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Darmspiegelung



(Koloskopie; Endoskopie des Darms)


Was ist eine Darmspiegelung?


Bei einer Darmspiegelung (Koloskopie) wird der Dickdarm (Kolon) vom Anus bis zum Blinddarm mit einem schlauchartigen Instrument untersucht. Die Darmspiegelung gehört zu den so genannten endoskopischen Verfahren, das Instrument mit dem sie durchgeführt wird, nennt man Koloskop. Dies ist ein Spiegelgerät, das über eine Optik und eine Lichtquelle verfügt. Dieses optische System erlaubt es, das Darminnere zu beleuchten und entweder direkt oder über einen Monitor zu betrachten.

Der Arzt kann zudem über das Koloskop zangenähnliche Geräte einführen, um damit kleine Gewebeproben (Biopsien) aus der Darmschleimhaut zu entnehmen und diese dann anschließend unter dem Mikroskop zu untersuchen. Bei speziellen Fragestellungen kann versucht werden, auch die letzten Zentimeter des Dünndarms einzusehen, welcher über eine Art Klappe vom Dickdarm getrennt ist. Wird nicht der gesamte Dickdarm betrachtet, sondern nur der Enddarm (Rektum) als unterster Darmabschnitt, so spricht man von einer Rektoskopie (Enddarmspiegelung).

Die Darmspiegelung kann ambulant, meist in einer speziell dafür ausgerichteten Praxis für Innere Medizin oder durch einen Facharzt für Gastroenterologie (Magen-Darm-Heilkunde) sowie bei einem stationären Aufenthalt im Krankenhaus durchgeführt werden.

Wann wird eine Darmspiegelung durchgeführt?


Die Abklärung verschiedener Beschwerden kann eine Darmspiegelung notwendig machen. Hierzu zählen vor allem Veränderungen der Stuhlgewohnheiten, Blut im Stuhl sowie ein unklarer Gewichtsverlust oder Bauchschmerzen. Blut im Stuhl kann entweder sichtbar oder unsichtbar (okkult) sein. Unsichtbares (okkultes) Blut kann durch Stuhltestbriefchen nachgewiesen werden.

Seit dem 1. Oktober 2002 haben Versicherte ab dem 55. Lebensjahr zusätzlich Anspruch auf zwei Darmspiegelungen (Koloskopien) zur Vorsorge, die zweite davon aber erst frühestens zehn Jahre nach der ersten (unauffälligen) Untersuchung. Diese Leistung der GKV soll eine wichtige Säule in der Früherkennung von Darmkrebs darstellen. Früh erkannt, hat Darmkrebs eine sehr gute Prognose.

Untersuchungsvorbereitung


Voraussetzung für die genaue Beurteilung des Dickdarms ist eine gründliche Reinigung des
Darms. Es gibt verschiedene Methoden, eine solche Darmreinigung zu erzielen.

Bereits einige Tage vor der Darmspiegelung sollten keine körnerhaltigen Nahrungsmittel (z. B. Vollkornbrot, Kiwis, Trauben) gegessen werden. 24 Stunden vor der Untersuchung sollte nichts mehr gegessen werden. Dann beginnen die Abführmaßnahmen mit einem Abführmittel und einer Salzlösung.

Zusätzlich empfiehlt es sich, viel klare Flüssigkeit, z. B. Wasser oder Tee, zu trinken. Die Abführmaßnahmen können am Morgen der Untersuchung zu Hause durchgeführt werden.

Wie wird eine Darmspiegelung durchgeführt?


Die Untersuchung kann ambulant oder im Krankenhaus durchgeführt werden. Das Koloskop, ein biegsames Instrument, bestehend aus einem Schlauch mit einer Optik und einer Lichtquelle, wird durch den Anus in den Enddarm, das Rektum, eingeführt. Dann wird Luft eingelassen, um den Darm zu entfalten und so die Sicht zu verbessern. Der Schlauch wird den Biegungen des Darmes folgend bis zum Ende des Dickdarms, dem Blindarm, vorgeschoben.

Der Weg des Koloskops zieht vom Anus nach links oben in den s-förmigen Dickdarm, von dort über den absteigenden Dickdarm an der linken Körperhälfte nach oben. Nach einer scharfen Biegung nach rechts, in Höhe der unteren Rippen, verläuft der quere Dickdarm entlang der Rippen, um nach einer weiteren Biegung, als absteigender Dickdarm, in den rechten Unterbauch zu ziehen. Hier mündet der Dünndarm in den Dickdarm, der gegebenenfalls auf den letzten Zentimetern eingesehen werden kann. Vereinfacht dargestellt verläuft der Weg des Koloskops also entgegen den Uhrzeigersinn am Außenrand des Bauches entlang. Bei sehr gewunden verlaufendem Darm kann es notwendig sein, den Darm zu schienen, indem eine zweite helfende Person von außen auf den Bauch drückt.

