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Bewusstlosigkeit



(Ohnmacht; Koma)


Dieser Text soll Erkrankten und ihren Angehörigen erste Informationen zu verschiedenen Ursachen, Untersuchungs- und Behandlungsverfahren bei dem Verlust des Bewusstseins geben. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Information ersetzt keinen Arztbesuch und nicht die Teilnahme an einem Kurs in Erster Hilfe. Vielmehr soll gezeigt werden, dass Laien nach einer Schulung durch einfache Maßnahmen bei einem Bewusstlosen wertvolle Hilfe leisten können. Außerdem zeigt dieser Text auf, welche Informationen für den Notarzt und den Rettungsdienst wichtig sind.


Was ist Bewusstlosigkeit?


Zu den Zeichen des Bewusstseins zählen Wachheit, Aufmerksamkeit, der Denkablauf und die Orientierung. Unter dem Begriff Orientierung wird die Fähigkeit verstanden, sich in einer Beziehung zu seiner Umwelt zu begreifen. Störungen der Orientierung liegen dann vor, wenn ein Mensch sich im Hinblick auf Zeit, Ort, Situation und die eigene Person nicht mehr zurecht finden kann.

Die Bewusstlosigkeit ist definiert als ein Zustand, in dem jedes bewusste Geschehen ausgeschaltet ist. In diesem Zustand kann ein Mensch keinen Kontakt zu seiner Umwelt aufnehmen und auf äußere Reize nur eingeschränkt reagieren. Die körperlichen Funktionen, wie Blutkreislauf oder Atmung, können jedoch weiterhin erhalten bleiben. Eine nur wenige Sekunden bis Minuten andauernde Bewusstlosigkeit wird als Synkope oder Ohnmachtsanfall bezeichnet.

Welche Formen von Bewusstseinsstörung kann man unterscheiden?


Die Störungen des Bewusstseins lassen sich in verschiedene Stadien oder Bewusstseins-Tiefen unterteilen. Die leichteste Form der Bewusstseinsstörung wird als Benommenheit bezeichnet, wobei hier das Denken und Handeln verlangsamt und die Orientierung (Zeit, Raum, eigene Person) erschwert ist. Bei manchen Krankheitsbildern folgt dieser Störung ein Dämmerzustand, aus dem der Betroffene durch äußere Reize wie Ansprechen oder Berühren erweckbar ist. Der Patient ist dann jedoch ausgesprochen schläfrig (Somnolenz).

Bei einer noch tieferen Störung des Bewusstseins gerät der Patient in einen schlafähnlichen Zustand, aus dem er auch durch stärkere Reize nicht mehr geweckt werden kann (Sopor). Erst bei stärksten Reizen, z. B. bei Schmerzreizen, zeigt der Betroffene eine Reaktion. Auch solche starken Reize führen bei einer tieferen Bewusstseinsstörung nicht mehr dazu, dass der Patient seine Umwelt wahrnimmt. Gezielte Reaktionen oder Gespräche sind nicht möglich. Stattdessen kann es zu Abwehrbewegungen kommen.

Die schwerste Form der Bewusstseinsstörung ist das Koma. Der Betroffene kann durch äußere Reize nicht mehr erweckt werden. Die normale Grundspannung der Muskulatur ist herabgesetzt und der Körper ist schlaff. Die Zunge kann in diesem Zustand zurück in den Rachen sinken und die Atemwege verlegen. Wichtige Reflexe, die für den Menschen Schutzfunktionen haben, sind nicht mehr auslösbar. Wenn z. B. der Husten- oder Schluckreflex ausfällt, besteht die Gefahr, dass Erbrochenes in die Luftwege des Bewusstlosen gelangt. Der Arzt nennt das Aspiration. Im Koma besteht deshalb Lebensgefahr.

Welche Gründe für eine Bewusstlosigkeit gibt es?


Es gibt eine Vielzahl von Gründen, die zu einer Bewusstseinsstörung oder Bewusstlosigkeit führen können. Wichtige Hinweise für die Art der Störung kann der Arzt aus der Situation vor dem Eintreten des Bewusstseinsverlustes bekommen. Manchmal tritt eine Ohnmacht schlagartig ein, ohne dass sich vorher eine Störung des Bewusstseins angekündigt hätte. Andere Formen der Bewusstlosigkeit entwickeln sich langsam aus einer vorherigen Trübung des Bewusstseins. In manchen Fällen kann eine Bewusstlosigkeit durch eine harmlose Kreislauf-Fehlregulation ausgelöst werden. Aber nicht immer ist es ohne weiteres möglich, harmlose Störungen von lebensbedrohlichen Erkrankungen zu unterscheiden.

