Ihre Suche

Fettleibigkeit



(Adipositas, Fettsucht)


Was ist Fettleibigkeit (Adipositas)?


Fettleibigkeit bedeutet Übergewicht, also ein über das Normalmaß hinausgehendes Körpergewicht aufgrund eines erhöhten Fettanteiles. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilt das Gewicht anhand des Körpermassenindex (Body-Mass-Index; BMI) ein. Der BMI ist der Quotient aus Körpergewicht und dem Quadrat der Körpergröße.
Bei einem Gewicht von 75 kg und einer Körpergröße von 176 cm (1,76 m) errechnet sich der BMI wie folgt:

75 kg : (1,76)² = 24,2

Der BMI beträgt in diesem Beispiel also 24,2. Ein BMI zwischen 18,5 und 24,9 entspricht dem Normalgewicht. Bei einem BMI über 25 spricht man von Übergewicht, bei einem BMI von 30 bis 34,9 liegt eine Adipositas (Fettleibigkeit) Grad I vor, bei 35 bis 40 eine Adipositas Grad II, bei einem BMI > 40 spricht man von extremer Adipositas.

Des Weiteren charakterisiert das Verhältnis (Quotient) aus Taillen- und Hüftumfang (waist-hip-ratio) den Fettverteilungstyp. So hat z. B. ein Mann mit einem Taillenumfang von 105 cm und einem Hüftumfang von 87 cm einen Quotienten von 1,21. Bei einem Quotienten größer 1,0 beim Mann und 0,85 bei der Frau liegt der Bauchfetttyp mit deutlich erhöhtem Risiko für Folgekrankheiten vor.

Insgesamt hat die Häufigkeit der Übergewichtigen in den letzten Jahren deutlich zugenommen, insbesondere in den Industrienationen. In Deutschland kann man nach Untersuchungen davon ausgehen, dass jeder zweite Bundesbürger übergewichtig ist und jeder fünfte bis sechste adipös.
Die Tendenz ist steigend, Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.

Welche Ursachen hat die Fettleibigkeit?


Der "adipöse Typ" ist fast immer das Ergebnis aus begünstigender Erbanlage, was den Energieumsatz und die Energiespeicherung betrifft, und Umweltfaktoren mit dauerhaft zu hochkalorischer, übermäßig fettreicher Ernährung bei gleichzeitigem Bewegungsmangel. Bei Patienten mit starker Neigung zu Übergewicht wird Energie wesentlich besser gespeichert, als bei Menschen mit Normalgewicht. Hinzu kommt oft mangelnde Körperbewegung und herabgesetzter Energieverbrauch durch sitzende Tätigkeiten. Die Grundsteine werden hierfür meist bereits im Kindesalter gelegt, wenn ein falsches Essverhalten und mangelnde körperliche Aktivität erlernt werden.
Was in früheren Zeiten mit immer wiederkehrenden Episoden von Nahrungsmangel als Überlebensvorteil zu sehen war, ist heute bei ständig vorhandenem Nahrungsangebot ungünstig für die Gesundheit und das Überleben.

Auch psychische Faktoren (z. B. Stress, Frust) spielen bei der Entstehung des Übergewichtes eine Rolle.

Wesentlich seltener tritt die Fettleibigkeit als Ursache von Erkrankungen des Hormonsystems, z. B. bei Funktionsstörungen der Schilddrüse oder der Nebennieren, auf. Auch einige Medikamente können zur Gewichtszunahme führen. Hierzu zählen z. B. Kortikosteroide, manche Antidepressiva und Neuroleptika.

Welche Risiken bestehen bei der Fettleibigkeit?


Die Adipositas ist keine Erkrankung an sich, sondern bekommt erst durch das mit ihr verbundene Auftreten von Folgekrankheiten und erhöhter Sterblichkeit einen Krankheitswert.
Bei einem BMI von 35 und mehr steigt die Sterblichkeit auf das Doppelte gegenüber Normalgewichtigen an.

