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Prämenstruelles Syndrom



(PMS)


Was versteht man unter dem Prämenstruellen Syndrom?


Medizinisch wird das Prämenstruelle Syndrom (PMS) definiert als "regelmäßig in der zweiten Zyklushälfte auftretende, ausgeprägte körperliche und psychische Beschwerden".
Prämenstruell bedeutet, dass sich das PMS in den "Tagen vor den Tagen" äußert, also in der Zeit zwischen Eisprung und Einsetzen der Regelblutung. Mit Beginn der Menstruation klingen die Beschwerden dann innerhalb von wenigen Stunden ab.

Die Definition ist deshalb so ungenau, weil die Symptome sehr vielfältig sind und in ihrer Art und Stärke von Frau zu Frau stark variieren. Das ist wohl einer der Gründe, warum das PMS lange Zeit (und leider auch heute noch oft genug) als "Scheinkrankheit" oder als "normale" Ankündigung der Regel abgetan wurde. Die Betroffenen galten als besonders wehleidig und wenig belastbar.

Mittlerweile wird das PMS als definiertes Krankheitsbild anerkannt, nicht zuletzt, weil Studien gezeigt haben, wie häufig es ist. Etwa jede dritte Frau im gebärfähigen Alter leidet an mehr oder weniger ausgeprägten Beschwerden während der zweiten Zyklushälfte. Bei 10 bis 20 Prozent von ihnen sind die Symptome so schwer, dass sie ärztlich behandelt werden müssen. Meist beginnt die Krankheit im dritten Lebensjahrzehnt.

Welche Ursachen hat das PMS?


Die Frage, wie PMS entsteht, wird von der Wissenschaft kontrovers diskutiert. Zur Zeit kann man noch nicht genau sagen, welche Faktoren dafür verantwortlich sind, dass manche Frauen an einem PMS erkranken und andere nicht. Fest steht nur, dass die Krankheit etwas mit den Hormonschwankungen des weiblichen Zyklus zu tun haben, denn wenn diese medikamentös oder chirurgisch, das heißt durch die Entfernung der Eierstöcke, außer Kraft gesetzt werden, verschwinden die Symptome.

Lange Zeit wurde ein Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtshormonen Progesteron und Östrogen als alleinige Ursache vermutet. Studien haben aber gezeigt, dass die Spiegel dieser Hormone bei vielen Betroffenen völlig normal sind. Mittlerweile geht die Forschung davon aus, dass das PMS zu den multifaktoriellen Krankheiten zählt, das heißt, dass nicht nur ein, sondern das Zusammenwirken mehrerer Faktoren die Krankheit auslöst. Dazu gehören zum Beispiel Störungen des Schilddrüsenhormonsystems, Umweltgifte, bestimmte Pilzinfektionen, aber auch Stress, Schlafstörungen, geringe körperliche Fitness und falsche Ernährung.

Allerdings unterliegen fast alle genannten Faktoren hormonellen Einflüssen oder beeinflussen selbst den Hormonhaushalt, was wieder für die zentrale Rolle der Botenstoffe spricht. Auch die beim PMS so häufigen Stimmungsschwankungen können hormonellen Ursprungs sein, denn das für die Steuerung von Emotionen wichtige limbische System liegt im Gehirn unmittelbar neben der hormonellen Steuerungseinheit, dem Hypophysen-Hypothalamus-System.

Ob ein ursächlicher Zusammenhang mit dem soziokulturellen Umfeld besteht, ist umstritten. Eine negative Erwartungshaltung gegenüber der Regelblutung scheint gewisse körperliche und psychische Schwankungen in den Tagen vor den Tagen aber zu verstärken.

Welche Beschwerden macht die Krankheit?


Die Symptome sind individuell und von Frau zu Frau oft vollkommen unterschiedlich. In 350 wissenschaftlichen Studien wurden annährend 200 verschiedene mit dem PMS in Zusammenhang stehende Beschwerden beschrieben. Sie treten aber immer erst nach dem Eisprung, also in der zweiten Zyklushälfte auf und verschwinden mit dem Beginn der Regel.

