Ihre Suche

Kopfschmerzen




Welche Arten von Kopfschmerzen gibt es und wie äußern sie sich?


Prinzipiell kann man die Kopfschmerzen in primäre und symptomatische (sekundäre) unterteilen. Von symptomatischen Kopfschmerzen spricht man, wenn die Beschwerden im Rahmen einer anderen Erkrankung (zum Beispiel als Begleiterscheinung einer Erkältung) auftreten. Primäre Kopfschmerzen dagegen sind ein eigenständiges Krankheitsbild. Anders als symptomatische Kopfschmerzen bedürfen sie einer Abklärung und einer spezifischen Behandlung. Ein typisches Beispiel für primäre Kopfschmerzen ist die Migräne.

Spannungskopfschmerz
Spannungskopfschmerz ist die häufigste Art der primären Kopfschmerzen. Bei etwa 3 % der Bevölkerung kommt es zu einer chronischen Form. Er wird meist als mittelstarker Kopfschmerz im Bereich der Schläfen, im Hinterkopf oder des ganzen Kopfes beschrieben. Auch das Gefühl, "ein Band um den Kopf geschnürt zu haben, "nicht klar denken zu können und ein Gefühl der "Benommenheit werden im Zusammenhang mit dem Spannungskopfschmerz oft genannt. Begleitsymptome wie Übelkeit, Lichtscheu und Lärmempfindlichkeit sowie die Zunahme der Beschwerden bei körperlicher Anstrengung fehlen beim Spannungskopfschmerz.

Migräne
Migräne ist als periodisch auftretender halbseitiger Kopfschmerz mit Begleiterscheinungen definiert. Meist sind die Schmerzen auf einer Seite lokalisiert und gehen typischerweise mit Begleitsymptomen wie Übelkeit und Erbrechen, Lichtscheu und Lärmempfindlichkeit einher. Bei etwa 15 % der Patienten kommt es in der Regel vor Beginn der Kopfschmerzen zu einer Aura. Diese kann sich durch Sehstörungen, Missempfindungen, Sprachstörungen oder Lähmungen äußern und dauert nicht länger als 60 Minuten. Die Behandlung der Migräne sollte gemeinsam mit einem Neurologen oder Schmerztherapeuten individuell geplant werden.

Clusterkopfschmerz
Clusterkopfschmerz bezeichnet einen plötzlich auftretenden, streng einseitigen Kopfschmerz, der typischerweise als unerträglich stechend, bohrend oder brennend beschrieben und hinter dem Auge lokalisiert wird ("als ob das Auge herausgedrückt wird). Meist sind Männer mittleren Alters betroffen. Die Attacken treten ein- bis dreimal täglich (in "Clustern) auf, bevorzugt in der Nacht, dauern jeweils 30 bis 180 Minuten und bessern sich oft unter der Inhalation von reinem Sauerstoff innerhalb einiger Minuten. Auch Medikamente zur Behandlung der Migräne können hilfreich sein.

Medikamenteninduzierter Kopfschmerz
Die längerfristige Einnahme von Schmerzmitteln kann selbst zu wiederkehrenden Kopfschmerzen führen. Die häufigste Ursache ist die regelmäßige Einnahme von Ergotaminen oder von Schmerzmedikamenten in Form von Mischpräparaten. Dabei können die medikamentös bedingten Beschwerden nur schwer von den zuvor bestehenden Kopfschmerzen unterschieden werden. Sie sind häufig dumpf-drückend, es kommt zu Übelkeit und die Schmerzen verstärken sich bei körperlicher Anstrengung. Wer wegen wiederholt auftretender Kopfschmerzen nicht länger als 48 Stunden ohne die Einnahme von Schmerzmitteln auskommt und über zwei Monate lang regelmäßig Schmerzmittel eingenommen hat, könnte unter einem Kopfschmerz leiden, der durch die Medikamente ausgelöst wird. In dem Fall sollte unter ärztlicher Betreuung über mindestens vier Wochen auf die Einnahme der Medikamente verzichtet werden.