Die Fettleibigkeit ist ein Bestandteil der gefährlichen Krankheitskombination bestehend aus Zuckerkrankheit (Diabetes), erhöhte Cholesterinwerte (Hypercholesterinämie) und Bluthochdruck. Jede einzelne Erkrankung ist an sich schon gefährlich genug. Tritt jedoch nur eine Krankheit kombiniert mit einer anderen auf, wird die Gefahr, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, mehr als verdoppelt.

Welche Beschwerden macht die Fettleibigkeit?


Je nach Ausmaß des Übergewichtes ist die körperliche Belastbarkeit eingeschränkt mit eventuell schnell eintretender Luftnot und rascher Ermüdung. Weiterhin kann es zu verstärkter Schweißbildung kommen.

Daneben begünstigt Adipositas das Auftreten einer Vielzahl weiterer Erkrankungen. Dazu gehören Bluthochdruck, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), erhöhte Blutfettwerte, Gallensteine und bösartige Tumoren. Aber auch gynäkologische Probleme wie Harninkontinenz, Infertilität und Geburtskomplikationen kommen häufiger bei übergewichtigen Menschen vor. Außerdem treten meist frühzeitig Beschwerden in den überlasteten Gelenken, insbesondere Knie- und Hüftgelenken sowie der Wirbelsäule auf.

Oft leiden Übergewichtige auch aus ästhetischen Aspekten unter ihrem Gewicht, fühlen sich unattraktiv, neigen häufiger zu Depressionen und Ängstlichkeit und haben ein vermindertes Selbstwertgefühl. Sie meiden mitunter bewusst Situationen, in den sie ihren Körper einer breiten Öffentlichkeit zeigen müssen (z. B. Schwimmbäder, Sauna). Dieses erzeugt widerum Frust, welcher dann häufig zu weiteren Essexzessen führt und damit den Teufelskreis weiter unterhält.

Wie wird die Fettleibigkeit diagnostiziert?


Die Beurteilung des Übergewichtes erfolgt mittels Body-Mass-Index. Weiterhin wird der Fettverteilungstyp bestimmt. Um weitere bereits eingetretene Erkrankungen oder Risikofaktoren zu erfassen, werden einige Laboruntersuchungen (Blutzucker, Blutfette, Harnsäure) durchgeführt.

Darüber hinaus findet eine Blutdruckmessung statt und es wird ein EKG geschrieben. Eine ausführliche Schilderung des Essverhaltens (Ernährungsprotokoll) sowie Angaben zur körperlichen Aktivität ergänzen die Diagnose. Zum Ausschluss einer hormonellen Erkrankung sind einige spezielle Blutuntersuchungen erforderlich.

Wie wird die Fettleibigkeit behandelt?


Beträgt der BMI über 30, sollte in jedem Fall eine Behandlung erfolgen. Liegt ein Übergewicht mit einem BMI zwischen 25 und 30 vor und bestehen Erkrankungen, die durch die Fettleibigkeit verschlimmert werden, empfiehlt sich auch hier eine Behandlung. Dabei sollte die Therapie aus einer Kombination aus Ernährungsumstellung mit Kalorienverminderung (Diät), Bewegungs- und Verhaltenstherapie bestehen. Am erfolgreichsten sind langfristige Gruppentherapien. Um hierzu nähere Informationen zu erhalten, wendet man sich am besten an den Hausarzt oder eine Ernährungsberatungsstelle. Die Adressen erhält man auch über den Hausarzt.

Ausschlaggebend für einen Erfolg ist dabei die Motivation und Einsicht bezüglich des Gewichtsproblems. Als Therapieziel stehen eine langfristige Gewichtsabnahme (minus fünf bis zehn Prozent im Jahr) und eine dauerhafte Ernährungsumstellung an erster Stelle. Eine zu rasche Gewichtsabnahme ist ebenfalls nicht gesund. Sie sollte deshalb langsam und unter ärztlicher Kontrolle erfolgen.

Langfristig ist das Halten des erreichten Zielgewichtes das größte Problem. Eine Gewichtsabnahme sollte auch deshalb langsam erfolgen, da es sonst zu dem so genannten "Jojo-Effekt kommt. Das bedeutet, dass nach schneller Gewichtsabnahme im Anschluss unter normaler Nahrungsaufnahme eine übermäßige Gewichtszunahme folgt. Der Körper hat sich durch die Diät auf eine verminderte Nahrungszufuhr eingestellt und verwertet die ihm dann zur Verfügung gestellten Kalorien wesentlich besser.

