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Augenentzündungen



(Bindehautentzündung; Konjunktivitis; Regenbogenhautentzündung; Iritis und Iridozyklitis; Hornhautentzündung; Keratitis; Tränendrüsenentzündung; Dakroadenitis; Tränensackentzündung; Dakrozystitis; Lidrandentzündung; Blepharitis)


Die Anatomie des Auges


Die Augen liegen in der Augenhöhle (Orbita), die aus sieben aneinander grenzenden Schädelknochen gebildet wird. Der Augapfel nimmt nur etwa ein Viertel der Orbita ein, der Rest ist mit Nerven, Muskeln, Gefäßen, Binde- und Fettgewebe gefüllt. Im rückwärtigen Teil verläuft der Sehnerv durch eine Öffnung zu den visuellen Zentren des Gehirns. Insgesamt sechs Augenmuskeln setzen an verschiedenen Punkten des Augapfels an und verleihen ihm eine enorme Beweglichkeit.

Die Lider schützen den Augapfel vor Fremdkörpern, aber auch vor zu starkem Licht. Sie bestehen aus zwei beweglichen Hautfalten, dem Ober- und dem Unterlid, die sich reflektorisch schließen. Außerdem verteilen sie den Tränenfilm und halten so den sichtbaren Teil des Augapfels feucht.

Die täglich etwa zwei bis vier Milliliter Tränenflüssigkeit werden zum größten Teil von der am äußeren Rand des Oberlids liegenden Tränendrüse gebildet. Über viele kleine Ausführgänge gibt die Drüse ein wässriges Sekret ab, das die Lider durch Wischbewegungen auf der Vorderseite des Augapfels verteilen. Die Tränen sammeln sich dann im inneren Lidwinkel und fließen durch den Tränenkanal in den Tränensack ab. Von dort führt ein Ausführungsgang in die obere Nasenmuschel.

Die Bindehaut (Konjunktiva) verbindet das Lid mit dem Augapfel. Sie ist fest mit dem inneren Augenlid verbunden, schlägt an einer Übergangsfalte um und zieht in umgekehrter Richtung nach vorne zur Hornhaut. Das sehr gefäßreiche bindegewebige Häutchen hat die Aufgabe, das Eindringen von Fremdkörpern und Keimen in die Augenhöhle zu verhindern.

Die uhrglasfömige Hornhaut (Kornea) liegt vor der Iris und der Pupille. Sie ist nicht durchblutet und daher transparent. Die Kornea bildet gemeinsam mit der Linse den lichtbrechenden Apparat, der die einfallenden Lichtstrahlen, also das was wir sehen, so verkleinert, dass es auf der Netzhaut abgebildet wird.

Zwischen Hornhaut und Iris bzw. Linse befindet sich die mit Kammerwasser gefüllte vordere Augenkammer. Die farbige Regenbogenhaut (Iris) regelt wie die Blende eines Fotoapparats den Lichteinfall ins Auge. In der Mitte ist eine Öffnung, die Pupille, die durch zwei Muskeln je nach Lichtstärke eng oder weit gestellt wird. Unmittelbar hinter der Iris kommt die (wie die Hornhaut) für die Bündelung des einfallenden Lichts verantwortliche Linse. Die in der hinteren Augenkammer liegende Linse ist elastisch und kann ihre Brechkraft verändern, was für das Nahsehen erforderlich ist, um Gegenstände nicht verschwommen zu sehen. Mit den Jahren schwindet die Elastizität, deshalb brauchen ältere Menschen oft eine Lesebrille.

Die hinteren zwei Drittel des Augapfels füllt der Glaskörper aus. Diese transparente geleeartige Masse hilft zum einen bei der Formgebung, zum anderen verbessert sie die optische Abbildung. Die Wand des Augapfels wird von mehreren Schichten gebildet. Außen liegt die Lederhaut oder Sklera, das ist das, was man als das "Weiße im Auge" sieht. Sie besteht aus elastischen, aber doch festen Bindegewebsfasern und sorgt für Stabilität.

Die Netzhaut (Retina) liegt im hinteren Teil des Augapfels und der Lederhaut unmittelbar innen an. Hier findet das eigentliche Sehen statt, das heißt das einfallende Licht wird in Nervenimpulse umgewandelt, die dann über den Sehnerv in die Verarbeitungszentren des Gehirns gelangen. Die Netzhaut wird durch die direkt darüber liegende Aderhaut (Choroidea), eins der am stärksten durchbluteten Gewebe unseres Körpers, mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

Wie kommt es zu Augenentzündungen?


