Ihre Suche

Alkoholabhängigkeit




Was ist eine Alkoholabhängigkeit?


Man unterscheidet den Alkoholrausch und den schädlichen Konsum von Alkohol von der Alkoholabhängigkeit, wobei die Übergänge vom wiederholten Rausch über den schädlichen Konsum bis zur Abhängigkeit fließend sind.

Alkoholabhängigkeit entsteht nicht von heute auf morgen, sondern entwickelt sich in der Regel schleichend. Niemand, der alkoholische Getränke konsumiert, ist davor sicher.

Der Alkoholrausch ist der Zustand des "Betrunkenseins". Je nach Trinkgewohnheiten und Toleranzentwicklung beobachtet man eine heitere Stimmung, einen Abbau von Ängsten und Hemmungen und eine gesteigerte Bewegung. Im mittleren Dosisbereich beginnen bereits Sprachstörungen, aber auch Störungen des Ganges, der Koordination, der Aufmerksamkeit sowie der Urteilskraft. Es treten Erinnerungslücken auf. Bei höheren Dosen können Gereiztheit, Aggressivität, Ermüdung, Bewusstseinsstörungen bis zum Koma auftreten.

Von einem schädlichen Gebrauch spricht man, wenn der Alkoholkonsum zur Beeinträchtigung der Gesundheit führt. Diese können sich sowohl im körperlichen Bereich (z. B. Erhöhung der Leberwerte, Magengeschwüre, Bluthochdruck etc.) als auch im psychischen Bereich (z. B. Depressionen, Minderwertigkeitsgefühle etc.) äußern.

Eine Alkoholabhängigkeit liegt vor, wenn irgendwann während des letzten Jahres drei oder mehr der folgenden Kriterien gleichzeitig vorhanden waren.

  • Ein starkes Verlangen oder eine Art Zwang, Alkohol zu trinken
  • Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Konsums
  • Auftreten körperlicher Entzugserscheinungen, z. B. Schwitzen und Zittern nach Beendigung oder Verminderung des Konsums
  • Nachweis einer Toleranzentwicklung: Um den gewünschten Effekt zu erreichen, müssen größere Mengen getrunken werden
  • Fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügungen oder Interessen zu Gunsten des Alkoholkonsums - erhöhter Zeitaufwand, um Alkohol zu beschaffen, zu konsumieren oder sich von den Folgen zu erholen
  • Fortgesetzter Alkoholkonsum trotz schädlicher Folgen im körperlichen, psychischen oder im sozialen Bereich, wider besseres Wissen.

Welche Folgen entstehen durch die Alkoholabhängigkeit?


Alkohol ist ein Gift, das grundsätzlich alle Organsysteme des Körpers sowie die Psyche schädigt. Alkoholabhängigkeit ist lebensbedrohlich: Pro Jahr sterben 30.000 bis 40.000 Menschen an den Folgen dieser Sucht. Die Lebenserwartung ist statistisch gesehen um rund 15 Prozent vermindert, was durchschnittlich 15 Jahren entspricht.

Welche Schäden in welchem Ausmaß auftreten, ist von Organ zu Organ unterschiedlich. Auch bestehen große Unterschiede zwischen verschiedenen Personen. Körperliche Schäden können bei regelmäßigem Konsum auch dann vorkommen, wenn der Betroffene nicht als alkoholabhängig einzustufen ist.

Allgemeine Symptome:
Reduzierter Allgemeinzustand, Appetitmangel, Gewichtsverlust, gerötete Gesichtshaut, vermehrte Schweißneigung, Schlafstörungen.

