Gaumenmandelentfernung
(Tonsillektomie)
Was versteht man unter einer Gaumenmandelentfernung?
Die beiden Gaumenmandeln gehören zum Immunsystem und spielen in den ersten Lebensjahren eine wichtige Rolle in der Entwicklung der körpereigenen Abwehrkräfte. Die vollständige operative Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillae palatinae) bezeichnet man als Tonsillektomie, wird lediglich ein Teil der Gaumenmandeln entfernt handelt es sich um eine Tonsillotomie.
In der Regel werden beide Tonsillen vollständig entfernt, wobei die teilweise Operation der Gaumenmandeln in den letzten Jahren eine Renaissance erfahren hat. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose, in Einzelfällen auch in örtlicher Betäubung. Die Gaumenmandel werden in Deutschland etwa 80000 Mal jährlich entfernt. Diese Operation ist im Kindesalter einer der häufigsten Eingriffe und wird von Hals-Nasen-Ohren-Ärzten durchgeführt.
Wann werden die Gaumenmandeln operativ entfernt?
Wiederholte oder dauerhafte Mandelentzündungen (Tonsillitiden) sind der häufigste Grund, die Gaumenmandeln operativ zu entfernen. So wird bei mehr als vier akuten Mandelentzündungen in Folge bzw. zwei bis drei antibiotikapflichtigen akuten Mandelentzündungen pro Jahr in zwei bis drei aufeinander folgenden Jahren zu einer Gaumenmandelentfernung geraten.
Breitet sich eine Mandelentzündung im Halsgewebe aus, kann ein Mandelabszess oder eine schwere Entzündung der tiefen Halsschichten die Folge sein. Bricht so eine schwere Entzündung in die Blutbahn ein, tritt eine Blutvergiftung ein. Die Mandeln als Ursprung der Entzündung müssen dann entfernt werden.
Vergrößerte Gaumenmandeln, so genannte hyperplastische Tonsillen, können den Schlund einengen und Sprechen, Schlucken und Atmen beeinträchtigen. Dies führt zu Schwierigkeiten beim Essen und zu nächtlichen Schlafstörungen. Im Kindesalter kann dies der Grund für eine Gaumenmandelentfernung sein.
Vor Herzoperationen, Organtransplantationen oder bei einigen Allgemeinerkrankungen wie dem Rheumatischen Fieber kann die Gaumenmandelentfernung notwendig sein, um Bakterienansammlungen aus dem Körper zu entfernen. Seltenere Gründe sind eine einseitige unklare Vergrößerung einer Gaumenmandel, der Verdacht auf einen bösartigen Tumor der Tonsillen sowie die Mandelentfernung zur Tumorsuche bei Halsmetastasen unbekannter Herkunft.
Welche Gründe sprechen gegen eine Gaumenmandelentfernung?
Während der ersten drei bzw. vier Lebensjahre sollte möglichst auf eine Gaumenmandelentfernung verzichtet werden, weil den Tonsillen im Kleinkindalter eine wichtige Rolle beim Aufbau der Immunabwehr zukommt. Bei Kindern in diesem Alter, deren vergrößerte Gaumenmandeln die Nahrungsaufnahme behindern und keinen normalen Schlaf zulassen, kann eine einseitige Gaumenmandelentfernung sinnvoll sein. Die verbleibende Gaumenmandel nimmt dann die Aufgaben im Rahmen der Immunabwehr wahr. Eine Alternative ist die Verkleinerung beider Tonsillen mit einem CO2-Laser.
Gegen eine Gaumenmandelentfernung sprechen schwere Erkrankungen wie bestimmte Bluterkrankungen (z. B. eine Leukämie) oder Störungen der Blutgerinnung. Bei Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten kann die Operation in dringenden Fällen unter genauer Abwägung von Nutzen und Risiko erfolgen und sollte von einem besonders erfahrenen Arzt durchgeführt werden. Hier empfiehlt sich die enge Zusammenarbeit mit einem Arzt für Stimm- und Sprachstörungen (Phoniater) und einem Kieferchirurgen.
