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Vorsorgeuntersuchungen bei Neugeborenen




Was sind Vorsorgeuntersuchungen?


Vorsorgeuntersuchungen werden bei allen Kindern vom Säuglingsalter bis in die Schulzeit durchgeführt (U1 bis U9). Diese Untersuchungen sind nicht verpflichtend, werden aber allen Eltern eindringlich empfohlen. Denn je früher Krankheiten oder Funktionsstörungen erkannt werden, desto besser kann man schwerwiegenden körperlichen und geistigen Schäden vorbeugen bzw. sie entsprechend behandeln. Die Untersuchungen sind kostenlos und die Ergebnisse werden in einem gelben Untersuchungsheft genau festgehalten. Dieses Heft nehmen die Eltern mit nach Hause und legen es bei jeder Vorsorgeuntersuchung dem Kinderarzt vor.

Bereits bei Neugeborenen werden während der ersten Lebenstage zwei Vorsorgeuntersuchungen (U1 und U2) durchgeführt.

Welche Untersuchungen beinhaltet die U1?


Die U1 des Neugeborenen wird unmittelbar nach Durchtrennung der Nabelschnur durchgeführt. Ein, fünf und zehn Minuten nach der Entbindung beurteilt der Arzt anhand des so genannten APGAR-Testes den Gesundheitszustand des Neugeborenen. Hierfür werden fünf Beurteilungskriterien herangezogen, deren Anfangsbuchstaben das Wort APGAR bilden:
  • Atemtätigkeit
  • Pulsfrequenz
  • Grundtonus (Mimik und Bewegungen)
  • Aussehen (Hautfarbe)
  • Reflexe
Für jedes Merkmal werden null (Merkmal fehlt), ein (Merkmal wenig ausgeprägt) oder zwei Punkte (Merkmal gut ausgeprägt) vergeben, so dass maximal zehn Punkte erreicht werden können. Dieser Test gibt Aufschluss über die Anpassung des Kindes an die neue Umwelt außerhalb des Mutterleibes und ob sofortige medizinische Hilfe erforderlich ist. Zudem wird der Säure-Basen-Status aus Nabelarterien- und -venenblut bestimmt. Daraus lässt sich schließen, ob das Baby während der Geburt ausreichend mit Sauerstoff versorgt war.

Der Arzt bestimmt den Reifegrad des Kindes und untersucht, ob schwere, angeborene Fehlbildungen oder Geburtsverletzungen vorliegen. Köperlänge und -gewicht sowie der Kopfumfang werden gemessen, die Lage im Mutterleib und der Geburtsablauf werden dokumentiert. Das Neugeborene erhält im Rahmen der U1 Vitamin-K-Tropfen. Dadurch wird Störungen der Blutgerinnung vorgebeugt, die durch Vitamin-K-Mangel entstehen können.

Die früher bei allen Neugeborenen durchgeführte Verabreichung von Augentropfen mit Silbernitrat (Credé-Prophylaxe) zur Vorbeugung einer, beim Geburtsvorgang von der Mutter auf das Kind übertragenen Gonorrhö (Tripper) des Auges ist heutzutage nicht mehr gesetzlich vorgeschrieben. Sie wird allerdings von vielen Kliniken empfohlen, da so auch einer Augeninfektion durch Chlamydien und einige andere Keime verhindert werden kann.

Welche Untersuchungen beinhaltet die U2?


Die zweite Vorsorgeuntersuchung (U2) erfolgt zwischen dem dritten und zehnten Tag nach der Geburt. Sollte sich die Mutter nicht mehr im Krankenhaus befinden, wird die U2 beim Kinderarzt durchgeführt. Gewicht, Körperlänge und Kopfumfang werden erneut gemessen. Der Arzt beobachtet die Körperhaltung und die Bewegungen des Neugeborenen und überprüft seine Reflexe.

Außerdem untersucht er alle wichtigen Organe wie Haut, Herz, Lunge, Bauchorgane, insbesondere den Darmausgang, sowie Geschlechtsorgane und inspiziert Augen, Ohren und Rachenraum. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Herz- und Atemtätigkeit. Darüber hinaus ist es wichtig, dass das Kind bis zu diesem Zeitpunkt Stuhlgang abgesetzt hat und ausreichend Urin produziert hat.

Große Bedeutung haben Störungen des Bewegungsapparates, z. B. Fußfehlstellungen, da diese manchmal frühzeitig behandelt werden müssen. Besonders wichtig ist die Beurteilung der Hüftgelenke, die durch eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) ergänzt wird. Diese Ultraschalluntersuchung sollte in der vierten bis sechsten Lebenswoche wiederholt werden.

Zur Durchführung einiger so genannter Screening-Tests werden dem Neugeborenen einige Tropfen Blut aus der Ferse entnommen. Hierbei handelt es sich um biochemische Tests, mit deren Hilfe angeborene Stoffwechselstörungen (u. a. Phenylketonurie, Galaktosämie, Arginin-Succinurie, Leucinose, Biotinidasemangel, Adrenogenitales Syndrom) und eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) frühzeitig erkannt werden können. Diese Krankheiten zeigen zu diesem frühen Zeitpunkt noch keine sichtbaren Symptome, führen aber, zu spät erkannt, zu bleibenden Schäden beim Kind. Werden diese Untersuchungen vor dem vierten Lebenstag durchgeführt, sollten sie zu einem späteren Zeitpunkt wiederholt werden.

Die Vitamin-K-Gabe wird bei der U2 wiederholt. Im Rahmen der U2 klärt der Arzt die Eltern darüber auf, dass die tägliche Gabe von Vitamin D und Fluor zur Vorbeugung von Rachitis und Karies notwendig ist. Er informiert sie über die Maßnahmen zur Prävention eines plötzlichen Kindstodes:
  • Vermeidung der Bauchlage
  • Vermeidung einer Überwärmung (Zimmertemperatur ca. 18 °C, keine Mütze innerhalb des Hauses, Gitterbett, feste luftdurchlässige Matratze)
  • Sichere Kleidung (z. B. Schlafsack, kein Kopfkissen, keine zusätzlichen Tücher, keine Federbetten)
  • Rauchfreie Umgebung
Außerdem werden allgemeine Dinge rund ums Kind besprochen: Ernährung, Stillen, Körperpflege, Kleidung und Schlafgewohnheiten.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: Betreuung des gesunden Neugeborenen im Kreißsaal und während des Wochenbettes der Mutter (5/2003).

Lentze, M. J.: Pädiatrie. Grundlagen und Praxis. Springer (2003).

Interdisziplinäre Screeningkomission der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin: Neue Screening-Richtlinien. Richtlinien zur Organisation und Durchführung des Neugeborenenscreenings auf angeborene Stoffwechselstörungen und Endokrinopathien in Deutschland. Monatsschrift Kinderheilkunde 150, S. 1424-1440 (2002).

Sitzmann, F. C.: Pädiatrie. MLP Duale Reihe. Thieme (2002).

Netter, F. H.: Pädiatrie. Thieme (2001).

Speer, Ch.: Pädiatrie. Springer (2000).
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