Neuropsychiatrische Symptome:
  • Entzugserscheinungen: Eine Entzugssituation beginnt meist vier bis zwölf Stunden nach Ende oder Verminderung des Trinkens und erreicht seine stärkste Ausprägung am zweiten Tag. Es ist durch innere Unruhe, Schwitzen, Zittern, Übelkeit und Erbrechen, Herzrasen, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Sprechstörungen, Doppelbilder und allgemeines Krankheitsgefühl gekennzeichnet. Häufig wird die Entzugssituation durch Krampfanfälle kompliziert, die lebensbedrohlich werden können.
  • Entzugsdelir: Das Delir ist die schwerste Form des Alkoholentzugs-Syndroms. Neben einer ausgeprägten Entzugssymptomatik treten Desorientiertheit, Bewusstseinsstörungen bis zum Koma sowie optische und akustische Halluzinationen (die berühmten "weißen Mäuse") auf. Daneben kommt es zu Fieber und Blutdruckanstieg. Störungen der Herz-Kreislauf-Regulation und der Atmung können unbehandelt schnell lebensbedrohliches werden und das Entzugsdelir bedarf der sofortigen ärztlichen Behandlung.
  • Zentrales Nervensystem: Durch die giftige Wirkung des Alkohols sterben im Gehirn Nervenzellen ab, welches zu Gang- und Koordinationsstörungen, zu Wesensänderungen (meist reizbarer und eifersüchtiger) sowie zu Konzentrations- und Gedächtnisstörungen bis hin zur Demenz führen kann. Epileptische Anfälle sind eine häufige Folge übermäßigen Alkoholkonsums.
  • Peripheres Nervensystem: Zwischen 20 und 30 Prozent der Alkoholiker leiden unter Missempfindungen (Kribbeln, Ameisenlaufen), Taubheitsgefühlen, Schmerzen und Muskelschwäche, insbesondere an den Beinen, die durch Nervenschädigungen bedingt sind (Polyneuropathie). In ausgeprägten Fällen ist die Gehfähigkeit eingeschränkt.
  • Psyche: Angst und Depressionen werden häufig durch den Alkohol und indirekt durch die sozialen Folgen ausgelöst. 10 bis 15 Prozent der Betroffenen sterben durch Selbstmord.
Gastrointestinale Folgeschäden:
  • Leber: Bei fortgesetztem Alkoholkonsum kommt es zunächst zu einer Leberverfettung, die in der Regel keine Beschwerden verursacht. Anschließend kann sich eine Leberentzündung (Alkoholhepatitis) bis zur Leberzirrhose entwickeln. Die Leberzirrhose geht mit einem zunehmenden Funktionsverlust des Lebergewebes einher und führt schließlich zum Tod durch Leberversagen. Auch ist das Risiko von Leberkrebs 5- bis 15fach erhöht.
    Eine leberschädigende Wirkung tritt beim Mann schon ab einem Konsum von ca. 40 Gramm reinen Alkohol (das entspricht etwa 0,4 Liter Wein oder 0,8 Liter Bier) pro Tag auf. Die Alkoholempfindlichkeit der Frau ist deutlich höher, hier liegt die kritische Grenze bereits bei 20 Gramm pro Tag.
  • Speiseröhre, Magen: Es besteht ein erhöhtes Risiko für Entzündungen, Geschwüre und Krebserkrankungen. An der Speiseröhre treten vermehrt Schleimhauteinrisse auf.
  • Darm: Gestörte Aufnahme von lebenswichtigen Nährstoffen (z. B. Vitamin B und Folsäure), sodass Mangelerkrankungen entstehen können.
  • Bauchspeicheldrüse: Es kann zu einer sehr schmerzhaften und lebensbedrohlichen chronischen Entzündungen des Organs kommen (Bauchspeicheldrüsenentzündung, Pankreatitis). Diese kann auch zur Entstehung einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) führen.
Weitere Folgeschäden:
  • Herz-Kreislauf-System: Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass mäßiger Alkoholkonsum (unter 20g/Tag für Männer und Frauen) eine schützende Wirkung bzgl. einer koronaren Herzkrankheit hat. Allerdings steigt das Risiko mit steigendem Konsum für einen plötzlichen Herztod und Herzrhythmusstörungen. Weiterhin kommt es zu einer Schädigung des Herzmuskels mit einer krankhaften Vergrößerung des Herzens (dilatative Kardiomyopathie), was zu einer verminderten Leistungsfähigkeit führt. Alkohol bewirkt außerdem eine Erhöhung des Blutdruckes mit allen Folgeerscheinungen.
  • Blut: Durch die verminderte Blutbildung entsteht eine Blutarmut, und durch eine gestörte Blutgerinnung steigt das Risiko für Blutungen.
  • Hormonhaushalt: Bei Männern kommt es zu Potenzstörungen, bei Frauen zu Störungen der Regelblutung und bei beiden Geschlechtern zur Abnahme des sexuellen Verlangens.
  • Schwangerschaft: Erhöhter Alkoholkonsum während der Schwangerschaft verursacht eine Schädigung des Embryos, die sich unter anderem durch Minderwuchs, geistige Behinderung und Herzfehler zeigen kann.
  • Tumorerkrankungen: Alkoholkonsum erhöht das Risiko, an Krebs zu erkranken. Dies gilt insbesondere für Tumorerkrankungen der Mundhöhle, des Rachens, der Speiseröhre, der Leber, des Darmes und bei Frauen der Brust.
Soziale Folgen:
Durch familiäre Probleme, Probleme am Arbeitsplatz, einen Führerscheinverlust sowie die soziale Isolierung durch den Verlust von Freunden und Bekannten kommt es in vielen Fällen zu einem sozialen Abstieg.

