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Bronchitis, chronische




Chronische Bronchitis - was ist das?


Die chronische Bronchitis ist eine dauerhafte Entzündung der Atemwege. Sie liegt vor, wenn Husten und Auswurf in zwei aufeinander folgenden Jahren über mehr als drei Monate bestehen.

Was ist das Besondere bei einer Entzündung der Bronchien?


Die Atemwege leiten die Atemluft vom Nasen-Rachen-Raum in die Lungen. Die sich an den Kehlkopf anschließende Luftröhre teilt sich im Verlauf zunächst in zwei Hauptäste, die Hauptbronchien. Im weiteren Verlauf verästelt sich das System immer feiner, dem Astwerk eines Baumes vergleichbar. Schließlich gehen die Atemwege in Form der Lungenbläschen (Alveolen) in das eigentliche Lungengewebe über. Hier findet der Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid statt.

Neben der Luftleitung haben die Bronchien die Reinhaltung der Atemwege zur Aufgabe. Der Reinigungsvorgang besteht darin, Staub, abgestorbene Zellen und andere Partikel, die sich an den Wänden der Atemwege niederschlagen nach außen zu befördern. Dies geschieht dadurch, dass die Schleimhaut der Atemwege eine dünne Schleimschicht bildet, in der sich die Partikel fangen und sammeln. Durch die abgestimmte Bewegung spezieller feiner Härchen wird ein "Schleimstrom" in Richtung Mund erzeugt. Größere Schleimansammlungen in den Atemwegen lösen einen reinigenden Hustenstoß aus.

Darüber hinaus enthält der Bronchialschleim auch Stoffe und Zellen, die unmittelbar zur Abwehr von Bakterien und Viren in der Lage sind. Da ständig Fremdstoffe mit der Atmung in die Atemwege gelangen, ist eine leichte Entzündung durchaus üblich, und die Schleimhaut der Atemwege ist grundsätzlich auch in der Lage, mit dieser Dauerbelastung fertig zu werden.

Eine andauernde Überforderung des Reinigungs- und Transportsystems durch Aufenthalte in schadstoffreicher Umgebung oder durch Tabakrauch führt jedoch dazu, dass der Abtransport durch die feinen Härchen nach und nach geringer wird. Somit können eingeatmete Krankheitserreger lange genug in den Atemwegen verweilen, um dann eine Infektion der Schleimhäute auszulösen.

Bei einer geschwächten Abwehrlage, oder falls die Erreger besonders aggressiv sind, kann auch ohne eine besondere Vorbelastung eine akute Entzündung der Bronchien - eine Bronchitis - entstehen. Der Entzündungsvorgang führt dann zu einer vermehrten Durchblutung, einer Schwellung der Atemwege und zu einer vermehrten Schleimbildung. Während die einzelne entzündliche Abwehrreaktion zu den "normalen" Waffen des Körpers gehört und auch folgenlos abheilt, stellen häufig aufeinander folgende oder andauernde Entzündungen eine ernste Bedrohung der Funktion der Atemwege dar.

Welche Ursachen gibt es?


Die Hauptursache der chronischen Bronchitis ist das Rauchen. 90 Prozent aller Bronchitiker sind Raucher oder Exraucher. Jeder zweite Raucher im Alter über 40 Jahren leidet an einer chronischen Bronchitis. Andere Ursachen wie die Belastung mit Stäuben am Arbeitsplatz sowie allgemeine Luftverschmutzung treten dahinter deutlich zurück.

Wiederholte akute Infekte bahnen zwar den Weg, sind aber nur bei fortgesetzter Belastung mit anderen Risikofaktoren Ursache der chronischen Bronchitis. Eine erbliche Veranlagung, die die Entstehung einer chronischen Bronchitis begünstigt, wird ebenfalls vermutet, spielt aber zahlenmäßig eine untergeordnete Rolle.

Männer sind derzeit dreimal häufiger betroffen als Frauen; durch die steigende Zahl weiblicher Raucher gleicht sich dieses Verhältnis allerdings zunehmend aus.

Wie äußert sich eine chronische Bronchitis?