Kalorienreduktion
Die Verminderung der Energiezufuhr führt zu einer Gewichtsreduktion. Die kalorienreduzierte Mischkost mit 1000 bis 1200 kcal/Tag sollte vor allem fettarm sein. Dabei ist auf die Zusammensetzung der Fette zu achten. Insbesondere die versteckten Fette in Käse, Sahne, Schokolade, Nüssen und Chips sind wegzulassen. Der Anteil an so genannten gesättigten Fetten (z. B. Butter, Schmalz, Speck) sollte deutlich vermindert werden und Fette mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fetten (Oliven-, Distel-, Maiskeim- und Sonnenblumenöl, Margarine) bevorzugt werden. Erhebliche Kalorienmengen werden dem Körper auch durch Alkohol, Säfte und Limonaden zugeführt, die daher gemieden werden sollten. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Diät sollte ein hoher Anteil an Ballaststoffen in der Nahrung sein. Sie haben einen hohen Sättigungsgrad und fördern die Verdauung. Außerdem ist darauf zu achten, dass genügend Flüssigkeit aufgenommen wird, um Kreislaufbeschwerden zu vermeiden. Einseitige Diäten (z. B. Ananas-Diät oder Atkins-Diät) sind langfristig nicht empfehlenswert und nur in Rücksprache mit dem Arzt durchzuführen.

Für eine Kalorienreduktion nicht in Frage kommen Schwangere und Stillende. Auch Menschen mit krankhaften Essstörungen (Magersucht und Ess-Brech-Sucht) und schweren Allgemeinerkrankungen sollten keine Diät durchführen. Bei Kindern ist eine Diät nur unter kinderärztlicher Aufsicht anzuraten.
Bei einer Kalorienreduktion können auch Nebenwirkungen auftreten. Durch den Gewichtsverlust kann es zu Blutdruckabfall und je nach "Diätform zu Mangelerscheinungen kommen. Bei einer schnellen Gewichtsabnahme treten gehäuft Gallensteine auf.

Daher ist eine ärztliche Überwachung der Diät empfehlenswert. Da viele lieb gewonnene und gewohnte Verhaltensweisen geändert werden müssen, wirkt sich jede Diätform zunächst einschränkend auf die Lebensqualität aus. Dies wird sich jedoch mit dem Erfolgserlebnis (Gewichtsreduktion, Wohlbefinden durch gesundes Essen und mehr Bewegung, positive Reaktionen im Bekanntenkreis) rasch ändern. In die Ernährungsumstellung sollte das gesamte soziale Umfeld des Patienten einbezogen werden.

Bewegungstherapie
Regelmäßiges Bewegungstraining ist ebenso sinnvoll wie die Kalorienreduktion. Es werden Kalorien verbraucht, Sport hat einen günstigen Einfluss auf das Sättigungsgefühl, auf die Motivation und es wird Stress abgebaut. Dabei muss man individuell die richtige Betätigung herausfinden. Durch die Bewegung kann Körperfett abgebaut und die Muskelmasse erhalten werden, während eine Diät alleine zu einem erhöhten Eiweißabbau und dadurch zu einem Muskelabbau führt.

Am wirksamsten sind leichte Ausdauersportarten wie Fahrradfahren, Schwimmen, Joggen, Walking und auch Wandern. Die Bewegungsdauer sollte nach und nach gesteigert werden und dann möglichst fünf Stunden pro Woche betragen. Wenn möglich, sollte man sich einer Gruppe anschließen oder jemand aus dem Freundeskreis motivieren, damit der Erfolg nicht nur kurzfristig ist.

Verhaltenstherapie
Dadurch soll eine Verstärkung der Eigenkontrolle und bessere Stressbewältigung erreicht werden. Daneben soll eine dauerhafte Änderung des Essverhaltens, Steigerung der körperlichen Aktivität und Bewältigung psychischer Folgeprobleme der Fettleibigkeit bewirkt werden.

