Darmkrebsvorsorge
Frühzeitiges Erkennen eines Darmkrebses ermöglicht eine rechtzeitige Behandlung und führt oft zur Heilung. Daher sollten regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen unbedingt wahrgenommen werden. Dieser Text soll Hinweise und nähere Informationen zur Früherkennung und Vorsorge dieser Erkrankung geben. Die Informationen ersetzen keinen Arztbesuch und sind keine Aufforderung zur Selbstbehandlung. Vielmehr sollen diese Informationen dazu beitragen, einzelne Untersuchungsschritte besser zu verstehen und Ängste zu nehmen.
Warum wird eine Vorsorgeuntersuchung durchgeführt?
Mehr als 90 Prozent aller Menschen, die an Darmkrebs (kolorektales Karzinom, Kolonkarzinom) leiden, sind über 40 Jahre alt. Ab diesem Alter verdoppelt sich das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, alle zehn Jahre. In Deutschland erkranken jährlich etwa 57.000 Menschen neu an Darmkrebs, 30.000 versterben pro Jahr daran. Der Tumor entwickelt sich in den meisten Fällen über Jahre aus harmlosen Wucherungen der Darmschleimhaut, den so genannten Polypen. Die frühzeitige Entfernung der Polypen kann Darmkrebs verhindern.
Ab dem 50. Lebensjahr haben Frauen und Männer die Möglichkeit einer jährlichen kostenfreien Vorsorgeuntersuchung auf Darmkrebs durch den Arzt. Durch eine jährliche Wiederholung der Untersuchung besteht die Möglichkeit, den langsam wachsenden Tumor so frühzeitig zu erkennen, dass eine heilende Therapie noch möglich ist. Leider nehmen aber nur rund 15 Prozent der Männer und etwa 35 Prozent der Frauen diese Leistung in Anspruch.
Seit dem 1. Oktober 2002 haben Versicherte ab dem Alter von 55 Jahren zusätzlich Anspruch auf eine für sie kostenlose Darmspiegelung (Koloskopie) als Vorsorgemaßnahme. Die gesetzlichen Krankenkassen übernahmen diese Untersuchung ins Krebsfrüherkennungsprogramm. Der Patient kann die Koloskopie - bei unauffälligem Ergebnis und Beschwerdefreiheit - nach zehn Jahren wiederholen lassen.
Wie kann man selbst Darmkrebs erkennen?
Immer noch wird Darmkrebs häufig erst sehr spät erkannt, wenn er schon weit fortgeschritten und eine heilende Operation nicht mehr möglich ist. Deswegen hat die Früherkennung des Tumors nach wie vor eine sehr große Bedeutung. Gerade in der Frühphase seines Wachstums macht der Tumor jedoch kaum Beschwerden.
Die folgenden Krankheitszeichen, die durch einen Darmtumor verursacht werden können, gelten schon als "Spätsymptome":
- Blut- und Schleimabgang bzw. entsprechende Auflagerungen auf dem Stuhl sind, ebenso wie ein Wechsel der Stuhlgewohnheiten (Durchfälle oder Verstopfung auch im Wechsel), nach wie vor die Leitsymptome von Darmkrebs.
- Ein unbemerkter Blutverlust in den Stuhl führt zu einer Blutarmut (Anämie), die sich mit Leistungsabfall, Müdigkeit, Atemnot in Ruhe und bei Belastung und einem schnellen Pulsschlag äußern kann.
- Ein ungewollter Gewichtsverlust kann auf eine chronische zehrende Krebserkrankung hinweisen.
- Auch unklare Bauchschmerzen oder Bauchkrämpfe kommen gehäuft bei Darmkrebs vor.
Was wird bei einer Vorsorgeuntersuchung gemacht?
Zur Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchung gehört neben einer allgemeinen körperlichen Untersuchung auch eine Befragung (Anamnese) durch den Arzt nach Veränderungen beim Stuhlgang und nach den Ernährungsgewohnheiten.
