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Brille



(Augengläser; Sehhilfen)


Dieser Text gibt erste Informationen zu Art und Anwendung von Brillen. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Informationen ersetzen keinen Arztbesuch, insbesondere nicht das ausführliche ärztliche Gespräch und eine fachärztliche Untersuchung.


Wissenswertes zur Brille


Das Wort Brille leitet sich ursprünglich aus der Bezeichnung für ein einzelnes Augenglas ab, das aus dem Mineral Beryll linsenförmig zugeschliffen wurde. Schon Kaiser Nero hat Beryll als Sehhilfe verwendet. In Europa hat vor allem die Erfindung des Buchdrucks im 15. und 16. Jahrhundert zur weiteren Verbreitung und zur Entwicklung neuer Formen dieser Lesehilfe beigetragen.

Jahrhunderte lang waren Brillen den Reichen und Privilegierten vorbehalten, heutzutage ist das Brillentragen eine Selbstverständlichkeit. Etwa die Hälfte der Bevölkerung im Westen verwendet diese Art von Sehhilfe. Weil sie über ihren praktischen Nutzen hinaus auch noch formschön, modisch und angenehm zu tragen sind, stellen Brillen nach wie vor die weitaus beliebteste Variante der Korrektur von Fehlsichtigkeit dar.

Eine Brille sollte individuell auf die Bedürfnisse des Trägers zugeschnitten sein. Je nach Art der Fehlsichtigkeit werden die Gläser unterschiedlich und für jedes Auge gesondert geschliffen. In manchen Brillen werden auch mehrere Korrekturen vereint.

Brillengläser können aus Spezialglas oder Kunststoff bestehen. Kunststoffgläser sind zwar besonders leicht und bruchfest, zerkratzen allerdings schneller. Kratzer am Glas irritieren das Auge, weshalb es wichtig ist, Brillen sorgfältig zu behandeln (z. B. nie auf die Glasseite legen, zum Putzen spezielle weiche Brillentücher und zur Aufbewahrung ein Etui verwenden).

Verschiedene Zusatzfunktionen verbessern den Tragekomfort moderner Brillen. Es gibt bei Helligkeit automatisch nachdunkelnde Gläser, so genannte phototrope Gläser, die einer hellen Sonnenbrille entsprechen, sowie speziell entspiegelte Gläser, die Irritationen durch störende Reflexe am Glas ausschalten.

Wer braucht eine Brille?


Ein normalsichtiges Auge kann sich auf verschiedene Distanzen einstellen: es akkomodiert. Doch mit dem Alter sinkt die Akkomodationsfähigkeit. Ab Mitte 40 beginnt die Sehleistung auf kurze Distanz meist nachzulassen, dass eine Sehhilfe nötig wird. Diese Form der Fehlsichtigkeit nennt man Alterssichtigkeit. Man bemerkt sie daran, dass ein Schriftstück immer weiter weg gerückt werden muss, um noch entziffert werden zu können - die Arme werden gleichsam "zu kurz. Alterssichtige ermüden auch schneller beim Lesen oder vergleichbaren Tätigkeiten auf kurze Distanz. Dann brauchen sie eine Brille.

Daneben gibt es vom Alter unabhängige Fehlsichtigkeiten (Stabsichtigkeit, Kurz- und Weitsichtigkeit), die ab einem bestimmten Schweregrad auskorrigiert werden sollten, um eine weitere Verschlechterung der Sehfähigkeit zu vermeiden. Viele Fehlsichtige wissen allerdings nicht einmal, dass ihr Auge nicht "normal funktioniert, und es kann passieren, dass ein spät korrigiertes Sehproblem, das schon länger besteht, mehr Probleme verursacht als die Sehschwäche selbst.
Ab wann eine Brille wirklich nötig ist, hängt auch von der Lebensweise, dem Beruf und den Freizeitgewohnheiten eines Menschen ab. Wer kaum liest, wird später zu einer Brille greifen als Menschen, deren Beruf es erfordert, kleinste Details in der Nähe zu erkennen.

Spätestens, wenn ein Sehproblem die täglichen Verrichtungen einschränkt, sollte ein Augenarzt aufgesucht werden.

Wie wird eine Brille angepasst?


Der Augenarzt oder Optiker prüft den Umfang der Fehlsichtigkeit, der in Dioptrien angegeben wird, und wählt danach die richtigen Gläser aus.

