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Riechprüfung




Was ist eine Riechprüfung?


Die Riechprüfung (Olfaktometrie) dient der Bestimmung des menschlichen Geruchsvermögens.
Bekannte Geruchsstoffe aktivieren normalerweise bestimmte Nervenzellen in der Nase, die Signale an das Gehirn über den Riechnerven, den Nervus olfactorius, weiterleiten.
Man unterscheidet eine subjektive und eine objektive Riechprüfung.

Warum wird ein Riechtest durchgeführt?


Es gibt gute und schlechte "Riecher". Frauen können in der Regel besser riechen als Männer.
Im Gegensatz zu anderen Sinneszellen sind Riechsinneszellen in der Lage, sich zu regenerieren - so erlangen beispielsweise Raucher, wenn sie ihr Laster aufgegeben haben, wieder einen besseren Geruchssinn.

Bei vielen Menschen wird aber schon ab dem 40. Lebensjahr der Geruchssinn schlechter. Das betrifft sowohl die Wahrnehmung eines Geruches als auch seine Identifizierung. Welche Ursachen sich dahinter verbergen, ist noch nicht abschließend geklärt, aber sicher spielt auch hier der altersbedingte "Verschleiß" der Geruchszellen eine Rolle.

Hyposmie nennen Ärzte dagegen eine Erkrankung, bei der das Riechvermögens teilweise verloren gegangen ist. Anosmie ist der medizinische Begriff für das vollständige Unvermögen zu riechen. Ein gestörter oder fehlender Geruchssinn ist zwar nicht lebensbedrohlich, aber auch keineswegs ungefährlich. Schließlich fehlt ein wichtiges Alarmsystem, denn der Geruchssinn kann auf Gefahren wie Brände oder giftige Dämpfe aufmerksam machen. Ohne ihn würden wir auch nicht vor verdorbenen Lebensmitteln gewarnt. Der Geruchsverlust kann langfristig zu Appetitlosigkeit oder sogar zu Depressionen führen.

Wie funktioniert die subjektive Riechprüfung?


Eine subjektive Riechprüfung ist eine qualitative Orientierungsprüfung, bei der verschiedene Substanzen vor bzw. nach Abschwellen der Nasenschleimhaut jeweils getrennt vor eines der beiden Nasenlöcher gehalten werden.
Hier unterscheidet man verschiedene Riechstoffe:
  • Reine Riechstoffe (Stoffe, die ausschließlich den Riechnerv reizen): z. B. Kaffee, Vanille, Wachs, Zimt, Lavendel
  • Riechstoffe, die zusätzlich einen bestimmten sensiblen Gesichtsnerven reizen (mit so genannter Trigeminusreizkomponente): z. B. Menthol, Essigsäure, Formalin
  • Riechstoffe mit zusätzlicher Geschmackskomponente: z. B. Chloroform, Pyridin.
Bei völligem Ausfall des Riechvermögens werden reine Riechstoffe überhaupt nicht wahrgenommen, die Riechstoffe aus den beiden anderen Gruppen zumindest gespürt bzw. geschmeckt.

Wie funktioniert die objektive Riechprüfung?


Diese Riechprüfung ermöglicht es, die Reaktion auf Riechstoffe objektiv zu erfassen. Der Patient kann das Ergebnis also weder beeinflussen oder gar manipulieren. Die objektive Riechprüfung hat deshalb eine besondere Bedeutung bei gutachterlichen Fragestellungen.

Computergesteuert werden dabei die durch einen Reiz ausgelösten Hirnströme (evozierte EEG-Potentiale) gleichzeitig abgeleitet und ausgewertet.

Wodurch kann das Riechvermögen beeinträchtigt werden?


Bei Erkältungen und Allergien (z. B. Heuschnupfen) kann man, vor allem wegen der geschwollenen Schleimhäute, schlechter riechen. Auch bei Nasenpolypen oder Mandelentzündungen ist der Geruchssinn oft vermindert.

Geruchsstörungen werden auch durch Verletzungen und Schädigungen der Nase, des Riechnerven oder des Riechzentrums im Gehirn bei Unfällen oder durch eingeatmete (z. B. Reizgase) oder eingenommene (z. B. Medikamente) Giftstoffe verursacht.

Ein schlechtes Riechvermögen kann aber auch auf Allgemeinerkrankungen hinweisen, z. B. auf Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Bluthochdruck oder auf eine Mangel- oder Fehlernährung.

Die Ursache für Geruchsstörungen bei der Parkinson- und der Alzheimerkrankheit liegen direkt im Gehirn. Dort finden sich Zellschäden im Riechhirn. Untersuchungen haben gezeigt, dass rund 80 Prozent aller Parkinson- und Alzheimer-Patienten an Geruchsstörungen leiden.

Was ist der Erlanger Riechtest?


Da das Riechvermögen bei Parkinson- und Alzheimerkranken schon sehr früh gestört ist, bietet es sich für die frühe Diagnose der Erkrankung an. Dazu entwickelten Erlanger Wissenschaftler einen speziellen Geruchstest.

Es handelt sich um so genannte Sniffin-Sticks: Spezielle Duftstifte, die wie gewöhnliche Filzstifte aussehen und nach Zimt, Haushaltsreiniger, Pizza, Orange, Terpentin oder Pfefferminz riechen.

Insgesamt 16 verschiedene Gerüche aus der Alltagswelt stecken in den Duftstiften. So kann man beurteilen, welche und ab welcher Stärke der Patient Gerüche wahrnimmt.

Kann man Störungen des Riechsinnes behandeln?


Wird die Riechstörung durch ein Medikament ausgelöst, entscheidet der Arzt, ob man es weglassen, die Dosis herabsetzen oder durch ein anderes Mittel ersetzen kann und so den Geruchssinn wieder verbessert.

Insbesondere wenn Nasenerkrankungen wie Allergien, Polypen oder Entzündungen der Nasennebenhöhlen beseitigt werden, können die Betroffenen anschließend meist wieder wesentlich besser riechen.

In vielen Fällen erholt sich die Riechstörung auch von ganz alleine.

Wichtig ist aber vor allem, die genaue Ursache der Riechstörung herauszufinden. Dazu können Untersuchungen bei verschiedenen Fachärzten wie dem Hals-Nasen-Ohren-Arzt, einem Neurologen (Nervenarzt) oder einem Allgemeinarzt notwendig sein. Nur so kann die Störung des Geruchsinnes gezielt und sinnvoll behandelt werden.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Boenninghaus, H. G.: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Springer (11. Auflage 2000).

Differentialdiagnostik in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme (2. Auflage 1998).

HNO-Klinik der Universität Dresden: Riech- und Schmeckstörungen, Informationsseite für Patienten.

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) Leitlinien der Dt. Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie
(Leitlinien-Register Nr. 017/050).
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