Neurologische Erkrankungen
Typisch für einen schlagartigen Bewusstseinsverlust ist eine Störung des Gehirns. Bei einem Schlaganfall (Apoplex) wird ein Blutgefäß im Gehirn durch ein Blutgerinnsel verstopft. Seltener kommt es zu einem Riss in einer Ader im Gehirn, so dass eine Blutung im Schädelinneren auftritt. Manchmal haben die Patienten Tage vorher vorübergehende Ausfallserscheinungen, wie Sehstörungen, flüchtige Lähmungen, Taubheitsgefühle oder Wortfindungsstörungen bemerkt. Beim eigentlichen Schlaganfall tritt die Störung des Bewusstseins dann oft ohne weitere Vorzeichen auf. Manchmal klagen die Betroffenen zuvor über Schwindel oder Kopfschmerzen.

Unter dem Begriff Epilepsie versteht man Anfallsleiden, bei denen beim Betroffenen wiederholt vorübergehende Funktionsstörungen des Gehirns auftreten. Kennzeichnend für die so genannten generalisierten oder grand-mal Anfälle ist, dass der Patient das Bewusstsein verliert. Manchmal ist der Betroffene kurz vor dem Anfall wesensverändert. Die Bewusstlosigkeit tritt plötzlich ein und wird häufig begleitet von raschen krampfartigen Bewegungen. Für Beobachter wirken diese Anfälle stets sehr bedrohlich. Typisch für einen epileptischen Anfall ist der unwillkürliche Abgang von Urin, manchmal auch von Stuhlgang. Durch ein krampfartiges Aufeinanderpressen der Kiefer kann es zu Bissverletzungen an der Zunge, den Lippen oder der Wangenschleimhaut kommen. Wenn der Krampfanfall vorbei ist, kann der Epileptiker weiterhin sehr schläfrig sein. Es dauert oft einige Zeit (Minuten bis Stunden), bis die Orientierung wieder vollständig zurückgekehrt ist.

Auch eine Entzündung der Hirnhäute (Meningitis) oder des Gehirns (Enzephalitis) kann zu einer Bewusstseinstörung führen.

In selteneren Fällen können auch seelische Zustände oder psychiatrische Erkrankungen (Hysterie) für schwere Bewusstseinsstörungen verantwortlich sein.

Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufs
Herz- und Kreislauferkrankungen (Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen) können mit einem sehr raschen Verlust des Bewusstseins einhergehen. Wenn das Gehirn nicht ausreichend mit Blut versorgt werden kann, setzt das Bewusstsein aus. Manche der Betroffenen spüren vorher einen unregelmäßigen Herzschlag oder Schmerzen im Brustkorb. Auch bei ihnen kann sich vor der Bewusstlosigkeit ein Schwindelgefühl einstellen. In vielen Fällen ist bei diesen Patienten der Puls nur sehr schwach oder gar nicht zu tasten.

Endokrinologische Erkrankungen und Stoffwechselerkrankungen
Stoffwechselerkrankungen, wie zum Beispiel die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), können ebenfalls zu einer Bewusstseinsstörung führen. Bei einer Unterzuckerung ist das Bewusstsein zunächst getrübt, die Orientierung ist eingeschränkt und die Patienten können verwirrt sein. Begleiterscheinungen können Heißhunger, Erregtheit oder ein Schweißausbruch sein. Wenn in dieser Situation nicht schnell Zucker in Form von Speisen oder gesüßten Getränken zugeführt wird, geht diese Phase nach kurzer Zeit in eine Bewusstlosigkeit über. Wenn der Betroffene bereits das Bewusstsein verloren hat, sollten keine Speisen oder Getränke mehr eingeflößt werden.

Eine Bewusstlosigkeit durch einen stark erhöhten Blutzucker ist ebenfalls möglich, ist jedoch erheblich seltener. In dem Fall liegt zumeist ein starker Flüssigkeitsmangel mit trockener, manchmal schrumpliger Haut, trockenen Schleimhäuten und einem schwachen Kreislauf vor.

Weitere Stoffwechselerkrankungen, die mit einer Bewusstseinstörungen einhergehen können sind Schilddrüsenüber- und -unterfunktion, Lebererkrankungen (Coma hepaticum), Nierenerkrankungen (Urämie), Anstieg des Kalziums im Blut (hyperkalzämische Krise) u. a.

Vergiftungen
Auch Vergiftungen mit Alkohol, Drogen oder anderen Substanzen können eine Bewusstlosigkeit auslösen. Je nach Aufnahmeart tritt die Bewusstlosigkeit unterschiedlich schnell ein. Wichtige Hinweise können hier von Resten der aufgenommenen Substanz in der Umgebung des Bewusstlosen ausgehen. Bei manchen Vergiftungen kann auch der Geruchssinn zusätzliche Informationen liefern.

