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Auge, trockenes



(Trockenes Auge; Benetzungsstörungen der Augen; Keratokonjunktivitis sicca; Sicca-Syndrom)


Was ist eine Benetzungsstörung und was ist ein trockenes Auge?


Unter einem trockenen Auge versteht man die Folgen einer falschen oder verminderten Benetzung der Augenoberfläche mit Tränenflüssigkeit. Alters- oder krankheitsbedingt und bei chronisch-entzündlichem Reiz kann es auch zur überschießenden Produktion wässriger Tränen kommen.

Auch die falsche Zusammensetzung der Tränen verursacht ähnliche Beschwerden wie bei einem "trockenen Auge". Beides kann zu einem teilweisen oder vollständigen Austrocknen der Augenoberfläche führen, die letztlich dadurch geschädigt wird. Das trockene Auge ist vorwiegend eine Erkrankung älterer Menschen.

Welche Aufgaben hat die Tränenflüssigkeit?


Die wässrige Tränenflüssigkeit wird in den Tränendrüsen, die sich schläfenwärts oberhalb des Auges befinden, gebildet. Drüsen, die sich in den Augenlidern befinden, liefern weitere Bestandteile. Aufgrund ihrer besonderen Beschaffenheit überzieht die Tränenflüssigkeit die Augenoberfläche mit einer sehr dünnen Flüssigkeitsschicht, dem Tränenfilm, der die Hornhaut vor dem Austrocknen schützt und sie ernährt.

Aus den Drüsen in den Augenlidern und ihrer Bindehaut kommen Fett- und Schleimanteile, die dafür sorgen, dass sich der Tränenfilm gleichmäßig auf der Hornhaut verteilt und die Verdunstung begrenzt wird. Außerdem wird dadurch eine optisch klare und ebene Grenzfläche zur Luft hergestellt, die für das gute Sehen Voraussetzung ist. Hierfür ist ein bestimmtes Mischungsverhältnis zwischen wässrigen und fett- bzw. schleimhaltigen Bestandteilen erforderlich. Ist der Tränenfilm zu dick, unregelmäßig oder zu dünn, kann man nur verschwommen sehen.

Andere Bestandteile der Tränenflüssigkeit wie beispielsweise Enzyme schützen das Auge vor Entzündungen und Infektionen. Besteht über längere Zeit eine Benetzungsstörung, so leiden die Horn- und Bindehaut darunter. In der Regel wird alle fünf bis zehn Sekunden der Tränenfilm durch den Lidschlag unwillkürlich erneuert. Die gleichmäßige Verteilung und ständige Erneuerung der Tränenflüssigkeit dient der Reinigung und dem Schutz der Binde- und Hornhaut, die dadurch optisch klar bleiben.

Die überschüssige Tränenflüssigkeit wird durch die Tränenpünktchen (Abflussweg) über ein feines Gangsystem in die Nase abgeleitet. Die Tränenpünktchen befinden sich im nasenwärts gelegenen Teil des Ober- und Unterlides.

Wie entsteht das trockene Auge?


Die Entwicklung eines trockenen Auges ist ein meist chronischer und schleichender Prozess. Zu den Ursachen zählen:
  • mangelnde Tränenproduktion
  • verminderter Lidschlag
  • falsche Zusammensetzung des Tränenfilms

Die Folge ist das Aufreißen des Tränenfilms: Die Augenoberfläche wird ständig oder wiederholt dem direkten Kontakt mit der umgebenden Luft ausgesetzt und trocknet aus. Dies verursacht einen Entzündungsreiz und schädigt die Gewebe der Horn- und der Bindehaut; die schützende Schrankenfunktion der Horn- und Bindehaut nimmt ab. Manchmal bilden sich feine Fädchen aus abgeschilferten Zellen der Hornhaut, die die Reizung unterhalten.

