Bauchspeicheldrüsenkrebs
(Pankreaskarzinom)
Was ist Bauchspeicheldrüsenkrebs?
Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) ist ein bösartiger Tumor der Bauchspeicheldrüse, der das Organ selbst und die umgebenden Strukturen stark schädigen kann. Die Häufigkeit liegt in Deutschland bei jährlich etwa zehn Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. Damit gehört das Pankreaskarzinom zu den eher seltenen Krebsleiden.
Bei den tumorbedingten Todesfällen nimmt der Bauchspeicheldrüsenkrebs allerdings die fünfte Stelle ein, was zeigt, wie bösartig diese Krebsform ist. Meist erkranken ältere Menschen (60 bis 70 Prozent der Patienten sind älter als 60 Jahre), wobei Männer häufiger betroffen sind als Frauen.
In der überwiegenden Mehrzahl handelt es sich um so genannte Adenokarzinome, die sich am häufigsten im Bereich des Pankreaskopfes befinden.
Welche Aufgaben hat die Bauchspeicheldrüse?
Die Bauchspeicheldrüse (das Pankreas) ist ein etwa 15 Zentimeter langes, ähnlich einer dünnen Birne geformtes Organ, das sich im Oberbauch befindet. Sie liegt benachbart zum Magen, Zwölffingerdarm und zur Milz. Anatomisch unterscheidet man einen Kopf-, Körper- und Schwanzbereich.
Die Bauchspeicheldrüse besteht aus zwei funktionell verschiedenen Drüsenanteilen. Im so gennanten exokrinen Anteil wird der Bauchspeichel gebildet, der wichtige Verdauungsenzyme enthält. Über den Pankreasgang, den Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse, wird der Bauchspeichel in den Dünndarm abgegeben, wo er die Nahrungsbestandteile aufspaltet, damit diese dann vom Körper weiter verwertet werden können.
Der so genannte endokrine Anteil der Bauchspeicheldrüse produziert die den Zuckerstoffwechsel regulierenden Hormone Insulin und Glukagon sowie einige weitere Hormone. Bei einem Funktionsausfall der Bauchspeicheldrüse kommt es zu einem Insulinmangel und als Folge davon zur Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) mit erhöhtem Blutzuckerspiegel. Die endokrinen Drüsenanteile sind als so genannte Langerhanssche Inseln in das exokrine Gewebe der Bauchspeicheldrüse eingebettet. Nur etwa 5 Prozent der Pankreaskarzinome gehen von den endokrinen Zellen aus.
Wodurch entsteht Bauchspeicheldrüsenkrebs?
Für die Entstehung eines Pankreaskarzinoms konnten bislang nur wenige Risikofaktoren gefunden werden. Dazu zählen eine über lange Zeit bestehende Bauchspeicheldrüsenentzündung (chronische Pankreatitis) sowie langjähriges Zigarettenrauchen. Auch der intensive Kontakt mit verschiedenen Chemikalien (z. B. Naphtylamin, Benzidin) soll die Krankheit verursachen können.
Ob Ernähungsgewohnheiten ebenfalls eine Rolle spielen, ist bisher noch nicht genau geklärt. Angeschuldigt werden hoher Alkoholkonsum.
Selten liegt dem Bauchspeicheldrüsenkrebs eine erbliche Ursache zugrunde (so genanntes familiäres Pankreaskarzinom).
In den meisten Fällen tritt Bauchspeicheldrüsenkrebs jedoch auf, ohne dass sich einer dieser Faktoren nachweisen lässt.
Welche Beschwerden verursacht Bauchspeicheldrüsenkrebs?
Bauchspeicheldrüsenkrebs verursacht im frühen Stadium meist keine oder nur sehr geringe Beschwerden. Daher wird er oft erst sehr spät entdeckt und behandelt. Anzeichen können Appetitlosigkeit, Oberbauchschmerzen, Rückenschmerzen und Gelbfärbung der Haut und der Augen (Ikterus, Gelbsucht) sein.
Spätere Symptome wie starke Schmerzen im Oberbauch oder zunehmender Gewichtsverlust sind meist bereits Zeichen eines fortgeschrittenen Krankheitsstadiums. Sie treten oft erst auf, wenn der Tumor Nachbarorgane befallen, große Teile der Drüse zerstört oder das Gangsystem blockiert hat.
Welche Untersuchungen werden durchgeführt?
