Untersuchung durch den Augenarzt sollte nicht unterschätzt werden, da beispielsweise ein schlecht eingestellter Zucker bei Diabetikern fatale Folgen haben kann, die bis zu einer Erblindung führen können. Deshalb sollten Patienten, die an entsprechenden Erkrankungen leiden, vorbeugen und regelmäßig den Augenhintergrund kontrollieren lassen.
Sind Risiken bei dieser Untersuchung bekannt?
Eine Augenspiegelung gehört zur Standard-Untersuchung eines Augenarztes und in der Regel sind damit keine Risiken für den Patienten verbunden. Der Arzt muss aber feststellen, ob Gegenanzeigen für den Einsatz von pupillenerweiternden Medikamenten vorliegen, da diese unter Umständen einen so genannten Glaukomanfall auslösen können. Ein Glaukomanfall ist eine Erhöhung des Augeninnendrucks um ein Mehrfaches des Normalwertes durch eine Abflussblockade des Kammerwassers im Auge. Daher ist es wichtig, dass der Augenarzt die Abflussverhältnisse des Kammerwassers vor der Untersuchung des Augenhintergrundes beurteilt.
Auch muss noch einmal darauf hingewiesen werden, dass nach Gabe von pupillenerweiternden Augentropfen bis zum vollständigen Abklingen ihrer Wirkung die Teilnahme am Straßenverkehr, das Bedienen von Maschinen oder auch andere die Augen besonders beanspruchende Tätigkeiten wie Arbeiten am Bildschirm unterlassen werden sollte.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Augustin, A. J.; Collins, J.F.: Augenheilkunde. Springer (2.Aufl. 2001).
Largiader, F.; Sturm, A.; Wicki, O.; Burk, A.; Burk, R.: Checkliste Augenheilkunde. Thieme (2.Aufl. 1999).
Grehn, F.; Leydhecker, W.: Augenheilkunde. Springer (28.Aufl. 2002).
Lang, G. K.: Augenheilkunde. Thieme (3.Aufl. 2004).
Sachsenweger, M.: Augenheilkunde. Duale Reihe. Thieme (2.Aufl. 2002).