Am Anfang steht die Selbstbeobachtung des Ess- und Trinkverhaltens, z. B. mit einem Ernährungstagebuch, um die Auslöser für vermehrtes Essen und Trinken zu analysieren. Danach folgt die Selbstkontrolle, um diese Auslöser besser zu beherrschen. Belohnt sich der Übergewichtige z. B. hauptsächlich mit Essen, so sollen nach der Verhaltenstherapie Bewegung und ausgewogene Ernährung als Belohnung empfunden werden.

Medikamentöse Therapie
Die Medikamentengabe sollte - wenn überhaupt - lediglich unterstützend zu diätetischen und verhaltenstherapeutischen Maßnahmen, und dann nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. Es gibt im wesentlichen zwei Wirkstoffe, die zum Einsatz kommen können.

Orlistat, hemmt die Fettaufnahme im Darm. Durch die verminderte Fettaufnahme können ca. 300 kcal unter Normalkost bzw. 200 kcal unter Reduktionskost eingespart werden. Orlistat kann, wenn der Patient zu fettreiche Nahrung zu sich nimmt, heftige Blähungen und fettreiche Stühle auslösen. Dies kann eine Umstellung auf fettärmere Nahrung bewirken und somit auch langfristig eine fettärmere Ernährung erzielen. Bei Patienten mit Gallensteinen und verminderter Bauchspeicheldrüsenfunktion darf Orlistat nicht eingenommen werden.

Der zweite Wirkstoff ist Sibutramin. Er entfaltet seine Wirkung im Gehirn und führt zu einem erhöhten Sättigungsgefühl und einem gesteigertem Energieumsatz. Es kann die Gewichtsreduktion vereinfachen. An Nebenwirkungen treten vorwiegend Herzrasen, Blutdruckanstieg, Mundtrockenheit und Schlafstörungen auf. Bei Bluthochdruck und Verengung der Herzkranzgefäße sollte es daher nicht angewandt werden.

Chirurgische Therapie
Eine chirurgische Behandlung kommt nur in Frage bei ausgeprägtem Übergewicht (BMI über 40), und wenn bereits schwere Stoffwechselstörungen bzw. Gesundheitsstörungen vorliegen. Diät und körperliche Bewegung sind hier manchmal nicht mehr ausreichend. Wenn sich der Betroffene zu einem operativen Verfahren der Gewichtsreduktion nach ausführlicher ärztlicher Beratung entschieden hat, bietet sich ein laparoskopisches Verfahren (Bauchspiegelung) zur Magenverkleinerung an.
Hierbei wird ein Silikonband (Magenband) um den oberen Anteil des Magens gelegt, um dadurch die Reservoirfunktion des Magens erheblich zu verkleinern. Der Patient erhält dadurch ein völlig neues Sättigungsgefühl. Das Magenband kann je nach Bedarf und gewünschter Gewichtsreduktion unter ärztlicher Aufsicht zu jeder Zeit nach der Operation angepasst werden. Die Kostenübernahme ist im Einzelfall mit der Krankenkasse zu klären.

Die Fettabsaugung (Liposuktion) dient der lokalen Entfernung überschüssiger Fettdepots. Dies ist ein kosmetisches Verfahren, das nicht zur Therapie einer Adipositas eingesetzt wird.

Alternative Methoden
Alternative Methoden, z. B. Hypnose und Akupunktur, können nicht zur Gewichtsreduktion empfohlen werden, da ihre Wirksamkeit nicht bewiesen ist.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Deutsches Ernährungsberatungs- und informationsnetz (Debinet). http://www.ernaehrung.de/tipps/adipositas/index.htm (2005).

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), Leitlinie der Deutschen Adipositas Gesellschaft, Deutschen Diabetes-Gesellschaft, Gesellschaft für Ernährung: Prävention und Therapie der Adipositas (7/2003).

Wolff/Weihrauch: Internistische Therapie. Urban & Fischer (2000).
Anzeige
Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen Diese Seite zu del.icio.us hinzufügen
Anzeige
Anzeige
Anzeige