Die folgenden körperlichen und psychischen Krankheitszeichen stehen bei vielen Betroffenen im Vordergrund:
  • Ziehen und Druckgefühl, Schmerzen und erhöhte Empfindlichkeit der Brust (Mastodynie)
  • Bauchschmerzen mit Völlegefühl, Verstopfung, Blähungen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, der Unterbauch wirkt geschwollen
  • Ödeme, das heißt Schwellungen durch Wassereinlagerungen ins Gewebe, in erster Linie an den Beinen, aber auch an Händen, Armen und im Gesicht
  • Gewichtszunahme, ebenfalls durch Wassereinlagerungen verursacht
  • Kopf- und Rückenschmerzen sowie insgesamt eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit
  • Müdigkeit, allgemeine Erschöpfung
  • Schlafstörungen
  • Veränderungen des Essverhaltens mit Appetitlosigkeit und Heißhungerattacken
  • Depressive Stimmung mit dem Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Verlust des Selbstwertgefühls, die Stimmungslage ist bei vielen Betroffenen extrem schwankend, plötzliche Wutanfälle und Tränenausbrüche sind keine Seltenheit
  • Lustlosigkeit und Lethargie, die eigenen Interessen scheinen nicht mehr wichtig
  • Nervosität und ständige Anspannung bis hin zu ausgeprägten Angstzuständen
  • Reizbarkeit
  • Konzentrationsprobleme
  • Verlust der Libido
Die körperlichen Beschwerden sind zwar unangenehm, viele PMS-Patientinnen leiden aber vor allem unter den psychischen Symptomen. Die depressive Stimmung kann so ausgeprägt sein, dass es in den Tagen vor den Tagen zu wiederkehrenden Konflikten in Partnerschaft, Familie und Beruf kommt, die das Beziehungsleben dauerhaft belasten. Allein schon aus diesem Grund sollten die seelischen Probleme weder vom Arzt noch von den Betroffenen auf die leichte Schulter genommen werden.

Wie wird ein PMS diagnostiziert?


Da es beim PMS keine eindeutigen Hinweise, wie beispielsweise einen bestimmten Laborwert im Blut gibt, stellt der Arzt die Diagnose anhand des Beschwerdebilds. Doch die Symptome sind zum einen sehr unterschiedlich, zum anderen medizinisch auch wenig spezifisch, dass heißt es gibt viele andere Krankheiten, die sich in einer ganz ähnlichen Symptomatik äußern. Das bedeutet zum Beispiel, dass sich hinter einer psychischen Verstimmung auch eine echte Depression verbergen kann.

Bevor der Arzt wirklich mit Sicherheit sagen kann, dass seine Patientin unter einem Prämenstruellen Syndrom leidet, müssen andere mögliche Ursachen der Beschwerden durch gezielte diagnostische Maßnahmen ausgeschlossen werden. Dass die Symptome regelmäßig und ausschließlich in der zweiten Zyklushälfte auftreten und mit der Menstruation wieder verschwinden, ist ein Charakteristikum, welches das PMS von vielen anderen Krankheiten unterscheidet.

Deshalb fordern die meisten Ärzte ihre Patientinnen auf, einen PMS-Kalender zu führen, in dem Zeitpunkt und Dauer der Menstruation sowie das psychische und körperliche Befinden eingetragen werden. So lässt sich auch der Erfolg einer Therapie beurteilen. Steht die Diagnose fest, wird durch die Bestimmung der Hormonspiegel überprüft, ob ein Ungleichgewicht zwischen Progesteron und Östrogen die Krankheit verursacht.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?


Den einen Auslöser gibt es beim PMS in den seltensten Fällen, die Beschwerden werden durch das Zusammenspiel vieler Faktoren hervorgerufen. Eine ursächliche Therapie, die das Übel an der Wurzel packt, ist daher nahezu unmöglich. Die Behandlung richtet sich nach den Symptomen.

Da diese bei jeder Frau unterschiedlich sind, gibt es auch kein einheitliches Therapieschema, sondern der Arzt erstellt einen Behandlungsplan, der auf die individuellen Beschwerden jeder Patientin zugeschnitten ist.