Die finanziellen Folgen für die Gesellschaft durch Fehlzeiten, sinkende Arbeitsleistung, alkoholbedingte Unfälle sowie direkte Krankheitskosten durch alkoholkranke Personen werden auf rund 20 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt und machen damit Alkohol zu einem bedeutenden sozialmedizinischen Problem.

Wie häufig tritt eine Alkoholabhängigkeit auf?


Man geht davon aus, dass 2,7 Millionen Menschen zwischen 18 und 69 Jahren in Deutschland missbräuchlich Alkohol konsumieren und bei ihnen bereits Folgeerkrankungen eingetreten sind. Weitere 1,6 Millionen Menschen gelten ist alkoholabhängig mit massiven gesundheitlichen und sozialen Folgeerscheinungen (fünf Prozent der Männer und zwei Prozent der Frauen).

Immerhin knapp über 20 Prozent der Männer sowie rund 10 Prozent der Frauen betreiben mit über 30 Gramm bzw. 20 Gramm reinem Alkohol pro Tag einen riskanten Konsum.

In psychiatrischen Kliniken stellen Alkoholabhängige mit rund 30 Prozent die größte Patientengruppe dar. Aber auch in internistischen und chirurgischen Abteilungen finden sich etwa 20 Prozent Alkoholabhängige.

Wie wird eine Alkoholabhängigkeit festgestellt?


Hinweise für ein Alkoholproblem sind Verhaltensauffälligkeiten und die oben beschriebenen körperlichen Merkmale der betroffenen Person.

Der Hausarzt, im Idealfall ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder ein Arzt mit der Weiterbildung in suchtmedizinischer Grundversorgung, stellt die Diagnose durch ein ausführliches Gespräch und durch die Erhebung wichtiger Laborbefunde. In dem Gespräch sollten die aktuellen Beschwerden, Probleme, Vorerkrankungen, aber auch die Lebensgeschichte und Familiengeschichte des Betroffenen berücksichtigt werden. Blutwerte, die auf einen chronischen Alkoholmissbrauch hindeuten sind das mittlere korpuskuläre Volumen der roten Blutkörperchen MCV, das Enzym gamma-GT und das Kohlenhydrat-defiziente Transferrin CDT.

Durch eine umfangreiche körperliche Untersuchung werden bereits eingetretene Folgeschäden des Alkoholismus festgestellt.

Darüber hinaus gibt es Kurzfragebögen (z. B. Lübecker Alkoholismus Screening Test, CAGE-Fragebogen), mit denen jeder grob abschätzen kann, ob er durch Alkohol gefährdet ist. Der CAGE-Fragebogen besteht aus vier Fragen. Werden zwei mit "ja" beantwortet liegt mit großer Wahrscheinlichkeit eine Alkoholabhängigkeit vor:
  • Haben Sie schon einmal daran gedacht Ihre Trinkmenge zu reduzieren?
  • Haben Sie sich jemals über die Kritik anderer Personen an Ihrem Trinkverhalten geärgert?
  • Haben Sie sich wegen Ihres Trinkverhaltens schuldig gefühlt?
  • Haben Sie morgens Alkohol getrunken, um wach zu werden oder sich konzentrieren zu können?

Welche Ursachen der Alkoholabhängigkeit gibt es?


Die Frage, warum manche Menschen abhängig werden und manche nicht, kann abschließend nicht beantwortet werden. Man geht heute davon aus, dass mehrere Faktoren zur Entstehung einer Alkoholabhängigkeit beitragen. Dazu gehören individuelle Faktoren (z. B. genetische Belastung, Lebensgeschichte), das soziale Umfeld sowie die spezifische Wirkung und Verfügbarkeit der Droge Alkohol.

Man beobachtet starke familiäre Häufungen von Alkoholproblemen. Dieses führt man einerseits darauf zurück, dass ein Kind durch seine Vorbilder "lernt", Alkohol auch in großen Mengen zu konsumieren. Andererseits macht man eine genetische Belastung dafür verantwortlich.

Von einer spezifischen "Alkoholiker-Persönlichkeit" als Ursache der Alkoholabhängigkeit geht man heutzutage nicht mehr aus.

Wie verläuft eine Alkoholabhängigkeit?