Die chronische Bronchitis äußert sich durch Husten und Auswurf. Dieser nimmt besonders nach dem Nachtschlaf zu, so dass regelmäßig ein morgendliches Abhusten zur Bronchialreinigung erforderlich sein kann. In der kalten Jahreszeit können die Beschwerden durch zusätzliche Infektionen noch einmal deutlich zunehmen. Der Arzt spricht dann von einer "akuten Exazerbation" der chronischen Bronchitis.

Im Verlauf kommt es durch die anhaltende Entzündung zu einer Schwellung und Verengung der Atemwege. Es liegt eine chronisch-obstruktive Bronchitis vor. Die Atemluft kann nur gegen einen höheren Widerstand in die Lunge eingeatmet werden und, was noch folgenreicher ist, auch ausgeatmet werden. In diesem Stadium der Erkrankung bestehen bereits regelmäßig Luftnot und damit eine Leistungseinschränkung.

Da die Luft in Folge der Schwellung der Atemwege nicht ungehindert aus der Lunge ausströmen kann, geht die Elastizität der Lunge verloren. Dieser Zustand wird als Lungenemphysem bezeichnet. Die Lunge ist überbläht. Die für den eigentlichen Atmungsvorgang notwendigen Lungenbläschen verlieren ihre Konturen und verringern dadurch die Atmungsoberfläche. Dadurch steht für den Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid zwischen dem Lungengewebe und dem Blut weniger Fläche zur Verfügung. Dies verstärkt zum einem die bestehende Atemnot, zum anderen wird auch der Durchfluss des Blutes durch die Lunge erschwert.

So wird schließlich auch das Herz in den Krankheitsprozess einbezogen, da es das Blut gegen einen größeren Widerstand in den Kreislauf pumpen muss (pulmonaler Bluthochdruck). Es kommt zu einer Überlastung des Herzens (Cor pulmonale). Für die erforderliche Mehrarbeit steht dann auch noch weniger Sauerstoff zur Verfügung. In diesem Stadium der Erkrankung besteht bereits in Ruhe ein Erschöpfungsgefühl und Luftnot.

Wie wird die chronische Bronchitis diagnostiziert?


Zur Feststellung des Krankheitsstadiums stehen im Rahmen der ärztlichen Untersuchung verschiedene Methoden und Techniken zur Verfügung.

Das Abhorchen und Abklopfen der Lunge gibt Auskunft über den Luftgehalt der Lunge und kann auf Verengungen der Atemwege hinweisen, die sich häufig auch schon auf Distanz durch pfeifende Atemgeräusche bemerkbar machen. Eine Röntgenuntersuchung kann Aufschluss über akute entzündliche Veränderungen und Narben des Lungengewebes geben und erlaubt eine grobe Abschätzung des Gewebszustandes.

Die Lungenfunktionsuntersuchung ("LuFu", Spirometrie) gibt Aufschluss über die Leistungsfähigkeit der Atemwege und der Lunge. Bei dieser Untersuchung wird in unterschiedlichem Tempo durch ein spezielles Messmundstück ein- und ausgeatmet. Wird die Untersuchung in einer geschlossenen Kammer, ähnlich einer Telefonzelle, durchgeführt, ergeben sich weitere Aussagemöglichkeiten.

Eine Blutuntersuchung gibt Aufschluss über allgemeine Entzündungsaktivitäten im Körper und die Fähigkeit, über die roten Blutkörperchen Sauerstoff zu transportieren. Durch die Blutuntersuchung aus dem Ohrläppchen kann direkt ermittelt werden, wie viel Sauerstoff die roten Blutkörperchen "geladen" haben.

Bei hartnäckigen bakteriellen Infekten kann eine Untersuchung des Auswurfes erforderlich sein, um die Behandlungsmöglichkeiten mit Antibiotika testen zu können (Antibiogramm).

Durch eine endoskopische Untersuchung, der Bronchoskopie, kann mit Hilfe eines dünnen, schlauchartigen optischen Systems, das durch die Nase in die Atemwege (Luftröhre und Bronchien) eingeführt wird, deren Zustand beurteilt werden. Während dieser Untersuchung kann auch Gewebe entnommen werden.

Wie wird die chronische Bronchitis behandelt?