Wie werden die Mandeln operativ entfernt?
Die Gaumenmandeln werden im Krankenhaus entfernt. In Vollnarkose wird der liegende Patient so gelagert, dass der Kopf leicht überstreckt ist. Der Operateur setzt für die Dauer der Operation einen Mundsperrer ein, ein spezielles Instrument, das den Mund während des Eingriffs weit geöffnet hält.
Die Mandeln liegen jetzt gut sichtbar seitlich zwischen den Gaumenbögen. Die Tonsillen werden mit speziellen Instrumenten vollständig aus der sie umgebenden Kapselschicht ausgeschält. Wegen möglicher Nachblutungen sollten keine Reste von Tonsillengewebe verbleiben. Nach einer sorgfältigen Blutstillung im Bereich der Wunde wird der Mundsperrer entfernt und die Narkose beendet.
Sollen die Mandeln in jungen Lebensjahren aufgrund ihrer wichtigen Immunfunktion nicht komplett entfernt werden, bietet die schmerz- und blutungsarme Mandelverkleinerung mit dem CO2-Laser eine gute Alternative. Diese Operation sollte jedoch nicht bei häufigen Mandelentzündungen und bei Kindern, die älter als sechs Jahre sind, durchgeführt werden.
Welche Risiken bestehen bei einer Gaumenmandelentfernung?
Nachblutungen sind die häufigste Komplikation, die vor allem bei Kindern bedrohlich sein können. Am häufigsten treten sie am fünften bis siebten Tag nach der Operation auf, wenn sich die ersten Wundbeläge ablösen. Seltener kommt es zu Nachblutungen innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Operation.
Seltene Komplikationen, über die der Operateur vor einem Eingriff informiert, sind mögliche Verletzungen am Gaumenbogen, Näseln, Zahnschäden, eine Ausrenkung des Kiefers, Gefühlsstörungen der Zunge, Sprachveränderungen sowie Geschmacks- und Schluckstörungen.
Was muss man nach der Gaumenmandelentfernung beachten?
Nach der Operation ist eine ausreichende Schmerzbehandlung mit Medikamenten wichtig. Auch Kälteanwendungen (kalte Getränke, Speiseeis oder kalte Kompressen auf dem Hals) wirken schmerzlindernd und senken das Nachblutungsrisiko, weil sie die Blutgefäße am Hals verengen können.
Mindestens zwei Wochen nach der Operation sollten körperliche Belastungen wie schweres Heben oder Sport vermieden werden. Auch ein Sonnenbad, ein heißes Vollbad, Duschen und Haarwäsche führen zu einer Zunahme der Durchblutung im Halsbereich, so dass die Gefahr einer Nachblutung steigt. In dieser Zeit besteht im Allgemeinen auch eine Arbeitsunfähigkeit. Kinder sollten nicht zum Kindergarten oder zur Schule gehen.
Ab dem vierten Tag nach der Operation treten häufig Ohrenschmerzen bei gesundem Ohr auf. Diese entstehen durch eine Reizung der Halsnerven und sind harmlos.
Im Bereich der Operationswunde bilden sich normalerweise weiße Wundbeläge. Wenn sich hier Bakterien ansiedeln, kann Mundgeruch entstehen.
Nach der Operation sollte weiche Kost verabreicht werden. Viele Operateure empfehlen für die Dauer der Wundheilung auf säure- und zuckerhaltige sowie harte Speisen zu verzichten. Alkohol und Rauchen verzögern die Wundheilung und erhöhen das Risiko einer Blutung.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Gronau, S., Fischer Y.: Die Tonsillotomie. Laryngo-Rhino-Otologie 84, S. 685-694 (2005).
Boenninghaus, H. G.: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Springer (11. Auflage 2000).
Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme (2000).


