Entzündungen, örtlich begrenzte
(Infektionen, lokale)
Was sind örtlich begrenzte Entzündungen?
Wenn Mikroorganismen wie Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten in den menschlichen Körper eindringen und sich dort vermehren, kann es zu einer Entzündung (Infektion) kommen. Bleibt diese auf den Bereich beschränkt, an dem der Erreger eingedrungen ist beziehungsweise wo er sich abgesiedelt und vermehrt hat, handelt es sich um eine örtlich begrenzte Entzündung.
Die körpereigene Abwehr setzt sich mit den eingedrungenen Erregern auseinander und versucht sie zu vernichten. Gelingt das nicht oder nicht sofort, kann sich eine lokale Entzündung auf den gesamten Organismus ausbreiten. Dann spricht man von einer systemischen Infektion oder auch einer Entzündungskrankheit. Ob aus einer örtlich begrenzten Entzündung eine Entzündungskrankheit wird, hängt einerseits davon ab, wie viele Erreger in den Körper eingedrungen sind, welche Erreger eingedrungen sind, wie stark sie sich vermehren und ausbreiten.
Andererseits ist die Ausbreitung einer Entzündung vom Allgemeinzustand des Menschen abhängig, das heißt davon wie stark seine Abwehrkräfte sind, wie gut seine Durchblutung ist und ob er unter anderen Krankheiten leidet.
Wie entstehen örtlich begrenzte Entzündungen?
Um in den menschlichen Organismus einzudringen, muss der Erreger (z. B. das Bakterium) zunächst gewisse Barrieren überwinden. Zur Abwehr tragen die Haut und die Schleimhäute sowie die Körperflüssigkeiten (Speichel, Magensäure, Tränenflüssigkeit, Nasensekret) bei.
Ist es einem Mikroorganismus gelungen, die erste Verteidigungslinie des Körpers zu überwinden, kommen als zweite Verteidigung Fresszellen (Makrophagen) zum Einsatz, die für die Beseitigung von körpereigenen Abfallprodukten, aber auch von körperfremdem Material zuständig sind. Diese Fresszellen entstehen im Blut und im Knochenmark wandern ins Gewebe. Dort beziehen sie eine Art Warteposition, können aber jederzeit aktiviert werden wenn ein Krankheitserreger in den Organismus gelangt. Die Bakterien werden von den Fresszellen entweder vollständig zerlegt und beseitigt oder, in Bruchstücke zerteilt.
Bestimmte Eiweißbestandteile der Bakterien präsentieren die Makrophagen dann auf ihrer eigenen Zelloberfläche. Wenn diese Proteine von einem anderen Abwehrzelltyp, den weißen Blutkörperchen (Lymphozyten), als körperfremd erkannt werden wird eine spezifische Immunantwort ausgelöst. Das bedeutet, dass das Immunsystem gegen dieses Bakterium Antikörper bildet.
Antikörper können Bakterien auf drei Arten unschädlich machen:
- Sie heften sich an das Bakterium an und lösen eine gewebsabtötende Abwehrreaktion aus. Der Erreger stirbt.
- Sie bereiten die Bakterienwand so vor, dass die Fresszellen das Bakterium vernichten können.
- Sie neutralisieren die von den Bakterien ausgeschütteten Giftstoffe (Toxine).
Welche Beschwerden machen örtlich begrenzte Entzündungen?
Durch die vermehrte Durchblutung und die ausgeschütteten Wirkstoffe kommt es am Ort der Entzündung zur Rötung und Überwärmung. Durch Austritt von Blutflüssigkeit (Serum) erhöht sich die Gewebsspannung, es kommt zu einer Schwellung und zu Schmerzen.
Je nachdem, welcher Körperbereich von der Entzündung betroffen ist, kann dieser in seiner Funktion beeinträchtigt sein.
Wie werden örtlich begrenzte Entzündungen diagnostiziert?
Die Diagnose wird in der Regel anhand der an einer bestimmten Körperstelle lokalisierten Symptome der Entzündung (Rötung, Überwärmung, Schwellung, Schmerzen, eingeschränkte Funktion) mittels Blickdiagnose gestellt. Möchte der Arzt den Erreger dieser örtlichen Infektion ermitteln, so kann er Abstriche von der Haut bzw. der Wunde entnehmen und das entnommene Material anschließend unter dem Mikroskop untersuchen oder eine Bakterienkultur anzüchten.
Eine weiterführende Diagnostik, z. B. Blutuntersuchungen, ist bei unkompliziertem Verlauf der Entzündung meist nicht erforderlich.
Entstand die Entzündung in Folge einer offenen Verletzung, ist es stets notwendig, den Tetanus-Impfschutzes zu überprüfen.
Treten häufig und in kurzen Abständen örtliche Entzündungen auf, schaut der Arzt mittels weiterer spezieller Untersuchungen, ob zum Beispiel erhöhte Blutzuckerwerte bestehen oder das Immunsystem durch andere Erkrankungen geschwächt ist.
Wie werden örtlich begrenzte Entzündungen behandelt?
In der Regel werden örtlich begrenzte Entzündungen auch durch eine örtliche Therapie behandelt. Die Behandlung besteht dann in entzündungshemmenden, kühlenden und abschwellenden Salben- oder Flüssigkeitsverbänden. Zusätzliches Kühlen, z. B. durch Eiskompressen (Cool Packs), ist hilfreich und wird meist auch als angenehm empfunden. Der entzündete Bereich sollte möglichst ruhig gehalten werden, die körperlichen Aktivitäten sollte man dementsprechend einschränken. Kapselt sich der Entzündungsherd ab und bildet Eiter (Abszess), muss diese abgekapselte Höhle vom Arzt operativ eröffnet werden.
Falls die Entzündung durch diese Maßnahmen nicht abheilt, kann man je nach Erreger eine lokale Behandlung mit Mitteln zur Abtötung von Bakterien (Antibiotika), von Viren (Virustatika) oder Pilzen (Antimykotika) durchführen. Unter dieser Therapie kann es gelegentlich zu allergischen Überempfindlichkeitsreaktionen kommen, selten sind schwerere Nebenwirkungen zu befürchten.
Die Einnahme eines Antibiotikums oder eines anderen Medikamentes in Tablettenform ist bei örtlich begrenzten Entzündungen eher selten notwendig.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Hasse, F.M.: Klinikleitfaden Chirurgie. Urban & Fischer (3. Auflage 2002).
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2005).
Müller, M.: Chirurgie. Medizinische Verlags- und Informationsdienste (2004/2005).
Schumpelick, V.: Kurzlehrbuch Chirurgie. Thieme (6. Auflage 2003).
Sterry, W.: Checkliste Dermatologie. Thieme (4. aktualisierte Auflage 2004).
Trentz, O.: Checkliste Traumatologie. Thieme (5. überarbeitete und erweiterte Auflage 2005).


