Knochendichtemessung
(Osteodensitometrie)
Was ist eine Knochendichtemessung?
Bei der Knochendichtemessung (Osteodensitometrie) wird der Mineralsalzgehalt der Knochen gemessen. Hierfür setzt man verschiedene Verfahren und Geräte ein. Gemeinsamkeit der Verfahren ist die Verwendung von Strahlen (Röntgenstrahlen oder Ultraschallwellen), die den Knochen durchdringen. Da die Strahlen eine bestimmte Intensität haben, wird abhängig von der Dichte des Knochens die Intensität stärker oder geringer abgeschwächt. Diese Abschwächung wird gemessen und das Messergebnis mit einem Normwert verglichen.
Die Knochendichtemessung wird zur Abklärung einer Osteoporose (Knochenschwund) durchgeführt. Ziel ist es, die Erkrankung sicher zu erkennen, da die Osteoporose ein großes Risiko für Knochenbrüche darstellt. Durch die frühzeitige Vorbeugung und Behandlung der Erkrankung lässt sich die erhöhte Gefahr für Knochenbrüche deutlich senken.
Da es unterschiedliche Verfahren der Knochendichtemessung gibt, die nicht für alle Personen gleichermaßen nützlich sind, untersuchen Wissenschaftler anhand von Studien, wie hilfreich ein Diagnoseverfahren tatsächlich ist und für welchen Personenkreis es am ehesten geeignet ist.
Welche Arten von Knochendichtemessung gibt es?
Die Quantifizierung sowie die Verlaufsbeobachtung des Knochenmineralsalzgehalt gehören zu den Grundlagen der Osteoporosediagnostik und können mittels verschiedenartiger Untersuchungstechniken erfolgen:
Röntgen-Absorptiometrie
Hierbei wird die Abschwächung von Röntgenstrahlen gemessen (Absorptiometrie = Messung der Abschwächung) und daraus der Knochendichtewert errechnet. Man unterscheidet die Einzel-Energie-Röntgen-Absorptiometrie (Single X-ray Absorptiometry, SXA) und die Doppel-Energie-Röntgen-Absorptiometrie (Dual X-ray Absorptiometry, DXA). Das SXA-Verfahren wird in Deutschland nur wenig angewendet. Das DXA-Verfahren ist eine Weiterentwicklung der SXA-Methode. Die beiden Arten unterscheiden sich in den physikalischen Eigenschaften der verwendeten Röntgenstrahlen.
Da Veränderungen an der Lendenwirbelsäule und am Oberschenkelhals durch Osteoporose am häufigsten und deutlichsten sind, wird an diesen Knochen die Messung per DXA-Verfahren durchgeführt. Die Untersuchung ist durch eine hohe Genauigkeit gekennzeichnet, bedarf nur geringer ionisierender Strahlen und gilt als Goldstandard (Methode der ersten Wahl),
Quantitative Computertomografie (QCT)
Bei der quantitativen Computertomografie wird eine Röntgenschichtaufnahme im Lendenwirbelsäulenbereich durchgeführt, die eine getrennte Messung von Knochenaußenschicht und Knochenbälkchen erlaubt. Da die Stoffwechselaktivität in den Bälkchen höher ist als in der Außenschicht, sich also Veränderungen des Knochenstoffwechsels besser erkennen lassen, hat dieses Verfahren Vorteile gegenüber den SXA-/DXA-Verfahren. Die Genauigkeit ist allerdings geringer und die Strahlenbelastung um ein Vielfaches höher als z. B. beim DXA-Verfahren. Das bedeutet, dass die quantitative Computertomografie nur bei Patienten mit speziellen Fragestellungen angewandt wird.
Quantitative Ultraschallmessung (QUS)
Bei dieser neueren Methode werden anstatt von Röntgenstrahlen die Eigenschaften des Ultraschalls ausgenutzt. Im Gegensatz zur gängigen Ultraschalldiagnostik wird hier die Abschwächung der Schallenergie gemessen, die den Knochen durchdringt bzw. bei einem zweiten Verfahren die Geschwindigkeit des Ultraschalls im Knochen. Aus den gemessenen Werten können Rückschlüsse auf den Knochenmineralsalzgehalt gezogen werden. Vorteil der Ultraschallmessung ist die fehlende Strahlenbelastung für den Patienten. Allerdings ist das Verfahren noch nicht so ausgereift, dass es routinemäßig eingesetzt wird.
Periphere Densitometrie
Messung der Knochendichte mittels Doppel-Energie-Photonen-Absorptionmetrie (DPA), Einzel-Energie-Photonen-Absorptiometrie (SPA) oder peripherer Computertomographie (QCT) an anderen Körperregionen, zumeist am Unterarm, bezeichnet man als periphere Densitometrie. Nachteilig ist, dass die Messung nicht jenen Stellen entspricht, an denen klinisch bedeutsame Knochenbrüche (Hüftgelenk, Wirbel) auftreten. Aus diesem Grund können die Ergebnisse zur Risikovorhersage für Knochenbrüche nur eingeschränkt herangezogen werden.
