Eierstock- und Eileiterentzündung
(Adnexentzündung; Adnexitis)
Was versteht man unter einer Eileiter- bzw. Eierstockentzündung?
Streng genommen handelt es sich bei der Eileiterentzündung (Salpingitis) und der Eierstockentzündung (Oophoritis) um zwei verschiedene Erkrankungen. In der Realität kommt eine isolierte Entzündung des Eierstocks aber so gut wie nie vor, sondern entsteht in aller Regel aus einer Eileiterentzündung. Umgekehrt ist bei der Eierstockentzündung fast immer der Eileiter mit betroffen. Da beide Erkrankungen zudem noch die gleichen therapeutischen Konsequenzen haben, werden sie in aller Regel unter dem Begriff Adnexentzündung oder Adnexitis zusammengefasst.
Unter Adnexe versteht man die Anhangsorgane der Gebärmutter, also die Ovarien (Eierstöcke), in denen die Eier reifen, und die für den Transport des Eis zur Gebärmutter zuständigen Eileiter. Die Adnexitis gehört zu den häufigsten gynäkologischen Erkrankungen und betrifft fast ausschließlich Frauen im gebärfähigen Alter, am häufigsten zwischen dem 16. und dem 35. Lebensjahr. Nach heutigem Wissen sind für die Krankheit ausschließlich Infektionen mit verschiedenen Erregern verantwortlich.
Außerdem werden eine akute und eine chronische Form unterschieden. Von der chronischen Form spricht man, wenn nach der akuten Entzündung immer wieder Beschwerden auftreten. Ursache dafür ist meist eine zu spät begonnene oder nicht ausreichende Therapie. Unter Umständen kann die chronische Entzündung Monate bis Jahre anhalten und zu schweren Folgeerscheinungen wie Unfruchtbarkeit und ständigen Schmerzen führen.
Wie wird eine Adnexitis verursacht?
In den allermeisten Fällen ist die akute Adnexitis Folge einer Infektion mit Bakterien, seltener mit Viren. Die häufigsten Auslöser sind Gonokokken, die Erreger der Gonorrhoe (Tripper), und Chlamydien. Infektionen mit diesen Erregern ebnen aber den Weg für andere Bakterien, die sich auf dem entzündeten Gewebe leichter vermehren können. Deshalb sind die Adnexentzündungen oft Mischinfektionen, an denen verschiedene Bakterien beteiligt sind.
Je nachdem, wie die Keime zu den Adnexen gelangen, werden zwei verschiedene Infektionswege unterschieden. Bei der sehr viel häufigeren, aufsteigenden oder aszendierenden Infektion breiten sich die Bakterien über die Scheide und die Gebärmutter bis zu den Eileitern, und von dort weiter in die Eierstöcke aus. Die Scheiden- und die Gebärmutterentzündung verursachen allerdings nur sehr wenig Beschwerden und werden deshalb von den Frauen oft gar nicht bemerkt.
Von einer absteigenden oder deszendierenden Infektion spricht man dann, wenn die Krankheitserreger von entzündeten Nachbarorganen auf die Adnexe übergreifen, beispielsweise bei einer Blinddarmentzündung. Das kann durch den direkten Kontakt oder auf dem Weg über die Lymphbahnen geschehen. Eher die Ausnahme ist die hämatogene Infektion. Hier gelangen die Erreger über die Blutbahn in die Adnexe, ein Beispiel dafür ist die Tuberkulose.
Zur chronischen Adnexitis kommt es, wenn Krankheit zu spät oder nicht ausreichend behandelt wurde. Zum einen besteht dann die Entzündung fort, zum anderen führt das zu Verwachsungen und narbigen Veränderungen der Adnexe mit den umliegenden Organen. Ein solches chronisches Stadium kann jahrelang Beschwerden verursachen.
Welche Faktoren begünstigen die Adnexentzündung?
Voraussetzung für eine aszendierende Adnexitis ist zunächst eine bakterielle Infektion der Scheide. Ungeschützter Sex, das heißt ohne Kondom, mit wechselnden Partnern gilt, da die möglichen Erreger fast alle beim Geschlechtsverkehr übertragen werden können, als einer der Risikofaktoren für Scheidenentzündungen und damit auch für die Adnexitis. Experten sind sich einig, dass die Erkrankungswahrscheinlichkeit in hohem Maße vom Sexualverhalten sowie von der persönlichen Hygiene abhängt.
