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Nierensteine und Harnleitersteine



(Urolithiasis)


Wie bekommt man Nierensteine oder Harnleitersteine?


Mehr als zehn Prozent der deutschen Bevölkerung erkranken in ihrem Leben an einem Nierensteinleiden. Männer sind häufiger betroffen als Frauen und Kinder erkranken seltener.

Durch die Nieren werden im Urin u. a. auch Stoffe ausgeschieden, die unter bestimmten Bedingungen (z. B. zu wenig Wasser) auskristallisieren (verfestigen). Kleinste Kristalle können ausgeschieden werden, größerer Kristalle können sich jedoch auch zu Steinen entwickeln. Wie viele Kristalle sich in der gleichen Menge Urin lösen können, hängt unter anderem vom Säuregehalt des Urins ab, dem Urin-pH-Wert. Dieser sollte zwischen 5,5 und 7 liegen und ist von der Ernährung abhängig. Bei einem Urin-pH unter 7 ist der Harn sauer, bei einem Urin-pH über 7 ist der Harn alkalisch (Lauge). Bestimmte Steinarten bilden sich eher im alkalischen Urin, andere eher, wenn dieser sauer ist.

Bestimmte Substanzen fördern die Nierensteinbildung, wenn sie vermehrt mit dem Urin ausgeschieden werden. Hierzu zählen Kalzium, Phosphat, Oxalat, Zystin und Harnsäure. Andere Stoffe können zu einer besseren Löslichkeit der Kristalle führen, wenn sie mit dem Urin ausgeschieden werden. Hierzu zählen Zitronensäure sowie Magnesium bei so genannten Kalziumoxalatkristallen. Diese Zusammenhänge kann man ausnutzen, um die Neubildung von Steinen zu vermeiden.

Die Neigung zur Harnsteinbildung kann vererbt werden. Eine Veränderung der Darmfunktion und bestimmte Störungen der Nierenfunktion können zur Steinbildung beitragen. Sehr selten liegt eine Erkrankung der Nebenschilddrüsen einer wiederkehrenden Steinerkrankung zugrunde.

Die Bildung von Nierensteinen wird u. a. unterstützt durch Harnwegsinfektionen, geringe Flüssigkeitsaufnahme, eiweißreiche Ernährung, Gewichtsabnahme, Bettlägerigkeit.

Welche Arten von Nierensteinen und Harnleitersteinen gibt es?


Über zwei Drittel (ca. 70 Prozent) der Steine bestehen aus Kalziumoxalat. Steine aus Magnesiumammoniumphosphat (ca. 10 Prozent) und Kalziumphosphat (ca. 10 Prozent) kommen vor allem bei Entzündungen vor. Steine aus Harnsäure (Urate) machen ca. 10 Prozent aller Nierensteine aus. Eine sehr seltene vererbbare Erkrankung ist die Bildung von Zystinsteinen. Auch Mischsteine kommen häufig vor. Die genaue Zusammensetzung eines Nierensteines wird durch die Analyse des Steins im Labor festgestellt.

Die Steine bilden sich in der Niere und können dort liegen bleiben (Nierensteine). Befinden sie sich in den kleinen "Seitenästen" des Nierenbeckens (Nierenkelche), werden sie als Kelchsteine bezeichnet. Die Steine können jedoch auch mit dem Urin durch den Harnleiter "wandern", landen in der Blase und werden dann zumeist ausgeschieden.

Bleiben sie im Harnleiter stecken (Harnleiterstein), kann es passieren, dass der Urin nicht mehr am Stein vorbei fließen kann und es zum Aufstau von Urin (Harnstau) kommt.

Welche Beschwerden können Nierensteine oder Harnleitersteine machen?


