Kontaktlinsen
Wissenswertes zu Kontaktlinsen
Kontaktlinsen sind kleine runde Schälchen aus Kunststoff, die direkt auf die Hornhaut des Auges aufgebracht werden und dort auf der Tränenflüssigkeit schwimmen. Sie dienen dazu, eine Fehlsichtigkeit zu korrigieren.
Das Konzept einer Sehhilfe aus Glas, die direkt auf dem Auge zu tragen ist, wurde schon im 19. und frühen 20. Jahrhundert von mehreren Forschern unabhängig voneinander entwickelt. Doch erst der Einsatz von Kunststoff und die Idee, nicht mehr das ganze vordere Auge, sondern nur die Iris (Regenbogenhaut) abzudecken, bereiteten ab den 1950er Jahren den Weg zur heutigen Kontaktlinse.
Durch laufende Neuerungen bei den verwendeten Materialien - eine Entwicklung, die bis heute nicht abgeschlossen ist - hat sich die Verträglichkeit von Kontaktlinsen ständig verbessert. Der neueste Trend sind Ein-Tages-Linsen, die nach dem Tragen weggeworfen werden. Auch erlauben hoch komplexe Verfahren in der Linsenherstellung im Gegensatz zu den Anfangsjahren eine Korrektur fast jeder Fehlsichtigkeit.
Trotz dieser Fortschritte machen Kontaktlinsenträger nur einen Bruchteil derer aus, die optische Sehbehelfe verwenden. Laut einer Untersuchung aus dem Jahr 2002 sind es in Deutschland derzeit etwa zwei Millionen Menschen (im Vergleich zu 38 Millionen Brillenträgern).
Wie die Brille müssen auch Kontaktlinsen individuell auf die Bedürfnisse des Trägers zugeschnitten sein. Je nach Art der Fehlsichtigkeit werden die Linsen unterschiedlich und für jedes Auge extra angefertigt und angepasst. Ob die Wahl auf harte oder weiche Linsen fällt, ist von verschiedenen Umständen wie der individuellen Vorliebe und Verträglichkeit, der Tragegewohnheiten und der Art der Fehlsichtigkeit abhängig.
Welche Arten von Kontaktlinsen gibt es?
Kontaktlinsen müssen häufig gewechselt werden. Je nachdem, wie lange ein Linsenpaar verwendet werden kann, unterscheidet man:
- Dauertragelinsen, die Tag und Nacht getragen werden können. Die auch VT-Linsen genannten Kontaktlinsen kommen wegen ihrer hohen Komplikationsrate aber nur in Ausnahmefällen zum Einsatz.
- Langzeitlinsen, die drei Monate bis zu eineinhalb Jahre lang halten
- Monats(kontakt)linsen, die alle vier Wochen gewechselt werden
- 14-tägige Linsen
- Einweglinsen, die nach Gebrauch weggeworfen werden.
Wer braucht Kontaktlinsen?
Prinzipiell kann man heute für fast jede Form der Fehlsichtigkeit, die man mit einer Brille korrigiert, auch Kontaktlinsen verwenden, also bei Alterssichtigkeit, bei Kurz- und Weitsichtigkeit sowie bei Stabsichtigkeit (Astigmatismus).
Vor allem bei einer starken Sehschwäche, oder wenn die Dioptrienwerte der Augen stark voneinander abweichen, sind Kontaktlinsen empfehlenswerter als eine Brille.
In manchen Berufen sind Kontaktlinsen angenehmer, weil sie nicht beschlagen, die Sicht nicht einschränken und auch nicht leicht verloren gehen. Ansonsten ist es eher eine Frage der persönlichen Vorlieben, ob man Kontaktlinsen einer Brille vorzieht.
Wie werden Kontaktlinsen angepasst?
Augenarzt oder Optiker prüfen den Umfang der Fehlsichtigkeit, der in Dioptrien angegeben wird, und passen danach die richtigen Linsen an:
- Zur Korrektur von Kurzsichtigkeit verwendet man konkave Minuslinsen.
- Zur Korrektur von Weitsichtigkeit verwendet man konvexe Pluslinsen.
- Bei Hornhautverkrümmungen kommen torische Linsen zum Einsatz.
- Für die Korrektur von Nah- und Fernsicht gibt es bi- und multifokale Kontaktlinsen. Multifokale Linsen werden auch Gleitsichtkontaktlinsen genannt.
