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Durchfall



(Diarrhö; Diarrhoe)


Was ist Durchfall?


Jeden Tag werden durch Nahrungsaufnahme und Verdauungssäfte etwa zehn Liter Flüssigkeit in den Magen-Darm-Trakt abgegeben. Von diesen zehn Litern werden bereits im oberen Teil des Darms, dem Dünndarm, etwa 90 Prozent rückresorbiert, d. h. dem Blutkreislauf wieder zugeführt. Der untere Teil des Darms, der Dickdarm, entzieht dem Darminhalt weiter Flüssigkeit, so dass der Stuhl nur noch etwa 100 bis 200 Milliliter Wasser pro Tag enthält.

Ist dieser Vorgang der Rückresorption und damit der Eindickung des Darminhalts gestört, so erhöht sich der Flüssigkeitsgehalt des Stuhls und man bekommt Durchfall (Diarrhö). Auch bei gesteigerter Frequenz des Stuhlgangs mit mehr als drei Stuhlentleerungen pro Tag oder einer gesteigerten Stuhlmenge von mehr als 250 bis 300 Gramm pro Tag spricht man von Durchfall.

Durchfall ist ein Symptom, das bei ganz unterschiedlichen Erkrankungen, Vergiftungen, durch Erreger und Medikamente auftreten kann.

Welche Ursachen für Durchfall gibt es?


Je nachdem, ob es sich um einen plötzlich einsetzenden, akuten Durchfall oder um einen länger als zwei Wochen anhaltenden chronischen Durchfall handelt, kommen unterschiedliche Ursachen in Betracht:

Ursachen der akuten Diarrhö:
Die Ursache für akute Durchfälle sind häufig durch Erreger bedingt, die durch Aufnahme von infizierten Nahrungsmitteln und Trinkwasser in den Magen-Darm-Trakt gelangen. Die häufigsten Bakterien sind Escherichia coli, Salmonellen, Shigellen und Campylobacter jejuni. Salmonellen-Infektionen werden besispielsweise besonders in den Sommermonaten durch den Genuss von verseuchten Lebensmitteln wie Salaten oder Softeis ausgelöst.

Noch schneller äußert sich eine Lebensmittelvergiftung mit Durchfällen, die durch Staphylokokken oder Clostridien verursacht ist. Diese Bakterien produzieren Giftstoffe, die über die Nahrung aufgenommen werden.

Eine weitere Gruppe von Erregern, die akute Durchfälle auslösen, stellen Viren dar. Bei Kindern sind besonders Rotaviren und Adenoviren, bei Erwachsenen das Norwalk-Virus als auslösende Erreger bekannt. Auch Parasiten wie Amöben und Lamblien, die gelegentlich auch in unseren Breiten vorkommen aber besonders in den Tropen eine Rolle spielen, können für akute Durchfälle verantwortlich sein.

Neben den infektiösen Ursachen sind auch Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten auf Milch, Hühnereiweiß, Nüsse oder Fisch besonders bei Kindern ein möglicher Auslöser für akute Durchfälle.
Ebenso kann die Aufnahme von Koffein, Alkohol und schlecht verdaubaren Nahrungsmittelbestandteilen und Ballaststoffen wie Sorbit, Fruktose und Laktulose zu Durchfällen führen.

Medikamente wie z. B. Zytostatika oder Antibiotika können auch Ursache sein. Nach Antibiotikagabe ist es möglich, dass bestimmte Erreger die abwehrgeschwächte gesunde Darmflora überwuchern und so eine Diarrhö auslösen. In der Praxis stellt aber eher der Missbrauch von Abführmitteln die häufigste Ursache der durch Medikamente ausgelösten Durchfälle dar.

Bei einigen Menschen können sich psychische Ursachen und Stress durch Bauchschmerzen und Durchfälle äußern.

Ursachen der chronischen Diarrhö:
Eine chronische Diarrhö kann auf schwerwiegende Erkrankungen hinweisen und sollte deshalb immer sorgfältig abgeklärt werden. Auch bei chronischen Durchfällen können Infektionen durch Bakterien oder Parasiten ursächlich sein. Besonders abwehrgeschwächte Patienten wie beispielsweise durch AIDS Erkrankte entwickeln häufig eine chronische Diarrhö, hierbei sind oft mehrere Erreger beteiligt.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie der Morbus Crohn und die Colitis ulcerosa führen zu immer wiederkehrenden Durchfällen.

Weitere Ursachen sind Erkrankungen, die zu einer Maldigestion (unzureichende Aufspaltung der Nahrungsbestandteile) führen wie nach Magenentfernung, bei einem Gallensäureverlust-Syndrom oder bei einer Insuffizienz der Bauchspeicheldrüse. Bei diesen Erkrankungen fehlen die für eine normale Verdauung notwendigen Enzyme. Auch bei Malabsorption (verminderte Aufnahme durch die Darmwand) wie bei einem Laktasemangel, bei Morbus Whipple, bei einer Zöliakie oder nach Bestrahlungen resultieren chronische Durchfälle.

Durchfälle können auch im Wechsel mit einer Verstopfung als so genannte paradoxe Diarrhö auftreten. Dies kann ein Zeichen für eine Engstelle im Darm, z. B. durch einen Tumor des Dickdarms sein. Die Verengung stellt ein Hindernis für den Stuhlgang dar und verursacht so die Verstopfung. Durch bakterielle Zersetzungsprozesse wird der Darminhalt oberhalb des Passagehindernisses verflüssigt, so dass es zu einem Durchfall kommt.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?


