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Epiglottitis



(Kehldeckelentzündung; Laryngitis, supraglottische)


Was versteht man unter einer Epiglottitis?


Bei der Epiglottitis handelt es sich um eine akute Infektion des Kehldeckels (Epiglottis). Verursacht wird die Krankheit in den allermeisten Fällendurch ein Bakterium namens Haemophilus Influenzae Typ B. Sie betrifft vor allem Kleinkinder zwischen dem dritten und siebten Lebensjahr, kann aber grundsätzlich in jedem Alter auftreten, auch bei Erwachsenen. Jungen erkranken etwas häufiger als Mädchen.

Der synonyme Begriff supraglottische Laryngitis erklärt sich aus der Anatomie. Durch den Kehlkopf, in der Fachsprache Larynx genannt, gelangt die Atemluft in die Luftröhre. Eine Aufgabe des Larynx ist die Stimme, er beherbergt die Stimmbänder, die wiederum die Stimmritze (Glottis) bilden. Die zweite Funktion, die Trennung der Luftröhre von der unmittelbar hinter dem Kehlkopf verlaufenden Speiseröhre, erfüllt der Kehldeckel. Er besteht aus einer von Schleimhaut bedeckten knorpeligen Platte, die sich beim Schlucken über den Kehlkopfeingang legt und diesen für einen Moment verschließt. So wird die Nahrung in die Speiseröhre geleitet.

Bei der Epiglottitis schwillt die Schleimhaut des Kehldeckels (und meist auch der unmittelbaren Umgebung) in Folge der bakteriellen Infektion so rasch an, dass auf Grund der bei Kleinkindern engen anatomischen Verhältnisse der Eingang in die Luftröhre blockiert wird. Die Verlegung der Atemwege kann innerhalb von kurzer Zeit zu Luftnot und Erstickung führen.

Deshalb ist jede akute Kehldeckelentzündung ein medizinischer Notfall, die betroffenen Kinder müssen umgehend im Krankenhaus behandelt werden. Seit es eine Schutzimpfung gegen Haemophilus influenzae gibt, ist die Erkrankung deutlich seltener geworden.

Welche Ursachen hat die Krankheit?


Die Kehldeckelentzündung wird, im Gegensatz zum sehr viel häufigeren viralen Pseudokrupp, fast ausschließlich von Bakterien verursacht, in aller Regel von einem Erreger namens Hämophilus influenzae Typ B (HiB). Bei Erwachsenen sind gelegentlich auch andere Bakterien wie beispielsweise Staphylokokken verantwortlich.

Manchmal, aber keineswegs immer, geht der Epiglottitis ein banaler Infekt der Atemwege voraus - beispielsweise ein harmloser Schnupfen oder leichte Halsschmerzen.
Die überwiegende Mehrheit der Kinder erkrankt aber auch ohne vorangegangene Erkrankung aus voller Gesundheit heraus. Eine saisonale Häufung, wie beim Pseudokrupp, scheint es nicht zu geben, Kehldeckelentzündungen kommen das ganze Jahr über vor. Ebenso wenig konnte bisher ein Zusammenhang mit der Luftverschmutzung oder allergischen Erkrankungen wie Asthma nachgewiesen werden.

Welche Symptome macht die akute Epiglottitis?


Eine Epiglottitis beginnt meist urplötzlich und verschlimmert sich rasant. Eben noch völlig gesund, wirken die betroffenen Kinder innerhalb weniger Stunden schwer krank. Erstes Symptom sind oft starke Halsschmerzen insbesondere beim Schlucken, die manchmal bis in die Ohren ausstrahlen.

Wenn die kleinen Patienten noch nicht sprechen können, erkennt man die Beschwerden daran, dass sie Essen und Trinken verweigern. Hinzu kommt massiver Speichelfluss. Auch das Sprechen fällt zunehmend schwer. Die Aussprache wirkt gedämpft und gequetscht, als hätten die Kinder einen Kloß im Hals. Oft sagen die erkrankten Kinder auch gar nichts mehr.

Die Verlegung der Atemwege macht sich zuerst durch ein quietschendes, pfeifendes Geräusch beim Einatmen bemerkbar. Kurz danach fällt dann zudem das Ausatmen schwer, was man an einem Röchelgeräusch erkennt. Durch das Gefühl zu ersticken, sind die Kinder meist sehr verängstigt, was ihnen das Atmen noch zusätzlich erschwert. Sie möchten sich aufrecht hinsetzen und ringen mit vorgestrecktem Kiefer nach Luft. Ihre Atmung ist schnell und flach, sie wirken blass und durch den Sauerstoffmangel verfärben sich die Lippen und Hände bläulich (Zyanose).