Nierensteine können unbemerkt bleiben oder zufällig entdeckt werden. Es kann jedoch auch zu einem ziehenden oder dumpfen Schmerzgefühl im Bereich der Flanke kommen. Nierenkoliken treten meist auf, wenn der Stein durch den Harnleiter tritt und dort evtl. sogar "hängen bleibt". Diese Schmerzen sind "wehenartig" und werden oft als "vernichtend" erlebt. Der Betroffene ist meist unruhig und ständig in Bewegung.

Die Schmerzausstrahlung reicht - je nach Steinlage - vom Rücken und der Flanke über den seitlichen Unterbauch bis in den Hoden, die Penisspitze oder die großen Schamlippen. Ein großer Teil der Patienten leidet zusätzlich an Übelkeit, Erbrechen und fehlendem Stuhlgang. Im Urin kann unter Umständen mit dem Auge Blut zu sehen sein.

Kommen zu den Schmerzen Fieber oder Schüttelfrost hinzu, muss sofort ein Krankenhaus aufgesucht werden, da es durch eine Entzündung der Harnwege (Urosepsis) zu einer Blutvergiftung kommen kann.

Wie kann man Nierensteine oder Harnleitersteine nachweisen?


Nach einem Gespräch über die Beschwerden wird der Arzt eine körperliche Untersuchung durchführen. Diese beinhaltet z. B. das vorsichtige Abklopfen der Flanken, was im Falle einer Nierenentzündung als schmerzhaft empfunden wird.

Zum weiteren Abklärung der Beschwerden und zum möglichen Nachweis des Steinleidens können dann die folgenden diagnostischen Maßnahmen durchgeführt werden:
  • In der Urinuntersuchung können rote Blutkörperchen auf eine Nierensteinerkrankung hinweisen (es gibt aber auch andere Ursachen für "Blut im Urin"). Sind auch weiße Blutkörperchen im Urin zu finden, so liegt (zusätzlich) eine Entzündung vor.

  • Blutuntersuchungen geben Hinweise über die momentane Nierenfunktion, Entzündungen und ggf. über mögliche Ursachen einer Steinerkrankung.

  • Der Ultraschall (Sonografie) kann Steine in der Niere oder (weniger zuverlässig) im blasennahen Harnleiter nachweisen. Steine im mittleren Harnleiter lassen sich mittels Ultraschall kaum darstellen.

  • Bei der Röntgenuntersuchung können kalziumhaltige Steine nachgewiesen werden (so genannte schattengebende Steine), andere Steine wie z. B. reine Harnsäuresteine können mit einer Röntgenuntersuchung allerdings nicht dargestellt werden. Auch schattengebende Steine können übersehen werden, wenn sie z. B. von einem Knochen überdeckt werden. Andererseits können andere Verkalkungen nicht von Nierensteinen unterschieden werden, da der Harnleiterverlauf nicht sichtbar ist. Daher wird oft eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittelgabe (Urogramm) durchgeführt. Hierbei wird nicht nur der Stein, sondern auch das Nierenbecken, der Harnleiter und die Blase dargestellt. Harnsäuresteine stellen sich dann als Aussparung im Röntgenbild dar. Patienten mit einer Kontrastmittelallergie bzw. einer Jodallergie, einer Störung der Nierenfunktion (Niereninsuffizienz) oder einer Überfunktion der Schilddrüse dürfen diese Untersuchung nicht erhalten.

  • Eine genauere Methode, die Steine im Röntgenbild darzustellen, ist die so genannte retrograde Pyelografie. Hierbei geht der Facharzt mit einem speziellen Gerät (Zystoskop) über die Harnröhre in die Blase (Blasenspiegelung) und sondiert mit einem feinen Katheter die Harnleitermündung. Durch Kontrastmittelgabe kann unter Röntgenkontrolle der Stein meistens sichtbar gemacht werden, manchmal kann er auch in eine bessere Lage gebracht werden. Diese Untersuchung kann ohne Narkose erfolgen, teilweise wird im gleichen Untersuchungsgang schon eine Therapie eingeleitet.

