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Eisenmangelanämie



(Blutarmut durch Eisenmangel)


Was versteht man unter einer Eisenmangelanämie und wie kommt der Eisenmangel zustande?


Bei einer Eisenmangelanämie kommt es zu einer Beeinträchtigung der Blutbildung in Folge eines Mangels an Körpereisen. Dieser kann verschiedene Ursachen haben:

Blutverlust:
Dauerhafter Blutverlust ist die häufigste Ursache eines Eisenmangels. Hierbei sind insbesondere der unbemerkte Blutabgang über den Magen-Darm-Trakt (z. B. bei Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren, Dickdarmpolypen oder bösartigen Tumoren) und bei Frauen häufige und/oder sehr starke Regelblutungen zu nennen. Auch zu häufiges Blutspenden kann einen Eisenmangel verursachen.

Ernährung:
Der Mensch ist darauf angewiesen, Eisen mit der Nahrung aufzunehmen. Die empfohlene tägliche Eisenzufuhr beträgt bei Männern 12 mg (Milligramm), bei Frauen 15 mg und bei Schwangeren sogar 30 mg. Je nach Ernährungsgewohnheit kann es zu einer verminderten Eisenaufnahme kommen. Vor allem strikte Vegetarier müssen darauf achten, die notwendigen Eisenmengen aus anderen Nahrungsmitteln als Fleisch  der wichtigsten Quelle  zu beziehen.

Stoffwechselstörungen:
In seltenen Fällen liegt eine Störung der Eisenaufnahme vor, so dass zwar genügend Eisen mit der Nahrung zugeführt, dieses aber vom Darm nicht richtig aufgenommen wird. Mögliche Ursachen für solche Resorptionsstörungen sind die operative Entfernung des Magens oder von Teilen des Darms sowie schwere entzündliche Erkrankungen des Darms.

Gesteigerter Bedarf:
In der Schwangerschaft, in der Wachstumsphase, bei schweren Erkrankungen und nach größeren Operationen benötigt der Körper eine höhere Eisenzufuhr. Ebenso haben Leistungssportler einen höheren Bedarf an Eisen. Wird die Nahrung diesem Bedarf nicht entsprechend angepasst, kann es unter solchen Umständen zu Eisenmangelzuständen kommen.

Wie äußert sich eine Eisenmangelanämie?


Der Eisenmangel verursacht eine Blutarmut (Anämie), da dem Körper das zur Herstellung des Blutfarbstoffs (Hämoglobin) benötigte Eisen fehlt.
Beim Mann spricht man von einer Blutarmut, wenn der Hämoglobingehalt des Blutes weniger als 13,5 g/dl (Gramm pro Deziliter) und bei der Frau weniger als 12 g/dl beträgt. Zusätzlich kann auch die Anzahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die für den Sauerstofftransport zuständig sind, vermindert sein.

Die Eisenmangelanämie ist mit über 80 Prozent die häufigste Form der Blutarmut. In vier Fünftel der Fälle sind Frauen betroffen, da sie durch den regelmäßigen Blutverlust bei der Monatsblutung sowie in der Schwangerschaft einen Mehrbedarf an Eisen haben.
Die Eisenmangelanämie äußert sich mit allgemeinen Beschwerden, die bei einer Blutarmut auftreten. Dazu zählen ständige Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Leistungsabfall. Die Betroffenen sind blass und klagen über allgemeine Schwäche und Kopfschmerzen. Auch kann es zu Atemnot, vor allem bei Belastung, Konzentrationsstörungen und zu Herzklopfen kommen.

Zusätzlich treten bei der Eisenmangelanämie Nagelveränderungen mit brüchigen Nägeln, Hohl- und Rillennägeln auf. Auch die Haare werden brüchig. Neben kleinen, schlecht heilenden Einrissen in den Mundwinkeln (Mundwinkelrhagaden) kann es auch zu Schluckstörungen kommen.
Eisenmangel führt außerdem zu einer herabgesetzten Aktivität zahlreicher eisenhaltiger und eisenabhängiger Stoffe (Enzyme), die unter anderem für die Funktion des Abwehrsystems notwendig sind. Eine Eisenmangelanämie bei Säuglingen im Alter von 12 bis 18 Monaten kann sogar bleibende geistige Störungen hinterlassen.

Da die Beschwerden einer Eisenmangelanämie auch Hinweise auf eine ernste Erkrankung sein können, sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen. Ohne Behandlung kommt es zu einer zunehmenden Verschlechterung des Allgemeinbefindens.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?