Von seinem Besitzer unbemerkt ist das Auge den ganzen Tag damit beschäftigt, sich gegen schädigende Einflüsse wie Krankheitserreger und Umweltreize zur Wehr zu setzen. Zwar gibt es Schutzmechanismen, wie die Lider, die ständige Säuberung durch die Tränenflüssigkeit und die Bindehaut, doch der Sehapparat mit seinen vielen komplexen Geweben und Strukturen ist sehr viel anfälliger als beispielsweise die Haut.

Wenn das Auge bei der Abwehr überlastet ist, reagiert es mit einer Entzündung, die sehr unterschiedliche Ursachen haben kann. Viele Augenentzündungen werden durch Infektionen mit Bakterien oder Viren hervorgerufen. Infektionsbedingte Entzündungen betreffen vor allem die Teile des Auges, die mit der Umwelt direkt in Kontakt sind, also die Lider und die Bindehaut. Sie können aber je nach Schwere auch auf tiefere Strukturen wie die Iris oder die Aderhaut übergreifen. Eine andere Ursache für Entzündungen im vorderen Augenbereich sind Fremdkörper, die ins Auge gelangt sind, sowie Umweltreize wie grelles Sonnenlicht, Rauch oder Zugluft.

Die Augen werden gerne als "der Spiegel der Seele" bezeichnet, sie sind aber auch der "Spiegel des Körpers". Viele schwere Krankheiten, beispielsweise Multiple Sklerose oder rheumatische Erkrankungen, machen sich oft zuerst durch eine Augenentzündung bemerkbar.
Entzündungen können fast alle Teile des Auges betreffen, die häufigsten sollen kurz dargestellt werden.

Die Bindehautentzündung


Die Bindehautentzündung (Konjunktivitis) ist mit Abstand die häufigste entzündliche Erkrankung der Augen. Die Ursachen sind so vielfältig, da die Bindehaut bei den meisten Irritationen des Auges mitreagiert. Ein Hauptauslöser der Konjunktivitis sind die verschiedensten chemischen, physikalischen und thermischen Umweltreize. Dazu gehören Zugluft, grelles Licht, UV-Strahlen, Kälte, Abgase, Bildschirmarbeit, das Chlor im Schwimmbad und vieles mehr. Aber auch allgemeine körperliche Überanstrengung und Überlastung können eine Bindehautentzündung hervorrufen.

Besonders anfällig sind Menschen, die zu trockenen Augen neigen. Allergien werden oft von einer Bindehautentzündung begleitet, ebenso Masern oder Windpocken. Eine häufige Ursache sind Infektionen mit Bakterien, Viren und Pilzen. Besonders die virale Form ist sehr ansteckend. Augenlidfehlstellungen, beispielsweise nach einem Schlaganfall, begünstigen die Krankheit, weil die Schutzfunktion der Tränenflüssigkeit und des Lids gestört ist. Weitere Auslöser sind Fehlsichtigkeit oder eine falsche Brille, da das Auge dann dauerhaft überlastet ist. Verletzungen der Hornhaut führen fast zwangsläufig zu einer Konjunktivits. Hinter einer "banalen" Bindehautentzündung kann aber auch eine schwere Grunderkrankung stecken. Deshalb sollten die Auslöser der Krankheit immer vom Arzt geklärt werden, und auch die Therapie richtet sich nach der Ursache.

Eine Bindehautentzündung äußert sich typischerweise durch rote, juckende, brennende und tränende Augen. Viele Betroffene haben ein Fremdkörpergefühl wie beispielsweise Sandkörner, die bei jedem Lidschlag reiben. Die Bindehaut und manchmal das gesamte Augenlid schwellen an. In Folge der vermehrten Sekretion sind die Augenlider besonders morgens oft miteinander verklebt. Das Sehvermögen ist im Gegensatz zu einigen anderen Augenentzündungen nicht gestört.

Bakterielle und pilzbedingte Bindehautentzündungen lassen sich mit Antibiotika-haltigen Augentropfen oder Augensalben behandeln. Künstliche Tränenflüssigkeit kann die Beschwerden lindern. Die wichtigste Therapie ist aber die Beseitigung der auslösenden Ursache. So "heilt" beispielsweise eine Brille die durch eine Sehschwäche bedingte Konjunktivitis rasch. Wenn die Bindehautentzündung nicht Symptom einer schweren Grunderkrankung ist, klingt sie in den meisten Fällen folgenlos ab.