  • Bringen die genannten Untersuchungen keine Klarheit, wird eine Computertomografie in Spiraltechnik durchgeführt. Hier zeigen sich auch kleine Steine, die mit der Sonografie oder den herkömmlichen Röntgenuntersuchungen übersehen werden können.

  • Bringen die oben genannten Untersuchungen keine Klarheit, wird eine Nierenspiegelung (Renoskopie) durchgeführt. Hierbei geht der Facharzt mit einem speziellen Gerät, einem Endoskop, über die Harnröhre in die Blase und sondiert mit einem feinen Katheter die Harnleitermündung. Anschließend gelangt er ins Nierenbecken. Über eine Optik kann er die Strukturen hinsichtlich möglicher Veränderungen wie Steine oder Tumoren einsehen. Der Eingriff wird in Narkose durchgeführt. Er birgt die Gefahr von Verletzungen von Blutgefäßen, Nerven, des Harnleiters und anderen umliegenden Strukturen, die wiederum Blutungen, Infektionen und Störungen der Harnableitung nach sich ziehen können. Das Risiko dieser Komplikationen ist umso größer, je schwerer der Befund ist (Stein, Tumor etc.), bei Gesunden ist die Untersuchung relativ ungefährlich.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?


Werden kleinere Nierensteine, die keine Beschwerden verursachen, zufällig entdeckt, ist eine Therapie nicht zwingend erforderlich. Diese Steine gehen häufig durch viel Trinken und Bewegung spontan ab.

Bestehen neben den Nierensteinen Entzündungszeichen, muss mit Antibiotika konsequent behandelt werden. Vor der ersten Antibiotika-Einnahme sollte eine Bakterienkultur aus dem Urin angelegt werden, um die Wirksamkeit der Antibiotika austesten zu können.

Welche Therapie bei größeren Steinen angewendet wird, kommt auf die Steinart, die Steingröße, die Steinlage sowie die zusätzlichen Erkrankungen des Patienten an.

Medikamentöse Behandlung von Koliken:
Für Patienten mit einer Kolik steht die Schmerzbekämpfung im Vordergrund. In leichteren Fällen reicht die Gabe von Tabletten, Tropfen oder Zäpfchen, bei starken Koliken sollte die Medikamentengabe durch die Vene erfolgen. Es werden krampflösende und schmerzstillende Medikamente verordnet. Manche Medikamente senken zusätzlich evtl. vorhandenes Fieber, was die Feststellung einer Entzündung erschwert. Auch eine vorübergehende Störung des scharfen Sehens und ein Blutdruckabfall sind möglich. Nach Einnahme der Medikamente darf man nicht mehr selbst Auto fahren.

Unter der Schmerztherapie kommt es häufig nicht nur zur Schmerzlinderung, sondern über die Erschlaffung des Harnleiters auch zum Steinabgang. Diese Therapie wird unterstützt durch die Gabe von Flüssigkeit und viel Bewegung. Manchmal kommen auch Geräte zum Einsatz die Vibrationen erzeugen, durch die der Stein schneller wandern soll.

Harnleiterschiene:
Bei sehr heftigen, lang andauernden Koliken und/oder Entzündungen bei gleichzeitigem Urinstau kann eine dünne, innen hohle Schiene ins Nierenbecken eingelegt werden. Hierzu geht der Urologe mit einem speziellen Gerät über die Harnröhre in die Blase, legt eine Schiene in den Harnleiter ein und entfernt anschließend das Blasenspiegelgerät wieder.

Meist werden Systeme benutzt, bei denen sich das eine Ende der Schiene im Nierenbecken befindet und das andere Ende in der Blase verbleibt (Doppel-J-Katheter). Manchmal kann es auch notwendig sein, eine Schiene durch die Harnröhre nach außen zu führen (Ureterenkatheter). Diese Therapien dienen der "Entlastung" der Niere, denn der Urin kann wieder abfließen. Teilweise gelingt es hierbei, den Stein in eine für eine Stoßwellentherapie günstigere Lage zu schieben.