Erkennt der Untersucher Veränderungen an der Darmschleimhaut, kann er über das Endoskop eine Zange vorschieben, mit der er Gewebeproben (Biopsien) entnehmen kann. Das gewonnene Gewebe wird unter dem Mikroskop auf Bösartigkeit, Entzündung oder Ähnliches hin untersucht.

Auch Polypen, das sind kleine Tumore, die in die Darmlichtung vorwachsen, können mit einer vorgeschobenen Elektroschlinge abgetragen werden. Diese Eingriffe sind in der Regel schmerzlos. Die Möglichkeit der Polypenabtragung ist eine der größten Vorzüge der Koloskopie, da sich Darmkrebs in der Regel über Jahre aus bestimmten Polypen entwickelt. Durch eine Polypenentfernung kann so wirksam der Entstehung von Darmkrebs vorgebeugt werden.

Auch flache Schleimhautveränderungen können über das Endoskop angesaugt und abgetragen werden.

Ist die Untersuchung schmerzhaft oder unangenehm?


Die Vorbereitung für eine Darmspiegelung, vor allem das Abführen und die Nahrungskarenz, werden von vielen Patienten als belastender empfunden als die Untersuchung selbst. Durch das Einblasen der Luft, die vielen Windungen des Darmes und das eventuell notwendige Schienen des Darmes kann eine Koloskopie allerdings nicht nur unangenehm, sondern manchmal auch schmerzhaft sein.

Eine beruhigende und schmerzstillende Spritze vor der Untersuchung kann solche unangenehmen Empfindungen aber weitgehend vermeiden, und der Patient hat dann oftmals auch keine Erinnerung an die Untersuchung mehr.

Nach der Untersuchung kann die eingegebene Luft zu Blähungen führen, die auf natürlichem Wege abgelassen werden können.

Welche Krankheiten können erkannt werden?


Eine wichtige Funktion der Koloskopie ist die Früherkennung von Darmkrebs, der - rechtzeitig erkannt - durch eine Operation in den meisten Fällen geheilt werden kann. Wichtig ist dies einerseits bei Patienten mit einer erblichen Belastung für Darmkrebs, andererseits bei Patienten mit verdächtigen Symptomen wie Blut im Stuhl, veränderten Stuhlgewohnheiten oder unbeabsichtigtem Gewichtsverlust sowie bei älteren Menschen über 55 Jahre.

Vorstufen einer späteren Darmkrebserkrankung sind Polypen, die endoskopisch entfernt und feingeweblich unter dem Mikroskop untersucht werden können. Je nach Schwere möglicher Zellveränderungen werden Kontrolluntersuchungen in unterschiedlichen Abständen empfohlen. Ist ein entfernter Polyp bereits zu Krebs entartet, ist in der Regel die operative Entfernung des betroffenen Darmabschnittes notwendig.

Eine häufige gutartige Erkrankung sind Ausstülpungen der Darmschleimhaut bzw. der gesamten Darmwand, so genannte Divertikel, die koloskopisch leicht erkannt werden können. Weitere wichtige Erkrankungen, die durch eine Koloskopie festgestellt werden können, sind chronische Darmentzündungen wie der Morbus Crohn und die Colitis ulcerosa, die nicht so häufig wie die vorher genannten Erkrankungen sind. Seltener finden sich Blutgefäßveränderungen der Schleimhaut als Ursache für Blut im Stuhl.

Welche Risiken und Komplikationen gibt es?


Die Spiegelung des unteren Verdauungstraktes ist im Allgemeinen ein risikoarmes Routineverfahren. Trotzdem kann es in seltenen Fällen zu Komplikationen kommen.

Selten kommt es zu Verletzungen der Darmwand mit nachfolgenden Blutungen. Insbesondere die Entnahme von Gewebeproben kann Blutungen auslösen, die aber meist von selbst aufhören. Sehr selten kommt es zu stärkeren Blutungen, die durch das Einspritzen von blutstillenden Medikamenten sofort behandelt werden können.

Noch seltener wird die gesamte Wand des Dickdarmes durchstoßen. Dies nennt man Perforation und bedarf in der Regel einer sofortigen Operation. Durch Bakterien, die so in die Bauchhöhle gelangen, kann es dann zu einer Bauchfellentzündung kommen. Im Allgemeinen hängt das Komplikationsrisiko von der Art und dem Ausmaß der Dickdarmerkrankung ab.