Die Hornhautentzündung


Die Hornhautentzündung (Keratitis) ist seltener, aber auch gefährlicher als die Bindehautentzündung. Ursachen und Beschwerden ähneln sich, was auch daran liegt, dass die Bindehaut bei einer Hornhautentzündung fast immer mitbeteiligt ist. Dann spricht man von einer Keratokonjunktivitis. Die Augen sind rot, die Betroffenen klagen über Brennen, Schmerzen und Fremdkörpergefühl. Das Sehvermögen kann im Gegensatz zur Konjunktivitis gestört sein.

Besonders gefürchtet ist das so genannte Ulcus corneae. Dabei handelt es sich um ein durch Bakterien verursachtes Hornhautgeschwür, das innerhalb von kurzer Zeit zu einer Einschmelzung der gesamten Hornhaut führen kann. Oft dringen die Erreger nach Verletzungen der Hornhaut ein. Die Infektion muss schnellstmöglich in einer Augenklinik mit Antibiotika behandelt werden, sonst droht ein bleibender Sehverlust.

Die Zahl der Pilzinfektionen der Kornea hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Experten machen dafür die unkritische Gabe von Antibiotika und Kortison beim bloßen Verdacht auf eine bakterielle Hornhautentzündung verantwortlich. Bei Pilzinfektionen muss der betroffene Hornhautbereich operativ abgetragen werden, was problematisch sein kann, wenn bereits tiefe Schichten betroffen sind. Eine frühzeitige Behandlung ist daher entscheidend.

Auch das Herpesvirus kann die Hornhaut befallen und unter Umständen bleibende Schäden hinterlassen. Die Erkrankung muss schnellstmöglich mit virostatischen (das Wachstum von Viren hemmenden) Augentropfen behandelt werden. Herpesinfektionen der Kornea neigen, wie an den Lippen auch, dazu, immer wieder aufzutreten. In solchen Fällen wird die Hornhaut zusätzlich zur medikamentösen Therapie abgetragen.

Die Regenbogenhautentzündung


Eine isolierte Regenbogenhautentzündung ist recht selten, meist sind der Glaskörper und der Ziliarkörper, an dem die Linse aufgehängt ist, auch betroffen. Man spricht dann von einer Iridozyklitis. Die Betroffenen leiden unter Augenschmerzen, sind lichtscheu und sehen - bedingt durch Trübungen des Kammerwassers und des Glaskörpers - schlechter als sonst. Die Farbe der Iris ist meist verändert und die Pupillen reagieren nur träge auf Licht.

Eine Iritis kann infektionsbedingt sein, allerdings wird sie nicht direkt durch den Keim, sondern durch eine Antikörperreaktion der körpereigenen Abwehr verursacht. Nach Infektionen mit Borrelien (Übertragung durch Zecken) oder Chlamydien kommt es oft zu dieser "immunologischen" Entzündung der Regenbogenhaut. Überhaupt ist die Iridozyklitis häufig eine Begleiterscheinung und ein Symptom schwerwiegender Grunderkrankungen, an denen Reaktionen des Immunsystems ursächlich beteiligt sind. Dazu gehört zum Beispiel die chronische Polyarthritis, im Volksmund bekannt als Rheuma, und die Sarkoidose. Stellt der Augenarzt eine Iridozyklitis fest, sollten die Ursachen unbedingt durch einen Internisten abgeklärt werden. Bei der Therapie stellt man die Iris mit pupillenerweiternden Medikamenten ruhig, damit sie sich erholen kann. Entzündungshemmende Mittel und bei bakteriellen Infektionen Antibiotika ergänzen die Behandlung.

Entzündungen des Augenlids


Die häufige Lidrandentzündung (Blepharitis) wird durch Bakterien verursacht. Der Infektion geht oft eine ständige Reizung, beispielsweise durch Rauch oder Zugluft, voraus. Eine gewisse Veranlagung scheint auch eine Rolle zu spielen. Der Lidrand ist gerötet und verkrustet. Oft schwillt auch das gesamte Lid an und die Wimpern fallen aus. Man behandelt die Krankheit, indem der am Lidrand liegende Wimpernboden mit speziellen Salben oder Gelen gereinigt wird. Je früher desto besser, denn die Blepharitis ist oft sehr hartnäckig. Antibiotika sollten erst als letzte Option zum Einsatz kommen, da sie bei ungezielter Anwendung Pilzinfektionen der Hornhaut begünstigen.