Ob dazu eine kurze Vollnarkose sinnvoll ist, muss im Einzelfall entschieden werden. Nach Beendigung der Behandlung werden die Harnleiterschiene oder die Ureterenkatheter über eine erneute Blasenspiegelung entfernt. Bei diesen Eingriffen kann es in seltenen Fällen zur Verletzung des Harnleiters kommen, als Spätfolgen können Verengungen des Harnleiters sowie der Harnröhre auftreten.

Nierenfistelkatheter:
Gelingt es nicht, eine Harnleiterschiene einzulegen oder ist es im Einzelfall nicht sinnvoll, so kann unter Ultraschallkontrolle in örtlicher Betäubung ein Katheter durch die Haut der Flanke in die Niere eingelegt werden (Nierenfistelkatheter). Der Urin fließt dann bis zur endgültigen Therapie in einen Beutel nach außen ab. Bei diesem Verfahren kommt es selten zu Blutungen oder behandlungsbedürftigen Verletzungen der Niere oder anderer Organe.

Nach Beendigung der Behandlung kann der Nierenfistelkatheter problemlos von außen entfernt werden. Der Nierenfistelkatheter ist eine Erstmaßnahme und dient nicht der Steinentfernung, sodass sich eine weitere Behandlung zur eigentlichen Steinentfernung anschließen muss. Bei Vorliegen von Nierenbeckenentzündungen kann ein Nierenfistelkatheter lebensrettend sein.

Patienten mit einem Nierenfistelkatheter sind in Ihrer Beweglichkeit eingeschränkt und können z. B. nicht Schwimmen gehen.

Auflösungsbehandlung (Litholyse):
Harnsäuresteine (Uratsteine) lassen sich mit Medikamenten auflösen. Hier sollte der Urin-pH-Wert, der bei diesen Patienten typischerweise bei 5 liegt, auf Werte zwischen 6,2 - 6,8 angehoben werden. Das heißt der Urin muss von sauer auf alkalisch umgestellt werden. Reichen Ernährungsumstellungen (vegetarische Kost) hierzu nicht aus, so sollten entsprechende Medikamente eingenommen werden.

Die Kontrolle des Urin-pH-Wertes erfolgt mit Indikatorpapier, welches mehrfach täglich in den Urin(strahl) gehalten wird. Die Farbänderung auf dem Teststreifen gibt den Urin-pH-Wert an, und die Medikamentenmenge wird dann entsprechend angepasst. Die Therapie erfolgt über ca. sechs Wochen. In diesem Zeitraum haben sich die meisten Harnsäuresteine aufgelöst. Aber auch nach Steinabgang sollte der Urin-pH in diesem Bereich gehalten werden, um ein Wiederauftreten der Steine zu verhindern. Die Medikamente sind gut verträglich, lösen aber gelegentlich leichtere Beschwerden im Bauchraum und Übelkeit aus.

Die Therapie kann durch die Gabe von Harnsäure senkenden Medikamenten (Allopurinol) unterstützt werden. Ob dieses Medikament auf Dauer eingesetzt werden soll, muss der Arzt im Einzelfall entscheiden. Bei langfristiger Einnahme sollten, wegen möglicher Blutbildveränderungen, die Laborwerte kontrolliert werden.

Stoßwellenbehandlung (ESWL):
Die häufigste heute durchgeführte Therapie ist die Zertrümmerung der Steine durch schwache akustische Stoßwellen. Bei der Stoßwellentherapie wird der Patient auf einen speziellen Behandlungstisch gelegt. Der Stein wird zunächst mit Ultraschall oder Röntgen geortet und dann durch die Haut hindurch mit einem speziellen Impulsgeber zertrümmert. Die Wirkung der Stoßwellen entfaltet sich erst im Bereich des Steines selbst. Dieser zerspringt in Einzelteile, die zumeist auf natürliche Weise ausgeschieden werden. Die bis zu einer Stunde dauernde Stoßwellentherapie kann häufig ohne Narkose, aber unter Gabe von Schmerzmitteln und Beruhigungsmitteln durchgeführt werden.