Trigeminusneuralgie
Bei der Trigeminusneuralgie kommt es zu einseitigen, blitzartig einschießenden, unerträglichen Schmerzattacken von wenigen Sekunden bis zwei Minuten Dauer im Bereich des Gesichtes. Die Schmerzenlokalisation entspricht dem Versorgungsbereich eines oder mehrerer Äste des Nervus trigeminus im Gesicht. Die Attacken können ohne äußeren Anlass auftreten oder z. B. beim Essen, beim Zähneputzen, beim Sprechen. Zwischen den Schmerzattacken bestehen keine Beschwerden.

Kopfschmerzen bei Veränderungen der Halswirbelsäule
Kopfschmerzen, die von der Halswirbelsäule ausgelöst werden, sind zwar im Prinzip denkbar. Sie werden jedoch sicher viel zu häufig diagnostiziert. Ab einem gewissen Alter können bei den meisten Menschen degenerative Veränderungen an der Halswirbelsäule nachgewiesen werden. Um diese als Ursache möglicher Kopfschmerzen anzusehen, sollten jedoch bestimmte Kriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft erfüllt sein. Ist dies der Fall, kann eine Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel und Krankengymnastik zu einer Linderung der Beschwerden führen.

Kopfschmerzen bei Entzündungen
Im Rahmen von Infekten wie banalen Erkältungskrankheiten, aber auch Zahn-, Nasennebenhöhlen- oder Mittelohrentzündungen treten Kopfschmerzen häufig als Begleiterscheinung auf. Schlimmer sind Infekte des Gehirns (Enzephalitis), der Hirnhäute (Meningitis) oder von beiden (Meningoenzephalitis), welche meist mit erheblichen Kopfschmerzen einhergehen.

Seltenere Ursachen
Auch Blutdruckschwankungen können Kopfschmerzen verursachen, meist steckt ein zu hoher Blutdruck hinter den Beschwerden. Ernstere Ursachen für Kopfschmerzen sind Schlaganfälle und Hirnblutungen sowie Tumoren im Bereich des Kopfes. Sie treten oft in Begleitung mit anderen neurologischen Veränderungen auf, zum Beispiel mit Benommenheit, Sehstörungen, Taubheitsgefühlen oder Lähmungserscheinungen. Wenn Kopfschmerzen über einen langen Zeitraum bestehen, langsam zunehmen und mit anderen Beschwerden einhergehen, oder wenn ganz plötzlich stärkste, vernichtende Beschwerden auftreten, sollten diese ärztlich abgeklärt und eine ernste Ursache ausgeschlossen werden.

Wann soll ein Arzt aufgesucht werden?


Bei plötzlich aufgetretenen, heftigen Kopfschmerzen sowie bei Kopfschmerzen, die von einer Bewusstseinsminderung, Verwirrtheit, hohem Fieber, Lähmungen oder Erbrechen begleitet werden, sollte man sich sofort in ärztliche Behandlung begeben. In diesen Fällen könnte eine ernstere Ursache für die Beschwerden verantwortlich sein und muss auf jeden Fall vom Arzt abgeklärt werden.

Auch bei häufig wiederkehrenden Kopfschmerzen sollte ärztlicher Rat gesucht werden. Die längerfristige Einnahme von Schmerzmitteln kann selbst Kopfschmerzen auslösen und auch andere körperliche Schäden, wie zum Beispiel eine Nierenschädigung oder Veränderungen der Leber verursachen.

Was kann der Arzt tun?


Zur Abklärung wiederholt auftretender oder lang anhaltender Kopfschmerzen erfolgen neben einer eingehenden körperlichen Untersuchung durch den Arzt weitere technische Untersuchungen. Es kann sinnvoll sein, nicht nur einen Allgemeinarzt aufzusuchen, sondern sich zusätzlich auch bei einem Augen-, Hals-Nasen-Ohren- oder einem Zahnarzt zur Abklärung der Kopfschmerzen vorzustellen. Ein Neurologe ist bei primären Kopfschmerzformen wie Clusterkopfschmerz und Migräne oder bei Begleiterscheinungen (z. B. Lähmungen, Sehstörungen, Benommenheit) der richtige Ansprechpartner.

