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Rückenschulung



Was versteht man unter Rückenschulung?


Unter Rückenschulung versteht man Bewegungsübungen, die - regelmäßig durchgeführt - zu einer Änderung des persönlichen Bewegungsverhaltens und der Körperhaltung führen. Ziel ist es, die Wirbelsäule als zentrales Halte- und Stützorgan zu entlasten und so das Auftreten von Rückenschmerzen zu vermeiden oder bestehende chronische Beschwerden zu mildern.

In der Regel beinhaltet ein Rückenschulungsprogramm folgende Bausteine:
  • Theoretische Unterrichtseinheiten zu Wirbelsäule, Bandscheiben, Rückenmuskulatur, Bindegewebe und Nerven
  • Theoretische und praktische Unterrichtseinheiten zu rückengerechten Bewegungsabläufen und rückenkräftigender Gymnastik
  • Verhaltensschulende bzw. psychologische Ansätze zur Schmerzbewältigung


Wann sollte man eine Rückenschulung durchführen?


Verschiedenen Umfragen zu Folge leidet über die Hälfte aller Deutschen mindestens einmal jährlich unter Rückenschmerzen. Plötzlich auftretenden Beschwerden bilden sich in den meisten Fällen spontan zurück. Lang andauernde oder immer wiederkehrende Schmerzen sollte man hingegen von einem Arzt abklären lassen. Seine Aufgabe ist es, Beschwerden, die durch eine Fehlbelastung entstehen (funktionelle Beschwerden), von organischen Beschwerden (z. B. Bandscheibenvorfall) zu unterscheiden.

Erst wenn nachweislich keine Erkrankung vorliegt, die einer speziellen Therapie bedarf, ist die Teilnahme an einem Rückenschulungsprogramm sinnvoll. Nur derjenige, der wirklich bereit ist, seine Lebensgewohnheiten zu ändern, kann mit einem anhaltenden Erfolg rechnen. Die Rückenschulung ist ein Weg, der mit der Zeit zu Schmerzbesserung oder gar Schmerzfreiheit führt.

Wann sollte eine Rückenschulung nicht durchgeführt werden?


Wie bereits erwähnt, sollten die Ursachen der Rückenschmerzen durch einen Arzt abgeklärt sein.
Eine Rückenschulung sollte unter anderem nicht durchgeführt werden bei:
  • Akuten Rückenschmerzen
  • Einem Bandscheibenvorfall mit Nervenausfall
  • Entzündlichen Veränderungen der Wirbelsäule
  • Kreislaufstörungen
  • Fieberhaften Infekte
  • Operationen, die nicht länger als ein halbes Jahr zurückliegen
  • Wenn während des Schulungsprogramms Schmerzen auftreten

Bei Unklarheiten sollte immer der Arzt zu Rate gezogen werden.

Wo kann man eine Rückenschulung durchführen?


Rückenschulungsprogramme finden in aller Regel unter Anleitung eines erfahrenen Krankengymnasten (Physiotherapeut) statt. Dieser wird die Schulung entweder in seiner Praxis, in Anbindung an das Gesundheitszentrum eines Krankenhauses oder in einer kommunalen Einrichtung (z. B. Familienbildungsstätte) durchführen.

Oftmals sind diese Schulungen auch Bestandteil einer ambulanten oder stationären Rehabilitationsmaßnahme.

Bücher, CDs oder Fernsehen können eine gute Grundlage sein, das erworbene Wissen zu vertiefen oder aufzufrischen. Sie können jedoch gerade in der Anfangsphase die Anleitung und Kontrolle durch den Therapeuten nicht ersetzen.

Gibt es Rückenschulungsprogramme für den Arbeitsplatz?


Im Alltagsleben (z. B. beim Bücken und Heben im Haushalt) verhalten wir uns oft falsch. Auch am Arbeitsplatz kommt es zu Fehlhaltungen und ungünstigen Bewegungsabläufen. Die Rückenschulung beinhaltet deshalb meist auch Übungen, die in kurzen Pausen am Arbeitsplatz durchgeführt werden können.