Auch allergische Reaktionen auf die Beruhigungsspritze können auftreten, die sich als Brechreiz, Juckreiz oder Ausschlag äußern können und meist von alleine wieder abklingen. Äußerst selten kann es zu einem allergischen Schock kommen.

Weiterhin selten werden Atmung und Kreislauf beeinträchtigt, zum Beispiel durch das Beruhigungsmittel. Durch die Überwachung während der Untersuchung können solche Probleme frühzeitig erkannt und behandelt werden.

In seltenen Fällen können Keime in die Blutbahn verschleppt werden und eine Blutvergiftung (Sepsis) hervorrufen. Patienten mit geschädigten oder künstlichen Herzklappen müssen vor der Untersuchung ein Antibiotikum bekommen, um die Ansiedlung von Bakterien auf den Klappen zu vermeiden.

Was ist nach der Untersuchung zu beachten?


Wenn der Patient vor einer Koloskopie eine Beruhigungsspritze bekommen hat, wird er nachher meist erst einmal ausschlafen. Ist der Patient wieder völlig wach, kann er eine Mahlzeit einnehmen. Nach einer Beruhigungsspritze darf er 24 Stunden lang nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen.

Bei Schmerzen oder Blutabgang über den Anus im Anschluss an eine Darmspiegelung ist ein Arzt zu informieren.

Welche alternativen Untersuchungsmethoden gibt es?


Krankhafte Veränderungen im Bereich des unteren Verdauungstraktes können unter Umständen auch durch eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel sichtbar gemacht werden (Kontrasteinlauf). Die Röntgenuntersuchung ist allerdings weniger empfindlich, so dass kleine Veränderungen oder Frühstadien von Erkrankungen nicht gesehen werden können. Neben der Belastung mit Röntgenstrahlen ist ein weiterer Nachteil, dass keine Gewebeproben entnommen werden können und keine Behandlung erfolgen kann. Vorteile kann ein Kontrasteinlauf bei der Darstellung von entzündlichen Gängen zwischen Darm und anderen Organen (Fisteln) und bei Engstellen innerhalb des Darmes haben, die mit dem Koloskop nicht zu überwinden sind.

Von einigen Kliniken wird seit einiger Zeit eine so genannte virtuelle Koloskopie mittels CT (Computertomografie = Röntgen-Schichtaufnahmen des Körpers, CT-Kolographie) oder MRT (Magnet-Resonanz-Tomografie = Schichtaufnahmen des Körpers mittels Magnetwellen, MR-Kolographie) angeboten, doch sind diese Methoden kein gleichwertiger Ersatz für die konventionelle Darmspiegelung.

Bei der virtuellen Koloskopie wird der gesamte Bauchraum eines Patienten durchleuchtet (gescannt). Diese Untersuchung dauert insgesamt etwa drei bis fünf Minuten. Ein Hochleistungscomputer errechnet mit den gewonnen Daten dreidimensionale Bilder, die als virtueller Durchflug durch den Darm des Patienten simuliert werden. Dabei können (größere) Darmpolypen oder ein Darmtumor erkannt werden.

Vor der Untersuchung erhält der Patient ein Medikament, das den Darm für etwa zehn Minuten ruhig stellt, ansonsten aber kaum belastet. Dann werden etwa zwei bis vier Liter Luft über einen dünnen Schlauch in den Dickdarm gepumpt. Wie bei der normalen Darmspiegelung muss auch für die virtuelle Koloskopie der Darm sauber sein. Das heißt, die Patienten müssen Abführmaßnahmen wie vor einer Darmspiegelung durchführen.

Allen "Alternativ-Methoden" ist gemeinsam, dass die Sicht auf die Schleimhaut und damit ihre Beurteilung nur indirekt möglich ist und bei verdächtigen Bezirken auch keine Proben entnommen werden können. Größere Tumoren kann man damit wahrscheinlich erkennen, bei kleinen Veränderungen ist dies sicher schwieriger. Allerdings werden die technischen Geräte in der Dickdarm-Diagnostik fortlaufend weiterentwickelt.


Literatur/Leitlinien/EBM



Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).

Eickhoff A., Riemann J.F.: Stellenwert der Rektoskopie und Koloskopie für den Internisten. Der Internist 7, S. 873-882 (2003).

LebensBlicke, Stiftung Früherkennung Darmkrebs, http://www.lebensblicke.de

Stein, J.: Funktionsdiagnostik in der Gastroenterologie. Medizinische Standards. Springer (2001).

Hahn, E.G.; Riemann, J.F.: Klinische Gastroenterologie. Thieme (2000).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Kolorektales Karzinom: Prävention und Früherkennung in der asymptomatischen Bevölkerung - Vorsorge bei Risikogruppen - Endoskopische Diagnostik und Therapie von Polypen und Karzinomen. (2004)
http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF
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