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Fehlsichtigkeit



(Kurzsichtigkeit; Myopie; Nachtsichtigkeit; Hermeralopie; Stabsichtigkeit; Astigmatismus; Farbfehlsichtigkeit)


Was ist Fehlsichtigkeit?


Unter dem Begriff Fehlsichtigkeit wird ein ganzes Spektrum von Augen- und Sehproblemen zusammengefasst. Am bekanntesten sind Kurzsichtigkeit und die im Volksmund als Weitsichtigkeit bezeichnete Übersichtigkeit, an der über 20 Prozent der Europäer zwischen 20 und 30 Jahren leiden.

Mit rund 40 Prozent weit verbreitet ist außerdem der so genannte Astigmatismus (Stabsichtigkeit), der bei jedem fünften Menschen so stark ist, dass er korrigiert werden sollte.
Seltener ist die Nachtblindheit, vor allem in Form einer Sehschwäche bei Dämmerung. Sie tritt vorzugsweise ab dem 50. Lebensjahr auf.

Bei den verschiedenen Formen der Farbfehlsichtigkeit herrschen Grün- und Rotschwächen vor; selten ist eine echte Farbenblindheit.

Wie entsteht Fehlsichtigkeit?


Der kugelförmige Augapfel hat einen Durchmesser von 24 Millimetern und besteht aus der Hornhaut, der mit Kammerwasser gefüllten Augenkammer, der Regenbogenhaut (Iris) mit einer Öffnung in der Mitte (der Pupille), einer an so genannten Ziliarfäden aufgehängten und von Ziliarmuskeln bewegten Linse, dem flüssigkeitsgefüllten Glaskörper und im hinteren, inneren Bereich des Augapfels, aus der Netzhaut (Retina) mit ihren Stäbchen und Zapfen.

Das einfallende Licht wird im vorderen Auge durch die Hornhaut, die Augenkammer, die Linse und schließlich durch die Flüssigkeit im Glaskörper gebrochen. Das vom Auge erfasste Bild fällt spiegelverkehrt auf die Netzhaut, wird über den Sehnerv ins Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet.
Um gut und scharf sehen zu können, muss jeder einzelne dieser Teile funktionieren. Fallen Komponenten aus oder arbeiten sie nicht mehr einwandfrei, kommt es zu Sehschwächen.

Kurzsichtigkeit (Myopie)
Ist der Augapfel zu lang, laufen die vom vorderen Auge gebrochenen Strahlen in einem Punkt vor der Netzhaut im Glaskörper zusammen. Das Bild von weiter entfernten Gegenständen, das auf der Netzhaut ankommt, ist dann unscharf. Je größer die Längenabweichung des Augapfels von der normalen Kugelform ist, umso stärker ist die Unschärfe. Pro Millimeter Abweichung entsteht eine Fehlsichtigkeit von ca. drei Dioptrien.

Seltener kann Kurzsichtigkeit auch durch eine zu starke Brechkraft von einem der sehrelevanten Teile des vorderen Auges entstehen. Das kann eine Hornhautvorwölbung sein, eine zu runde oder zu weit vorne liegende Linse oder ein beginnender Grauer Star, bei dem die Linse trüb wird.

Es gibt zwei Formen der Kurzsichtigkeit:
Die Myopia simplex, bekannt als Schulmyopie, die zwischen dem zehnten und zwölften Lebensjahr auftritt und sich ab Mitte zwanzig nicht mehr verschlechtert. Die Schulmyopie ist angeboren und entwickelt nur sehr selten mehr als fünf bis sechs Dioptrien Fehlsichtigkeit.

Die seltene zweite Form der Kurzsichtigkeit, die Myopia progressiva (also voranschreitende Kurzsichtigkeit) ist eine Krankheit, die sich unabhängig von äußeren Einflüssen entwickelt und nicht aufzuhalten ist. Sehschwächen von 15 und mehr Dioptrien sind bei den Betroffenen häufig. Durch die starke Dehnung der Netzhaut kann es zu schweren Schäden bis hin zu Netzhautablösungen kommen.