Die körperliche Untersuchung beinhaltet ab dem Alter von 50 Jahren die Austastung des Enddarms (rektale Untersuchung). Dabei dringt der Arzt vorsichtig mit dem Finger in den Anus ein und tastet den Enddarm nach abnormen Veränderungen aus. Mit dem Finger lassen sich mögliche Tumoren im unteren Darmbereich ertasten. Die rektale Untersuchung kann etwas unangenehm sein, ist aber im Allgemeinen schmerzfrei.
Zur jährlichen Vorsorgeuntersuchung gehört außerdem ab dem Alter von 50 Jahren die Durchführung eines Tests auf im Stuhl verborgenes, nicht sichtbares Blut. Dieser Test wird durch den Hausarzt, Internisten, Gynäkologen bzw. Urologen durchgeführt. Dazu werden Testbriefe verwendet. Auf der einen Seite des Testbriefs trägt man auf spezielle Felder mit einem Spatel Proben aus verschiedenen Stuhlabschnitten unterschiedlicher Tage auf. Im Labor wird die andere Seite des Briefchens mit einer Testlösung beträufelt, die sich bei Kontakt mit dem roten Blutfarbstoff verfärbt (positives Testergebnis).
Auch wenn dieser Test aus anderen Ursachen positiv sein kann (z. B. bei Hämorrhoiden oder nach Fleischverzehr), so ist bei einem positiven Testergebnis oder bei geringstem klinischem Verdacht die weitere Abklärung mit einer Darmspiegelung (Koloskopie) dringend erforderlich. Diese Untersuchung wird durch den Gastroenterologen (Magen-Darm-Spezialisten) durchgeführt.
Aber auch, wenn dieser Test "negativ" ist, sollten Menschen ab dem Alter von 55 Jahren die seit dem 1. Oktober 2002 bestehende Möglichkeit zur Darmspiegelung im Rahmen der gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Sie soll nach zehn Jahren wiederholt werden. In der Zeit dazwischen sind die Stuhltests nicht erforderlich. Wird die "Vorsorge-Darmspiegelung" nicht in Anspruch genommen, bleibt es bei der Vorsorge mit dem bekannten Stuhltest, der mindestens alle zwei Jahre durchgeführt werden sollte.
Warum ist eine Darmspiegelung sinnvoll?
Nur die Darmspiegelung (Koloskopie) erlaubt die direkte Betrachtung verdächtiger Bezirke im Darm. Aus solchen Bezirken können dann gegebenenfalls gleichzeitig Gewebeproben (Biopsien) zur feingeweblichen Untersuchung unter dem Mikroskop entnommen werden.
Immer wieder gibt es einzelne kleinere gutartige Schleimhautvorwölbungen im Darm, die so genannten Polypen, die nach vielen Jahren bösartig werden können und deshalb als Darmkrebs-Vorstufe gelten. Sie können während der Koloskopie sofort abgetragen und feingeweblich untersucht werden.
Vor der Koloskopie muss der Darm vollständig vom Stuhl gereinigt werden, um die Schleimhaut beurteilen zu können. Bereits einige Tage vor der Darmspiegelung sollten keine körnerhaltigen Nahrungsmittel (z. B. Vollkornbrot, Kiwis, Trauben) gegessen werden. 24 Stunden vor der Untersuchung sollte man keine festen Speisen mehr zu sich nehmen. Dann beginnen die Abführmaßnahmen mit einem Abführmittel und einer Salzlösung.
Zusätzlich empfiehlt es sich, viel klare Flüssigkeit, z. B. Wasser oder Tee, zu trinken. Die Abführmaßnahmen können am Morgen der Untersuchung zu Hause durchgeführt werden.
