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Psychoanalyse




Was ist Psychoanalyse?


Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Psychoanalyse entwickelt. Sie ist das älteste und wohl bekannteste psychotherapeutische Verfahren und basiert auf der Annahme, dass menschliches Erleben und Handeln nicht nur auf einer bewussten Ebene geschieht, sondern dass außerdem unbewusste Einflüsse auf das Denken, Fühlen und Handeln eines Menschen wirken.

Die Psychoanalyse geht davon aus, dass die Psyche jedes Menschen drei Instanzen umfasst:
  1. Das "Es", das nach der Befriedigung von Lust und Trieben strebt.
  2. Das "Über-Ich", welches das Gewissen repräsentiert und von den Wertvorstellungen der Eltern und der Umwelt geprägt ist.
  3. Das "Ich" als Vermittler zwischen "Es", "Über-Ich" und der Realität.
Die klassische Theorie postuliert fünf Stufen der seelischen Entwicklung bis zum Jugendalter: die orale, anale, phallische, Latenz- und genitale Phase. Durch verdrängte traumatische Erlebnisse können auf jeder Stufe Konflikte zwischen dem "Ich" und "Es" auftreten und zu seelischen Krankheiten führen.

Die Symptome dienen der Verdrängung bzw. der Abwehr unbewusster Konflikte. Das Ziel der Behandlung besteht darin, das unbewusste Konfliktmaterial aufzudecken und die Ursachen zu bearbeiten.

Woher kommt die Psychoanalyse?


Begründer der Psychoanalyse ist der Wiener Neurologe Sigmund Freud (1856 bis 1939). Freud arbeite als Psychiater in Wien und setzte zunächst vor allem Hypnose und "freie Assoziation" zur Behandlung seelischer Krankheiten ein.

Durch die Erfahrungen, die er dabei mit den Patienten machte, entwickelte er seine Theorien und Therapietechniken.

Die Theorien Freuds werden im Kern heute noch gelehrt, auch wenn sie durch Freuds Schüler stets weiterentwickelt wurden. Wichtige Schüler Freuds sind beispielsweise Alfred Adler und Carl Gustav Jung. Ausgehend von Freuds Gedanken gründeten sie neue psychotherapeutische Richtungen.

Wie läuft eine psychoanalytische Behandlung ab?


Bei der klassischen Psychoanalyse liegt der Patient auf einer Couch. Der Analytiker sitzt am Kopfende, sodass der Patient den Therapeuten nicht sieht. Dies soll bewirken, dass er sich entspannen und auch unangenehme Dinge frei erzählen kann. Er soll "frei assoziieren" d. h. alles sagen, was ihn gerade bewegt, ohne weiter nachzudenken. Besonders interessant sind dabei die Inhalte von Träumen, die unbewusste Konflikte zum Ausdruck bringen können.

Bei der Psychoanalyse spielen innerhalb der Beziehung zwischen dem Therapeuten und dem Patienten die Mechanismen der "Übertragung" und "Gegenübertragung" eine entscheidende Rolle. Unter "Übertragung" versteht man, dass der Betroffene eigene Gedanken, Gefühle, Wünsche und Ängste, die er eigentlich anderen Personen wie zum Beispiel dem Partner, der Mutter oder dem Vater gegenüber hat, auf den Therapeuten überträgt. Unter "Gegenübertragung" wird die bewusste sowie unbewusste Reaktion des Therapeuten auf den Patienten verstanden. Dadurch wird der Analytiker in die Lage versetzt, die inneren Prozesse seines Patienten wahrzunehmen, die er in einem anschließenden Schritt deutet. So können verdrängte traumatische Erlebnisse und unbewusste Konflikte wieder ins Bewusstsein gelangen. Die klassische Psychoanalyse (psychoanalytische Langzeittherapie) dauert in der Regel mehrere hundert Stunden; der Patient wird also über mehrere Jahre psychotherapeutisch behandelt.

Über die Psychoanalyse gibt es zur Zeit nur wenige kontrollierte Studien, die ihre Wirksamkeit wissenschaftlich belegen. Für neuere Verfahren, wie die psychoanalytische Kurztherapie und die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, liegen allerdings klinische Wirksamkeitsnachweise vor. Beide Verfahren basieren auf der Psychoanalyse, im Gegensatz zur klassischen Methode liegt der Patient aber nicht auf der Couch, sondern sitzt dem Therapeuten gegenüber. Das Ziel ist nicht die Veränderung der gesamten Persönlichkeit, sondern die Auflösung bzw. die Verringerung der vorliegenden Symptomatik sowie die Aktivierung schon vorhandener Lösungsansätze.

Ein weiterer Unterschied liegt in der zeitlichen Begrenzung. Sowohl in der Kurztherapie als auch in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie gibt es ein zeitliches Limit (50 bis 100 Stunden) und eine klare Zielorientierung. Entscheidend für den Erfolg dieser Verfahren ist, dass der Therapeut über genügend Erfahrung verfügt und der Patient bereit ist, sich auf die therapeutische Beziehung einzulassen.

Für wen ist Psychoanalyse geeignet?


Da in der psychoanalytischen Therapie Konflikte aufgedeckt und bearbeitet werden, kann es den Betroffenen zeitweise schlechter gehen als zuvor. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die Patienten über ein recht hohes Maß an Reflektionsfähigkeit und über eine gewisse Stabilität verfügen.
Bei Psychosen und Persönlichkeitsstörungen muss sehr vorsichtig vorgegangen werden, da die intensive Beziehungsarbeit und die regressiven Prozesse ein Fortschreiten der Krankheit bewirken kann.

Während der gesamten Behandlung sitzen sich Therapeut und Patient gegenüber, außerdem ist der Therapeut direktiver und gibt eine klare Strukturierung der Sitzungen vor. Wichtig für den Patienten ist dabei, dass er eine dauerhafte Beziehung zum Therapeuten hat, sich verstanden fühlt und auch Seiten von sich zeigen kann, die normalerweise von anderen negativ bewertet werden. In jedem Fall sollten Vorgespräche klären, ob beide Seiten sich eine Zusammenarbeit vorstellen können.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Auchter, T.: Kleines Wörterbuch der Psychoanalyse. Vandenhoeck & Rupprecht (1999).

Grawe, K.: Psychotherapie im Wandel: Von der Konfession zur Profession. Hogrefe (1994).

Kriz, J.: Grundkonzepte der Psychotherapie. Psychologie Verlags Union (1994).

Wöller, W.: Tiefenpsychologische fundierte Psychotherapie. Schattauer (2002).

www.psychiatrie.de/therapien/psychoanalyse
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