Erste Behandlungsmaßnahme bei der chronischen Bronchitis ist die Meidung zusätzlicher Schädigungen wie Rauchen oder Aufenthalt in schadstoffreicher Umgebung. Der Verzicht auf das Rauchen ist die effektivste Maßnahme, das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.

Das Auftreten von bakteriellen Infekten wird durch die Gabe von Antibiotika behandelt. Jährlich sollte im Herbst eine Grippe-Schutzimpfung durchgeführt werden. Ebenso sollte gegen Peumokokken geimpft werden, die eine akute Verschlechterung einer chronischen Bronchitis verursachen können.

Bei der einfachen chronischen Bronchitis kommen schleimlösende Medikamente zum Einsatz, die allerdings nur bei gleichzeitiger ausreichender Flüssigkeitszufuhr wirksam sind.

Abhängig vom Ausmaß der Verengung der Atemwege, d. h. beim Übergang der einfachen chronischen in eine chronisch-obstruktive Bronchitis, kommen inhalative Medikamente (Beta-2-Sympathomimetika, Anticholinergika) zum Einsatz, die der Schwellung der Bronchialschleimhaut entgegenwirken und den Entzündungsvorgang vermindern. Diese Inhalationssprays bestehen meist aus einem kleinen Medikamentenbehälter mit einem integrierten Mundstück, was eine effektive Einatmung des Medikaments erlaubt. Die Inhalationssprays müssen langfristig und nach einem individuellen Schema angewandt werden. Weitere Medikamente, als Tabletten eingenommen, tragen zur Weitstellung der Atemwege bei. Bei ausgeprägtem Entzündungsprozess ist auch die Gabe von Kortisonpräparaten als Inhalationsspray zu erwägen. Die Zufuhr von Sauerstoff über 12 bis 16 Stunden am Tag kann bei weit fortgeschrittener Erkrankung eine weitere Verschlechterung der Herzbelastung verhindern.

Eine ausreichende Luftfeuchtigkeit hat eine schleimhautschützende Wirkung. Extreme Temperaturen der Atemluft sollten grundsätzlich, besonders aber bei Vorliegen einer Entzündung der Atemwege gemieden werden. Dies ist auch bei Inhalationen zu beachten, die bei vorsichtiger Dosierung auch mit ätherischen Ölen angereichert werden können. Menthol und Eukalyptus können zur Schleimlösung und Keimreduktion beitragen, entfalten aber bei Fehldosierung auch selber eine reizende Wirkung.

Bei fortgeschrittener Erkrankung können spezielle Klopfmassagen die Schleimlösung verbessern. Atemgymnastik, unter Anleitung erlernt, kann die Atmung insgesamt erleichtern und verbessern. Bei schweren bakteriellen Infektionen kann auf Dauer auch die Einnahme von Antibiotika erforderlich werden.

Welche Auswirkungen hat die chronische Bronchitis auf die Lebensführung?


Oberste Maßgabe ist die Meidung von Risikofaktoren. Insbesondere das Rauchen muss eingestellt werden, wenn das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt werden soll. Eine gesunde Lebensführung mit regelmäßiger Bewegung und ausgeglichener Ernährung stärkt das Abwehrvermögen des Körpers und kann so vor zusätzlichen Infektionserkrankungen schützen.

Ist zäher Schleim vorhanden, sollte viel getrunken werden. Auch bei eingeschränkter Belastbarkeit ist eine maßvolle Bewegung wichtige Voraussetzung für den Funktionserhalt der Lunge. Bei regelmäßiger und diszipliniert durchgeführter Behandlung kann sogar eine allmähliche Verbesserung der Leistungsfähigkeit erreicht werden.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Herold, G.: Innere Medizin, Selbstverlag (2004).

Cirée, C.P.: COPD-Management und COPD-Leitlinien. Notfallmedizin 29, S. 404-408 (2003).

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlich Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention chronisch obstruktiver Lungenkrankheiten (COPD) und Asthma bronchiale (12/2003).

Thiemes Innere Medizin (TIM). Thieme (2000).

Augustin, M.: Praxisleitfaden Naturheilkunde. Fischer (1999).
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