Auch wenn sich die individuellen Krankheitsverläufe oft sehr unterscheiden, so lässt sich ein typischer Verlauf der Entwicklung zur Alkoholabhängigkeit skizzieren.

Voralkoholische Phase:
Diese Phase ist gekennzeichnet durch gelegentliches bis dauerndes Erleichterungstrinken. Alkohol wird immer mehr zur Problemlösung und zum Abbau von Spannungen eingesetzt. Schließlich sucht man fast täglich Entspannung im Alkohol, ohne dass es zum Rausch kommt. Diese Trinkmethode dauert je nach Umständen einige Monate bis zwei Jahre.

Anfangs-Phase:
Die Gedanken kreisen immer häufiger um den Alkohol. Auch das Verhalten ändert sich: Es wird häufiger heimlich und die ersten Gläser gierig getrunken. Der Betroffene legt sich Alkoholvorräte an. Er merkt nun deutlich, dass mit seinem Trinkverhalten etwas nicht stimmt und bekommt Schuldgefühle.

Kritische Phase:
Typisch für diese Phase ist der beginnende Kontrollverlust über das Trinken, d. h. Beginn, Menge und Ende des Konsums können nicht mehr frei bestimmt werden. Das Denken ist in dieser Phase nahezu vollständig auf den Alkohol konzentriert. Selbstmitleid und Selbstvorwürfe quälen den Betroffenen. Mehrfache Abstinenzversuche schlagen fehl. Es kommt zu Veränderungen der Persönlichkeit und zu Konflikten im privaten sowie beruflichen Bereich, da der Betroffene seinen Alkoholkonsum gegenüber der Außenwelt nicht länger verheimlichen kann. Er verbringt immer mehr Zeit mit dem Beschaffen und Konsum von Alkohol und vernachlässigt andere Interessen oder soziale Kontakte. Es zeigen sich bereits deutliche körperliche Folgen sowie Entzugserscheinungen bei vermindertem Konsum.

Chronische Phase:
Alkohol spielt nun die alles beherrschende Rolle: Die Betroffenen sind oft tagelang betrunken, oft muss bereits am Morgen Alkohol - egal in welcher Form - getrunken werden. Der Kranke kann dem Alkohol kaum noch Widerstand entgegensetzen. Er ist schließlich nicht mehr in der Lage, selbst einfachste Tätigkeiten ohne Alkoholkonsum durchzuführen. Durch den geistigen Abbau nehmen Gedächtnisleistungen sowie die Kritik- und Urteilsfähigkeit ab. Körperliche Schäden werden deutlich. In den meisten Fällen resultiert ein rascher sozialer Abstieg.

Wie wird die Alkoholabhängigkeit behandelt?


Grundsätzlich kann man vier Phasen der Therapie unterscheiden, wobei in jedem Stadium die Behandlung individuell geplant werden sollte. Von entscheidender Bedeutung ist die Frühdiagnose.

1. Kontakt- und Motivationsphase:
Der Betroffene nimmt ersten Kontakt zu einer Beratungsstelle oder einem Arzt auf. Der Kranke - und im Idealfall auch seine Angehörigen - sollten ausführlich informiert werden.

Seine Motivation zum Trinken sollte in eine Motivation zur Abstinenz umschlagen. Der Arzt kann versuchen, eine vorhandene Abstinenz-Motivation zu festigen. Er schlägt dem Patienten eine individuelle Therapie vor und legt die weiteren therapeutischen Schritte fest. Der Patient muss selbst zur Therapie bereit sein, ansonsten wird diese fehlschlagen.

2. Entgiftungsphase:
Aufgrund der oben beschriebenen möglichen Komplikationen (Entzugserscheinungen mit drohendem Delir), die ein ärztliches Eingreifen notwendig machen, sollte die Entgiftung am besten in einem Krankenhaus erfolgen. Sie sollte sich nicht nur auf körperliche und medikamentöse Maßnahmen beschränken, sondern auch motivationsfördernde und aufklärende Elemente beinhalten.

3. Entwöhnungsphase:
Im Anschluss an eine Entgiftung sollte eine Entwöhnungsbehandlung stattfinden, da nachweislich eine alleinige Entgiftung meist nicht zur Behandlung einer Alkoholabhängigkeit ausreicht. Diese wird in der Regel in einer Fachklinik oder auch ambulant über einen Zeitraum von mehren Wochen bis Monaten durchgeführt.

Ziel ist die Festigung des Abstinenzwunsches und das Wiedererlernen eines Lebens ohne Alkohol.
In der Regel werden verschiedene psychotherapeutische Methoden, Sporttherapie, Arbeitstherapie, soziale Betreuung und vieles mehr angewandt.