Kurzsichtige brauchen erst später eine Lesebrille als Normalsichtige, denn die so genannte Alterssichtigkeit ist eine Weitsichtigkeit. Bei stark Kurzsichtigen kann es sogar sein, dass sie im Alter gar keine Brille brauchen.

Weitsichtigkeit (Hyperopie)
Diese korrekterweise als Übersichtigkeit zu übersetzende Fehlsichtigkeit entsteht, wenn der Augapfel zu kurz ist, die Lichtstrahlen sich also theoretisch erst hinter der Netzhaut treffen. Dadurch entsteht auf der Netzhaut selbst ein unscharfes Bild von allen näher gelegenen Gegenständen. Auf Distanz wird übrigens keineswegs besser gesehen als von Normalsichtigen, weshalb auch der Begriff Weitsichtigkeit irreführend ist.

Seltener kann die Hyperopie auch durch eine zu schwache Brechkraft von einem der sehrelevanten Teile des vorderen Auges entstehen.
Vor allem die Augen jüngerer Menschen können sich an diese Art der Sehschwäche bis zu einem gewissen Grad anpassen, indem sie die Sehschwäche durch Augenmuskelkraft ausgleichen (akkomodieren). Später wird fast immer eine Lesebrille nötig.

Nur selten kommt es bei Weitsichtigen zu Sehschwächen von mehr als vier bis fünf Dioptrien.

Stabsichtigkeit (Astigmatismus)
Astigmatismus tritt auf, wenn die Krümmung der Hornhaut oder (seltener) der Linse nicht gleichmäßig ist. Ein punktförmiges Objekt wird durch diese Fehlkrümmung verzerrt und erscheint als Strich oder Stab (astigma bedeutet punktlos). Stabsichtigkeit ist meistens angeboren, kann aber auch durch Narben auf der Hornhaut nach Krankheiten oder Verletzungen entstehen.

Es gibt zwei Formen des Astigmatismus:
Beim regulären Astigmatismus unterscheidet sich die Brechkraft der senkrechten von der Brechkraft der waagrechten Meridiane, so dass die auf der Hornhaut oder der Linse auftreffenden Lichtstrahlen nicht in einem Punkt vereinigt werden.

Beim irregulären Astigmatismus sind sowohl die Wölbung des Auges als auch die Brechkraft von sehrelevanten Teilen des vorderen Auges unregelmäßig. Dadurch entstehen für jedes Bild Brennpunkte vor und hinter der Netzhaut. Objekte sowohl in der Nähe als auch in der Ferne werden als unscharf wahrgenommen.

Nachtblindheit (Hermeralopie)
Die Netzhaut besteht aus zwei Arten von lichtempfindlichen Zellen: den Stäbchen und den Zapfen. Tagsüber werden vor allem die Zapfen eingesetzt, die das Erkennen von Farben möglich machen (daher auch die Bezeichnung Zapfensehen für das Sehen bei Tageslicht). In der Nacht übernehmen die hell-dunkel-sensiblen, aber farbenblinden Stäbchen den Dienst (daher der Begriff Stäbchensehen für das Sehen im Dunkeln).

Funktionieren die Stäbchen nur eingeschränkt oder gar nicht, ist die Sehkraft in Dämmerlicht und Dunkelheit eingeschränkt. In diesem Fall spricht man von Nachtblindheit. Mehrere Faktoren können für die Stäbchen-Störung verantwortlich sein:
  • Vitamin-A-Mangel in der Ernährung
  • eine Leberzirrhose
  • hochgradige Kurzsichtigkeit
  • Störungen und Schäden der Netzhaut, z. B. Entzündungen oder Pigmentablagerungen
  • Störungen und Schäden des Sehnervs
Normalerweise ist die maximale Anpassung an Dunkelheit innerhalb von 35 Minuten erreicht. Nach längeren Aufenthalten in sehr heller Umgebung (z. B. einem Tag am Strand) kann es allerdings vorkommen, dass auch nach zwei Stunden noch keine vollkommene Nachtanpassung erreicht ist.