Voraussetzung ist, dass die Steine sich in der Niere oder in den Harnleitern befinden. Nierensteine, die kleiner als zwei Zentimeter sind, sprechen besonders gut auf Stoßwellen an, und können meistens mit einer einmaligen Behandlung zertrümmert werden. Gelegentlich, besonders bei größeren Steinen, muss die Stoßwellenbehandlung im Abstand von einigen Tagen wiederholt werden.

Manchmal kommt es zu Einblutungen in die Haut, zu Schmerzen in der Flanke und blutigem Urin für einige Tage. Selten entwickelt sich ein Bluterguss um die Niere oder Fieber. Verletzungen anderer Organe sind sehr selten. Wegen möglicher Auslösung von Herzrhythmusstörungen ist eine EKG-Überwachung erforderlich. Klemmen Steintrümmer im Harnleiter ein, kann die Einlage einer Harnleiterschiene oder eines Nierenfistelkatheters notwendig werden. Daher wird bei großen Steinen bereits vor der Zertrümmerung eine Harnleiterschiene eingelegt.

Nach Stoßwellentherapie sind, abhängig von Größe und Zusammensetzung der Steine, bis zu 90 Prozent der Patienten steinfrei. Bei jedem fünften Patienten muss die Stoßwellenbehandlung wiederholt werden. Der Erfolg bei Harnleitersteinen ist geringer als bei Nierensteinen, da zum einen dem Stein im Harnleiter der Platz zum Zerspringen fehlt, zum anderen die Steine dort schlechter geortet werden können. Bleiben Steintrümmer im Harnleiter stecken, könne sie über eine Harnleiterspiegelung entfernt werden. Die Stoßwellentherapie kann ambulant oder stationär durchgeführt werden.

Harnleiterspiegelung (Ureterorenoskopie, URS):
Steine, die nur schwer lokalisiert werden können und daher für die ESWL ungeeignet sind, können in der Regel mittels Harnleiterspiegelung entfernt werden. Hierbei wird in Narkose oder lokaler Betäubung mit einem speziellen Gerät eine Sondierung des Harnleiters über die Harnblase vorgenommen und unter Sicht der Stein entfernt. Letzteres geschieht mit einem Körbchen oder einer Zange. Ist der Stein zu groß, kann er zertrümmert (Stoßwellen, Laser, Ultraschall) und die Einzelstücke entfernt werden. Bei Harnleitersteinen kann es selten zum "Abschwimmen" des Steines zurück ins Nierenbecken kommen. Nach diesem Eingriff wird oft eine Harnleiterschiene eingelegt, die nach wenigen Tagen über eine erneute Blasenspiegelung entfernt werden kann.

Leichte Harnleiterverletzungen durch das Gerät können bei bis zu 10 Prozent der Patienten auftreten, heilen aber meistens durch das Einlegen einer Harnleiterschiene ohne weitere Behandlung ab. Selten können als Spätfolge Harnleiterverengungen entstehen.

Perkutane Nephrolitholapaxie (PCNL), Nephrolithotomie:
Die perkutane Nephrolitholapaxie kommt vorwiegend bei großen Nierenbeckensteinen sowie bei einer Blockade der Harnleiter zur Anwendung. In Vollnarkose wird unter Ultraschallkontrolle ein Kanal von der Flanke in die Niere gestochen und aufgedehnt. Über diesen Kanal werden Instrumente ins Nierenbecken eingeführt und der Stein ganz oder nach Zerkleinerung (Ultraschall, Stoßwellen, Laser) entfernt. Während der Entfernung des Gerätes wird ein Katheter durch den Kanal ins Nierenbecken eingelegt, der den Urinabfluss in einen Beutel sichert und nach einigen Tagen entfernt werden kann.