  • Kurzsichtigkeit wird mit Minusgläsern, auch Zerstreuungslinsen genannt, korrigiert: Sie sind beidseitig konkav, also linsenförmig geschliffen. Zur Korrektur soll das schwächste Glas gewählt werden, mit dem in die Ferne noch scharf gesehen werden kann.
  • Fernsichtigkeit wird mit bikonvex geschliffenen Plusgläsern (Sammellinsen) korrigiert. Hier wird im Gegensatz zur Kurzsichtigkeit das stärkste Glas gewählt.
  • Für astigmatische Augen (Stabsichtigkeit) verwendet man zylindrisch geschliffene Gläser.
Besonders bei starken Gläsern muss man bei der Wahl der Brille auch der Abstand zwischen Brillenglas und Hornhaut berücksichtigen: Das bestangepasste Glas kann eine Sehschwäche nicht ausgleichen, wenn der Abstand falsch eingestellt ist.
Steht die Wahl der Gläser fest, geht es an die Auswahl des richtigen Gestells. Brillen verändern ein Gesicht. Bei der Auswahl müssen Farbe, Form und das Material des Gestells beachtet werden, die mit dem persönlichen Stil, der Gesichtsform, den Augen und den Augenbrauen harmonieren sollten.

Eine Brille darf außerdem nicht zu schwer sein und sollte gut passen. Sie darf also weder drücken noch zu locker sitzen, selbst wenn mehrere Optikerbesuche nötig sein sollten, um das zu erreichen.
Von Bedeutung sind auch die Gelegenheiten, bei denen die Brille getragen wird. Wer viel Sport treibt und seine Brille dabei aufbehalten möchte, wird andere Anforderungen an Form und Materialien haben als jemand, der die Brille nur am Arbeitsplatz als Lesehilfe aufsetzt.

Es gibt Brillen, die unterschiedliche Sichtigkeiten mit einem Glas abdecken, so dass das ständige Wechseln von Nah- und Fernsichtbrillen ausfällt: Diese Brillen nennt man Mehrstärkenbrillen.
In ein Bifokal- oder Zweistärkenglas ist in ein Brillenglas für Fernsichtigkeit ein Nah-Teil eingeschliffen (sieht aus wie ein kleines Fenster). Ein Trifokal- oder Dreistärkenglas besteht sogar aus drei Korrektionszonen.
Um die scharfen Übergänge zwischen den Korrektionszonen abzuschwächen, hat man Gleitsicht- oder Progressivgläser entwickelt. Sie haben keinen Schnitt im Sehfeld, sondern gehen gleitend vom Nah- in den Fernsichtbereich über.

Zu Beginn sind Mehrstärkenbrillen gewöhnungsbedürftig. Die Trennkante zwischen den Korrektionszonen - ob scharf verlaufend, wie bei den Bi- und Trifokalgläsern, oder fließend, wie bei den Gleitsichtgläsern - erzeugt ein Schwindelgefühl, das zu Bewegungsunsicherheiten führen kann. Doch meist gewöhnt man sich sehr rasch daran und nimmt die Übergänge zwischen den einzelnen Bereichen kaum mehr bewusst wahr.

Was sind die Nachteile von Brillen?


Brillen sind relativ preiswert und einfach in der Handhabung. Doch sie haben gegenüber Kontaktlinsen auch Nachteile:

  • Bei hohen Dioptrienwerten werden die Gläser immer dominanter: Je dicker die Gläser, um so schwerer werden sie. Die leichteren Kunststoffgläser sind empfindlicher und zerkratzen schneller.
  • An den Rändern starker Gläser entstehen leicht unangenehme Farbbrechungen.
  • Starke Brillen verzerren die Sicht zum Teil erheblich (bis zu 30 Prozent Vergrößerung oder Verkleinerung), was vor allem bei unterschiedlichen Sehstärken rechts und links ein Problem werden kann.
  • Sie schränken das Sichtfeld durch die Größe der Gläser und durch die Brillenfassung mitunter stark ein.
  • Sie können beschlagen, was auch bei manchen Berufsgruppen ein Problem sein kann.
  • Sie werden beim Sport meist als störend empfunden.

Literatur/Leitlinien/EBM:



Grehn, F.: Augenheilkunde. Springer (28.Aufl. 2002).

Lachenmayr, B.: Empfehlung zur Optischen Korrektur von Refraktionsfehlern - Brille.
http://www.augeninfo.de/leit/empfref.htm (1998).

Lang, G.K.: Augenheilkunde. Thieme (3.Aufl. 2004).

Sachsenweger, M.: Augenheilkunde. Duale Reihe. Thieme (2.Aufl. 2003).
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