Farbfehlsichtigkeit
Funktionieren die Zapfen der Netzhaut nicht einwandfrei, kann es zu Schwächen in der Wahrnehmung von einzelnen oder in seltenen Fällen sogar von allen Farbtönen kommen.

Eine angeborene Farbfehlsichtigkeit ist gar nicht so selten: Acht Prozent der Männer leiden unter Farbsinnstörungen, bei den Frauen sind es 0,4 Prozent, also deutlich weniger.

Am häufigsten sind Sehstörungen im Rot- und Grün-Bereich, deutlich weniger weit verbreitet sind Störungen beim Erkennen von Blau und Gelb. Ebenfalls sehr selten ist eine totale Farbenblindheit (Achromasie oder Monochromasie).

Welche Beschwerden bereitet eine Fehlsichtigkeit?


Der Sehsinn wird oft als der wichtigste Sinn des Menschen bezeichnet. Eine - vor allem stärkere - Fehlsichtigkeit kann das Leben stark einschränken. Was "gutes Sehen wirklich ausmacht, ist individuell sehr unterschiedlich; unter anderem ist es abhängig von der persönlichen Anlage und den Anforderungen in Beruf und Freizeit, ob man unter einer Sehschwäche leidet oder sie noch als tolerierbar einstuft.

Viele Menschen mit Sehschwächen wissen nicht einmal, dass ihr Auge nicht "normal funktioniert, so gut haben sie sich an die Fehlsichtigkeit angepasst. So kann es durchaus sein, dass ein spät auskorrigiertes Sehproblem, das schon früh bestanden hat, mehr Probleme verursacht als die Sehschwäche selbst.

Bei einer Reihe von Beschwerden wie häufiges Kopfweh und ständige Müdigkeit sollte auch an mögliche Augenprobleme gedacht werden.

Kurzsichtigkeit
Menschen mit nicht auskorrigierter Kurzsichtigkeit sind oft daran zu erkennen, dass sie die Augen zusammenkneifen, wenn sie weiter entfernte Punkte erkennen wollen. Tatsächlich kann durch dieses Blinzeln - von dem sich das griechische Wort Myopie für "Blinzeläugigkeit ableitet - die Sehkraft ein wenig verbessert werden.

Insgesamt ist jedoch die Fernwahrnehmung je nach Schweregrad der Kurzsichtigkeit eingeschränkt. Tätigkeiten wie Auto fahren, für die eine funktionierende Fernsicht nötig ist, können ohne optische Hilfen nur schwer oder gar nicht ausgeführt werden. Alles, was in unmittelbarer Nähe stattfindet, wird hingegen gut gesehen.

Kurzsichtige haben in späteren Jahren außerdem ein erhöhtes Risiko für eine Netzhautablösung.

Weitsichtigkeit
Während Übersichtige auf weite Distanz gut sehen, fallen ihnen Tätigkeiten auf kurze Distanz wie Büroarbeit, Lesen oder Handarbeiten schwer. Ist die Weitsichtigkeit noch nicht bekannt, können schnelles Ermüden bei solchen Tätigkeiten, häufiges Kopfweh, Augenbrennen und -schmerzen bzw. öfter auftretende Augenprobleme wie Bindehautentzündungen Hinweise auf ein Sehproblem sein. Die Beschwerden entstehen durch die ständigen, unwillkürlich vorgenommenen Anpassungsversuche des Auges, die die Sehschwäche ausgleichen sollen (Akkomodation).