Komplikationen treten relativ häufig auf. Hierzu zählen Verletzungen des Nierenbeckens mit Narbenbildung sowie Blutungen, die bei einem von fünf Behandelten eine Blutübertragung notwendig machen. Bei jedem Zehnten tritt nach dem Eingriff Fieber auf, es können sich Abszesse in der Nachbarschaft der Niere bilden. Selten sind Verletzungen anderer Organe.

Die Erholungsphase nach einem solchen Eingriff beträgt etwa ein bis zwei Wochen. Durch diese Methode werden vier von fünf Patienten steinfrei. Kleinere, verbliebene Reststeine können einige Tage später mittels Stoßwellentherapie zertrümmert werden. Durch die Nephrolitholapaxie kann häufig eine offene Operation umgangen werden, sodass die nicht unerheblichen Risiken gerechtfertigt sein können.

Offene Operation:
Selten kann es notwendig werden, einen Stein per Schnittoperation in Narkose zu entfernen. Je nach Lage des Steines kann der Schnitt im Bereich der Flanke oder des Unterbauches erfolgen. Direkt vor der Operation wird die unveränderte Lage des Steines nochmals kontrolliert. Nach Eröffnung des Nierenbeckens oder des Harnleiters kann der Stein mit Instrumenten zerkleinert und entfernt werden.

Komplikationen liegen in einer Blutung, Verletzung anderer Organe und in einer Harnleiterenge im Bereich der Operationsstelle im Anschluss an den Eingriff. Wie bei jeder anderen Operation auch, kann es im Anschluss zu Wundheilungsstörungen oder Blutgerinnseln (Thrombose, Embolie) kommen. Während der Operation wird häufig eine Harnleiterschiene eingelegt, um die Urinausscheidung sicherzustellen. Die Schiene muss später während einer Blasenspiegelung entfernt werden. Nach einer Schnittoperation mit einer Erholungszeit von zwei bis drei Wochen zu rechnen.
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Alle oben genannten Eingriffe (bis auf die Schieneneinlage) setzen eine normale Blutgerinnung voraus. Ist ein solcher Eingriff geplant, muss der Arzt entscheiden, ob gerinnungshemmende Mittel abgesetzt und ob eine Ersatzbehandlung eingeleitet werden muss. Durch den Stein und durch die Eingriffe am Harnleiter kann es bei allen Methoden in der Folge zu narbigen Engen kommen. Nicht selten werden zwei oder mehrere Verfahren miteinander kombiniert um die Erfolgsrate zu erhöhen. Durch diese Vorgehensweise können über 90 Prozent aller Behandelten von Steinen befreit werden. Man muss jedoch beachten, dass nicht jeder Stein behandlungsbedürftig ist.

Wie ist der Verlauf der Erkrankung?


Der Verlauf eines Steinleidens ist nicht vorhersehbar. Steine, die kleiner als zwei Millimeter sind, gehen oft (ca. 80 Prozent) von alleine, also ohne Behandlung ab. Auch wenn der Stein ausgeschieden ist, muss eine Untersuchung durch einen Arzt erfolgen, da weitere Nierensteine unbemerkt geblieben sein könnten. Bei der Hälfte der Behandelten treten Nierensteine erneut auf.

Steine, die größer als einen Zentimeter sind, werden selten ohne Behandlung ausgeschieden. Sie können unbemerkt in der Niere bleiben und zu größeren Steinen anwachsen, die dann z. B. einen großen Teil des Nierenbeckens einnehmen. Die Niere wird so langfristig geschädigt. Sind beide Nieren geschädigt, erfolgt keine Entgiftung des Körpers mehr und der Patient muss an die künstliche Niere (Dialyse).

Ähnliches gilt, wenn Steine und immer wiederkehrende Entzündungen vorliegen. Ohne Steinentfernung können die Medikamente (Antibiotika) die Bakterien nicht ausreichend abtöten. Die Entzündungen kommen wieder und schädigen die Nieren erneut. Lebensgefahr besteht, wenn zu einem Urinstau eine akute Entzündung kommt. Hier muss sofort eine Ableitung für den bakterienhaltigen Urin geschaffen werden. Nach Entzündungen kann es sein, dass die Leistungsfähigkeit der Patienten über Wochen bis Monate herabgesetzt ist. Bleibt die Ursache der Steinentstehung erhalten, können auch neue Steine entstehen.