Um von der Vagina in die Gebärmutter zu gelangen, müssen die Keime Muttermund und Gebärmutterhals überwinden, die normalerweise eine gute Barriere gegen die Ausbreitung von Bakterien sind.
Einige Faktoren beeinträchtigen diese Barriere und begünstigen damit eine aufsteigende Infektion:
- Zur Zeit des Eisprungs ist der Muttermund natürlicherweise geöffnet
- Die Regelblutung, denn während der Menstruation fehlt der natürliche Schleimpfropf im Gebärmutterhals
- Geburt, während der Geburt und in der Zeit danach, ist der Gebärmutterhals weit geöffnet
- Operative Eingriffe durch den Gebärmutterhals, wie beispielsweise eine Ausschabung aber auch das Einsetzen einer "Spirale" zur Empfängnisverhütung
- Erkrankungen und Schleimhautveränderungen im Bereich des Gebärmutterhalses bzw. des Muttermundes, in erster Linie sind das gutartige Polypen
Welche Beschwerden verursacht die Adnexitis?
Die Beschwerden einer akuten Adnexitis sind in ihrer Ausprägung sehr variabel. Manchmal verläuft die Infektion so symptomarm, dass sie von den betroffenen Frauen gar nicht bemerkt wird, ein andermal kann sie sogar lebensbedrohlich sein.
In den meisten Fällen beginnt die Krankheit mit plötzlich einsetzenden, starken Schmerzen im Unterbauch. Die Bauchdecke wirkt gespannt und ist besonders über der Gebärmutter und den Adnexen sehr druckempfindlich. Die gynäkologische Untersuchung bereitet vielen Patientinnen Schmerzen. Das Allgemeinbefinden ist stark beeinträchtigt, die Betroffenen klagen über Übelkeit und Brechreiz und haben meist über 38° C Fieber. Abnorme vaginale Blutungen sowie stark riechender, eitriger Ausfluss aus der Scheide sind weitere Krankheitszeichen.
Bei einer chronischen Adnexitis empfinden viele Patientinnen immer wieder Schmerzen im unteren Rückenbereich, häufig nach dem Geschlechtsverkehr. Unregelmäßigkeiten und Schmerzen bei der Regelblutung, Verstopfung und Blähungen sind weitere Symptome.
Wie stellt der Arzt die Diagnose?
Die wichtigsten Hinweise liefert das klinische Bild mit den starken Schmerzen im Unterbauch. Bei der Tastuntersuchung kann der Arzt vergrößerte und druckschmerzhafte Adnexen feststellen. Dann wird er einen Abstrich vom Gebärmutterhals nehmen, mit dem sich im Labor die Krankheitserreger nachweisen lassen.
Die Blutprobe zeigt die typischen Zeichen einer akuten Entzündung wie beschleunigte Blutsenkungsgeschwindigkeit, Erhöhung der Leukozyten (weiße Blutkörperchen) und den Anstieg charakteristischer Entzündungsproteine.
Mit einer Ultraschalluntersuchung (Sonografie) kann der Arzt nicht nur Hinweise auf eine Adnexitis, wie zum Beispiel Flüssigkeitsansammlungen in den Eileitern erkennen, sondern auch andere Krankheiten wie Krebs oder eine Eileiterschwangerschaft ausschließen. Das ist sehr wichtig, da die Symptome sich sehr ähneln können.
Bei einer chronischen Adnexitis mit ständigen Beschwerden sind, um das Ausmaß der Verwachsungen festzustellen, oft noch weitere diagnostische Maßnahmen wie eine Computertomografie oder eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) nötig.
Wie wird die Krankheit behandelt?
Wegen der Gefahr von Verwachsungen, Unfruchtbarkeit und anderen Folgeerkrankungen muss die Infektion frühzeitig und konsequent mit Antibiotika behandelt werden. Antibiotika sind Medikamente, die Bakterien als Ursache der Entzündung abtöten und damit deren weitere Ausbreitung im Körper verhindern.