Am Anfang der Diagnostik steht die eingehende Befragung des Patienten zu Beschwerden und bisherigen Krankheiten, sowie die körperliche Untersuchung. Nächster Schritt ist eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) des Bauches und der Bauchspeicheldrüse. Zur genaueren Beurteilung kann dabei eine Ultraschallsonde in den Magen eingeführt, was es dem Arzt erlaubt, die Drüse aus der Nähe zu betrachten (Endosonografie).
In aller Regel schließen sich dann weitere bildgebende Untersuchungsverfahren wie Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie des Gangsystems und der Blutgefäße (MRT, MRCP, MRA) an. Fast immer führt der Arzt eine Spiegelung des Gallen- und des Pankreasgangs durch, eine so genannte Endoskopische Retrograde Cholangiopacreaticoskopie (ERCP) durch. Welche der genannten Methoden gewählt wird, hängt in erster Linie von der Fragestellung ab (Tumorsuche, Befall von Nachbarorganen). Falls Verdacht auf ein Übergreifen des Tumors auf den Magen oder Zwölffingerdarm besteht, wird eine Magen-Darm-Spiegelung (Gastroduodenoskopie) durchgeführt.
Bei Blutuntersuchungen kann eine Erhöhung des Tumormarkers CA19-9 auf ein Pankreaskarzinom hinweisen. Diese Untersuchung eignet sich jedoch nicht zur ersten Diagnostik des Tumors, da CA19-9 einerseits auch bei anderen Erkrankungen erhöht sein kann (z. B. Gallenerkrankungen), andererseits der Wert aber bei fünf bis zehn Prozent der Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs keine Erhöhung aufweist.
Eine Bauchspiegelung (Laparaskopie) ist nur im Einzelfall nützlich. Mit ihr soll vor allem geklärt werden, ob sich der Tumor bereits an anderen Stellen im Bauchraum ausgebreitet hat.
Wie wird Bauchspeicheldrüsenkrebs behandelt?
Die einzige Therapie, die Heilung verspricht, ist die Operation. Falls der Patient aufgrund seines Allgemeinbefindens nicht operierbar ist, oder der Tumor aufgrund seiner Ausbreitung nicht mehr entfernt werden kann, bestehen mit Strahlen- und Chemotherapie (konservative Behandlung) weitere Behandlungsmöglichkeiten.
Operative Behandlung
Nur die vollständige Entfernung des Pankreaskarzinoms bietet Heilungschancen. Sie ist jedoch nur dann erfolgversprechend, wenn der Tumor die Grenzen der Bauchspeicheldrüse noch nicht überschritten und keine Tochtergeschwülste gebildet hat. Je nachdem in welchem Teil der Drüse sich der Tumor befindet, kommen unterschiedliche Operationsmethoden zum Einsatz. Wenn möglich versucht der Chirurg, nicht die ganze Bauchspeicheldrüse zu entfernen, da eine schwere Zuckerkrankheit die Folge wäre. Auch versucht man, den Schließmuskel am Magenausgang zu schonen, der in unmittelbarer Nachbarschaft der Drüse liegt. Zusätzlich zum Tumor werden bei der Operation Lymphknoten des Bauchraumes entfernt, in denen sich bereits Tochtergeschwülste gebildet haben könnten. Je nach Ausbreitung des Tumors kann es außerdem nötig sein, Teile des Magens, des Darms oder der Milz zu entfernen.
Zu Komplikationen der Operation gehören neben den allgemeinen Operationsrisiken wie Blutung und Infektion vor allem die Probleme, die durch die teilweise Entfernung der Bauchspeicheldrüse entstehen. Es kann zu einem Mangel an Verdauungsenzymen und Insulin kommen. Die Folge sind Verdauungsstörungen, Durchfall, Bauchschmerzen, Entzündungen der Gallenwege und eine Zuckerkrankheit.
Der Erfolg der Operation ist in hohem Maß von der Erfahrung des Operateurs abhängig. Daher sollte der Eingriff nur in Kliniken mit entsprechendem Erfahrungsschatz vorgenommen werden. Neueste Untersuchungen zeigen, dass eine im Anschluss an die Operation durchgeführte Chemotherapie die Heilungsaussichten des Patienten verbessern.
Konservative Behandlung
Ist eine Operation nicht möglich oder tritt der Tumor nach einem erfolgten Eingriff wieder auf, wird eine Chemotherapie durchgeführt häufig in Kombination mit einer Strahlentherapie. Dabei versucht man, mit Zellgiften und/oder ionisierender Strahlung die Geschwulst zu verkleinern. Diese konservative Behandlung bietet zwar nur geringe Heilungschancen, kann jedoch Beschwerden deutlich lindern und die Überlebenszeit des Patienten verlängern. Man spricht von einer palliativen Therapie.
