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FSME


(Früh-Sommer-Meningo-Enzephalitis; Zecken-Enzephalitis)


Was versteht man unter FSME?


FSME ist die Abkürzung für Früh-Sommer-Meningo-Enzephalitis, einer entzündlichen Erkrankung des Gehirns bzw. der Hirnhäute, die durch das FSME-Virus ausgelöst wird. Das FSME-Virus gehört zu den so genannten Flaviviren und wird durch Zecken übertragen. Beim Biss der Zecke kann das Virus in den menschlichen Blutkreislauf gelangen und eine Infektion auslösen.

Allerdings tragen längst nicht alle Zecken das Virus in sich. Es gibt aber Endemiegebiete, also Gegenden, in denen infizierte Zecken und die Erkrankung gehäuft auftreten. In Deutschland sind dies nach dem derzeitigen Kenntnisstand Baden-Württemberg, Bayern, das südliche Hessen (Odenwald) und einzelne Landkreise in Thüringen, in Europa außerdem Österreich, Südschweden, Finnland, Russland und einige osteuropäischen Länder. In diesen Endemiegebieten werden FSME-Infektionen vor allem im Frühjahr und im frühen Sommer vergleichsweise häufig beobachtet, was der Krankheit auch den Namen einbrachte.

Nach Schätzungen sind in manchen Gegenden Deutschlands ein bis fünf Prozent der Zecken mit dem FSME-Virus infiziert. Das Gesamtrisiko, nach einem Zeckenstich an FSME zu erkranken, beträgt 0,5 bis 1 zu 1000.

Wie äußert sich die Erkrankung?


Man schätzt, dass etwa drei Viertel der FSME-Infektionen so milde oder sogar ganz ohne Symptome verlaufen, dass die Betroffenen sie gar nicht bemerken. In den übrigen Fällen treten Beschwerden auf. Nach einer Inkubationszeit (Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit) von ein bis zwei Wochen kommt es zu Fieber mit grippeartigen Beschwerden wie Kopfweh, Glieder- und Muskelschmerzen, begleitet von allgemeiner Abgeschlagenheit, Atembeschwerden, Bauchschmerzen und manchmal auch Durchfall. Bei etwa zwei Drittel der Betroffenen gehen diese Beschwerden vorüber und die Krankheit heilt folgenlos aus.

Die übrigen Erkrankten entwickeln jedoch, meist nach einer fieberfreien Periode von etwa einer Woche, neurologische Symptome. Es kann zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis), einer Hirnentzündung (Enzephalitis) und einer Entzündung des Rückenmarkgewebes (Myelitis) kommen. Je nach Lokalisation der Entzündung treten dann starke Kopfschmerzen mit Fieber, Nackensteifigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit und Bewusstseinsstörungen auf. Des Weiteren kann es zu Gangstörungen, Krampfanfällen, Lähmungen und Atemstörungen kommen.

Das Gros der Betroffenen erholt sich wieder vollständig, aber zehn bis 30 Prozent leiden über lange Zeit bzw. dauerhaft unter Lähmungserscheinungen, Schwerhörigkeit, verminderter Leistungsfähigkeit, depressiven Verstimmungen oder anderen Beeinträchtigungen des Nervensystems.

Wie wird FSME diagnostiziert?


Der Arzt führt zunächst eine gründliche Befragung sowie eine körperliche und neurologische Untersuchung durch. Nur etwa die Hälfte der Patienten erinnert sich an einen Zeckenbiss.

Im Blutserum oder im Hirnwasser (Liquor) lassen sich spezifische Antikörper gegen das FSME-Virus nachweisen. Mit diesem Verfahren wird die Diagnose gesichert. Außerdem kann man das Virus selbst in Zellkulturen oder mittels so genannter PCR bestimmen.

Wie wird die Erkrankung behandelt?


Da es keine ursächliche Behandlung der FSME gibt, sollten sich Menschen, die in Endemiegebieten leben, vorbeugend impfen lassen. Eine Impfung wird auch bei längeren Urlaubsaufenthalten in diesen Gebieten empfohlen. Vor allem Waldarbeiter sind gefährdet, in Kontakt mit den sich in Gräsern und Sträuchern befindlichen Zecken zu kommen und sich so mit FSME anzustecken.

Falls es zu einer Entzündung des Gehirns oder der Hirnhäute gekommen ist, sollte diese im Krankenhaus behandelt werden. Der Betroffene muss sich körperlich schonen, Bettruhe einhalten. Je nach Symptomatik bekommen die Patienten Medikamente gegen die Schmerzen, das Fieber, die Entzündung und ggf. gegen einen erhöhten Hirndruck verordnet.

Wie kann man sich vor FSME schützen?


Der beste Schutz gegen FSME und die ebenfalls von Zecken übertragene Borreliose besteht darin, gar nicht erst gestochen zu werden. In Waldgebieten sollte man das Unterholz meiden, da sich hier viele Zecken befinden. Lange und geschlossene Kleidung hält, ebenso wie auf die Haut aufgetragene Insekten abwehrende Mittel, die Zecken fern. Nach einem Waldspaziergang sollte man seinen Körper und auch den seiner Kinder gründlich nach Zecken absuchen und diese ggf. sofort entfernen  ohne sie zu quetschen möglichst mit einer Zeckenpinzette und keinesfalls mit Öl. Danach muss man die Wunde desinfizieren.

Gegen FSME kann man sich wie erwähnt impfen lassen. Die aktive Immunisierung besteht aus drei Teilimpfungen. Dabei wird ein Impfstoff, der inaktivierte Viren enthält, in einen Muskel (meist den Schultermuskel) gespritzt. Eine erneute Auffrischimpfung ist nach drei Jahren erforderlich.

Die meisten Menschen vertragen die Impfung gut. Gelegentlich kann es zu örtlichen Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle kommen. Seltener treten Fieber und Kopfweh, Muskel- und Gelenkschmerzen auf. Bei verschiedenen akuten fieberhaften Infekten und bei einer bekannten schweren Überempfindlichkeit gegen Hühnereiweiß oder gegen Bestandteile des Impfstoffes sollte nicht geimpft werden.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Robert-Koch-Institut-Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte:
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) (5/2004).

AWMF online. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie:
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/030-035.htm Erstellungsdatum April 2002

Gleixner, C.: Neurologie und Psychiatrie. Medizinische Verlags- und Informationsdienste (5. Auflage 2005).

Klingelhöfer, J.: Klinikleitfaden Neurologie/Psychiatrie, Urban & Fischer (3. Auflage 2003).
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