Ein Krankenhausaufenthalt ist zwar kein Muss, wird aber vielen Patientinnen vom behandelnden Gynäkologen angeraten. Bis der Erreger im Labor bestimmt ist, bekommen die Patientinnen ein Breitspektrumantibiotikum, das gegen alle in Frage kommenden Bakterien wirkt. Nach dem Nachweis wird dann auf ein spezifischeres Präparat umgestellt.
Als unerwünschte Wirkungen der Antibiotika kann es zu allergischen Reaktionen, Mundtrockenheit, Übelkeit und Magen-Darmbeschwerden sowie zu Blutbildveränderungen kommen. Schwere Nebenwirkungen der Antibiotikatherapie wie Schäden an Nieren und anderen Organen sind selten.
Zusätzlich werden bei Eierstock- und Eileiterentzündungen entzündungshemmende Medikamente gegeben, die auch die Schmerzen lindern. Die Patientinnen müssen in den ersten Tagen unbedingt Bettruhe halten, ein Eisbeutel auf dem Unterbauch verhindert eine weitere Ausbreitung der Entzündung und hilft gegen die Schmerzen. Die Antibiotikatherapie darf erst beendet werden, wenn die akute Entzündung mit Sicherheit abgeklungen ist, was in der Regel eine bis zwei Wochen dauert. Dann schließt sich unter Umständen noch eine Wärmebehandlung an, die hilft, das entzündlich veränderte Gewebe abzubauen und so Vernarbungen entgegenwirkt.
Normalerweise lässt sich eine Adnexitis gut mit Medikamenten beherrschen. Bei schweren Komplikationen wie einer Bauchfellentzündung, einem Darmverschluss oder wenn sich Abszesse (Eiteransammlungen) gebildet haben, lässt sich eine Operation manchmal nicht vermeiden.
Das gilt auch für die chronische Form, sollten sich trotz Kur und Medikamenten die Symptome nicht bessern. Meist mit Hilfe der Schlüssellochchirurgie (Laparoskopie) versucht der Arzt, schmerzhafte Verwachsungen zu lösen und Narbengewebe zu entfernen.
Wie sind die Heilungsaussichten und welche Folgeerkrankungen drohen?
Wenn die akute Adnexitis schnell und konsequent behandelt wird, sind die Heilungschancen sehr gut, über 80 Prozent der Betroffenen verspüren nach der medikamentösen Therapie keine weiteren Beschwerden. Allerdings darf die Krankheit auf keinen Fall unterschätzt werden. Bei unzureichender Behandlung kann sich die Entzündung auf den gesamten Bauchraum ausbreiten und lebensgefährliche Komplikationen, beispielsweise eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) oder einen Darmverschluss, zur Folge haben.
Je länger die Infektion besteht, desto größer ist außerdem das Risiko einer Chronifizierung. Es bilden sich Narben und Verwachsungen, die immer wieder Beschwerden verursachen. Eileiterentzündungen sind zudem eine häufige Ursache für unerfüllten Kinderwunsch. Durch die Entzündung verkleben die Eileiter, der Transport der Eizelle zur Gebärmutter ist behindert oder vollständig unterbrochen, die Frau kann keine Kinder mehr bekommen. Zudem steigt die Gefahr einer Eileiterschwangerschaft.
Wie kann man der Krankheit und möglichen Folgen vorbeugen?
Vor einer Scheidenentzündung, die oft Auslöser der Adnexitis ist, kann man sich durch die Benutzung eines Kondoms schützen, ganz ausschalten lässt sich das Erkrankungsrisiko aber nicht.
Kommt es doch zur Infektion, ist das A und O, diese rechtzeitig zu erkennen. Hinweise auf eine vaginale Infektion, wie Ausfluss und Juckreiz der Scheide, sollten daher vom Arzt abgeklärt werden.
Impressum
Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: Oktober 2002
Autor: Ulrich Kraft
Letzte Aktualisierung: Januar 2005
Durch: Dr. med. Dirk Nonhoff
Literatur/Leitlinien/EBM:
Kaufmann, M.: Die Gynäkologie. Springer (2003).
Parker, J.: The Official Patient's Sourcebook on Pelvic Inflammatory Disease: A Revised and Updated
Directory for the Internet Age. Icon Group International (2002).
Pfleiderer, A.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme (2001).
Universitäts-Frauenklinik Rostock: Vorlesung Infektionskrankheiten - Adnexitis.