Hinzu kommt hohes Fieber zwischen 38 und 40 °C. Im Gegensatz zum Pseudokrupp husten die Betroffenen so gut wie nie. Wenn Eltern dieses Beschwerdebild bei ihrem Kind beobachten, sollten sie umgehend den Notarzt alarmieren.

Wie wird die Krankheit diagnostiziert?


Die Symptome der akuten Epiglottitis sind so typisch, dass der Arzt die Krankheit in aller Regel sofort erkennt. Endgültige Sicherheit bringt die Laryngoskopie (Kehlkopfspiegelung), bei der der Kehlkopfeingang mit einem speziellen optischen Instrument, dem Laryngoskop, betrachtet werden kann. Eine entzündete Epiglottis sieht aus wie eine pralle hochrote Kugel, und die unter normalen Umständen sichtbare Stimmritze ist kaum mehr zu erkennen.

Bei Verdacht auf eine Kehlkopfentzündung darf die Laryngoskopie nur im Krankenhaus vorgenommen werden, denn es besteht das Risiko, dass der Reiz durch den Fremdkörper im Mund einen vollständigen Verschluss des Luftröhreneingangs auslöst. In diesem Fall muss der Arzt sofort einen Schlauch in die Luftröhre einlegen (Intubation). Ist das wegen der Schwellung unmöglich, bleibt nur ein Luftröhrenschnitt (Tracheotomie). Um dieses Risiko zu vermeiden, sollten Eltern auch nicht versuchen, den Hals ihres Kindes mit dem Löffelstiel auf der Zunge und dem A-Sagen zu untersuchen.

Eine ungefährlichere Alternative zur Laryngoskopie ist die seitliche Röntgenaufnahme des Halses, bei der sich die geschwollene Epiglottis ebenfalls erkennen lässt.

Die Blutuntersuchung hilft dem Arzt, die Kehldeckelentzündung vom Pseudokrupp zu unterscheiden. Während bei letzterem die Zahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) normal ist, sind sie bei der Epiglottitis erhöht.

Welche anderen Kehlkopfentzündungen muss man ausschließen?


Die wichtigste Differenzialdiagnose zur Epiglottitis ist die subglottische Laryngitis. Die früher oft als Pseudokrupp bezeichnete Krankheit ist sehr viel häufiger und betrifft vor allem Kinder im Alter von sechs Monaten bis drei Jahren. Meist erkranken die Kleinen im Herbst. Auslöser sind Viren vom Typ Parainfluenzae, die aus dem Mund- und Rachenraum, wo sie die klassische Erkältungsbeschwerden hervorrufen, in den Kehlkopf absteigen.

Diese Infektion führt zu einer Schwellung der Kehlkopfschleimhaut unterhalb der Stimmritze (Glottis), daher auch der Begriff subglottische Laryngitis. Charakteristisches Symptom des Pseudokrupp ist der oft nachts einsetzende trocken-bellende Husten. Die Beschwerden können rasch abklingen, sich aber auch weiter verschlimmern. Wie bei der Epiglottitis, besteht auch beim Pseudokrupp die Gefahr, dass die Kehlkopfschleimhaut anschwillt und die Atemwege verlegt. Dann drohen die Kinder zu ersticken und müssen so schnell wie möglich ins Krankenhaus. Diese Gefahr lässt sich durch frühzeitige Behandlung mit Kortison vermeiden.

Die Diphterie, die auch als "echter" Krupp bezeichnet wird, kann ebenfalls eine lebensbedrohliche Kehlkopfentzündung verursachen. Da heutzutage aber fast alle Kinder geimpft sind, ist die Krankheit fast schon eine Rarität.

Infektionen sind aber nicht die einzige Ursache, die zu einer Schwellung der Schleimhaut des Stimmapparats bzw. des Kehlkopfs führen können. Ein solches Larynx- oder Glottisödem kann auch durch Einatmen von Reizgasen, einen Wespenstich im Mundraum oder bei einer allergischen Reaktion entstehen. Die Betroffenen leiden unter Fremdkörpergefühl, Reizhusten und, wenn der Kehlkopf stark eingeengt wird, unter Luftnot. Im schlimmsten Fall kann man an einem Glottisödem ersticken.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?


