Antibabypille
(Kontrazeption, orale; Pille; Ovulationshemmer)
Wie wirkt die Antibabypille?
Die Antibabypille (auch: Pille) enthält zwei synthetisch hergestellte Hormone: Östrogen (Follikelhormon) und Gestagen (Gelbkörperhormon). Sie sind den beiden körpereigenen weiblichen Sexualhormone sehr ähnlich.
Die Pille entfaltet Ihre Hauptwirkung zur Empfängnisverhütung (Kontrazeption), indem sie im Gehirn die Bildung von Botenstoffen hemmt, die normalerweise für den Eisprung (Ovulation) erforderlich sind. Man bezeichnet sie deshalb auch als Ovulationshemmer. Ohne Eisprung kann keine Eizelle befruchtet werden, und eine Schwangerschaft wird somit verhindert.
Zusätzlich bewirkt das Gestagen eine Veränderung des Schleimpfropfes im Muttermund, so dass die männlichen Samenzellen (Spermien) nicht mehr in die Gebärmutterhöhle aufsteigen können. Der monatliche Aufbau der Gebärmutterschleimhaut wird unterdrückt, so dass die Einnistung einer befruchteten Eizelle nahezu unmöglich ist. So schützt die Antibabypille über drei verschiedene Mechanismen vor einer ungewollten Schwangerschaft.
Demgegenüber enthält die so genannte Minipille nur das Hormon Gestagen und wirkt ausschließlich über die Veränderung des Schleimpfropfes.
Wann darf die Antibabyille nicht genommen werden?
Unter bestimmten Voraussetzungen sollte eine Frau die Antibabypille nicht einnehmen, da das Risiko von Nebenwirkungen zu groß ist.
Dies ist z. B. der Fall, wenn die Frau schon einmal ein Blutgerinnsel in einer Beinvene (Beinvenenthrombose) oder einen Schlaganfall hatte oder unter Störungen der Blutgerinnung, einer Herzgefäßverkalkung oder einem Herzfehler leidet. Brustkrebs und andere hormonabhängige Tumoren sowie Leberschäden oder eine Bauchspeicheldrüsenentzündung schließen die Einnahme der Pille ebenfalls aus. Vorsicht ist auch geboten bei Venenentzündungen (Thrombophlebitis), ausgeprägten Krampfadern, starkem Übergewichtigkeit, Bluthochdruck und Zuckerkrankheit.
Raucherinnen über 35 Jahre haben bei gleichzeitiger Einnahme der Pille ein erhöhtes Risiko, eine Thrombose zu erleiden. Bei ungeklärten Störungen der Regelblutung muss der Arzt erst die Ursache finden, bevor er die Pille verordnet. Schwangere, stillende Mütter (Ausnahme Minipille) und Frauen mit Östrogenunverträglichkeit (Ausnahme Minipille) dürfen die Antibabypille nicht einnehmen.
Ob im Einzelfall auch bei vorliegenden Risikofaktoren eine Pilleneinnahme möglich ist, sollte jede Frau individuell mit ihrem Frauenarzt bzw. ihrer Frauenärztin abwägen.
Welche Nebenwirkungen hat die Antibabypille?
Im Allgemeinen kommen Nebenwirkungen der Antibabypille selten vor. In den ersten drei bis sechs Monaten kann es zu Zwischenblutungen kommen. Einige Frauen leiden unter Migräne, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme, Übelkeit oder Brustspannen.
Ob die Einnahme der Pille über viele Jahre negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann, wird noch immer diskutiert. Eine Erhöhung des Brustkrebsrisikos wurde bisher nicht nachgewiesen. Beobachtet wurde eine Abnahme bösartiger Tumore der Gebärmutterschleimhaut und der Eierstöcke.
Bei Frauen über 35 Jahre, insbesondere bei Raucherinnen oder bei Vorliegen weiterer Risikofaktoren, muss jedoch mit einem erhöhten Risiko für Venenthrombosen, Herzinfarkte und Schlaganfälle gerechnet werden. Der Östrogenanteil der Pille kann die Entstehung von Gallensteinen fördern.
Wie sicher ist die Pille?
Die Pille schützt sehr zuverlässig vor einer ungewollten Schwangerschaft. Angegeben wird die Wirksamkeit der Verhütungsmethode mit dem so genannten Pearl-Index (in %). Die Pille hat einen Pearl-Index kleiner eins. Das bedeutet, dass bei regelmäßiger Einnahme der Pille von 100 Frauen maximal eine ungewollt schwanger wird. Also je höher die Zahl, desto unsicherer die Methode!
Voraussetzung für die zuverlässige Wirkung ist, dass die Pille korrekt, d. h. regelmäßig und möglichst zur gleiche Tageszeit eingenommen wird. Man sollte daher einen bestimmten Einnahmerhythmus, z. B. abends vor dem Zähnputzen oder morgens zum Frühstück, beachten. Einnahmefehler oder besondere Umstände, wie Erbrechen oder Durchfall, und auch die zusätzliche Einnahme von Medikamenten (z. B. Antibiotika) kann die Wirksamkeit der Pille herabsetzen.
