Schilddrüsen-Szintigrafie
Was ist eine Szintigrafie?
Die Szintigrafie gehört zu den bildgebenden Verfahren in der Medizin. Im Gegensatz zu einfachen Röntgenbildern geht es hierbei nicht um die Abbildung der Struktur eines Organs oder Knochens, sondern um die Darstellung der Organfunktion.
Szintigrafische Untersuchungen werden in der Diagnostik unterschiedlicher Erkrankungen eingesetzt. Dafür werden radioaktiv markierte Substanzen (Radiopharmaka, Tracer) mit geringer Strahlung und kurzer Halbwertzeit (Zeit, nach der die Hälfte der anfänglich vorhandenen Substanz abgebaut ist) in den Körper gespritzt. Sie verteilen sich entsprechend ihrer chemischen Struktur sowie einer möglicherweise erhöhten Stoffwechselaktivität des Organismus.
Mit Hilfe spezieller leistungsstarker Kameras (Gamma-Kamera) wird die Strahlung von außen gemessen. Ein Computer errechnet dann daraus ein Bild.
Wie funktioniert eine Schilddrüsen-Szintigrafie?
Die Schilddrüse produziert Schilddrüsenhormone (z. B. Thyroxin), deren Hauptbestandteil Jod ist. Für eine Schilddrüsen-Szintigrafie verwendet man entweder radioaktives Jod-123 oder radioaktives Technetium-99m. Eine dieser Substanzen wird in die Vene der zu untersuchenden Person gespritzt. Sie wird dann von der Schilddrüse aufgenommen.
15 bis 20 Minuten danach werden mit einer Gamma-Kamera die radioaktive Strahlung dieser Substanz und damit ihre Verteilung innerhalb der Schilddrüse gemessen. So können Rückschlüsse auf den Funktions-Stoffwechsel der gesamten Schilddrüse sowie einzelner Regionen, zum Beispiel von Gewebeknoten, gemacht werden. Es kann z. B. festgestellt werden, ob in einem Knoten vermehrt Schilddrüsenhormone produziert werden (heißer Knoten) oder ob keine Hormonproduktion stattfindet (kalter Knoten).
Wie groß ist die Strahlenbelastung für den Patienten?
Moderne Radiopharmaka haben eine Halbwertzeit von wenigen Stunden. Die physikalische Halbwertszeit beträgt für Jod-123 ca. 13 Stunden, für Technetium-99m ca. 6 Stunden.
Dies hat es ermöglicht, die Strahlenbelastung für den Patienten erheblich zu reduzieren.
Wie jedes andere medizinische Verfahren wird auch die Szintigrafie nur dann durchgeführt, wenn der Nutzen durch die so gewonnenen Informationen für den Patienten größer ist als das Risiko der Strahlenaussetzung. Die Belastung für den Körper ist bei beiden Isotopen Jod und Technetium sehr gering und liegt unter der einer herkömmlichen Röntgenuntersuchung.
Bei schwangeren Frauen und während der Stillzeit sollte eine Schilddrüsen-Szintigrafie allerdings nicht durchgeführt werden.
Welche Schilddrüsen-Untersuchungen gibt es?
Eine gesunde Schilddrüse ist am Hals zu tasten, jedoch nicht sichtbar. Eine leicht vergrößerte Schilddrüse (Struma) kann man, insbesondere bei Zurückneigen des Kopfes, und bei deutlicher Vergrößerung auch bei normaler Kopfhaltung sehen. Diese Vergrößerung kann mit oder ohne Knotenbildung einhergehen. Zusätzlich treten gelegentlich Missempfindungen beim Tragen hochgeschlossener Kleidung, Schluckbeschwerden, ein Engegefühl im Halsbereich und Atemstörungen beim Einatmen auf. Außerdem können die Halsvenen hervortreten und die Stimme heiser werden.
Eine zusätzliche Hormonstörung der Schilddrüse äußert sich entweder durch eine Überfunktion (Hyperthyreose) oder eine Unterfunktion (Hypothyreose). Hinweise für eine Überfunktion sind vermehrte Nervosität, Zittern, schneller Herzschlag und übermäßiges Schwitzen. Auch hinter Gewichtsverlust trotz Appetitanstieg, Durchfällen und Haarausfall kann sich eine Hyperthyreose verbergen. Für eine Unterfunktion der Schilddrüse sind Beschwerden wie ständige Müdigkeit, Leistungsminderung und Antriebslosigkeit, Verlangsamung und Kälteempfindlichkeit typisch. Eine Gewichtszunahme, Verstopfung, eine heisere und raue Stimme sowie eine trockene und teigige Haut können ebenfalls im Rahmen einer Hypothyreose auftreten. Manchmal führt die Unterfunktion der Schilddrüse auch zu Depressionen.