Geringe Tränenproduktion
Eine zu geringe Tränenproduktion kann angeboren oder erworben, d. h. im Laufe der Zeit entstanden sein. So lässt beispielsweise im Alter die Tränenmenge allmählich nach. Auch können die Tränendrüsen durch äußere Ursachen geschädigt werden, z. B. durch Entzündungen, extremen Vitamin-A-Mangel, Operationen, infolge innerer Erkrankungen wie Rheuma, Chemikalien, Strahlen oder Tumoren (Geschwülste).

Vorschnelles Austrocknen bei vermindertem Lidschlag
Gründe, die zu einem vorschnellen bzw. übermäßigen Austrocknen der Augenoberfläche führen, sind ebenso vielfältig. So lässt zum Beispiel im Alter die Häufigkeit des Lidschlags nach, was dazu führt, dass der Tränenfilm nicht mehr so häufig erneuert wird, und die Hornhaut austrocknen kann. Auch "angestrengtes Schauen", wie am Bildschirmarbeitsplatz, kann einen zu seltenen Lidschlag verursachen.

Lidstörungen
Genauso können Erkrankungen, die die Beweglichkeit der Augenlider beeinflussen, wie eine ein- oder beidseitige Gesichtslähmung oder ein Schlaganfall sowie angeborene Lidfehlbildungen, zu seltenem Lidschlag oder ausbleibendem oder nicht vollständigem Lidschluss führen. Lähmungen des Gesichtsnervs, der die Empfindlichkeit der Hornhaut vermittelt, behindern die Schutzfunktion des Blinzelreflexes mit ähnlichen Folgen.

Entzündungen
Weiterhin können Entzündungen der Augenlider oder Hauterkrankungen, die auch die Augenlider betreffen (z. B. Schuppenflechte), eine verminderte Ausschüttung aus den Drüsen in den Augenlidern bewirken. Das hat zur Folge, dass der Fett- und Schleimanteil des Tränenfilms zu hoch oder zu niedrig ist und dieser nicht mehr bis zum nächsten Lidschlag gleichmäßig an der Hornhaut haften bleibt.

Umwelteinflüsse
Umwelteinflüsse können zu einem vorschnellen Austrocknen der Augenoberfläche führen. Dazu gehören heiße, trockene Luft durch Zentralheizungen, Gebläse im Auto, Zigarettenrauch sowie heißer oder kalter Wind.

Medikamentennebenwirkungen
Darüber hinaus können verschiedene Medikamente, z. B. hormonell wirksame Substanzen wie Anti-Baby-Pillen, aber auch Augentropfen selbst eine Benetzungsstörung des Auges verursachen. Es gibt eine Reihe von Medikamenten, die zu einem trockenen Auge beitragen können, z. B. Antidepressiva (Medikamente, die die Stimmungslage beeinflussen). Ob ein Wirkstoff diese Nebenwirkungen verursachen kann, sollte im Gespräch mit den behandelnden Ärzten geklärt werden.

Wegen der Vielschichtigkeit des Krankheitsbildes und der zahlreichen Ursachen spricht der Mediziner auch vom "Syndrom des Trockenen Auges", dem Sicca-Syndrom.

Welche Beschwerden macht das trockene Auge?


Da es viele verschiedene Ursachen gibt, die zu einem trockenen Auge führen können, sind auch die auftretenden Beschwerden vielgestaltig und nicht immer typisch. Oft klagen die Betroffenen jedoch über Augenbrennen, über ein "Sandgefühl" im Auge und Juckreiz. Häufig findet sich eine erhöhte Licht- oder Blendempfindlichkeit und "müde" oder rote und tränende Augen.

Manchmal treten lidparallele Bindehautfalten aufgrund des gestörten Umfelds hinzu. Wird das trockene Auge nicht oder nicht ausreichend behandelt, besteht die Gefahr von häufigen Entzündungen. Weiterhin können dauerhafte Schäden an der Hornhaut entstehen, die zu einer Minderung oder zum Verlust der Sehschärfe führen.

Welche Untersuchungen werden durchgeführt?