Wenn sich die am Lidrand liegenden Moll-Drüsen entzünden, was durch eine Blepharitis begünstigt wird, bildet sich ein Gerstenkorn (Hordeolum). Diese eitrige gerötete Schwellung ist sehr schmerzhaft, aber an sich harmlos. Nach einiger Zeit bricht das Gerstenkorn von selbst auf, der Inhalt entleert sich und die Entzündung heilt ab. Durch trockene Wärme (Rotlichtlampe) und desinfizierende Salben lässt sich der Prozess beschleunigen.

Beim Hagelkorn (Chalazion) sind die Talgdrüsen an der Innenseite des Lids, die so genannten Meibomschen Drüsen, entzündet. Ein Sekretstau in den Ausführungsgängen der Drüse liegt der Entzündung zu Grunde. Die Betroffenen haben in der Regel kaum Beschwerden. Trotzdem sollte ein Hagelkorn operativ entfernt werden, da es sonst immer größer wird und andere Infektionen begünstigt.

Entzündungen des Tränensacks und der Tränenwege


Eine Entzündung des Tränensacks und der Tränenwege (Dakrozystitis) entsteht fast immer durch eine aus der Nase aufsteigende bakterielle Infektion. Die Besiedlung der Schleimhaut mit Bakterien wird durch verengte Tränenwege begünstigt, die wiederum oft Folge einer früheren Entzündung sind. Es kommt zu Schmerzen, Rötung und Schwellung im Bereich des Tränensacks unter dem inneren Lidwinkel, oft haben die Betroffenen auch Fieber.

Eine Dakrozystitis muss unbedingt behandelt werden, denn auf Grund der anatomischen Verhältnisse besteht die Gefahr, dass sich die Infektion bis ins Gehirn ausdehnt. Kinder entwickeln ohne Therapie leicht eine Sepsis (Blutvergiftung). Durch vorsichtigen Druck auf den Tränensack gewinnt der Arzt etwas Eiter, damit der Erregertyp bestimmt und gezielt mit dem "passenden" Antibiotikum behandelt werden kann.

Unter Umständen wird der Arzt den Tränensack spülen, nachdem die Entzündung abgeklungen ist. Dadurch lassen sich Verklebungen der Tränenwege, die erneut zu einer Infektion führen könnten, vermeiden. Wenn die Erkrankung durch behinderten Tränenabfluss chronisch wird, kann man den Tränen-Nasen-Gang operativ erweitern.

Wie werden Augenentzündungen diagnostiziert?


Oft erkennt der Arzt eine Augenentzündung bei bloßer Betrachtung des Patienten. Sein wichtigstes Hilfsmittel zur Sicherung der Diagnose ist die Spaltlampe. Dieses aus einem Mikroskop und einem speziell gebündelten, von der Seite auf das zu untersuchende Auge fallenden Lichtstrahl bestehende Gerät ermöglicht ihm, sich alle Strukturen im vorderen Bereich vergrößert anzusehen. Mit dem Augenspiegel kann der Arzt dann den Augenhintergrund begutachten, hier finden sich Strukturen wie die Netzhaut und die Aderhaut,.Dazu muss die Pupille des Patienten aber mit Medikamenten weit gestellt werden.

Sind die Ursachen der Augenentzündung nicht eindeutig zu definieren, sind weitere Untersuchungen notwendig, um auszuschließen, dass hinter dem Augenleiden eine schwere Grunderkrankung steckt. Dazu zählen beispielsweise ein einfacher Sehtest, aber auch Blutuntersuchungen oder Röntgen-Aufnahmen. Wichtig ist, dass Betroffene möglichst zügig einen Augenarzt aufsuchen, damit gezielt und rasch behandelt werden kann, um Komplikationen und Folgeschäden zu vermeiden.

Impressum


Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: Oktober 2002
Autor: Ulrich Kraft
Letzte Aktualisierung: Juni 2005
Durch: Janna Christoffers, Medizinjournalistin

Literatur/Leitlinien/EBM:


Augustin, A.J.; Collins, J.F.: Augenheilkunde. Springer (2.Aufl. 2001).

Grehn, F.; Leydhecker, W.: Augenheilkunde. Springer (28.Aufl. 2002).

Lang, G. K.: Augenheilkunde. Thieme (3.Aufl. 2004).

Sachsenweger, M.: Augenheilkunde. Duale Reihe. Thieme (2.Aufl. 2002).
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