Ihre Suche

Einnässen



(Enuresis; Trockenwerden, verzögertes)


Was versteht man unter dem Begriff Enuresis?


Die Enuresis ist definiert als " unwillkürlich nächtliches Einnässen bei normaler Blasenfunktion nach dem sechsten Lebensjahr an mindestens zwei Nächten im Monat".

Die Enuresis bezeichnet also das verzögerte Trockenwerden eines Kindes. Sich normal entwickelnde Kinder werden tagsüber zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr trocken, bis zum vierten Lebensjahr dann auch nachts.

Das Bettnässen gehört zu den häufigsten Störungen im Kindesalter, nach Schätzungen sind etwa zehn Prozent der Siebenjährigen betroffen. Zur Beruhigung darf man sagen, dass die Enuresis in den allermeisten Fällen keine Krankheit, sondern eher eine Entwicklungsverzögerung darstellt. Oft löst sich das Problem im Lauf der Zeit von selbst. Dennoch: Jede Enuresis sollte vom Kinderarzt abgeklärt werden, um sicher zu gehen, dass sich dahinter keine ernst zu nehmende Störung verbirgt.

Was kann die Ursache für das verzögerte Trockenwerden sein?


Sowohl körperliche als auch seelische Ursachen werden für das Einnässen des Kindes verantwortlich gemacht, ohne dass der eine definitive Auslöser feststeht. Die Diskussion um die Ursachen der Enuresis ist auch gewissen medizinischen Modeerscheinungen unterworfen. Während man früher vor allem in Richtung psychischer Konflikte argumentierte, tendiert die Fachwelt heute wieder stärker dazu, die Krankheit mit physiologischen Auslösern zu begründen:

Im Folgenden sind stichwortartig einige der möglichen Gründe aufgeführt:
  • Fehlbildung der kindlichen Harnblase mit der Folge einer Blasenschwäche
  • Verzögerte Reifung hemmender Nervenbahnen, die vom Gehirn und Rückenmark zur Harnblase verlaufen. Dadurch entleert sich die Harnblase schon bei geringen Urinmengen reflexartig.
  • Sehr tiefer Schlaf des Kindes, es ist nur schwer zu wecken
  • Abnorme Gewohnheiten beim Trinken und Wasserlassen
  • Mangel an ADH, dem Hormon, das die Urinausscheidung in der Nacht hemmt. Dies führt zu einer erhöhten nächtlichen Urinproduktion.
  • Familiäre Häufung: Ein Gendefekt auf Chromosom 13 wird mit der Enuresis in Zusammenhang gebracht.
  • Eifersucht auf jüngere Geschwister
  • Kindergarten- oder Schulangst
  • Hohe Erwartungshaltung der Eltern an das Kind
  • Probleme in der elterlichen Ehe, so dass sich das Kind gezwungen fühlt, durch sein Einnässen von den elterlichen Streitigkeiten abzulenken.
  • Psychiatrische Erkrankungen

Wie sollte man sich verhalten und wann sollte man zum Arzt gehen?


Weder die Familie, noch das Kind sollten sich Vorwürfe machen. Druck, Bestrafungen und Drohungen verschlechtern und verstärken das Problem zusätzlich. Das Einnässen sollte offen beim Arztbesuch angesprochen werden. Etwa zehn Prozent der Siebenjährigen, fünf Prozent der Zehnjährigen und sogar ein Prozent der Zwanzigjährigen beschreiben regelmäßig nächtliches Einnässen - es gibt also keinen Grund eine Enuresis zu verschweigen.

Folgende Gegebenheiten aber sollten Anlass zu einem Arztbesuch geben:
  • Wenn eine Kombination von Einnässen und anderen Symptomen wie z. B. Fieber, schlechtes Gedeihen des Kindes, häufige Infektionen oder auch psychische Veränderungen vorliegen.
  • Wenn das Kind älter als fünf Jahre ist.
  • Wenn das Kind ca. ein Jahr trocken war und erneut mehrmals wöchentlich wieder einnässt.
  • Wenn das Kind unter dem Einnässen leidet.