Rückenschulungsprogramme am Arbeitsplatz sind nachweislich förderlich für Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter. Daher bieten einige Arbeitgeber solche Programme mittlerweile an.

Ist eine apparative Unterstützung bei der Rückenschulung sinnvoll?


Reine Gymnastik kann das apparative Krafttraining nicht ersetzen, so heißt es aus dem Forschungs- und Präventionszentrum (FPZ) in Köln. Dort argumentiert man, dass die menschliche Muskelkraft abhängig von der Position der Gelenke variiert und daher ein optimales Training einzelner Muskelgruppen nur möglich ist, wenn die Gelenke, zwischen denen ein Muskel verläuft, durch Geräte fixiert sind.

In vielen Fitnessstudios wird mittlerweile eine "Rückenschule" in Gruppenunterricht angeboten. Diese beinhaltet sowohl Gymnastik- als auch Geräteeinheiten. Jeder sollte für sich selbst entscheiden, ob er seine "Rückenschuleneinheiten" gegebenenfalls auch noch mit Geräten unterstützen möchte.

Wodurch zeichnen sich geeignete Trainer und Einrichtungen aus?


Einen Wegweiser zur Bewertung geeigneter Fitnessstudios hat das Deutsche Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e.V. (DVGS) entwickelt. Folgende Kriterien müssen Studios mit Gütesiegel erfüllen:

Jede Fitnessanlage muss mindestens einen hauptamtlich tätigen sportlichen Leiter mit folgenden Qualifikationen beschäftigen:
  • abgeschlossenes Hochschulstudium im Fach Sport (Diplom, Magister oder Sekundarstufe II)
  • mindestens sechs Monate Berufserfahrung in einer gesundheitsorientierten Fitnesseinrichtung oder einer vergleichbaren Trainingsinstitution
  • regelmäßige sport- und trainingswissenschaftliche Fortbildungsveranstaltungen


Als qualifiziertes Trainerpersonal gelten:
  • staatlich geprüfte Krankengymnasten
  • Sport-Physiotherapeuten
  • staatlich anerkannte Sport- und Gymnastiklehrer
  • DVGS-lizenzierte Fitness-Trainer
  • A-Lizenz-Inhaber der Deutschen Fitnesslehrervereinigung e. V. (dflv)


Kriterien für hochwertige Geräteparks sind:
  • individuell dosierbare Trainingsgeräte
  • mindestens 30 Prozent Ausdauergeräte
  • geprüfte Gerätesicherheit
  • strukturiertes Angebot für Anfänger und Fortgeschrittene
  • verbindliche Angebote zu präventivem Herz-Kreislauftraining, präventivem Rückentraining, Entspannung und Gymnastik
  • Wohlfühl-Atmosphäre
  • Sauberkeit, Hygiene und großzügige Räumlichkeiten

Impressum


Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: September 2000
Autor: Klaus Pricken (Facharzt für Chirurgie)
Letzte Aktualisierung: Juli 2005
Durch: Ulrich Kraft (Arzt)

Literatur/Leitlinien/EBM:


Cochrane Library, Issue 2, 2005: Back schools for non-specific low-back pain (Cochrane Review)

Cochrane Review: Back schools (1999).

Evaluation Rückenschulprogramme Bundesministerium für Gesundheit (1996).

Forschungs- und Präventionszentrum Köln (2000).

Informationsbroschüren der Verwaltungsberufsgenossenschaft (2000).

Physiotherapie Manual, BDA - Berufsverband der Allgemeinärzte Deutschlands - Hausärztebund - e.V. und ZVK - Deutscher Verband für Physiotherapie - Zentralverband der Physiotherapeuten/ Krankengymnasten e. V. (Juli 2001).

Van den Berg, F.: Angewandte Physiologie, Bd. 3. Therapie, Training, Tests. Thieme (2000).

Werner, G. et al.: Checkliste Physikalische und Rehabilitative Medizin. Thieme (2001).

Kolster, B.: Leitfaden Physiotherapie. Urban & Fischer (2002)
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