Weitsichtige haben eine Tendenz zu schielen (Einwärtsschielen). Ihr Risiko für die Entstehung eines grünen Stars (Engwinkelglaukoms) ist erhöht.

Stabsichtigkeit
Menschen, die unter Astigmatismus leiden, sehen die Welt verzerrt. Da das astigmatische Auge ständig versucht, die Unschärfe auszugleichen, treten ohne optische Hilfsmittel häufig Beschwerden auf wie Kopfweh, Müdigkeit und Augenbrennen.

Nachtblindheit
Für Menschen, die in der Dämmerung oder Dunkelheit nicht gut sehen, ist vor allem der Straßenverkehr gefährlich, weshalb Nachtblinde am Abend und in der Nacht nicht Auto fahren sollten. Ist nur ein Auge betroffen, kann das andere Auge die Schwäche oft kompensieren, so dass den Betroffenen unter Umständen nicht einmal auffällt, dass sie ein Sehproblem haben.

Völlige Nachtblindheit ist selten. Meist ist nur die Fähigkeit des Auges herabgesetzt, Lichtschwankungen schnell (genug) zu verarbeiten. Das zeigt sich beispielsweise, wenn man bei Gegenverkehr übermäßig stark geblendet wird.

Farbfehlsichtigkeit
Für sehr viele Berufe ist ein funktionierendes Farbsehen notwendig, z. B. bei allen Tätigkeiten im Transportwesen (vom Busfahrer bis zum Schiffskapitän), in der Textilbranche, bei Malern oder Elektrikern. Je nachdem, wie viele Farben nicht auseinander gehalten werden können bzw. ob es sich lediglich um eine Farberkennungs-Schwäche oder um echte Farbenblindheit handelt, ist die Berufswahl für Farbfehlsichtige daher eingeschränkt.

Auch im Straßenverkehr kann diese Form der Sehstörung Probleme bereiten, vor allem wenn wegen schlechter Lichtverhältnisse Kontraste nicht deutlich hervortreten.

Menschen mit totaler Farbenblindheit - die Zapfen auf ihrer Netzhaut sind gänzlich ausgefallen - sehen am Tag nur mit einem Zehntel der normalen Sehleistung (Tagblindheit), während ihnen Dämmerung und Dunkelheit keine Schwierigkeiten bereiten. Sie sind außerdem besonders blendungsempfindlich.

Welche Untersuchungen werden durchgeführt?


Wer zum Augenarzt geht, wird fast immer Bekanntschaft mit dem Ophtalmoskop machen: dem Augenspiegel. Damit kann der Arzt den Augenhintergrund - also das hintere Auge - beleuchten, so dass die Netzhaut, die Gefäße und der Eintritt des Sehnervs erkennbar werden.
Um das vordere Auge oder den Glaskörper zu betrachten, wird eine Spaltlampe eingesetzt. Sie erlaubt eine schichtweise Beleuchtung von verschiedenen Ebenen des Auges.

Kurzsichtigkeit
Für die Diagnose der Kurzsichtigkeit wird eine Sehschärfenprüfung vorgenommen. Dazu müssen auf einer fünf Meter entfernt aufgehängten Tafel Buchstaben, Gegenstände, Pflüger-Haken (ein E, das in alle Richtungen weisen kann) oder Landolt-Ringe (ein Kreis mit Öffnung oben, unten, rechts oder links) richtig erkannt werden, und zwar mit jedem Auge extra bei Abdeckung des jeweils anderen Auges.

Ergänzt wird die Sehschärfenprüfung durch ein Refraktometer, mit dem die Brechkraft des Auges - unabhängig von den Angaben des Untersuchten - überprüft wird. Mit dem Gerät wird eine Figur durch die Pupille auf die Netzhaut projiziert. Der Arzt schiebt nun Linsen in den Lichtstrahl, bis die Figur scharf auf der Netzhaut zu sehen ist. Etwas weniger genau ist das Ergebnis beim computergesteuerten Autorefraktometer, das vor allem Optiker oft verwenden.