Welche Untersuchungen führt der Arzt durch?


Um eine kindliche Blasenschwäche, die mögliche organische Störungen zur Ursache hat, von einer harmloseren Ursache für das Einnässen zu unterscheiden, sind zunächst folgende Untersuchungen beim Arzt notwendig:
  • Ausführliches Gespräch mit der Familie und dem Kind zu Lebensumständen und dem Verhalten beim Wasserlassen des Kindes und seiner Geschwister
  • Urinuntersuchung
  • Ultraschalluntersuchung (Sonografie) der Harnblase und der ableitenden Harnwege
Abschließend gibt der Arzt den Eltern ein kindgerechtes Protokoll mit, in dem diese Uhrzeit, Urin- und Trinkmenge eintragen sollen. Wichtig ist dann auch die Angabe des Einnässens mit Uhrzeit, einer eventuell besonderen Begebenheit am Tage sowie der Menge des Urinverlustes. Das Kind darf oft in dem üblichen Protokoll malerisch mitwirken. Dies macht Eltern und Kind das Thema bewusster, und der Arzt erhält wichtige Aufschlüsse für seinen Behandlungsplan.

Ist diese Basisuntersuchung regelrecht, kann von einer einfachen Enuresis ausgegangen werden  weitere sind dann in der Regel nicht notwendig. Anders wenn sich Hinweise auf eine organische Ursache finden. Um die Störung abzuklären, werden weitere diagnostische Schritte nötig, beispielsweise eine Untersuchung der Funktion der Beckenbodenmuskulatur.

Welche Behandlungsmöglichkeiten stehen für die Enuresis zur Verfügung?


Allein schon wegen des meist sehr großen Leidensdrucks seitens der Kinder, sollte man bei einer Enuresis nicht einfach abwarten. Wichtig ist, den kleinen Patienten Verantwortung zu übergeben. Das Kind muss sich selbst mit diesem Problem auseinandersetzen und den Erfolg bestimmter Verhaltensänderungen erkennen. So sollten Eltern es nach einer trockenen Nacht belohnen und motivieren.

Das Kind lernt außerdem, in Ruhe auf Toilette zu gehen und sich regelmäßige, an die jeweilige Tageszeit sowie an die äußeren Bedingungen angepasste Trinkgewohnheiten anzueignen.
Der behandelnde Arzt wirkt unterstützend und beratend mit.

Durch diese Maßnahmen ist schon etwa einem Viertel der Patienten geholfen. Als weitere Möglichkeit gibt es die Weckreiztherapie. Die Klingelhose stellt solche Möglichkeit dar. Hier wird das Kind nach dem Einnässen durch die Klingelhose geweckt. Es ist wohl die erfolgreichste Therapie, jedoch zu Beginn sehr anstrengend für Eltern und Kind. Die Therapie wird meist über drei Monate durchgeführt.

Eine Behandlungsmöglichkeit sind Medikamente, genauer gesagt Mittel, die dem ADH ähneln und so die nächtliche Blasenfüllung reduzieren. , Sie können als Nasenspray oder in Tablettenform eingenommen werden. Anfangs bringt die Behandlung, die immer mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden sollte, gute Erfolge. Der Haken: Nach dem Absetzen des Medikaments nässen viele Kinder wieder ein. Deshalb kombiniert man die Therapie mit anderen Maßnahmen wie dem Verhaltenstraining.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Roth, S.: Klinische Urologie. Vom Befund zur Therapie. Springer (2001).

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF):
Leitlinie zur Abklärung der Harninkontinenz in der Kinderurologie (041/010) (1998).

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF):
Leitlinien Enuresis und funktionelle Harninkontinenz(1999).

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF):
Leitlinie Enuresis (006/015).
http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/006-015.htm (letzte Überarbeitung 972002).
Anzeige
Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen Diese Seite zu del.icio.us hinzufügen
Anzeige
Anzeige
Anzeige