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Anämie



(Blutarmut; Erythrozytopenie; Leukopenie; Thrombozytopenie)


Was ist eine Anämie?


Eine Anämie ist eine Verminderung der Konzentration des Blutfarbstoffes (Hämoglobin), des Anteils der zellulären Bestandteile am gesamten Blutvolumen (Hämatokrit) oder der Anzahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Beim Mann spricht man von einer Blutarmut, wenn der Hämoglobingehalt des Blutes weniger als 13,5 g/dl (Gramm pro Deziliter) bzw. 8,3 mmol/l (Millimol pro Liter) und bei der Frau weniger als 12 g/dl bzw. 7,4 mmol/l pro Liter beträgt und der Hämatokrit unter 40 Prozent beim männlichen und unter 37 Prozent beim weiblichen Geschlecht liegt.

Begleitend können auch weitere Blutzellen wie die weißen Blutzellen (Leukozyten) oder die Blutplättchen (Thrombozyten) vermindert sein.

Was sind die Ursachen einer Anämie?


Eine Anämie kann vielfältige Ursachen haben. So können eine verminderte Bildung oder ein gesteigerter Abbau von roten Blutkörperchen vorliegen. Auch der Verlust von Erythrozyten, z. B. durch Blutungen, führt zu einer Anämie.

Am häufigsten liegt ein Mangel an wichtigen Nährstoffen oder Mineralien vor, wie z. B. Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure. Ein solcher Mangel stellt sich entweder durch einen größeren Blutverlust oder durch eine unzureichende Aufnahme der genannten Substanzen mit der Nahrung ein.

Chronische Blutungen wie sie z. B. bei einem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür auftreten, können durch den Verlust an roten Blutkörperchen zu einer Anämie führen. Auch Frauen mit einer starken Menstruationsblutung können davon betroffen sein.

Einige seltenere Anämien sind angeboren. Dazu zählen u. a. die Sphärozytose (Membrandefekt der roten Blutkörperchen), die Sichelzellenanämie (Hämoglobindefekt der roten Blutkörperchen) und die Thalassämie (Hämoglobindefekt der roten Blutkörperchen).

Außerdem treten Anämien als Begleitsymptom bei einer Vielzahl chronischer Erkrankungen auf, wie z. B. bei rheumatischen Erkrankungen oder Nierenleiden. Weiterhin können Tumorerkrankungen und Infekte von einer Anämie begleitet sein.

Die in der zweiten Schwangerschaftshälfte häufig vorkommende Anämie ist meist durch den erhöhten Wassergehalt des Blutes sowie durch einen Folsäure- und Eisenmangel bedingt.

Wie äußert sich eine Blutarmut?


Ein Mangel an roten Blutzellen kann zu verschiedenen Symptomen führen. Die roten Blutkörperchen transportieren Sauerstoff über den Blutweg zu den Organen, um deren Funktion aufrecht zu erhalten.

Sind zu wenig rote Blutzellen vorhanden, leiden die Patienten unter Sauerstoffmangel. Dieser äußert sich mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Leistungsabfall. Die Betroffenen sind blass und klagen über Schwäche und Kopfschmerzen. Auch kann es zu Atemnot, vor allem bei Belastung, Konzentrationsstörungen und zu Herzklopfen kommen.

Sind auch die weißen Blutzellen vermindert, geht dies zusätzlich mit einer verminderten körperlichen Abwehr und einer vermehrten Anfälligkeit gegenüber Infekten einher.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?


Die Beschwerden und der Verlauf sind wegweisend für die Diagnose. Der Arzt fragt den Patienten deshalb genauestens hinsichtlich bestehender Vor- oder Begleiterkrankungen (z. B. Magengeschwüre, Herzerkrankungen oder Tumorerkrankungen), ob er Medikamente einnimmt und wie er sich ernährt. Es folgt eine gründliche körperliche Untersuchung.

Eine Blutuntersuchung gibt Auskunft über den Hämoglobingehalt sowie über die Anzahl und die Größe der einzelnen Blutzellen. Der Eisenspiegel und die Eisenreserven im Körper können ebenfalls im Blut bestimmt werden.

Ein Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl kann Hinweise auf Blutungen im Magen-Darm-Trakt (z. B. blutendes Magengeschwür) geben. Zur Abklärung von Blutungen in der Harnblase oder den übrigen ableitenden Harnwegen wird zunächst eine Urinprobe untersucht. Ggf. werden anschließend weitere urologische Untersuchungen veranlasst. Bei Frauen sollte auch eine gynäkologische Untersuchung durchgeführt werden.

Zur Klärung der Ursache sind eventuell weitere Untersuchungen notwendig. Hierzu zählen je nach Verdacht auf eine bestimmte Erkrankung z. B. eine Magen- und Darmspiegelung oder die Entnahme von Knochenmark, welches das Blut bildet (Knochenmarkpunktion).

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?


Die Behandlung einer Anämie richtet sich im Einzelfall nach deren Ursache, d. h. in erster Linie muss die Grunderkrankung behandelt werden.

Ist die Ursache für eine Eisenmangel- eine Folsäure- oder eine Vitamin-B12-Mangelanämie eine unzureichende Aufnahme dieser Stoffe mit der Nahrung, können diese ersetzt werden. Dies kann zunächst durch Medikamente und anschließend durch eine entsprechende Anpassung und Umstellung der Ernährung erfolgen.

Sind hingegen Stoffwechselstörungen, Magen- oder Darmgeschwüre, Infektionskrankheiten oder Tumorerkrankungen Ursache der Blutarmut, müssen spezielle Therapien zur Behandlung dieser Erkrankungen eingeleitet werden.

Bei den angeborenen Anämien wird unter Umständen die Milz operativ entfernt.

Welche Auswirkungen kann eine Anämie haben?


Je nach Ursache oder Grundkrankheit hat eine Anämie mehr oder weniger starke Auswirkungen auf den Körper.

Der durch die Anämie selbst bedingte dauerhafte Sauerstoffmangel kann unbehandelt nicht nur zu ausgeprägten Beschwerden, sondern auch zu nachhaltigen Schäden einzelner Organe wie der Lunge oder des Herzens führen.

Auch können allgemeine Abgeschlagenheit und die verminderte Leistungsfähigkeit den Betroffenen bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben und auch im Berufsleben stark einschränken.

Es ist deshalb unbedingt ratsam, jede Form der Blutarmut zu behandeln, um auch Folgeschäden zu vermeiden.

Impressum


Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: Juli 2002
Autor: Dr. med. Martina Waitz
Letzte Aktualisierung: September 2005
Durch: Janna Christoffers, Medizinjournalistin und Dr. med. Dirk Nonhoff

Literatur/Leitlinien/EBM:


Braun, J.; Dormann, A.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer (9.Aufl. 2003).

Hahn, J. M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme (4.Aufl. 2003).

Harrison, T. R.: Harrisons Innere Medizin. ABW Wissenschaftsverlag (2003).

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).
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