Eine voranschreitende Kurzsichtigkeit kann mittels Augenspiegel-Untersuchung erkannt werden. Dabei werden Veränderungen am Augenhintergrund erkannt, die durch die Dehnung entstehen.

Weitsichtigkeit
Auch Weitsichtigkeit wird mit einer Sehschärfenprüfung und Refraktometer überprüft, wobei die Ziliarmuskeln, die unablässig eine Schärfeanpassung vornehmen, vor der Untersuchung mit einem akkomodationslähmenden Mittel ruhig gestellt werden müssen.

Mit dem Augenspiegel werden bei Weitsichtigen stark geschlängelte Blutgefäße sichtbar.

Stabsichtigkeit
Um den Gesamt-Astigmatismus eines Auges zu bestimmen, kommt entweder ein Refraktometer zum Einsatz oder - vor allem bei Kindern - die so genannte Schattenprobe (Skiaskopie). Mit dem Skiaskop wird Licht ins Auge geworfen, das durch Drehen des Geräts Schatten erzeugt. Die Richtung, in die die Schatten bei weiterem Drehen wandern, gibt Aufschluss über die Brechkraft des Auges.

Um einen stärkeren Hornhaut-Astigmatismus zu diagnostizieren, reicht eine Placido-Scheibe. Eine schwarz-weiß gestreifte runde Tafel mit einem Loch in der Mitte, durch das der Arzt hindurchsehen kann. Die Scheibe wird an das Auge des Patienten herangeführt, bis sich die Streifen im Auge spiegeln. Bei regelmäßigem Astigmatismus erscheinen die gespiegelten Linien oval, bei unregelmäßigem Astigmatismus sind sie unregelmäßig verzerrt.

Bei Hornhaut-Astigmatismus wird außerdem mit einem Ophthalmometer der Krümmungsradius der Hornhautoberfläche und damit die Dioptrienanzahl für jeden einzelnen Meridian der Hornhaut bestimmt.

Nachtblindheit
Die Fähigkeit des Auges, sich auf Dunkelheit einzustellen, wird mit einem Adaptometer ermittelt. Dazu werden die Augen eine vorgegebene Zeit lang sehr hellem Licht ausgesetzt. Nach dem Abdunkeln blickt der Patient ins Adaptometer, wo ihm Lichtreize geboten werden. Wird der Lichtimpuls wahrgenommen, drückt der Patient eine Signaltaste; die (sich durch die Dunkelanpassung des Auges verändernde) Reizschwelle wird in eine so genannte Adaptationskurve eingezeichnet.

Die Fahrtauglichkeit bei Nacht wird mit dem Nyktometer ermittelt. Das Gerät zeigt große Sehzeichen bei schwachem Lichtkontrast und testet außerdem die Reaktion auf starke Blendung.

Farbfehlsichtigkeit
Um Störungen beim Farberkennen festzustellen, werden so genannte pseudo-isochromatische Tafeln nach Ishihara (auch kurz Ishihara-Tafeln genannt) verwendet. Auf ihnen sind durch Farbpunkte zusammengesetzte Zahlen vor einem durch andersfarbige Farbpunkte zusammengesetzten Hintergrund zu sehen (z. B. rote Zahlen vor grünem Hintergrund). Wer eine Rot-Grün-Störung hat, sieht die Zahlen nicht, da sie sich in ihrer Farbsättigung und der Helligkeit nicht vom Hintergrund unterscheiden.

Um das Ausmaß der Farbfehlsichtigkeit genauer beurteilen zu können, wird ein Anomaloskop eingesetzt. Mit diesem Gerät kann der Betroffene einen vorgegebenen spektralen Gelbton aus Rot- und Grün-Tönen zusammenstellen. Aus der Abweichung von der Normalsicht wird der Anomalquotient errechnet. Für verschiedene Berufsgruppen wie Kraftfahrer und Polizisten gibt es Grenzwerte, die nicht unterschritten werden dürfen, um noch berufstauglich zu sein.

