Logopädie
(Sprachtherapie)
Was versteht man unter Logopädie?
Das Wort Logopädie setzt sich aus zwei aus dem Griechischen stammenden Begriffen zusammen: "Logos" bedeutet "Wort, Rede", "Paideia" steht für "Unterricht, Erziehung". Die Logopädie befasst sich also mit der verbalen Kommunikation, und zwar als therapeutischer Beruf mit Störungen der Kommunikationsfähigkeit, die ganz unterschiedliche Ursachen haben können.
Die therapeutischen Methoden werden bei Behinderungen der Sprache, des Sprechens, der Mundfunktion, der Stimme und des Hörens angewendet. Auch bei Schluckstörungen oder sonstigen Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme kommen Logopäden zum Einsatz. Dabei vereint dieses Fach Erkenntnisse aus der Medizin, der Psychologie, der Heilpädagogik und der Linguistik.
Ziel einer logopädischen Behandlung ist immer die Wiederherstellung, Verbesserung oder Kompensation von krankheits- oder entwicklungsbedingt eingeschränkten kommunikativen Fähigkeiten. Seit Mitte der 70er Jahre gilt die Logopädie in Deutschland als medizinischer Fachberuf, der in einer dreijährigen Ausbildung erlernt werden kann.
Sprache und Sprechen - was ist das eigentlich?
Sprache ist für uns Menschen von zentraler Bedeutung. Durch sie können wir uns mit unseren Mitmenschen verständigen, unsere Wünsche und Gefühle ausdrücken. Auch die inneren Bilder, die wir von der Welt haben, unsere Gedanken und Vorstellungen, sind auf der Sprache aufgebaut. Sie ist sozusagen das "Fenster zur Seele". Doch was uns so leicht erscheint, wenn die Worte aus dem Mund sprudeln, ist ein ungemein komplexer Prozess, eine Höchstleistung des Gehirns. Das zeigt sich schon allein daran, dass ein neugeborener Mensch Jahre braucht, um diese Fähigkeit zu perfektionieren. Vom koordinierten Zusammenspiel der Muskeln des Sprechapparats über Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Abstraktionsvermögen bis hin zu Sozialverhalten und Persönlichkeitsentwicklung - Sprache und Sprechen erfordert die unterschiedlichsten Fähigkeiten.
Konsequenterweise kann die Ursache einer Störung des Kommunikationsvermögens auch in all diesen Bereichen liegen. Die Logopädie berücksichtigt, dass an Sprache und Sprechen körperliche, geistige und "seelische" Vorgänge gleichermaßen beteiligt sind, und dass eine sprachliche Beeinträchtigung immer den gesamten Menschen betrifft, seine psychische und soziale Befindlichkeit, seine Lernfähigkeit und seine Intelligenzentwicklung. Eine gute Sprachtherapie ist darauf ausgerichtet, diesen Aspekten Rechnung zu tragen.
Wer benötigt eine logopädische Behandlung?
Störungen der Kommunikationsfähigkeit können eine Vielzahl von unterschiedlichen Ursachen haben, die alle einer Sprachtherapie zugänglich sind. Am häufigsten wird die Logopädie eingesetzt bei:
Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern
Von einer Sprachentwicklungsstörung spricht man, wenn die sprachlichen Leistungen eines Kindes - also Sprachverständnis, Wortschatz, Grammatik, Laut- und Satzbildung - deutlich unterhalb der Leistungen Gleichaltriger liegen. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die normale Sprachentwicklung nicht in exakt festgelegten zeitlichen Stufen verläuft, sondern jedes Kind sein eigenes Tempo hat. Eine exakte ärztliche Diagnostik ist daher unerlässlich. Sprachentwicklungsstörungen sind häufig Zeichen einer frühkindlichen Hirnschädigung und werden daher oft von anderen Störungen begleitet.
Probleme bei der Sprechentwicklung bei Kindern
Hier ist nicht die Sprachfähigkeit, sondern der Sprechvorgang selbst gestört. Typisch sind Lispeln, Näseln, undeutliches Sprechen, das Verschlucken von Silben oder Buchstaben. Sprechentwicklungsstörungen haben oft organische Ursachen.
