Sterilisation des Mannes
(Vasektomie; Durchtrennung des Samenleiters; Samenleiterdurchtrennung)
Was ist eine Vasektomie?
"Vas" ist das lateinische Wort für "Gefäß" oder "Leiter". In den Gefäßen des Körpers fließen ganz unterschiedliche Arten von Flüssigkeiten, z. B. Blut in den Blutgefäßen, Lymphe in den Lymphgefäßen oder Samenflüssigkeit in den Samenleitern.
"Ektomie" bedeutet, dass ein Organ oder Teile eines Organs entfernt bzw. herausgetrennt werden.
Den Begriff "Vasektomie" verwendet man heute ausschließlich für die Durchtrennung des Samenleiters; gemeint ist die Sterilisation des Mannes.
Folge dieser Durchtrennung ist eine dauerhafte Zeugungsunfähigkeit des Mannes. Die Fähigkeit zur Erektion (Gliedsteife) bleibt unverändert erhalten.
Wann ist eine Vasektomie sinnvoll?
Die Durchtrennung des Samenleiters gewinnt vor allem im Rahmen der zunehmenden Emanzipation des Mannes in Fragen der Verhütung und Familienplanung an Bedeutung. Sie ist sicher und - im Gegensatz zur Sterilisation der Frau - leichter durchzuführen.
Der Mann ist nach dem Eingriff dauerhaft zeugungsunfähig. Jeder sollte sich dessen bewusst sein und deshalb genau abwägen, ob eine Sterilisation sinnvoll ist. Dabei sind verschiedene Beweggründe ausschlaggebend, die auch der Arzt bei jedem einzelnen Mann kritisch prüfen sollte.
So spielen das Alter des Mannes, sein Familienstand, wie viele Kinder er bereits hat, sein soziales Umfeld, Vorliegen einer Erbkrankheit, sowie auch mögliche Probleme seiner Partnerin mit anderen Verhütungsmöglichkeiten (z. B. wenn sie die Pille nicht verträgt) eine entscheidende Rolle.
Vor der Operation klärt der behandelnde Arzt den Patienten ausführlich über Verhütungsalternativen sowie über die Art und die Folgen der Samenleiterdurchtrennung auf.
Es können auch medizinische Gründe für eine Samenleiterdurchtrennung sprechen, wie z. B. wiederholt auftretende Nebenhoden- bzw. Hodenentzündungen. Nach der Durchtrennung des Samenleiters können die entzündungsverursachenden Keime aus dem Harntrakt nicht mehr über den Samenleiter in Richtung Nebenhoden und Hoden wandern.
Wie wird der Eingriff durchgeführt?
Die Durchtrennung der Samenleiter erfolgt meist in örtlicher Betäubung. Der Eingriff kann ambulant in einer urologischen Praxis oder im Krankenhaus erfolgen. Ängstlichen Patienten können zusätzlich beruhigende und schmerzstillende Medikamente verabreicht werden.
Über zwei kleine Hautschnitte (links und rechts) im oberen Anteil des Hodensackes wird der Samenleiter durch die Hautöffnung vorsichtig hervorgezogen. Dann werden etwa ein bis drei Zentimeter des Samenleiters herausgetrennt.
Die verbleibenden Stümpfe werden verschweißt und verschlossen. Die Enden werden möglichst in unterschiedlichen Gewebeschichten des Hodensackes versenkt. Zum Schluss verschließt der Operateur die Haut mit ein bis zwei Nähten.
Welche Komplikationen können auftreten?
Unmittelbar nach dem Eingriff können ein Bluterguss, eine Wundinfektion und eine Schwellung des Hodensackes die Heilung verzögern. Unter Hochlagerung und Kühlung heilen diese Beschwerden meist schnell ab.
Narbenknötchen am Ende der verschlossenen Samenleiter können auf lange Sicht entstehen und eine unterschiedlich ausgeprägte Berührungsempfindlichkeit hervorrufen.
Was muss nach einer Vasektomie beachtet werden?
Bereits im Aufklärungsgespräch muss unbedingt darauf hingewiesen werden, dass ungeschützter Geschlechtsverkehr nach der Vasektomie zunächst noch nicht sicher ist und zu einer Schwangerschaft führen kann. Der Mann ist nicht direkt nach dem Eingriff zeugungsunfähig. Denn noch vorhandene Spermien aus dem körpernahen Samenleiteranteil können bei den folgenden Ejakulationen ohne Verhütung durchaus eine ungewollte Schwangerschaft hervorrufen.
