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Hodentorsion




Was ist eine Hodentorsion?


Unter einer Hodentorsion versteht man die plötzliche Drehung des Hodens mit dem Samenstrang um die Längsachse. Korrekter ist die Bezeichnung "Samenstrangtorsion". Hierbei kommt es zunächst zu einem Abdrücken der Venen (Abtransport des sauerstoffarmen Blutes) im Samenstrang bei unveränderter Blutzufuhr über die Arterien (sauerstoffreiches Blut).

Die zunehmende Blutfülle im Hodensack mit verstärktem Austreten von Wasser aus dem Gewebe führt später auch zur Unterdrückung der Blutzufuhr. Der Hoden wird nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Diese Unterversorgung kann das Hodengewebe für etwa vier bis sechs Stunden verkraften, d. h. innerhalb dieser Zeit, nach dem akuten Schmerzereignis, muss eine Therapie erfolgt sein damit kein dauerhafter Schaden entsteht.

Die Hodentorsion ist ein dramatisches Ereignis und führt unbehandelt zum Absterben des betroffenen Hodens mit möglicher Auswirkung auf die Zeugungsfähigkeit (Spermienproduktion) und die im Hoden stattfindende Produktion des männlichen Geschlechtshormons (Testosteron).

Die Hodentorsion kann in jedem Alter auftreten. Man beobachtet sie jedoch am häufigsten im ersten Lebensjahr bzw. vor der Geburt und bei Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren.

Welche Beschwerden macht eine Hodentorsion?


Das typische Symptom ist der plötzlich auftretende heftige Schmerz des befallenen Hodens, der in den Leistenkanal ausstrahlt. Gleichzeitig kommt es zur schmerzhaften Schwellung des Hodens, Rötung und Blauverfärbung der Haut am Hodensack und zur Verlagerung des Hodens in Richtung Leiste.

Bereits im Frühstadium treten stärkere Allgemeinsymptome wie Übelkeit, Erbrechen und Schweißausbruch auf. Bei Frühgeborenen und Kleinkindern fehlt der typische Verlauf. Hier stehen der akut schmerzhafte Hoden mit allgemeiner Unruhe und Appetitlosigkeit im Vordergrund.

Ursache einer Hodentorsion ist immer eine übermäßige Beweglichkeit des oder der Hoden. Auslösendes Moment für die Verdrehung können sportliche Betätigung (z. B. Fahrradfahren oder Fußballspielen), morgendliches Aufstehen und nächtliches Herumwälzen im Bett sein, so dass Betroffene durch das Schmerzereignis oft nachts aus dem Schlaf gerissen werden.

Manchmal tritt die gesamte Symptomatik auch weniger plötzlich, sondern langsam zunehmend auf, sodass die Hodentorsion zunächst nicht erkannt wird.

Welche Untersuchungen bestätigen eine Hodentorsion?


Wegweisend für eine Hodentorsion ist die Schilderung des Verlaufs, die Betrachtung und körperliche Untersuchung des betroffenen Hodens und der Ausschluss anderer Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik (Nebenhodenentzündung, Leistenbruch mit Darmeinklemmung, Blinddarmentzündung, Harnleiterstein, Schlag, Stoß, Tritt gegen den Hoden).

Häufig wird die Hodentorsion als Nebenhodenentzündung fehlgedeutet und durch die eingeleitete Behandlung unnötig Zeit verloren, die für die Erhaltung des Hodens eine entscheidende Rolle spielen kann.

Eine Ultraschalluntersuchung der im Samenstrang verlaufenden Blutgefäße (Dopplersonografie) kann eine herabgesetzte oder vollständig unterbrochene Durchblutung zeigen, jedoch ist die Untersuchung bei stark schmerzendem Hoden, insbesondere bei Kleinkindern, nur schlecht durchführbar.

Welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen?


Ziel jeder Therapie sollte das unmittelbare Zurückdrehen des Hodens sein. Da dies auch von selbst geschehen kann, sollte abhängig vom Alter des Betroffenen innerhalb von vier bis sechs Stunden in örtlicher Betäubung der manuelle (mit der Hand) Versuch erfolgen, den Hoden zurückzudrehen.

Gelingt dies, ist der Betroffene unmittelbar schmerzfrei, der Hoden liegt wieder tief im Hodensack und ist deutlich weniger schmerzempfindlich. Gelingt dies nicht, ist eine sofortige operative Freilegung des Hodens zur Erhaltung seiner Funktion notwendig.

Was wird bei einer Operation gemacht?


Von einem kleinen Hautschnitt am Hoden aus werden die Hodenhüllen eröffnet und der Hoden freigelegt. Er wird in seine ursprüngliche Lage zurückgedreht mit dem Ziel, den zu- und abführenden Bluttransport wieder freizugeben. Anschließend wird der Hoden innerhalb des Hodensackes so festgenäht, dass er sich nicht erneut verdrehen kann. Die Hodenhaut wird ebenfalls wieder zugenäht.

Zeigt sich während der Operation bereits ein sichtbarer Schaden am Hodengewebe, können "Wiederbelebungsversuche", wie das Einschlagen des Hodens in warme Tücher, eine sichtbare Erholung bewirken, und er kann erhalten werden.

Zeigt sich auch nach solchen Maßnahmen keinerlei Erholungstendenz, weil zu viel Zeit vom akuten Schmerzereignis bis zur Operation vergangen ist, und der Hoden bleibt dauerhaft schwarz und minderdurchblutet, so muss der Hoden entfernt werden.

Was muss noch beachtet werden?


Weil eine Neigung zum doppelseitigen Auftreten einer Hodentorsion bekannt ist, sollte bei jedem Auftreten einer Hodentorsion nach einem kurzen Zeitintervall der Hoden der Gegenseite vorbeugend festgenäht werden.

Falls eine Hodenentfernung unvermeidlich war, kann der verbleibende, gesunde Hoden die Hormonproduktion sicherstellen. Mit einer Verminderung der Spermienproduktion und somit der Zeugungsfähigkeit muss jedoch gerechnet werden. Bei starkem Testosteronmangel kann das Hormon auch dauerhaft als Medikament eingenommen werden.

Kann eine Hodentorsion verhindert werden?


Die zur Hodentorsion führende abnorme Beweglichkeit des Hodens innerhalb seiner Hüllen ist Folge anatomischer Gegebenheiten und kann nicht beeinflusst werden. Dennoch sollten Eltern, Hausärzte, Kinderärzte und Urologen aufhorchen, wenn Kinder oder junge Männer über Hodenschmerzen berichten.

Die Folgen einer falschen oder zu späten Behandlung sind so gravierend, dass man solche Beschwerden immer ernst nehmen muss. Gerade in der Pubertät sollte man Jugendlichen die Scheu nehmen, sich über Veränderungen im Genitalbereich zu äußern und ihre Beschwerden ernst und offen besprechen, um gegebenenfalls eine rechtzeitige Behandlung einleiten zu können.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Hanno, P.: Clinical manual of Urology. McGraw-Hill ( 3rd edition 2001).

Hautmann, R.: Urologie. Springer (2. Auflage 2001).

Hinman, F.: Atlas urologischer Operationen. Enke (1994).

Sigel, A.: Kinderurologie. Springer (1993).

Sökeland, J.: Urologie. Thieme (12. Auflage 2002).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie: Hodentorsion. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 006/023 (Letzte Aktualisierung: September 2002).
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