Brucellosen
(Brucella melitensis; Malta-Fieber; Mittelmeerfieber; Brucella abortus; Morbus Bang)
Was sind Brucellosen?
Brucellosen zählen zu den so genannten Anthropozoonosen. Damit bezeichnet man Infektionskrankheiten, die von Haustieren (Rind, Schwein, Schaf, Ziege, Pferd, Hund, Katze) oder Tierprodukten auf den Menschen übertragen werden. Ausgelöst werden sie durch Bakterien der Gattung Brucella.
Am häufigsten ist das Maltafieber (Mittelmeerfieber), das durch den Erreger Brucella melitensis verursacht wird. An Morbus Bang erkrankt man durch eine Infektion mit Brucella abortus. Die Schweinebrucellose (Brucella suis) und die Hundebrucellose (Brucella canis) sind selten.
Die Brucellose kann sehr unterschiedlich verlaufen, innerhalb weniger Monate ausheilen oder länger als ein Jahr andauern (chronisch werden) und zum Teil schwere Organschäden hinterlassen. Sie kommt weltweit vor, häuft sich jedoch in so genannten Endemiegebieten (Gebiete, in denen die Krankheit ständig auftritt), z. B. bestimmten Mittelmeerländern.
Wie infiziert man sich an Brucellose?
Meist werden die Bakterien durch Fleisch oder Produkte (nicht pasteurisierte Milch) infizierter Tiere auf den Menschen übertragen. Doch auch durch direkten Kontakt mit den Tieren beziehungsweise mit deren Körperflüssigkeiten kommt es häufig zur Ansteckung. Deshalb haben Personen, die berufsmäßig mit Tieren oder Tierprodukten umgehen, ein erhöhtes Infektionsrisiko (Fleischer, Bauern, Tierärzte, Schäfer u. a.). Dementsprechend zählt die Brucellose für diese Personengruppen zu den anerkannten Berufskrankheiten. Die Nutzviehbestände in Deutschland gelten allerdings als brucellosefrei und werden kontinuierlich überwacht.
Die Erreger können auf verschiedenen Wege in den menschlichen Körper eindringen: Über den Magen-Darm-Trakt (Genuss unpasteurisierter oder nicht abgekochter Milchprodukte), über die Atemwege (Einatmen von bakterienhaltigem Staub), über die Augenbindehaut (Spritzer von Tiersekreten) oder über kleinste Wunden.
Wie äußert sich eine Brucellose?
Der Verlauf einer Brucellose ist wie erwähnt sehr unterschiedlich und hängt davon ab, welche Organsysteme betroffen sind. Die akute Form ist am häufigsten: Nach einer ein- bis vierwöchigen Inkubationszeit (Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung) kommt es zu unspezifischen Krankheitserscheinungen wie Fieber, Nachtschweiß, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit etc. Im weiteren Verlauf treten zusätzlich Kopf-, Glieder-, Muskelschmerzen sowie eine Lymphknotenschwellung auf. Bei genauerer Untersuchung finden sich Milz und Leber oft vergrößert. In den Knochen können sich Eiterungen bilden.
Die subakute Form, auch undulierendes Fieber genannt, beobachtet man heutzutage selten. Sie tritt nach Akuterkrankungen, die nur unzureichend mit Antibiotika behandelt und deshalb nicht ausgeheilt sind, auf und äußert sich dann oft mit Gelenkentzündungen, bei jüngeren Männern auch mit Nebenhodenentzündungen.
Die chronische Form der Brucellose kann jahrelang anhalten und plagt den Betroffenen durch Leistungsabfall, Schweißausbrüche, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen. Oft entzünden sich auch die Wirbel und die Augäpfel.
Da die Bakterien sich auf dem Blutweg über den ganzen Körper ausbreiten, können sofern die Krankheit nicht ausreichend behandelt wird schließlich zahlreiche Organe befallen werden. Dann bilden sich kleine Knötchen (Granulome) in den Lymphknoten, der Milz, der Leber den Knochen und anderen Organen.
Sehr häufige Komplikationen sind Entzündungen des Kreuzbein- und Darmbeingelenks, der Wirbelgelenke sowie des Knie- und Hüftgelenks. Auch das Knochenmark der langen Röhrenknochen kann sich entzünden.
Wie wird die Verdachtsdiagnose gesichert?
Entscheidend ist, an die Möglichkeit einer Brucellose überhaupt zu denken. Treten die typischen Beschwerden bei einer Person aus einer Risikoberufsgruppe (z. B. einem Fleischer) oder nach einem Auslandsaufenthalt (z. B. in Malta) auf, sollte das den Verdacht des Arztes auf eine Brucellose lenken.