Die Behandlung der Anämie richtet sich im Einzelfall nach deren Ursache, d. h. in erster Linie muss die Grunderkrankung therapiert werden.

Bei einem Blutverlust über den Magen-Darm-Trakt, der durch den Nachweis von Blutbeimengungen im Stuhlgang festgestellt werden kann, sollte daher auf jeden Fall auch eine Magen- und Darmspiegelung erfolgen, um die Blutungsquelle erkennen und behandeln zu können.
Bei häufiger und/oder sehr starker Regelblutung sollte eine ausführliche Untersuchung durch einen Frauenarzt stattfinden.

Ist der Grund für die Eisenmangelanämie lediglich in einer unzureichende Aufnahme dieser Stoffe mit der Nahrung zu finden, kann das fehlende Eisen leicht ersetzt werden. Zunächst geschieht dies durch Medikamente und anschließend durch eine entsprechende Anpassung und Umstellung der Ernährung.

Sind schwere Erkrankungen (z. B. Tumorleiden) oder spezielle Krankheiten (z. B. eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung) ursächlich für den Eisenmangel verantwortlich, so müssen gezielte Therapien zur Bekämpfung dieser Erkrankungen eingeleitet werden.

Ist die Blutarmut so stark ausgeprägt, dass daraus eine ernste gesundheitliche Bedrohung resultiert, kann sogar eine Bluttransfusion erforderlich sein.

Worauf sollte bei der medikamentösen Therapie geachtet werden?


Am häufigsten werden zur Vorbeugung und Behandlung des Eisenmangels Tabletten in einer Dosis von 100 bis 200 mg Eisen pro Tag verordnet. Nicht verunsichern sollte den Patienten die durch das Eisenpräparat bedingte harmlose Veränderung der Stuhlfarbe: Es kommt nämlich zu einer Dunkel- bis Schwarzfärbung des Stuhls.

Etwa 30 Prozent der Patienten klagen während der Einnahme der Eisentabletten über Übelkeit, Erbrechen und Oberbauchschmerzen, einige auch über Durchfall oder Verstopfung. Diese Nebenwirkungen werden durch eine Reizung der Darmschleimhaut verursacht. Trotzdem sollten Eisenpräparate mindestens über drei Monate lang regelmäßig eingenommen werden um die körpereigenen Eisenspeicher aufzufüllen.

Die Gabe von eisenhaltigen Injektionen über die Vene zur Behebung des Eisenmangels wird wegen der Gefahr einer schweren allergischen Reaktion seltener durchgeführt.
5 Welche Auswirkungen kann eine Eisenmangelanämie haben und wie kann man vorbeugen?
Je nach Ursache oder Grundkrankheit hat eine Blutarmut mehr oder weniger starke Auswirkungen auf den Körper. Der durch die Anämie selbst bedingte dauerhafte Sauerstoffmangel kann unbehandelt nicht nur zu ausgeprägten Beschwerden, sondern auch zu nachhaltigen Schäden einzelner Organe wie der Lunge oder dem Herz führen. Die Schwäche der körpereigenen Abwehr begünstigt schwerwiegende Infektionen wie eine Lungenentzündung. Die Blutarmut sollte deshalb auf jeden Fall behandelt werden.

Auch führt die allgemeine Abgeschlagenheit und die verminderte Leistungsfähigkeit dazu, dass der Betroffene bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben und auch im Berufsleben stark eingeschränkt sein kann.

Eine ausgewogene Nahrung hilft, einem Eisenmangel durch zu geringe Eisenzufuhr vorzubeugen. Fleisch und Vitamin C-haltige Nahrungsmittel, Tomaten oder Petersilie fördern die Aufnahme des mit der Nahrung zugeführten Eisens. Reis, Mais und Getreide sowie schwarzer Tee und Kaffee hingegen behindern die Eisenaufnahme.


Literatur/Leitlinien/EBM:



AWMF-Online: Leitlinien zur Diagnostik und Therapie in der Pädiatrischen Onkologie und Hämatologie: Eisenmangelanämie.
http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/025-021.htm (Erstellungsdatum Juni 2000)

Biesalski et al.: Ernährungsmedizin. Thieme (3. Auflage 2004).

Hahn, J.M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme (4. Auflage 2003).

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2005).

Harrison, T. R.: Harrisons Innere Medizin. ABW Wissenschaftsverlag (16. Auflage 2005).
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