Welche unterschiedlichen Antibabypillen gibt es?
Je nachdem, nach welchem Schema und in welcher Dosierung Östrogene und Gestagene miteinander kombiniert werden unterscheidet man folgende Antibabypillen:
- Die Einphasenpille enthält in allen Dragees die gleiche Kombination von Östrogen und Gestagen. Sie wird mit Beginn der Monatsblutung über 21 Tage eingenommen und ist die am häufigsten verschriebene Pillenart.
- Die Zweiphasenpille enthält in den ersten sieben Dragees nur Östrogene und in den restlichen 14 Dragees zusätzlich auch Gestagen.
- Die Dreiphasenpille enthält Östrogen und Gestagen in wechselnden Konzentrationen.
- Die Minipille besteht nur aus Gestagenen (verhindert den Eisprung nicht) und wird ohne Unterbrechung nach Möglichkeit immer zur gleichen Tageszeit eingenommen.
Häufige Fragen zur Pille
Wo bekommt man die Pille?
Die Antibabypille muss von einem Frauenarzt verordnet werden, ist also rezeptpflichtig. Das ist insbesondere deshalb wichtig, weil der Arzt individuell entscheiden muss, welche Pille für die Patientin die richtige ist. Dies richtet sich nach dem Alter, bestehenden oder vorausgegangenen Erkrankungen, einzunehmenden Medikamenten und individuellen Risiken. Da die Antibabypille wie auch jedes andere Medikament Nebenwirkungen hat, muss besonderer Wert auf eine ausführliche Beratung gelegt werden. Bezahlt werden muss die Pille von der Frau selber.
Ab wann schützt die Pille zuverlässig?
Die empfängnisverhütende Wirkung der Pille ist vom ersten Einnahmetag an gewährleistet. Vorausgesetzt die Einnahme der Pille wurde am ersten Tag der Periodenblutung begonnen.
Schützt die Pille auch vor einer HIV-Infektion oder Geschlechtskrankheiten?
Die Pille schützt nicht vor einer HIV-Infektion oder Geschlechtskrankheiten. Dazu muss zusätzlich ein Kondom verwendet werden.
Kann die Pille unfruchtbar machen?
Die heutigen, niedrig dosierten Pillen beeinflussen auch nach langjähriger Einnahme die Fruchtbarkeit der Frau nicht. Bereits drei Monate nach Absetzen der Pille haben ca. 80 Prozent der Frauen wieder einen Eisprung. Eine Schwangerschaft kann also bereits im ersten Zyklus nach Absetzen der Pille eintreten.
Man sollte allerdings bedenken, dass die Fruchtbarkeit mit dem Alter abnimmt, unabhängig von der bisher verwendeten Verhütungsmethode. Da Frauen heute häufig älter sind, wenn sie Kinder bekommen möchten, ist meist auch ihre Fruchtbarkeit herabgesetzt.
Hat die Pille auch positive Auswirkungen auf die Gesundheit?
Manche Pillen helfen bei Problemen mit unreiner Haut (Akne) und fettigem Haar. Die Pille lindert krampfartige Menstruationsbeschwerden und normalisiert zu starke oder zu lange Blutungen. Damit wirkt sie auch positiv auf eine Blutarmut durch Eisenmangel, die durch zu starke Periodenblutungen bedingt ist.
Ebenso schützt die Pille vor gutartigen Zysten der Eierstöcke sowie vor Eierstock- und Gebärmutterschleimhautkrebs. Die Pille verbessert oft gutartige Brusterkrankungen wie Brustspannen oder Zystenbildungen. Frauen, die die Pille anwenden, erkranken seltener an Eileiterentzündungen.
Erhöht die Pille das Risiko, an Krebs zu erkranken?
Es ist erwiesen, dass bei Einnahme der Pille seltener Eierstock- oder Gebärmutterschleimhautkrebs auftritt. Es gibt zurzeit keine Hinweise, dass das Brustkrebsrisiko ansteigt.
Bis heute ist nicht ganz geklärt, ob ein Zusammenhang zwischen Pilleneinnahme und Gebärmutterhalskrebs besteht. Man weiß aber, dass Virusinfektionen (Humanes-Papilloma-Virus, HPV) das Risiko für Gebärmutterhalskrebs erhöhen.
Nimmt man mit der Pille zu?
Früher traten mit den hoch dosierten Pillen häufig Gewichtsprobleme auf. Die heutigen niedrig dosierten Pillen (Mikropillen) führen meist nicht zu einer Gewichtszunahme.
Da jedoch der Appetit gesteigert sein kann, sollte man auf eine ausgewogene Ernährung und Kontrolle des Körpergewichtes achten, bis sich der Körper an die Pille gewöhnt hat.
Wie steht es mit der Pille und Rauchen?
Man weiß, dass Raucherinnen ein erhöhtes Risiko für Gefäßerkrankungen haben. Dieses Risiko steigt mit der Pille noch weiter an. Von 10.000 Frauen, die die Pille nehmen, werden (altersabhängig) ca.