Zu Beginn werden die Linsen meist nur ein paar Stunden täglich getragen, um sich an den Fremdkörper im Auge zu gewöhnen. Acht bis zehn Tage nach der Anpassung erfolgt eine erste Kontrolle. Weitere Kontrolluntersuchungen finden drei Wochen später sowie nach weiteren drei Monaten statt. Ist bis dahin alles in Ordnung, sollte alle sechs Monate neu kontrolliert werden.
Worin unterscheiden sich harte und weiche Linsen?
Es gibt zwei Arten von Kontaktlinsen: harte und weiche Linsen. Da die harten Linsen heute nicht mehr aus Plexiglas, sondern aus Materialien bestehen, die ebenfalls leicht biegbar sind, nennt man sie jetzt "formstabil. Formstabile Linsen sind etwas kleiner als weiche Linsen. Hat man sich noch nicht daran gewöhnt, erzeugen sie leicht ein Fremdkörpergefühl im Auge. Außerdem kann man sie deutlich auf der Hornhaut erkennen. Weiche Kontaktlinsen decken die ganze Hornhaut ab, sind von außen kaum sichtbar und passen sich so gut an die Augenoberfläche an, dass man sie praktisch nicht spürt.
Vor allem Menschen, die noch nie Kontaktlinsen getragen haben, greifen lieber zu weichen Linsen. Sie sind meist besser verträglich und haften im Gegensatz zu den harten Linsen so fest auf der Hornhaut, dass sie kaum verloren gehen können. Andererseits gibt es weiche Linsen, die aus wasseraufnehmenden Hydrogelen bestehen und förmlich alles aufsaugen, mit dem sie in Kontakt kommen. So gelangen auch Schadstoffe aus der Luft, Reste von Konservierungsmitteln etc. ins Auge, was zu Irritationen führen kann. Außerdem sind sie weniger durchlässig für Sauerstoff, so dass einige Menschen nach längerem Tragen der Linsen über Kopfschmerzen oder ein Druckgefühl auf dem Auge klagen.
Darüber hinaus sind weiche Linsen nicht für alle Formen der Fehlsichtigkeit geeignet (z. B. bei Astigmatismus).
Formstabile Kontaktlinsen sind langlebiger und teurer. Sie können kompliziertere Formen der Fehlsichtigkeit wie Hornhautverkrümmungen besser korrigiert werden. Außerdem sehen die meisten Menschen mit harten Linsen schärfer, weil diese besser optische Eigenschaften besitzen als ihre weichen Pendants. Sie sind außerdem einfacher zu reinigen und können längere Zeit im Auge verbleiben.
Bei schnellen Kopfbewegungen fallen formstabile Linsen jedoch u. U. leichter heraus, weshalb besonders beim Sport weiche Linsen bevorzugt werden.
Was sind die Nachteile von Kontaktlinsen?
- Kontaktlinsen sind teuer, da sie relativ häufig erneuert werden müssen, und aufwändiger in der Pflege als Brillen.
- Die einzelnen Hygieneschritte (Reinigung, Desinfektion, Aufbewahrung in speziellen Lösungen, Proteinentfernung) müssen sorgfältig eingehalten werden. Schlecht gereinigte Linsen können schnell zu Reizungen, mitunter auch zu schweren Infektionen und Pilzbefall führen.
- Linsen können nicht beliebig lange getragen werden: Auch wenn die heutigen Materialien sauerstoff- und gasdurchlässig sind, braucht das Auge zwischendurch Luft. In der kontaktlinsenfreien Zeit wird eine Brille benötigt.
- Manche Menschen vertragen Kontaktlinsen nicht, z. B. wenn die Augen zu wenig Tränenflüssigkeit produzieren oder man sich ständig in sehr trockener Luft aufhält.
- Weiche Kontaktlinsen nehmen leicht Gifte aus der Umgebung auf, die im Auge zu allergischen Reaktionen oder Rötungen führen können.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Augustin, A. J.: Augenheilkunde. Springer (2. Auflage 2001).
Grehn, F.: Augenheilkunde. Springer (28. Auflage 2003).
Leitlinien des BVA: Leitlinie Nr. 6, Kontaktlinsenanpassung und -kontrolle. http://www.augeninfo.de/leit/leit06.htm (Juni 2002).
Berufsverband der Augenärzte. Augenärzte informieren: Kontaktlinsen (August 1999).