Nach einem Gespräch mit dem Arzt über die vorliegenden Beschwerden und einer körperlichen Untersuchung werden weitere diagnostische Maßnahmen durchgeführt.
Zunächst bestimmt man die Schilddrüsenhormone (TSH basal, fT3, fT4) im Blut. Durch eine Ultraschalluntersuchung können Form, Größe und Aufbau der Schilddrüse beurteilt werden.
Die Schilddrüsen-Szintigrafie dient in erster Line dazu, einen Zusammenhang zwischen einer (äußerlich erkennbaren) Formveränderung und der Funktion der Schilddrüse herzustellen.
Wenn eine Operation der Schilddrüse geplant ist, werden die Stimmbandfunktion und der Kalziumspiegel im Blut kontrolliert. Zu weiterführenden Untersuchungen der Schilddrüse zählen zusätzliche Bluttests (z. B. Autoantikörper-Test, TRH-Test), Röntgenuntersuchungen des Brustkorbes und der Luftröhre, Schichtaufnahmen (CT, MRT) sowie die Punktion von Schilddrüsengewebe.
Was ist der Unterschied zur Radiojodtherapie?
Sowohl die Szintigrafie als auch die Radiojodtherapie der Schilddrüse beruhen darauf, dass die Schilddrüse aktiv Jod oder chemisch ähnliche Stoffe (z. B. Technetium) anreichert, um daraus das Schilddrüsenhormon zu bilden.
Während es bei der Szintigrafie darum geht, diesen Vorgang für eine bildliche Darstellung nutzbar zu machen, hat die Radiojodtherapie das Ziel, Hormon produzierende Zellen zu zerstören. Das bedeutet, dass bei der Radiojodtherapie die abgegebene Strahlendosis deutlich höher sein muss als bei der Szintigrafie. Dafür wird ein anderer Strahlentyp genutzt, der nur in unmittelbarer Nähe der angereicherten Jodatome wirksam ist. Dies verhindert die Strahlenbelastung des übrigen Körpers weitestgehend und das Strahlenrisiko ist für den Patienten gering.
Was muss bei einer Szintigrafie beachtet werden?
Da die Szintigrafie darauf beruht, dass die Schilddrüse aktiv Jod aus der Umgebung anreichert, muss gewährleistet sein, dass dieser Einbaumechanismus zum Zeitpunkt der Untersuchung oder der Therapie so gut wie möglich funktioniert.
Daher kann es sein, dass zuvor (auch zur Behandlung einer Schilddrüsenerkrankung) eingenommene Medikamente nach Anweisung des Arztes abgesetzt werden müssen (z. B. Amiodaron, ein Medikament gegen Herzrhythmusstörungen). Es ist wichtig, vor einer geplanten Szintigrafie dem behandelnden Arzt alle aktuell eingenommenen Medikamente zu nennen.
Auch darf in den sechs Wochen vor einer Schilddrüsen-Szintigrafie keine Untersuchung mit jodhaltigem Kontrastmittel durchgeführt worden sein. Dies kann z. B. bei einer Computertomografie sowie bei der radiologischen Darstellung der Nieren oder der Harnwege (Urografie) der Fall sein.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Bell, E.: Radiojodtherapie bei benignen und malignen Schilddrüsenerkrankungen. Springer (1999).
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).
Pfannenstiel, P.: Schilddrüsen-Krankheiten, Diagnostik und Therapie. Berliner Medizinische
Verlagsanstalt GmbH (2000).
Thiemes Innere Medizin (TIM). Thieme (1999).
Deutsche Gesellschaft für Chirurgie: Grundlagen der Chirurgie G 80 (Juli 1998).
Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin: Leitlinie zur Radiojodtherapie (RIT) bei benignen Schilddrüsenerkrankungen (1999).
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin: Verfahrensanweisung für die Schilddrüsenszintigrafie (1999).