Konventionelles Röntgenbild
Skelettröntgen wird hauptsächlich bei Knochenbrüchen und zur Abklärung von plötzlich aufgetretenen Schmerzen durchgeführt. Weiterhin können die für eine bereits vorhandene Osteoporose typischen Wirbelkörperbrüche erkannt werden. Die Untersuchung reicht aber zur genauen Erfassung des Knochenmineralsalzgehalts nicht aus. Eine Osteoporose zeigt sich im Röntgenbild erst, wenn bereits 30 Prozent der Knochensubstanz verloren sind.
Wie werden die Untersuchungsergebnisse ausgewertet?
Das Ergebnis liegt direkt nach der Knochendichtemessung vor, wobei die Darstellung vom jeweiligen Gerätetyp abhängt. Wichtig ist jedoch nur die Bedeutung des Messwertes.
Um eine Vergleichbarkeit der unterschiedlich gemessenen Werte zu erreichen, werden sie als so genannte T- und/oder Z-Werte angegeben. Das persönliche Messergebnis gibt an, wie stark es vom mittleren Wert von gesunden Testpersonen im Alter von 30 Jahren (T-Wert) oder von gesunden Testpersonen gleichen Alters (Z-Wert) abweicht. Über die Werte können unterschiedliche, sich ergänzende Einteilungen vorgenommen werden.
Einteilung anhand des T-Wertes:
- 0 bis -1: normales Ergebnis
- -1 bis -2,5: Osteopenie (Knochenarmut)
- kleiner -2,5: Osteoporose (Knochenschwund)
- kleiner -2,5 und typische Knochenbrüche: schwere bzw. manifeste Osteoporose
Ist schon in der ärztlichen Untersuchung eine Osteoporose sicher festgestellt worden, dann gilt diese Diagnose, auch wenn das Ergebnis der Knochendichtemessung im Normbereich liegt.
Die bisherigen wissenschaftlichen Ergebnisse deuten darauf hin, dass es nicht sinnvoll ist, die Entscheidung für oder gegen eine medikamentöse Therapie einzig anhand der Untersuchungsergebnisse der Knochendichtemessung zu treffen. Das weitere Vorgehen sollte vielmehr von den sonstigen ärztlichen Untersuchungen (z. B. Krankengeschichte, körperliche Untersuchung, Röntgenbilder) abhängig gemacht werden.
Bei wem sollte eine Knochendichtemessung durchgeführt werden?
Der medizinische Nutzen der Knochendichtemessung ist nur bei Patienten belegt, die bereits einen Knochenbruch aufgrund ihrer Osteoporose erlitten haben. Hier können bei
nachgewiesener verminderter Knochendichte Folgefrakturen durch eine geeignete Therapie um 5% bis 30 Prozent gesenkt werden.
Als Früherkennungsuntersuchung bei Patienten ohne vorhergehende Fraktur ist die
Knochendichtemessung ungeeignet.
Hinweis:
Die Knochendichtemessung ist eine Leistung der GKV, wenn der Patient eine Fraktur(Knochenbruch) ohne ein begleitendes Trauma (Sturz o.ä.) erlitten hat und gleichzeitig aufgrund anderer Faktoren in Bezug auf die Krankengeschichte und klinischer Befunde ein begründeter Verdacht auf eine Osteoporose besteht.
Darüber hinaus sollten Hochrisikogruppen, z. B. Patienten unter dauernder Kortisontherapie, mit einem Cushing-Syndrom, einer Schilddrüsenüberfunktion oder nach Organtransplantation, regelmäßig mittels Knochendichtemessung untersucht werden.
Was sind die Risikofaktoren für das Auftreten von Osteoporose?
Man unterscheidet zwischen nicht-beeinflussbaren und potenziell beeinflussbaren Risikofaktoren der Osteoporose.
Nicht beeinflussbare Faktoren sind:
- Knochenbruch nach dem 40. Lebensjahr in der Vorgeschichte
- Oberschenkelhalsbruch der Mutter bzw. Osteoporose in der Familie
- Alter, mit zunehmendem Alter nimmt die Knochenmasse ab
- Frühe Menopause
- Weibliches Geschlecht
- Geringes Körpergewicht
- Rauchen
- Übermäßiger Alkoholkonsum
- Geringe Kalziumaufnahme mit der Nahrung, Mangel an Vitamin D
- Mangelhafte körperliche Aktivität
- Behandlung mit kortisonhaltigen Medikamenten
Wie oft sollte eine Knochendichtemessung vorgenommen werden?
Um den Erfolg einer eingeleiteten Osteoporosetherapie zu überprüfen, empfiehlt es sich, die Knochendichtemessung frühestens nach einem Zeitraum von zwei Jahren zu wiederholen.
Grundsätzlich ist eine Kontrollmessung nur am gleichen Gerät und möglichst beim gleichen Untersucher sinnvoll, um einen Vergleich der Messergebnisse zu gewährleisten.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Checkliste Physiotherapie in Orthopädie und Traumatologie. Thieme (1998).
Themenheft Osteoporose. Der Radiologe, Heft 39 (1999).
Krämer K. L., Stock M., Winter M.: Klinikleitfaden Orthopädie. Urban & Fischer (4. Auflage 2002).
Pfeilschäfer J., Kann P. H.: Diagnostik der Osteoporose. Zeitschrift für Gastroenterologie. Suppl. 1, 40, S. 46-56 (2002).