Wie wird die Fehlsichtigkeit behandelt?


Es vergeht kein Jahr, in dem in der Augenheilkunde nicht neue, bessere Verfahren zur Behandlung von Fehlsichtigkeit entwickelt werden.

Brille / Kontaktlinse
Nach wie vor führend sind Korrekturen der Fehlsichtigkeit mit einer Brille oder Kontaktlinsen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung verwendet diese optischen Sehhilfen. Die Gläser und Linsen werden immer genauer, leichter bzw. weicher und damit angenehmer zu tragen.

Refraktive Chirurgie (RC)
Unter dem Begriff refraktive (Fehlsicht behebende) Chirurgie werden operative Eingriffe am Auge zusammengefasst, die eine vorhandene Fehlsicht korrigieren sollen. Zu beachten ist, dass nur die Symptome behandelt werden, nicht aber die Ursachen der Fehlsichtigkeit. So kann es durch die natürliche Sehunschärfen-Entwicklung am Auge schon nach einigen Jahren wieder zu Sehschwächen kommen.

Die RC sollte erst ab 18 Jahren und nur an gesunden Augen erfolgen. Vor einem derartigen Eingriff sollten Vor- und Nachteile sorgfältig gegeneinander abgewogen werden; es empfiehlt sich, eine Zweitmeinung einzuholen.

Besonders Eingriffe an der Hornhaut mittels Laser haben in den letzten Jahren zu einem wahren Operationsboom geführt, da sie meist nur wenige Minuten dauern, weitgehend schmerzfrei sind und unmittelbar nach dem Abheilen zur erhofften Scharfsicht führen. Doch warnen viele Experten vor zu großer Euphorie, denn die einzelnen Methoden werden erst seit wenigen Jahren eingesetzt, weshalb die Auswirkungen der Eingriffe auf lange Sicht noch nicht sicher einzuschätzen sind.

Da mit dem Laser Schichten der Hornhaut abgetragen werden, kann der Eingriff nicht beliebig oft wiederholt werden, denn sonst bleibt zu wenig Gewebe übrig. Durch zu starkes Hornhaut-Abtragen vor allem zu Beginn des Laserbooms - es wurden bis zu 20 und mehr Dioptrien operiert - kam es immer wieder zu Instabilitäten des Auges. Derzeit wird bis zu maximal minus 10 Dioptrien Kurzsichtigkeit operiert. Manche halten jedoch auch diesen Wert für zu hoch.

Derzeit ist mit Komplikationsraten von bis zu fünf Prozent zu rechnen, etwa durch Narbenbildung auf der Hornhaut.

Photorefraktive Keratektomie (PRK bzw. LASEK)
Die PRK wird seit Anfang der neunziger Jahre zur Behandlung von Weitsichtigkeit, von Kurzsichtigkeit bis minus sechs Dioptrien sowie von Astigmatismus eingesetzt.

Nach der Entfernung der obersten Hornhautschicht (Epithel) wird mit einem Laser direkt an der Hornhaut Gewebe abgeschliffen. Das Epithel wächst innerhalb weniger Tage nach und schließt die Operationswunde.

Je höher die Dioptrienanzahl der Betroffenen ist, umso weniger genau ist die Methode und umso größer ist die Möglichkeit einer Komplikation.

Laser in situ Keratomileusis (LASIK)
Wie die PRK, wird auch die (jüngere) LASIK-Methode zur Behandlung von Weit- und Kurzsichtigkeit (bis minus zehn Dioptrien) sowie Astigmatismus eingesetzt. Dazu wird eine hauchdünne Schicht der obersten Hornhaut teilweise abgetrennt und zur Seite geklappt, so dass darunter Gewebe von der Hornhaut abgeschliffen werden kann. Danach wird die obere Hornhautlamelle wieder zurückgeklappt. Sie saugt sich von alleine fest, Nähen ist nicht nötig.