Die Spiegelung des unteren Verdauungstraktes ist im Allgemeinen ein risikoarmes Routineverfahren. Trotzdem kann es in seltenen Fällen zu Komplikationen wie Verletzungen der Darmwand (v. a. bei der Probenentnahme) mit nachfolgenden Blutungen oder Perforation (Darmdurchbruch) kommen.
Wer sollte besonderen Wert auf eine Darmkrebsvorsorge legen?
Bei Personen, die ein erhöhtes Krankheitsrisiko aufweisen, sind zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll. Zu diesen Risikogruppen zählen z. B. Menschen, deren Angehörige ersten Grades an einem Kolonkarzinom erkrankt sind oder waren. Die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen empfiehlt diesen Personen, möglichst in einem Alter von zehn Jahren unterhalb des Lebensalters, in dem der bösartige Tumor bei dem Angehörigen diagnostiziert wurde, erstmals eine Darmspiegelung durchführen zu lassen. War der Verwandte zum Zeitpunkt der Erkrankung jünger als 60 Jahre, sollte die erste Darmspiegelung spätestens ab dem Alter von 40 Jahren erfolgen.
Menschen, die an Colitis ulcerosa (einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung) leiden, sollten ab einer Krankheitsdauer von acht Jahren eine Darmspiegelung vornehmen lassen, wenn ihr gesamter Darm von der Erkrankung betroffen ist. Bei regionalem Befall des Darmes reicht eine koloskopische Kontrolle nach 15 Jahren Krankheitsdauer aus. Die ersten beiden Untersuchungen sollten jährlich wiederholt werden, alle folgenden können im Abstand von zwei Jahren erfolgen.
Es gibt derzeit keine Standardempfehlung, ab wann und wie oft Personen, die an Morbus Crohn, einer weiteren chronisch-entzündlichen Darmerkrankung, leiden, sich einer Darmspiegelung unterziehen sollten. Das Vorgehen erfolgt daher in der Regel bei jedem Betroffenen individuell in Absprache mit den behandelnden Ärzten.
Menschen, die an der erblichen Familiären Adenomatösen Polyposis leiden, haben ein besonders hohes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Bei ihnen sollten, ebenso wie bei anderen selteneren Darmerkrankungen, Früherkennungs-Untersuchungen wesentlich früher und häufiger wahrgenommen werden als bei der Normalbevölkerung.
6 Was kann man selbst tun?
Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Ernährung einen wesentlichen Einfluss auf das Krebsrisiko nimmt, und eine entsprechende Kost damit Chancen für die Krebsvorsorge eröffnet.
Die deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten empfiehlt eine ausgewogene, fleisch- und fettarme sowie faserreiche Kost und den vermehrten Verzehr von Obst und Gemüse.
Auch Übergewicht wird als Risikofaktor für die Entstehung von Darmkrebs angesehen. Übergewichtige können sich daher durch Gewichtsreduktion, z. B. durch die Umstellung ihrer Ernährung sowie durch körperliche Bewegung möglicherweise vor Darmkrebs schützen.
Und nicht zuletzt sollte man natürlich die angebotenen Vorsorgeuntersuchungen nutzen.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Eickhoff A.; Maar C.; Birkner B.; Riemann J.F.: Dickdarmkrebs in Deutschland. Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahmen: Implikationen für Laien und Ärzte. Internist 44, S. 278-286 (2003).
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).
Deutsche Krebshilfe e.V.: Darmkrebs. www.krebshilfe.de
Felix-Burda-Stiftung: Darmkrebs-Monat März. www.darmkrebs.de
LebensBlicke, Stiftung Früherkennung Darmkrebs, Informationsbroschüre, http://www.lebensblicke.de
Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten: Kolorektales Karzinom.
AWMF-Leitlinien-Register Nr. 021/007. (Letzte Aktualisierung: 2004).
Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Gesellschaft für Chirurgie und Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen: Kolonkarzinom.
AWMF-Leitlinien-Register Nr. 032/011. (Letzte Aktualisierung: 2004).