Bei einer Epiglottitis besteht jederzeit akute Erstickungsgefahr, sie muss unbedingt so schnell wie möglich im Krankenhaus behandelt werden. Der Transportweg sollte so kurz wie möglich sein und am besten in ärztlicher Begleitung erfolgen. Sobald Eltern den Verdacht haben, ihr Kind könnte eine Kehldeckelentzündung haben, sollten sie sich nicht scheuen, sofort den Notarzt zu alarmieren. Bis zu dessen Eintreffen sollte man das Kind aufrecht sitzen lassen, beruhigend auf es einwirken und Aufregung oder körperliche Anstrengung vermeiden.

Angst und Aufregung erschweren das Atmen noch zusätzlich, deshalb bekommen die kleinen Patienten vom Notarzt in der Regel ein Beruhigungsmittel. Selbst wenn die Kinder im Moment noch relativ gut Luft bekommen, kann es notwendig sein, sie frühzeitig künstlich zu beatmen. Sonst droht die Gefahr, dass die zunehmende Schwellung das Einführen des "Atemschlauches" (Tubus) in die Luftröhre unmöglich macht. In diesem Fall ist ein Luftröhrenschnitt die letzte Möglichkeit. Während der Beatmung werden die Patienten mit Medikamenten in künstlichen Schlaf versetzt und auf der Intensivstation ständig überwacht.

Um den auslösenden Erreger schnellstmöglich abzutöten, beginnt der Arzt sofort nachdem die Atmung der Kinder gesichert ist, mit einer intravenösen Antibiotikatherapie. Dabei werden Antibiotika, also Bakterien abtötende Medikamente, über Infusionen in die Vene gegeben und damit eine weitere Ausbreitung der Erreger der Epiglottitis verhindert.
Als unerwünschte Wirkungen der Antibiotika kann es zu allergischen Reaktionen, Mundtrockenheit, Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden sowie zu Blutbildveränderungen kommen. Schwere Nebenwirkungen der Antibiotikatherapie wie Schäden an Nieren und anderen Organen sind selten.

Inhalationen und die Gabe von Kortisonpräparaten beschleunigen das Abschwellen der entzündeten Kehlkopfschleimhaut.

Wie sind die Heilungschancen?


Sofern rechtzeitig mit der Behandlung begonnen wurde, bessern sich die Beschwerden innerhalb von wenigen Tagen. Der Atemschlauch wird entfernt und die Epiglottitis heilt aus, ohne bleibende Schäden zu hinterlassen. Die Antibiotikatherapie kann in aller Regel nach sieben bis zehn Tagen beendet werden.

Auf Grund von späten Diagnosen und Therapien versterben dennoch nach wie vor rund zehn Prozent aller Betroffenen an akutem Sauerstoffmangel.

Welche Vorbeugungsmöglichkeiten gibt es?


Da die akute Epiglottitis so gefährlich ist, sind heutzutage die meisten Kinder gegen den Haemophilus influenzae Typ B geimpft. In der Regel impft man das erste Mal im dritten Lebensmonat, oft in Kombination mit anderen Impfungen. Zwei weitere Spritzen im Säuglingsalter schützen dann zuverlässig vor einer Infektion mit dem Bakterium. Alerdings gibt es in jüngster Zeit einige Berichte von Kindern, die trotz Impfung an einer Haemophilus-Epiglottits erkrankten.

Impressum


Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: Oktober 2002
Autor: Ulrich Kraft
Letzte Aktualisierung: Januar 2005
Durch: Ulrich Kraft (Arzt)

Literatur/Leitlinien/EBM:


Harrison, T. R.: Harrisons Principles of Internal Medicine. McGraw-Hill (15. Auflage 2002).

Koletzko, B.: Kinderheilkunde. Springer (12. vollständig aktualisierte Auflage 2004).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Gesellschaft für pädiatrische Pneumologie: Stenosierende Laryngotracheitis (Krupp) und Epiglottitis (letzte Aktualisierung: Juli 1998).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Gesellschaft für pädiatrische Pneumologie: Erkrankungen der oberen Atemwege: Rhinitis-Pharyngitis-Laryngitis (letzte Aktualisierung: Juli 1998).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Gesellschaft für pädiatrische Pneumologie: Erkrankungen der oberen Atemwege: Rhinitis-Pharyngitis-Laryngitis (letzte Aktualisierung: Juli 1998).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie: Diagnostik von Infektionen des Mundes und der oberen Atemwege; Laryngitis/Epiglottitis (letzte Aktualisierung: 2000).
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