Eine Blutuntersuchung kann den Brucelloseverdacht bestätigen. Dabei wird entweder der Erreger selbst oder Antikörper gegen ihn nachgewiesen. Der Nachweis kann auch aus anderen Körperflüssigkeiten (z. B. Eiter oder Gelenkflüssigkeit) sowie aus dem Knochenmark, aus Lymphknoten und anderen befallenen Organen erfolgen.
Wie wird die Brucellose behandelt?
Wenn der begründete Verdacht auf eine Brucellose besteht, erfolgt eine sofortige Therapie mit Antibiotika (Bakterien abtötenden Medikamenten), mit dem Ziel, den Erreger zu bekämpfen und seine weitere Ausbreitung im Körper zu verhindern. Meist ist eine Kombinationstherapie mit verschiedenen Antibiotika (Streptomycin, Doxycyclin) über längere Zeiträume erforderlich, um die Erkrankung zur Ausheilung zu bringen.
Als unerwünschte Wirkungen der Antibiotika kann es zu allergischen Reaktionen, Mundtrockenheit, Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden sowie zu Blutbildveränderungen kommen. Schwere Nebenwirkungen der Antibiotika-Therapie wie Schäden an Nieren und anderen Organen sind selten.
Die Prognose der Brucellose ist unter anderem von der Abwehrlage des Betroffenen abhängig. Bei rechtzeitiger und konsequenter Therapie sind die Heilungschancen in aller Regel sehr gut und die Erkrankung ist in leichten Fällen nach wenigen (zwei bis drei) Wochen überstanden. Die durchschnittliche Sterblichkeit aller Brucellosen liegt bei ca. zwei Prozent.
Manchmal verbleibt der Erreger trotz scheinbarer Ausheilung und Beschwerdefreiheit im Körper. Die Brucellose kann dann, meist wenn der Betroffene allgemein geschwächt ist, wieder aufflammen. Deshalb ist es sinnvoll, das Blut ein Jahr nach der Krankheit noch einmal auf Antikörper untersuchen zu lassen (Titerkontrolle).
Wie kann man sich vor dieser Krankheit schützen?
Das Wichtigste ist, eine Infektion mit Brucellen durch Vorsichtsmaßnahmen zu verhüten.
Durch Abkochen und Pasteurisieren vermeidet man, infizierte Milch oder Milchprodukte zu sich zu nehmen. Man sollte grundsätzlich keine unpasteurisierten Tierprodukte und kein rohes Fleisch essen.
In Endemiegebieten ist es ratsam, den Kontakt zu potenziell infizierten Tieren zu meiden. Wichtig ist auch eine gründliche Arbeitshygiene und Körperschutzkleidung bei beruflicher Gefährdung. Deshalb sollten z. B. Tierärzte oder Tierpfleger bei allen Tätigkeiten, bei denen sie mit Körperflüssigkeiten der Tiere in Kontakt kommen, Gummihandschuhe tragen. Nach der Arbeit ist es wichtig, sich gründlich die Hände zu waschen und zu desinfizieren, sowie die Haut regelmäßig mit Salben oder Cremes zu pflegen, um sie so vor Austrocknung und Rissen zu schützen.
Da die Viehbestände der Bundesrepublik Deutschland entsprechend der EWG-Richtlinien fortlaufend kontrolliert werden und als brucellosefrei gelten, ist es hierzulande sehr unwahrscheinlich, sich mit dem Erreger zu infizieren. Vor Reisen in Länder mit einem größeren Infektionsrisiko sollte man sich erkundigen und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen beachten.
Ein Impfstoff gegen Brucellose konnte für Menschen bisher nicht entwickelt werden. Die Erkrankung ist laut Infektionsschutzgesetzt (IfSG) meldepflichtig.
Impressum
Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: Oktober 2000
Autor: Dr. med. Karl Addicks
Letzte Aktualisierung: September 2005
Durch: Ulrich Kraft (Arzt) und Dr. med. Dirk Nonhoff (Facharzt für Allgemeinmedizin)
Literatur/Leitlinien/EBM:
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).
Lang: Tropenmedizin in Klinik und Praxis. Thieme (2000).
Kretschmer/Kusch/Scherbaum: Reisemedizin. Urban & Fischer (2005).
Diesfeld: Praktische Reise- und Tropenmedizin. Thieme (2003).
Robert-Koch-Institut: Ratgeber Infektionskrankheiten Merkblätter für Ärzte. Brucellose (Januar 2005)