Die Diagnose eines trockenen Auges wird vom Augenarzt gestellt. Neben einer ausführlichen Erfragung der Beschwerden, der Vorerkrankungen, der eingenommenen Medikamente sowie der Lebensumstände werden verschiedene ambulante Untersuchungen durchgeführt.
Der Augenarzt beobachtet, während er mit dem Patienten spricht, wie häufig dieser blinzelt. Der Arzt untersucht die Augenlider und Lidkanten sowie die Hornhaut zunächst mit dem bloßen Auge. Danach wird die Beschaffenheit der Hornhaut mit einem speziellen Mikroskop beurteilt.

Zusätzlich erhält der Patient Augentropfen, mit denen die Hornhaut vorübergehend angefärbt wird. Als Farbstoffe können unter anderem Fluoreszein und Bengalrosa eingesetzt werden, welche im Allgemeinen völlig unbelastend sind und nach kurzer Zeit wieder aus dem Auge gespült werden. So kann der Augenarzt auch kleinere Veränderungen der Augenoberfläche feststellen. Anschließend wird der Patient aufgefordert, möglichst lange nicht zu blinzeln. Während dieser Zeit beobachtet der Augenarzt, wie lange es dauert, bis der Tränenfilm aufreißt. Diese Untersuchungen sind nicht schmerzhaft. Autofahren ist anschließend möglich, wenn keine zusätzlichen Untersuchungen durchgeführt werden, die die Sehfähigkeit beeinflussen.

In bestimmten Fällen wird ein so genannter Schirmer-Test durchgeführt. Hierbei wird ein kleiner Streifen saugfähigen Papiers bei geschlossenen Augen vorsichtig zwischen Ober- und Unterlid in den Bindehautsack eingelegt. Nach fünf Minuten wird beurteilt, wie viel Tränenflüssigkeit von diesem Papierstreifen aufgesogen wurde, was einen Rückschluss auf die Tränenproduktion erlaubt. Auch diese Untersuchung ist nicht schmerzhaft, kann jedoch als unangenehm empfunden werden.

In besonders schwierigen Fällen, bei denen übliche Behandlungsmethoden nicht anschlagen, oder wenn eine Abgrenzung zu anderen Augenerkrankungen erforderlich ist, können weitere Untersuchungen veranlasst werden, z. B. eine Untersuchung der Zusammensetzung des Tränenfilms oder ein Abstrich auf Keime. Zur genauen Einteilung des Schweregrades kann ein Zellabdruck (Impressionszytologie) von der Bindehaut angefertigt werden. Dabei wird ein Filterpapier auf die Bindehaut gedrückt und anhaftende Zellen mikroskopisch ausgewertet.

Sollte der Augenarzt den Verdacht haben, dass eine Allgemeinerkrankung für das Entstehen des trockenen Auges mitverantwortlich ist, wird er auch eine Untersuchung durch den entsprechenden Facharzt veranlassen und mit diesem die erforderlichen Behandlungsmaßnahmen absprechen.

Wie wird das trockene Auge behandelt?


Sind Lidstellungsfehler der Auslöser, können sie chirurgisch behoben werden. Sollte eine behandlungsbedürftige Allgemeinerkrankung oder Entzündungen die Ursache darstellen, so werden diese vom jeweiligen Facharzt behandelt. Wenn es gelingt, die Auslöser zu beseitigen, kann das trockene Auge dauerhaft geheilt werden.

Da es sich im Regelfall jedoch um chronische Beschwerden bei schlechter Benetzung der Augen handelt, ist eine entsprechend langfristige Behandlung die Regel. Die Behandlung ist gegebenenfalls dem wechselnden Ausmaß der Beschwerden anzupassen, weshalb regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch den Augenarzt erfolgen sollten.

Chronische Entzündungen von Wimpern und Lidkanten tragen oft zum Beschwerdebild eines trockenen Auges bei. Daher sind die regelmäßige Säuberung von Verunreinigungen und die Mitbehandlung der Lidkanten in diesen Fällen erforderlich. Dabei kommen entzündungshemmende und Keim bekämpfende Wirkstoffe zum Einsatz. Auch andere Erkrankungen, die der Augenarzt feststellt, können mitverantwortlich sein.