Weitere Ursachen
Mögliche weitere Ursachen für eine Bewusstlosigkeit können schwere allergische Reaktionen mit Kreislaufzusammenbruch, Unfälle mit Sturz oder Schlag auf den Kopf oder ein Sauerstoff-Mangel bei schweren Störungen der Atmung sein. Auch Erkrankungen mit hohem Fieber können zum Verlust des Bewusstseins führen. Die genaue Ursache einer Bewusstlosigkeit herauszufinden kann im Einzelfall ausgesprochen schwierig sein.

Welche Maßnahmen müssen bei einer Bewusstlosigkeit ergriffen werden?


In vielen Fällen ist ein medizinischer Laie nicht in der Lage, die Ursache für eine Bewusstlosigkeit herauszufinden. Unabhängig vom Grund des Bewusstseinsverlustes kann jedoch jeder Maßnahmen erlernen, die in einer solchen Situation ergriffen werden müssen. Bei jedem Bewusstlosen ist eine wichtige Voraussetzung zur vollständigen Heilung die Aufrechterhaltung von Atmung und Kreislauf. Die wenigen Minuten bis der Rettungsdienst eintrifft, können über das Überleben entscheiden. Deshalb sollte jeder sich mit Notfallmaßnahmen wie stabiler Seitenlage oder Herz-Lungen-Wiederbelebungsmaßnahmen vertraut machen.

Als Erstes sollte überprüft werden, ob der Betroffene durch Ansprache oder Berührungen noch zu wecken ist. Reagiert er nicht, sollte überprüft werden, ob er noch atmet und ob sein Herz noch schlägt. Der Herzschlag kann am sichersten am Hals getastet werden. Ist dies nicht der Fall sollte umgehend mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen werden. Zahnprothesen, Nahrungsreste oder Erbrochenes müssen aus Mund und Rachen entfernt werden. Durch vorsichtiges Überstrecken des Kopfes kann verhindert werden, dass einem Bewusstlosen die Zunge nach hinten rutscht und so die Atemwege blockiert. Danach sollte umgehend mit einer Mund-zu-Mund- oder einer Mund-zu-Nase-Beatmung begonnen werden. Ist kein Herzschlag feststellbar muss gleichzeitig eine Herzdruckmassage am besten durch eine zweite Person durchgeführt werden.

Atmet der Bewusstlose stellt die stabile Seitenlage eine optimale Lagerung der Person dar, bis die weitere Versorgung in die Hände der Rettungskräfte gegebenen werden kann. In dieser Position ist der Kopf einerseits überstreckt. Dadurch werden die Atemwege freigehalten. Andererseits liegt die Mundöffnung in der stabilen Seitenlage dem Boden zugewandt, so dass Erbrochenes oder Speichel abfließen können und nicht in die Atemwege zurücklaufen.

Wenn Angehörige oder Augenzeugen den Vorfall beobachtet haben, sollten sie ihre Beobachtungen den Rettungskräften mitteilen. Informationen über Vorerkrankungen (z. B. Zuckerkrankheit oder eine Herzerkrankung) sollten dem Notarzt unbedingt weitergegeben werden. Bei einer schweren Unterzuckerung verabreicht der Notarzt eine Zuckerlösung als Spritze über die Vene. In tiefer Bewusstlosigkeit darf keine Zuckerlösung mehr in den Mund des Patienten gegeben werden. Diese Lösung könnte bei herabgesetztem Schluckreflex in die Lunge gelangen und schwere Schäden verursachen.

Ein epileptischer Krampfanfall dauert oft nur wenige Minuten. Um die Zunge vor einer Bissverletzung zu schützen, kann ein zusammengerolltes Tuch oder ein anderer Beißschutz zwischen die Zähne gelegt werden. Oft ist es durch das feste Zusammenpressen der Kiefer während des Krampfanfalls jedoch nicht möglich, dem Patienten den Mund zu öffnen. Dann sollte ein gewaltsamer Versuch unbedingt unterbleiben. Während der ruckartigen Bewegungen sollte der Betroffene möglichst auf einer freien Fläche liegen. Harte, scharfkantige Gegenstände sollten aus der direkten Umgebung entfernt werden. Anderenfalls kann man den Patienten vor Verletzungen durch Kissen, Decken, Jacken oder Ähnliches schützen.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).

Siewert, J.: Chirurgie. Springer (2004).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF),
Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin: Reanimation im Kindesalter jenseits der Neugeborenenperiode (9/2003)

Beers, M. H., Berkow, R. (Hrsg.): Das MSD Manual der Diagnostik und Therapie. Urban & Fischer (2000).
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