Die meisten Patienten werden unter Therapie innerhalb einiger Tage steinfrei, im Einzelfall kann sich aber eine Steintherapie über Wochen hinziehen. Das persönliche Befinden des Patienten hängt stark vom Verlauf der Erkrankung und von der Therapieform ab.

Was kann man tun um Nierensteine zu verhindern?


Um Nierensteine zu verhindern, ist es wichtig, mindestens zwei Liter Flüssigkeit verteilt über den Tag zu trinken. Patienten, die zusätzlich eine Herzerkrankung haben, sollten jedoch vorher mit Ihrem Arzt sprechen. Besonders geeignet für alle Patienten sind Früchte- und Kräutertees, Quell- und Leitungswasser, Nieren- und Blasentees, verdünnte Säfte (z. B Apfel- oder Traubensaft), mineralstoffarme und kohlensäurearme Mineralwässer. Verzichtet werden sollte auf große Mengen Bier und andere Alkoholika, zuckerhaltige Limonaden einschließlich Cola, Kaffee und schwarzen (aromatisierten) Tee.

Patienten mit Harnsäuresteinen haben oft auch einen erhöhten Blutharnsäurewert, der auf eine Gichterkrankung hinweist. Diese Erkrankungen sind zum großen Teil nahrungsabhängig und zählen zu den so genannten "Wohlstandserkrankungen". Diese Patienten sollten Normalgewicht erreichen, von extremen Fasten ist jedoch abzuraten, da es hierbei durch den Abbau von Zellen zu einem Anstieg der Harnsäure kommt. Ausreichend Bewegung, der weitgehende Verzicht auf Alkohol und stark harnsäurehaltige (purinhaltige) Lebensmittel (z. B. Fleisch, Innereien) ist empfehlenswert. Wird Alkohol getrunken, so sollte die gleiche Menge an "neutralen" Getränken dazu getrunken werden. Eine vegetarische Ernährung mit Ei- und Milchprodukten ist purinärmer und wirkt zusätzlich alkalisierend auf den Urin im Gegensatz zu fleischreicher Kost.

Auch Patienten mit Kalziumoxalatsteinen haben oft ein erhöhtes Körpergewicht und erhöhte Harnsäurewerte. Sie sollten ihr Gewicht reduzieren und ggf. die Empfehlungen zur Reduzierung der Harnsäurewerte wahrnehmen. Eine ballaststoffreiche Ernährung bindet Mineralien und auch Kalzium im Darm. Die tägliche Kalziumzufuhr sollte ca. 1000 mg betragen, weniger Kalzium ist nicht empfehlenswert! Patienten, die aufgrund einer Darmerkrankung Kalziumoxalatsteine bilden, sollten sich eher kalziumreich ernähren. Die Kochsalzzufuhr sollte bei allen Patienten nicht über 5-7g/Tag liegen.

Bei Patienten mit einer gehäuft wiederkehrenden Steinbildung kann der Arzt zusätzlich Medikamente verordnen, um ein Wiederauftreten der Steinerkrankung zu vermeiden. Hierzu kann es notwendig sein, über einen Tag den Urin zu sammeln, um die Inhaltsstoffe zu bestimmen.

Literatur/ Leitlinien/ EBM:



Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).

Knoll, T., Michel, M.S., Alken, P.: Interventionelle Therapie von Harnsteinen. Deutsche Medizinische Wochenschrift 128, S. 1485-1488 (2003).

Biesalski, H.K.: Ernährungstherapie. Thieme (1999).

Alken, P.: Urologie. VCH Verlagsgesellschaft (2. Auflage 1998).
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