Die Medikamente, die bei einer Chemotherapie eingesetzt werden, nennt man Zytostatika. Es sind Zellgifte, die vor allem sich teilende Zellen angreifen. Da sich Krebszellen sehr rasch und häufig teilen, werden diese bevorzugt zerstört. Die palliative Chemotherapie des Bauchspeicheldrüsenkrebses ist in der Regel recht gut verträglich. Die üblichen Nebenwirkungen der Zellgifte wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle und allgemeine Abgeschlagenheit allergische Reaktionen, Schleimhautschäden und Haarausfall sind zumeist nicht so stark ausgeprägt.
Bei der Strahlentherapie wird versucht, den Tumor mit Hilfe von ionisierender Strahlung zu zerstören. Die Bestrahlung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs erfolgt von außen über einen kurzen Zeitraum mehrmals in der Woche. Da hierbei allerdings auch gesundes Gewebe in Mitleidenschaft gezogen wird, sind Nebenwirkungen (so genannte Strahlenschäden) zwangsläufig die Folge. Ein frühes Zeichen ist der so genannte Strahlenkater, eine typische Reaktion des Körpers auf die plötzliche Strahlenbelastung mit Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Kopfschmerzen. Die Beschwerden verschwinden aber in der Regel schnell wieder. Später kann es bedingt durch die Strahlenbelastung vor allem zu Reizungen der Haut und Schleimhäute mit nachfolgenden Magen- und/oder Dünndarmgeschwüren kommen.
Begleitende Therapiemaßnahmen
Bei jeder Therapie wird nicht nur der Tumor selbst, sodnern auch die durch den Tumor hervorgerufenen Beschwerden behandelt.
Ist der Gallengang durch die Krebsgeschwulst eingeengt oder verschlossen, führt dies zur Gelbsucht (Ikterus). Dann versucht der Arzt, den Gang durch endoskopische Maßnahmen wieder durchgängig zu machen. Dafür schiebt er ein biegsames optisches Instrument, das Endoskop, durch den Mund bis zum Zwölffingerdarm vor. Von dort kann dann ein so genannter Stent in den Gallengang eingelegt werden, der diesen weitet und offen hält.
Bei etwa 20 Prozent der Patienten kann es zu einem Verschluss des Zwölffingerdarms durch den Tumor kommen. Dann ist meist eine Operation notwendig.
Schmerzen werden konsequent mit Schmerzmitteln behandelt. Ebenso werden Depressionen, die beim Bauchspeicheldrüsenkrebs häufiger als bei anderen Tumorerkrankungen auftreten, mit Medikamenten therapiert.
Bevor eine konservative Therapie begonnen wird, ist es nötig, den genauen Tumortyp zu bestimmen. Dazu werden mit einer feinen Nadel einige Zellen des Tumors entnommen (Biopsie) und im Labor untersucht. Es können dann Aussagen darüber gemacht werden, auf welche Behandlung er am besten anspricht.
Was geschieht nach der Behandlung?
Nach der Operation kann es durch das Fehlen der Drüsensekrete zu Verdauungs- und Stoffwechselproblemen kommen. Die Verdauungsenzyme der Bauchspeicheldrüse werden dann als Kapsel zu den Mahlzeiten eingenommen. Falls aufgrund eines Insulinmangels eine Zuckerkrankheit entsteht, muss diese wie bei anderen Diabetikern auch behandelt werden.
Ob das Spritzen von Insulin notwendig ist, hängt von der jeweiligen Ausprägung ab. Günstig ist in jedem Fall eine Umstellung der Ernährung auf gut verdauliche Speisen. Eine entsprechende Schulung findet im Anschluss an die Operation meist noch im Krankenhaus oder in einer Rehabilitationsklinik statt.
Nach der Behandlung, vor allem nach kompletter Entfernung der Bauchspeicheldrüse, beträgt der Grad der Behinderung (GdB) im Allgemeinen zwischen 60 und 100 Prozent.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2005).
Harrison, T. R.: Harrisons Innere Medizin. ABW Wissenschaftsverlag (16. Auflage 2005).
Tumor Zentrum Berlin e.V.: Interdisziplinäre Leitlinie Pankreaskarzinom. Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie. (Februar 2002).
Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Interdisziplinäre Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Chirurige: Exokrines Pankreaskarzinom. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 032/010 (letzte Überarbeitung Oktober 2003)).
Böhmig M., Rosewicz S.: Pankreaskarzinom. Zeitschrift für Gastroenterologie (2004) 261-268.