Lese- bzw. Schreibschwäche
Auch Probleme beim Lesen oder Schreiben sind Zeichen einer beeinträchtigten Sprachentwicklung und werden mit logopädischen Methoden behandelt. Im Erwachsenenalter kann es beispielsweise durch einen Schlaganfall oder nach einer Gehirnoperation zu einer Lese- oder Schreibschwäche kommen.
Probleme beim Redefluss
Die bekannteste Redeflussstörung ist das Stottern. Probleme mit dem Redefluss können hirnorganische, psychische und linguistische Ursachen haben.
Sprachschwierigkeiten im Erwachsenenalter, wie zum Beispiel die Aphasie, eine Wortfindungsstörung, treten in erster Linie nach einem Schlaganfall oder einer Hirnverletzung auf.
Sprech- und Stimmstörungen haben, wenn sie nach Abschluss der kindlichen Sprachentwicklung auftreten, oft organische Ursachen. Zu dieser Gruppe gehören Heiserkeit, Stimmbandlähmungen, Überbelastungen der Stimme, aber auch Operationen am Kehlkopf oder Erkrankungen des Gehirns wie die Parkinson-Krankheit oder die Multiple Sklerose. Manchen Sprechstörungen wie zum Beispiel dem Räusperzwang liegen aber auch psychische Probleme zu Grunde.
Probleme bei der Nahrungsaufnahme und beim Schlucken werden ebenfalls logopädisch behandelt. Häufige Ursachen sind Operationen an der Zunge oder im Mundbereich, Unfälle, aber auch angeborene Fehlbildungen wie die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte.
Hörstörungen bei Kindern führen zu Schwierigkeiten in der sprachlichen Entwicklung. Eine unterstützende logopädische Behandlung kann die Probleme mildern.
Wie gestaltet sich eine logopädische Behandlung?
Am Anfang jeder logopädischen Behandlung steht ein ausführliches Gespräch, die Anamnese, bei der sowohl die allgemeine Vorgeschichte des Patienten als auch die sprachlichen Probleme exakt abgefragt werden. Mit Hilfe von verschiedenen Untersuchungsverfahren prüft der Sprachtherapeut dann, um welche Art von Sprach- bzw. Sprechstörung es sich handelt und welche Ursachen sie hat.
Anhand dieser logopädischen Diagnose wird dann ein individuell auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten jedes Patienten abgestimmtes therapeutisches Konzept entwickelt. Eine logopädische Behandlung besteht in aller Regel aus mehreren Sitzungen, die sich über einen gewissen Zeitraum erstrecken. Therapeut und Patient stellen gemeinsam einen Behandlungsplan auf, in dem sowohl die Ziele der gesamten Therapie als auch der einzelnen Sitzungen festgelegt werden. Besonders bei Kindern ist es wichtig, in die Planung auch die Eltern zu integrieren, damit sie zu Hause gemeinsam üben können.
Die Logopädie verfügt über verschiedene Behandlungsmethoden, die je nach Art und Ursache der Sprachstörung miteinander kombiniert werden. Ein therapeutisches Prinzip ist beispielsweise, die Vorgänge beim Sprechen, das heißt die Atmung und die Koordination der verschiedenen Muskeln des Kau- und Stimmapparats, durch bewusst langsames Sprechen gezielt zu trainieren. Ein Spiegel oder auch Tonband- und Videoaufzeichnungen helfen dem Patienten, sich die Vorgänge bewusst zu machen.
Bei Kindern mit einer verzögerten Sprachentwicklung versucht der Therapeut, die einzelnen Stufen beim Erlernen der Sprache Schritt für Schritt zu üben und zwar exakt in der physiologischen Reihenfolge. Ergänzende Entspannungsübungen wie autogenes Training oder progressive Muskelrelaxation haben sich in der Sprachtherapie bewährt und ergänzen oft die logopädische Behandlung. Auch psychotherapeutische Methoden wie die Verhaltenstherapie können bei bestimmten Sprechstörungen, wie beispielsweise dem Stottern, sehr hilfreich sein.
Wie lange eine logopädische Behandlung dauert, hängt von der Art und Schwere der Sprachprobleme ab. Sie wird meist so lange fortgesetzt, bis das therapeutische Ziel erreicht ist - im günstigsten Fall ein vollkommen normales Kommunikationsvermögen.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Deutsch-Schweizerische Gesellschaft für Logopädie: www.logopaedie.ch (2005).
Deutscher Bundesverband für Logopädie (dbl): www.dbl-ev.de (2005)