4. Nachsorge- und Rehabilitationsphase:
Ein hohes Rückfallrisiko birgt der Übergang von der stationären Behandlung zurück in den Alltag, da man schnell wieder von "alten" Problemen und Verhaltensweisen eingeholt wird.

Umso wichtiger ist eine konsequente und engmaschige ambulante Nachbetreuung. Diese kann durch Suchtambulanzen, Suchtberatungsstellen oder Fachärzte erfolgen. Ein weiterer wichtiger Baustein ist die regelmäßige Teilnahme an Selbsthilfegruppen (z. B. Anonyme Alkoholiker, Blaukreuzler, Guttempler, usw.)

Daneben gibt es Medikamente, die das Verlangen nach Alkohol mindern (Acamprosat). Diese Medikamente können eine Behandlung und Therapie durch Fachkliniken sowie den Kontakt zur Selbsthilfegruppe und Suchtberatungsstelle nicht ersetzen sondern unter bestimmten Bedingungen ergänzen.

Was bedeutet Co-Abhängigkeit?


Alkoholabhängigkeit spielt sich immer in einem sozialen Umfeld ab, und es bestehen oft enge Wechselwirkungen zwischen dem Kranken und seinen Bezugspersonen. Daraus entsteht nach jahrelangem Verlauf ein bestimmtes Rollenverhalten.

Natürlich möchte man als Angehöriger, dass der Abhängige seine Sucht aufgibt. Oft entsteht jedoch ein Verhalten, das den Weg in die Abhängigkeit unterstützt und die Krankheit verlängert.
Indem Angehörige versuchen, die Probleme des Abhängigen zu lösen, Verantwortung für ihn übernehmen, sein Verhalten entschuldigen, decken oder versuchen, es vor der Außenwelt zu verbergen, unterstützen sie die Sucht - und verhalten sich Co-abhängig.

Ein Weg aus der Sucht kann nur dann beginnen, wenn der Kranke mit den negativen Auswirkungen seiner Krankheit konfrontiert wird und selbst die Verantwortung für sein Handeln und dessen Konsequenzen übernimmt.

Wie ist die Prognose?


Eine exakte Prognose der Alkoholkrankheit ist zum Zeitpunkt des Therapiebeginns nicht möglich. Sie ist sehr stark von individuellen Faktoren abhängig, insbesondere von bereits eingetretenen körperlichen und psychischen Schäden.

Voraussetzung für die Heilung ist natürlich eine ausreichende Eigenmotivation, ohne die eine Therapie von vorneherein nicht erfolgversprechend ist.

Eine mittel- und längerfristige stabile Besserung nach einer Entwöhnungsbehandlung wird in 40 bis 50 Prozent erreicht.

Streng genommen dauert die Behandlung der Alkoholabhängigkeit jedoch "ein Leben lang" an.

Was kann man selbst tun?


Alkohol kann grundsätzlich für jeden Menschen zu einem Problem werden. Gerade weil Alkohol in Deutschland zum gesellschaftlichen Leben dazugehört, ist es oft schwierig den Beginn einer Abhängigkeitsentwicklung zu erkennen.

Sobald man Bedenken hat, dass der persönliche Konsum zu hoch ist, man den Eindruck hat, nicht vom Alkohol lassen zu können oder von Angehörigen oder Freunden darauf angesprochen wird, sollte man sich an eine qualifizierte Beratungsstelle oder einen Arzt wenden.

Auch als Angehöriger hat man die Möglichkeit sich an eine Beratungsstelle zu wenden, auch gibt es spezielle Selbsthilfegruppen für Angehörige.

Impressum


Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: August 2000
Autor: Oliver Erven
Letzte Aktualisierung: April 2005
Durch: Dr. med. Maria-Anna Schoppmeyer

Literatur/Leitlinien/EBM:


Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaften der Wissenschaftlich Medizinischen Fachgesellschaften, Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie und der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde: Akutbehandlung alkoholbezogener Störungen (2/2003)

Breuer, J.P., Neumann, T., Heinz A., Kox, W.J., Spies C.: Der Alkoholkranke als Patient. Wiener Klinische Wochenschrift 18, S. 618-633 (2003).
Klingelhöfer, Spranger: Klinikleitfaden der Neurologie. Urban & Fischer (2001).

Berger, M.: Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer (2000).

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V.: www.dhs.de
Anzeige
Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen Diese Seite zu del.icio.us hinzufügen
Anzeige
Anzeige
Anzeige