Die wichtigsten Informationen liefern immer die Krankengeschichte und die körperliche Untersuchung durch den Arzt. Mit einer Computer- oder Kernspin-Tomografie kann zusätzlich geklärt werden, ob im Schädelinneren Ursachen für die Kopfschmerzen nachzuweisen sind. Diese Untersuchungen sind jedoch selten notwendig, denn nur bei wenigen Kopfschmerzformen liegen entsprechende krankhafte Veränderungen vor.

Um die Kopfschmerzen einem bestimmten Krankheitsbild zuzuordnen, ist eine detaillierte Beschreibung der Beschwerden erforderlich. Dazu gehören Schmerzcharakter (dumpf-drückend, stechend, pulsierend etc.), Häufigkeit, Lokalisation, Auslöser (Nahrungsmittel, Alkohol, Regelblutung) und Begleiterscheinungen der Kopfschmerzen (Lärmempfindlichkeit, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen etc.). Ebenso können Angaben darüber, welche selbst durchgeführten Maßnahmen (z. B. Hinlegen im abgedunkelten Zimmer, Spaziergang an der frischen Luft, Medikamente) am besten gegen die Beschwerden helfen, dem Arzt wichtige Hinweise geben. Besonders bei lange bestehenden Kopfschmerzen kann es hilfreich sein, wenn der Patient über solche Faktoren Aufzeichnungen anfertigt (Kopfschmerz-Tagebuch).

Was kann man selbst tun?


Gelegentlich auftretende Kopfschmerzen leichter bis mittlerer Ausprägung im Rahmen eines Infektes oder nach einer "durchzechten Nacht können meist ohne Bedenken mit frei verkäuflichen Schmerzmitteln behandelt werden, die Wirkstoffe wie z. B. Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol oder Ibuprofen enthalten. Diese Substanzen wirken schmerzlindernd, fiebersenkend und zum Teil entzündungshemmend. Sie greifen in die Stoffwechselprozesse verschiedener Entzündungs- und Schmerzfaktoren ein.

Um Überdosierungen zu vermeiden und Nebenwirkungen rechtzeitig zu erkennen, sollten die jeweiligen Angaben im Beipackzettel genau beachtet werden. Acetylsalicylsäure und Ibuprofen können Magengeschwüre verursachen. Außerdem wird durch Acetylsalicylsäure die Blutgerinnung verzögert. Paracetamol ist insgesamt sehr gut verträglich, bei einer Überdosierung besteht jedoch das Risiko einer lebensgefährlichen Leberschädigung.

Häufig kann man auch ohne Medikamente eine Linderung erreichen. Verzicht auf Alkohol und Nikotin sowie ausreichende Bewegung an der frischen Luft können das Auftreten von Kopfschmerzen und deren Verlauf günstig beeinflussen. Bei manchen Kopfschmerzformen kann ein leichtes, regelmäßiges Ausdauertraining wie Walking oder Schwimmen zu einer Verbesserung führen. Auch Entspannungsübungen wie Autogenes Training und die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson können helfen, Häufigkeit und Ausprägung der meisten Kopfschmerzarten zu reduzieren.

Die Anwendung von hoch konzentriertem Pfefferminzöl kann besonders beim Spannungskopfschmerz einen vergleichbaren Effekt haben wie die Einnahme von Paracetamol oder Acetylsalicylsäure. Dabei wird eine kleine Menge des Öls auf Stirn oder Schläfe aufgetragen und leicht verrieben. Auf welche Weise der schmerzlindernde Effekt genau erreicht wird, ist weitgehend unbekannt.

Zahlreiche positive Berichte über die Anwendung von Akupressur oder Akupunktur lassen einen Versuch dieser Methode als mögliche Alternative zur medikamentösen Therapie gerechtfertigt erscheinen.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Straube A.: Das chronische Problem - der chronische Kopfschmerz. Der Schmerz 18, S. 363-369 (2004).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF),
Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Therapie der Migräne (11/2004).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF),
Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Episodischer und chronischer Spannungskopfschmerz (4/2002).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF),
Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Cluster-Kopfschmerz (4/2002).

Zenz, M.: Lehrbuch der Schmerztherapie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft GmbH (2001).

Hahn, J. M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme (3. Auflage 2000).
Anzeige
Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen Diese Seite zu del.icio.us hinzufügen
Anzeige
Anzeige
Anzeige