Dabei setzt er folgende Medikamente ein:
  • Schmerzmittel (Analgetika): Manche Frauen leiden so sehr unter Rücken-, Kopf- und Bauchschmerzen, dass sie Schmerzmittel benötigen. Diese bergen aber bei langem und intensiven Gebrauch die Gefahr, selbst chronische Schmerzen zu verursachen. Die Schmerzbehandlung sollte deshalb nicht eigenmächtig sondern in enger Absprache mit dem Arzt erfolgen.
  • Harntreibende Mittel (Diuretika) werden nur in Ausnahmefällen bei schweren Ödemen eingesetzt.
  • Wenn der Leidensdruck durch die psychische Verstimmung sehr groß ist, können Antidepressiva helfen. Die so genannten SSRI (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) lassen sich gezielt in der zweiten Zyklushälfte anwenden und bringen schnell Linderung. Dauerhaft sollten aber auch diese Mittel nicht eingenommen werden.
  • Hormonelle Ovulationshemmer, also die Anti-Baby-Pille oder ein Hormonpflaster mit dem gleichen Wirkprinzip, lindern bei manchen Frauen die Beschwerden, das haben auch wissenschaftliche Studien bestätigt. Besonders wirksam sind sie gegen Brustschmerzen und Krämpfe, auf der anderen Seite verstärken sie oft die psychischen Beschwerden.
  • Am wirksamsten sind laut Studien die so genannten LH-RH-Antagonisten. Sie hemmen über eine Hormonkette die Eireifung und den Eisprung. Dadurch wird künstlich ein hormoneller Zustand herbeigeführt, der dem nach den Wechseljahren entspricht. Das heißt, die Frauen können unter der Therapie nicht schwanger werden. Da die Medikamente zudem das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose (Knochenabbau) erhöhen, dürfen sie nur für kurze Zeit eingenommen werden.
  • Vitamin B6 war einige Zeit ein Hoffnungsträger der PMS-Therapie, konnte aber seine Wirksamkeit in wissenschaftlichen Untersuchungen nicht unter Beweis stellen.
Insgesamt ist die Gabe vieler Medikamente beim PMS umstritten. Eigentlich hat nur eine Substanz beim PMS seine gute Wirksamkeit eindeutig bewiesen - das Placebo. Im Durchschnitt über viele Studien hinweg besserten sich durch die Einnahme einer wirkstofffreien Tablette bei über der Hälfte der Betroffenen die Beschwerden.

Das macht deutlich, welch große Rolle die Psyche spielt. Bei depressiven Verstimmungen kann es deshalb sinnvoll sein, sich nicht nur gynäkologisch betreuen zu lassen, sondern sich auch an einen Psychotherapeuten zu wenden.

Was kann man selbst tun?


Viele Faktoren, die ein Prämenstruelles Syndrom begünstigen, lassen sich von den betroffenen Frauen selbst beeinflussen. Der wichtigste ist sicherlich das emotionale Befinden. In den "schwierigen" Tagen sollte zusätzlicher Stress so weit es geht vermieden und für seelisches Wohlbefinden gesorgt werden. Ein heißes Bad zeigt oft schon erstaunliche Wirkung. Auch autogenes Training oder andere Entspannungstechniken helfen, mit den Beschwerden besser fertig zu werden.

Ein überaus wirksames "Antidepressivum" ist Sport: Beim Joggen, Fahrradfahren, Schwimmen und selbst bei einem leichten Spaziergang schüttet das Gehirn Endorphine aus, das sind "Glückshormone", die Stimmungsschwankungen entgegen wirken.

Studien haben gezeigt, dass die Ernährung das PMS günstig beeinflussen kann. Frauen, die auf 15 Prozent tierische Fette verzichtet und sich dafür kohlenhydratreicher ernährt haben, litten unter deutlich weniger Beschwerden. Weniger Salz mildert die Wassereinlagerungen. Kurzfristige Erfolge sind allerdings nicht zu erwarten, den gewünschten Effekt bringt nur eine langfristige Ernährungsumstellung.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Diedrich, K.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Springer (2000).

Loimer, L.: Prämenstruelles Syndrom. Linz (2004).

Westcott, P.: PMS. Die Tage vor den Tagen, das prämenstruelle Syndrom. Umschau Verlag (2002).
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