Ein unkomplizierter akuter Durchfall über einen bis zwei Tage erfordert in der Regel keinen Arztbesuch und klingt normalerweise von selbst ab. In jedem Fall sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme geachtet werden, um die hohen Verluste auszugleichen.

Sollte der Durchfall länger anhalten, treten zusätzlich weitere Krankheitszeichen wie starke Bauchschmerzen und Fieber auf oder sind Veränderungen des Stuhls wie blutige Auflagerungen oder Schleimbeimengungen bemerkt worden, sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären, und um zeitnah eine Behandlung einleiten zu können. Das gilt in besonderem Maße für Säuglinge, kleine Kinder und ältere oder abwehrgeschwächte Menschen. Durch häufige Durchfälle kann der Wasserverlust so groß werden, dass eine Austrocknung des Körpers mit lebensgefährlichen Folgen droht.

Bei Säuglingen zeigt sie sich durch schlaffe Haut, leises Schreien, Trinkschwäche und eine eingesunkene Fontanelle (knöcherne Lücke in der unreifen Schädeldecke) und erfordert ein sofortiges ärztliches Eingreifen. Durch den Flüssigkeitsverlust bei Durchfällen können sich auch Kreislaufstörungen, Benommenheit oder Verwirrtheitszustände bei Patienten verschlimmern. Ein einfacher Test und Hinweis auf einen Flüssigkeitsmangel bei älteren Menschen ist das kurzzeitige Stehenbleiben von Hautfalten, wenn man die Haut zusammenschiebt.

Was sollte der Arzt über den Durchfall wissen?


Um die Ursache des Durchfalls feststellen zu können, benötigt der Arzt möglichst genaue Angaben. Fragen, die der Arzt stellen wird, sind z. B.:
  • Seit wann bestehen die Durchfälle?
  • Wie oft wird Stuhlgang abgesetzt?
  • Wie groß ist die Stuhlmenge pro Stuhlgang?
  • Wie sieht der Stuhl aus (blutig-dunkel, mit Schleimbeimengungen, wässrig-schaumig mit unverdauten Speiseresten)?
  • Steht der Durchfall in zeitlichem Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme?
  • Ist den Durchfällen ein Auslandsaufenthalt vorangegangen?
  • Ist eine weitere Person aus Ihrem Umfeld erkrankt?
  • Bestehen zusätzlichen Krankheitszeichen wie Bauchschmerz, Schwindel, Müdigkeit, Fieber, Verstopfung oder Erbrechen?
  • Welche Medikamente werden eingenommen?

Welche Untersuchungen kann der Arzt durchführen?


Eine Diarrhö erfordert neben einer genauen Befragung des Patienten oft auch einige Untersuchungen, um die Ursache zu finden. Bei der körperlichen Untersuchung wird insbesondere der Bauch abgetastet und die Darmgeräusche abgehört. Zusätzlich kann eine rektale Untersuchung (Austastung des Enddarms) sinnvoll sein.

Abhängig von der vermuteten Ursache und den Befunden bei der körperlichen Untersuchung werden weitere Maßnahmen veranlasst. Hierzu zählen zum Beispiel die Stuhluntersuchung auf Erreger, Entzündungszeichen, Blutzellen, Bakteriengifte, Fette sowie eine Blutuntersuchung, bei der insbesondere auf Entzündungsparameter, Erreger und Störungen im Wasser-Elektrolythaushalt geachtet wird.

Besonders bei chronischer Diarrhö können auch ein Ultraschall, eine Röntgenaufnahme mit Kontrastmittel oder eine Computertomografie des Bauchraumes und eine Magen-Darmspiegelung mit der Entnahme von Gewebeproben erforderlich sein.

Wie wird Durchfall behandelt?


Bei der Behandlung gibt es zwei Ziele: Die Behandlung der Grunderkrankung, die den Durchfall auslöst und die symptomatische Therapie, die die durch den Durchfall entstandene Folgen wie Flüssigkeits- und Elektrolytverluste ausgleicht.

Der Ersatz der Wasser- und Salzverluste ist insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern die wichtigste Maßnahme und kann unter Umständen lebensrettend sein. Die Zufuhr erfolgt in einem bestimmten Mischungsverhältnis entweder oral oder über eine Infusion.

Infektiöse Durchfälle werden nach Bestimmung des Erregers mit dem entsprechenden Antibiotikum (Bakterien abtötendes Mittel) behandelt. Bei Durchfällen, die durch Medikamente ausgelöst werden, sollte gemeinsam mit dem Arzt über ein Absetzen der Medikamente oder ein Wechsel auf ein anderes Präparat nachgedacht werden.

Obstipierende Mittel, d. h. Substanzen, die Flüssigkeit binden und so eher verstopfend wirken, sollten nur kurzfristig z. B. bei einem auftretenden Durchfall auf Reisen eingenommen werden, da sie die Darmtätigkeit hemmen und die Ausscheidung eventuell vorhandener Erreger verzögern.

Alle anderen Ursachen, besonders der chronischen Diarrhö, klärt und behandelt der betreuende Arzt im Einzelfall.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Buchart, K.: Nahrungsmittelallergie - Ein Leitfaden für Betroffene. StudienVerlag (2003).

Classen, M.; Diehl, V.; Kochsiek, K.: Innere Medizin. Urban & Fischer (5.Aufl. 2003).

Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme (2002).

Renz-Polster, H.; Krautzig, S.; Braun, J.: Basislehrbuch Innere Medizin. Urban & Fischer (3.Aufl. 2004).

Braun, J.; Dormann, A.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer (9.Aufl. 2003).
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