10 bis 20 eine Thrombose erleiden. Bei Raucherinnen ist dieses Risiko zwei- bis dreifach höher.
Rauchen und die Einnahme der Pille ist eine ungesunde Kombination. Raucherinnen sollten deshalb eine andere Verhütungsmethode verwenden, besser noch: aufhören zu rauchen.
Was ist zu tun, wenn die Periode ausbleibt?
Vor allem bei den niedrig dosierten Pillen kann es vorkommen, dass die Periode einmal ausfällt. Wenn kein Einnahmefehler, Erbrechen oder Durchfall vorlag, ist es sehr unwahrscheinlich, dass eine Schwangerschaft eingetreten ist.
Ein Schwangerschaftstest kann die letzten Zweifel nehmen. Sollten die Periodenblutungen regelmäßig ausbleiben, ist ein Arzt aufzusuchen.
Was tun, wenn die Einnahme der Pille vergessen wurde?
Sind seit der normalen Einnahmezeit weniger als zwölf Stunden vergangen, kann die vergessene Pille noch eingenommen werden. Der Schutz ist weiterhin vorhanden. Sind aber mehr als zwölf Stunden vergangen, ist ein zuverlässiger Schutz nicht mehr gewährleistet. Für den Rest des Zyklus muss ein zusätzlicher Schutz verwendet werden (z. B. Präservative oder Schaumzäpfchen).
Die restlichen Pillen sollten wie gewohnt weiter eingenommen werden, damit die Periodenblutung nicht verfrüht einsetzt. Wenn die Pille einmal vergessen wurde, kann es vorkommen, dass eine Zwischenblutung auftritt. Auch in diesem Fall sollte man aber die restlichen Pillen normal weiter einnehmen.
Was soll ich tun, wenn ich eine Pille vergessen habe und trotzdem ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte?
In diesem Fall ist umgehend der Arzt aufzusuchen. Er kann gegebenenfalls die Pille danach verschreiben oder kurzfristig eine Spirale einsetzen.
Was kann man bei Zwischenblutungen tun?
Vor allem zu Beginn der Pilleneinnahme können Zwischenblutungen auftreten. Bei anhaltenden Zwischenblutungen ist der Frauenarzt aufzusuchen.
Sind Zwischenblutungen im Zusammenhang mit einer vergessenen Pille oder nach Erbrechen oder Durchfall aufgetreten, ist der Schutz der Pille nicht mehr gewährleistet und eine zusätzliche Verhütung für den restlichen Zyklus notwendig.
Was muss man bei Erbrechen oder Durchfall tun?
Tritt Erbrechen oder Durchfall zwei bis vier Stunden nach Pilleneinnahme auf, ist kein sicherer Verhütungsschutz mehr gegeben, und es muss eine zusätzliche Pille aus der Reservepackung eingenommen werden. Gleiches gilt bei der Einnahme von Abführmitteln. Falls Durchfall oder Erbrechen länger anhalten, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Können andere Medikamente die Wirksamkeit der Pille beeinflussen?
Es gibt Medikamente, die Wirkung und Zuverlässigkeit der Pille beeinträchtigen. Dazu gehören Schlafmittel, Schmerzmittel, Beruhigungsmittel, Antibiotika und Mittel gegen Krampfanfälle.
Die wichtigsten sind in der Packungsbeilage aufgelistet. Um sicher zu gehen, ist es notwendig, den Arzt umgehend zu informieren, wenn andere Medikamente regelmäßig eingenommen werden.
Kann man die Pille auch "durchnehmen"?
Bei einigen Einphasenpillen gibt es neuerdings die Möglichkeit, auf die übliche 7-tägige Einnahmepause zu verzichten und die Pille kontinuierlich im so genannten Langzyklus einzunehmen. Das heißt, man setzt die Pille dann nach 21 Tagen nicht für 7 Tage ab, sondern nimmt zwei oder drei Packungen ohne Unterbrechung durch. Anschließend kann man sie dann wieder für 7 Tage auslassen.
Dies kann unter bestimmten Umständen sinnvoll sein, insbesondere dann, wenn Nebenwirkungen der Pille (z. B. Kopfschmerzen, depressive Verstimmung, Unterleibskrämpfe oder sehr starke Blutung) in der Einnahmepause aufgetreten sind.
In jedem Fall sollte man dies aber vorher mit seinem Frauenarzt bzw. der Frauenärztin besprechen.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Schmidt-Matthiesen, H.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Schattauer (2004).
Bopp, A., Herbst, V.: Handbuch Medikamente. Stiftung Warentest (2004).
Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie und Geburtshilfe. Urban & Fischer (2003).
Haag, P.: Gynäkologie und Urologie 2003/04. Medizinische Verlags- und Informationsdienste (2003).
Lüllmann, H., Mohr, K., Wehling, M.: Pharmakologie und Toxikologie. Thieme (2003).
Pfleiderer, A., Breckwoldt, M., Martius, G.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme (2001).