Ist keine ursächliche Therapie möglich, erhält der Patient Augentropfen, so genannte "künstliche Tränen", die von ihm mehrmals täglich in das Auge gegeben werden, um ein weiteres Austrocknen der Augenoberfläche zu verhindern. Bei ordnungsgemäßer Anwendung verhindern sie das Fortschreiten der Erkrankung und können bestehende Beschwerden beseitigen oder erheblich bessern. Je nach Ursache und Schweregrad der Benetzungsstörung wird diese Behandlung über einen längeren Zeitraum oder auch dauerhaft durchgeführt.

Die Auswahl der Augentropfen wird individuell der Erkrankung angepasst. Manchmal müssen verschiedene Augentropfen oder Augengels ausprobiert werden, um das am besten geeignete Mittel herauszufinden. Bei manchen Patienten können sich gerade bei langfristiger Behandlung Unverträglichkeiten gegen Konservierungsstoffe in den Augentropfen entwickeln. In diesen Fällen kann es vorteilhaft sein, konservierungsstofffreie Mittel zu verwenden
(z. B. EDO - Einmal-Dosis-Ophtiolen).

Die Tränenflüssigkeit fließt über winzige Tränenpünktchen in die nasenwärts gelegenen Lidkanten ab. Bei ausgeprägtem Tränenmangel kann ein künstlicher Verschluss der ableitenden Tränenwege notwendig sein. Dadurch bleibt mehr Tränenflüssigkeit am Auge. Eine Möglichkeit, den Abfluss zu verhindern, ist das Einbringen kleiner Stöpsel in die Tränenpünktchen. Diese setzt der Augenarzt ambulant und ohne große Belastung für den Patienten ein. Es können dauerhaft verbleibende Stöpsel aus Kunststoff oder selbstauflösende Stöpsel verwendet werden.
Ein Uhrglasverband kann das Austrocknen der Augen begrenzen. Dieser kann tagsüber, nachts oder rund um die Uhr eingesetzt werden, bis eine Stabilisierung mit anderen Mitteln erreicht wird.

Sollten erhebliche Schäden am Auge bestehen oder eine schwerwiegende Grunderkrankung vorliegen, kann auch eine stationäre Behandlung notwendig sein. Nur in schwersten Fällen sind Operationen wie Gewebsverpflanzungen erforderlich.

Was kann der Betroffene zur Besserung beitragen?


Der Patient kann nach der Diagnosestellung durch den Augenarzt selbst zu einem günstigen Verlauf beitragen, indem er auslösende Umstände meidet. Er sollte beispielsweise bei der Arbeit am Computer bewusst regelmäßig blinzeln und für Befeuchtung der Raumluft bei eingeschalteter Zentralheizung sorgen.

Rauch und Staub als Auslöser sollten eingeschränkt werden. Ausreichend Schlaf und reichliche Flüssigkeitsaufnahme wirken sich nicht nur auf das trockene Auge günstig aus. In keinem Fall sollte man aber Medikamente ohne Rücksprache mit den behandelnden Ärzten absetzen.

Impressum


Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: September 2000
Autor: Dr. med. Susanne Classen
Letzte Aktualisierung: April 2005
Durch: Janna Christoffers, Medizinjournalistin

Literatur/Leitlinien/EBM:


Augustin, A.J.; Collins, J.F.: Augenheilkunde. Springer (2.Aufl. 2001).

Largiader, F.; Sturm, A.; Wicki, O.; Burk, A.; Burk, R.: Checkliste Augenheilkunde. Thieme (2.Aufl. 1999).

Grehn, F.; Leydhecker, W.: Augenheilkunde. Springer (28.Aufl. 2002).

Kampik, A.; Grehn, F.: Augenärztliche Differenzialdiagnose. Thieme (2000).

Lang, G. K.: Augenheilkunde. Thieme (3.Aufl. 2004).

Sachsenweger, M.: Augenheilkunde. Duale Reihe. Thieme (2.Aufl. 2002).

Berufsverband der Augenärzte, Düsseldorf: Leitlinie Nr. 11.
http://www.augeninfo.de/leit/leit11.htm (2004).
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