Auch bei der LASIK-Methode nimmt die Komplikationsrate mit steigender Dioptrienanzahl zu, die Genauigkeit der Korrektur nimmt dagegen ab.

Laserthermokeratoplastik (LTK)
Diese Lasermethode wird zur Korrektur von Weitsichtigkeit bis plus zwei Dioptrien eingesetzt. Mit einem Laser werden am Rand der Hornhaut minimale Hitzepunkte gesetzt, wodurch sich die Hornhaut in diesem Bereich zusammenzieht. Das bewirkt ein leichtes Verbiegen der Hornhaut im Zentrum - die neue Wölbung gleicht die Weitsichtigkeit aus.

Astigmatische Keratotomie (AK)
Mit der AK kann Astigmatismus reduziert, allerdings nicht vollständig korrigiert werden. Mit einem Diamantmesser werden auf der Hornhaut zwei bogenförmige Schnitte gesetzt, wodurch sich die Hornhaut entspannt.

Intracornealer Ring (ICR) bzw. intracorneale Ringsegmente
Die auch Intacs genannten Implantate werden erst seit kurzem für eine Kurzsichtigkeit bis zu minus vier Dioptrien eingesetzt. Für Astigmatismus und Weitsichtigkeit wird das Verfahren noch getestet.

Bei Intacs handelt es sich um ganze oder halbbogenförmige Ringe aus Kunststoff, die um die Hornhaut gelegt werden. Durch den mechanischen Druck der Ringe flacht sich die Hornhaut ab, die Sehschwäche wird ausgeglichen.

Intacs können wieder entfernt werden, wenn eine Alterssichtigkeit einsetzt.

Linsenimplantation (Phake Intraocular Lenses, IOLs, "falsche intraokulare Linsen)
Für sehr stark fehlsichtige Personen, die nicht mehr mit Hornhaut-verändernden Methoden behandelt werden können, kann zusätzlich zur eigenen eine Kunstlinse ins Auge eingesetzt werden. Dazu wird die Hornhaut am Rand eingeschnitten und die Kunstlinse eingeschoben. Der Schnitt verheilt von selbst oder wird zugenäht.

Linsenaustausch (Clear Lens Exchange, CLE, "Austausch der klaren Linsen)
Diese Methode wird zur Korrektur von starker Kurz- und Weitsichtigkeit eingesetzt, vor allem bei beginnendem oder zu erwartendem Grauen Star. Bei der Methode wird die eigene Augenlinse entfernt und durch eine Kunstlinse ersetzt.

Behandlung der Kurzsichtigkeit
Myopie wird mit Minusgläsern (beidseitig konkaven Linsen) korrigiert. Bei der Anpassung von Brillen gegen Kurzsichtigkeit ist es wichtig, dass die Augen nicht überkorrigiert werden. Es sollte das schwächste Glas zum Einsatz kommen, mit dem in die Ferne noch scharf gesehen wird.

Je höher die Dioptrienzahlen, je stärker also die Kurzsichtigkeit, umso dicker werden die Brillengläser. Bei starker Kurzsichtigkeit von minus 15 und mehr Dioptrien schaffen Brillen den Ausgleich nicht mehr. Außerdem werden die Gläser zu dick, was nicht nur optisch wenig ansprechend, sondern auch unangenehm zu tragen ist. Spätestens hier sind Kontaktlinsen die bessere Wahl.
Bei einer Myopie von minus 12 bis minus 18 Dioptrien können Kunstlinsen zusätzlich zur natürlichen Linse implantiert werden.

Ab etwa dem 60. Lebensjahr kann bei starker Kurzsichtigkeit von minus zwölf und mehr Dioptrien oder bei beginnendem Grauen Star (Katarakt) die natürliche Linse entfernt und durch eine Kunstlinse ersetzt werden.