Um dies zu verhindern, sollte bei abgeschlossener Familienplanung für sechs bis zwölf Wochen nach der Sterilisation weiter konsequent verhütet werden. Nach sechs Wochen untersucht dann der betreuende Urologe eine Spermaprobe des Mannes und erstellt ein Spermiogramm. Finden sich in der Probe noch lebensfähige, bewegliche Spermien, ist es ratsam, weitere sechs Wochen zu verhüten.
Bei dem darauffolgenden Spermiogramm sollten keine Spermien mehr zu finden sein, erst jetzt ist der Mann nicht mehr zeugungsfähig.
Sollten auch mehrere nachfolgende Samenproben Spermien enthalten, muss man an die seltene Möglichkeit einer mehrfachen Samenleiteranlage oder an eine spontane Wiedervereinigung der Samenleiterenden denken. Welches Vorgehen in diesem Fall sinnvoll ist, sollte der Patient mit seinem behandelnden Urologen besprechen.
Welche Folgen hat die Samenleiterdurchtrennung?
Die Vasektomie hat nichts mit der Kastration (z. B. im Tierreich oder bei Eunuchen und Haremswächtern) gemeinsam, bei der das gesamte Hormon produzierende Organ (der Hoden) entfernt wird. Bei der Vasektomie wird mit dem Samenleiter lediglich ein Transportrohr durchtrennt, das keinerlei hormonelle Funktion hat.
Auch ein Samenerguss ist nach einer Durchtrennung des Samenleiters unverändert vorhanden, lediglich finden sich im Ejakulat keine Spermien mehr, die an der Gesamtejakulatmenge nur zwei bis vier Prozent ausmachen. Die übrigen Ejakulatanteile kommen aus der Prostata (Vorsteherdrüse), den Samenblasen (kleine, hinter der Prostata gelegene Drüsen) und kleinsten, neben der Harnröhre gelegenen Drüsen.
Das gefürchtete Risiko, nach einer Sterilisation gehäuft einen bösartigen Prostatatumor zu entwickeln, hat sich bisher in keiner Studie bestätigen lassen. Ein häufig von Männern befürchteter "Samenstau" tritt ebenfalls nicht auf, denn die im Hoden produzierten Spermien werden nach Ablauf ihrer Lebensdauer - wie viele andere Körperzellen auch - wieder abgebaut.
Kann dieser Eingriff rückgängig gemacht werden?
Prinzipiell ist die Wiedervereinigung der durchtrennten Stümpfe des Samenleiters mit Hilfe eines Operations-Mikroskopes möglich. Neben der Technik sind für den Operationserfolg die Art und Umfang der Vasektomie (Länge des entfernten Samenleiteranteils) und das Zeitintervall zwischen Vasektomie und Wiedervereinigung ausschlaggebend.
Einige Männer bilden nach einer Vasektomie Antikörper gegen die körpereigenen Spermien. Sind diese nachweisbar, ist es wenig sinnvoll, der Samenleiterenden wiederzuvereinen.
All diese Faktoren sind vor der Entscheidung - sowohl zur Vasektomie, als auch zur operativen Wiedervereinigung - ausführlich abzuklären und abzuwägen.
Wer trägt die Kosten?
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten bei einer durch Krankheit erforderlichen Sterilisation. Bei den privaten Krankenkassen wird die Kostenübernahme sehr unterschiedlich gehandhabt. Es ist in jedem Fall ratsam, vor einem geplanten Eingriff bei der jeweiligen Krankenkasse die Kostenübernahme zu klären.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Hanno, P.M.; Wein, A.J.; Malkowicz, S.B.: Clinical manual of Urology. McGraw-Hill ( 3.Aufl. 2001).
Hautmann, R.; Huland, H.: Urologie. Springer (2.Aufl. 2001).
Hinman, B.: Atlas of Urologic Surgery. W.B.Saunders (1998).
Sökeland, J.: Urologie. Thieme (13.Aufl. 2004).
Tanagho, E. A.: Smiths General Urology. Appleton and Lange (16.Aufl. 2003).