Behandlung der Weitsichtigkeit
Hyperopie wird mit Plusgläsern (bikonvexen Linsen) korrigiert. Im Gegensatz zur Kurzsichtigkeit muss hier das stärkste Glas verwendet werden.

Eine - allerdings sehr selten vorkommende - starke Weitsichtigkeit mit plus fünf und mehr Dioptrien kann durch laserchirurgische Eingriffe, mit dem Einsetzen einer Kunstlinse oder einer Kombination beider Maßnahmen korrigiert werden.

Behandlung der Stabsichtigkeit
Der reguläre Astigmatismus kann mit zylindrisch geschliffenen Gläsern ausgeglichen werden. Es wird die frühestmögliche Korrektur empfohlen, da sich bei astigmatischen Kindern sonst eine Schwachsichtigkeit des Auges (Amblyopie) entwickeln kann. Außerdem verursachen die optischen Sehbehelfe bei spät auskorrigierten Personen oft Kopfweh und Schwindel. Dem kann nur mit einer schrittweisen Annäherung der Gläser oder Kontaktlinsen an die tatsächliche Fehlsicht abgeholfen werden.

Beim irregulären Astigmatismus helfen Brillen nichts. Manchmal können harte Kontaktlinsen verwendet werden, ansonsten wird eine Hornhauttransplantation empfohlen.
Wird die Stabsichtigkeit nicht durch die Hornhaut, sondern durch die Linse verursacht, kann sie nur durch einen Linsenaustausch behandelt werden.

Behandlung der Nachtblindheit
Nachblindheit kann nur dann behandelt werden, wenn sie durch Vitaminmangel entsteht. Die Therapie besteht dann in der Gabe von Vitamin A.

Behandlung der Farbfehlsichtigkeit
Eine Behandlung ist nicht möglich, in den meisten Fällen aber auch nicht notwendig, da eine Farbfehlsichtigkeit das Leben des Betroffenen in der Regel kaum beeinträchtigt.

Was kann man selbst zur Vorsorge tun?


Gegen die einzelnen Formen der Fehlsichtigkeit selbst kann wenig getan werden. Die oft empfohlenen Augenübungen nach dem Motto "Trainiere dir die Brille weg schaden zwar nicht, verbessern aber nach derzeitigem Stand der Wissenschaft auch nicht die Sehleistung.

Generell ist darauf zu achten, anstrengende Tätigkeiten für das Auge von Zeit zu Zeit zu unterbrechen, z. B. durch Nah-, Mittel- und Fernsicht-Übungen, Beruhigen der Augen durch Handabdecken (das so genannte Palmieren) oder durch regelmäßiges Blinzeln bei der Bildschirmarbeit, um eine Übermüdung zu vermeiden.

Ebenfalls wichtig ist gutes Licht bei der Arbeit. Außerdem wirkt sich eine vitaminreiche Ernährung, vor allem mit ausreichend Vitamin A, positiv auf die Augen und auf die Sehleistung aus.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Grehn, F.: Augenheilkunde. Springer (27. Auflage 1998).

Küchle, H. J.: Taschenbuch der Augenheilkunde. Verlag Hans Huber (4. Auflage 1998).

Empfehlungen der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft zur
Qualitätssicherung bei sinnesphysiologischen Untersuchungen und Geräten. http://www.dog.org/literatur.html (2001).

Lachenmayr, B.: Empfehlung zur Optischen Korrektur von Refraktionsfehlern - Brille. http://www.augeninfo.de/leit/empfref.htm (Dezember 1998).

Leitlinien des BVA: Leitlinie Nr. 6 - Kontaktlinsenanpassung und -kontrolle. http://www.augeninfo.de/leit/leit06.htm (Juni 2002).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Leitlinien der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft:
(AWMF-Leitlinien-Register Nr. 045).
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