Fieberkrankheiten, hämorrhagische
(Dengue-Fieber, hämorrhagisches; Dengue-Schocksyndrom; Rift-Tal-Fieber; Krim-Kongo-Fieber; Kayasanurwald-Krankheit; Omsk-Fieber, hämorrhagisches)
Was sind hämorrhagische Fieberkrankheiten?
Hämorrhagische Fiebererkrankungen werden durch Viren verursacht. Gemeinsam ist ihnen eine gesteigerte Blutungsneigung und Fieber. Zurzeit werden etwa 20 verschiedene Erkrankungen dieser Form unterschieden. Die Übertragung der Viren auf den Menschen erfolgt überwiegend durch Tiere. Von besonderer Bedeutung sind hierbei die Arthropoden (Insekten und Spinnentiere) und Nagetiere, selten erfolgt die Infektion über Großsäugetiere. Eine Ansteckung ist bei einigen (z. B. beim Rift-Tal-Virus) auch durch den Genuss infizierter Milch oder den Kontakt mit infizierter Körperflüssigkeit möglich.
Die derzeit wichtigsten hämorrhagischen Fiebererkrankungen mit ihren jeweiligen Erregern sind:
- Hämorrhagisches Dengue-Fieber, Dengue-Schocksyndrom (Erreger: Dengue-Virus)
- Rift-Tal-Fieber (Erreger: Rift-Tal-Virus)
- Krim-Kongo-Fieber (Erreger: Krim-Kongo-Virus)
- Kayasanurwald-Krankheit (Erreger: Kayasanurwald-Virus)
- Hämorrhagisches Omsk-Fieber (Erreger: Hämorrhagisches Omsk-Fieber-Virus)
- Gelbfieber (Erreger.: Gelbfieber-Virus)
Wo kommen die hämorrhagischen Fieberkrankheiten vor?
Viele der hämorrhagischen Fiebererkrankungen wurden nach dem Ort ihres ersten Auftretens benannt, jedoch sind sie verbreiteter als ursprünglich angenommen. So gibt es z. B. das Rift-Tal-Fieber in weiten Teilen Afrikas südlich der Sahara, das Krim-Kongo-Fieber in Asien, Südosteuropa und in Afrika südlich der Sahara. Das Omsk-Fieber tritt in Sibirien und die Kayasanurwald-Krankheit im westlichen Indien auf. Das hämorrhagische Dengue-Fieber kommt vor allem in Südostasien, Afrika, Mittel- und Südamerika, in der Karibik und Polynesien vor.
Aufgrund der immer größeren Mobilität des Menschen, des weltweiten Handels mit Tieren und des ungewollten Transportes infizierter Stechmücken, können die Erkrankungen jedoch auch außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes auftreten.
Wie bekommt man diese Erkrankungen?
Einige dieser Krankheiten können durch Mücken oder Zecken, aber auch durch Kontakt mit erkrankten oder toten Wild- und Nutztieren oder deren Fleisch auf den Menschen übertragen werden. Andere können von Mensch zu Mensch durch direkten Kontakt übertragen werden. Besonders gefährdet sind je nach Übertragungsweg Reisende in die Gebiete, in denen die Erkrankungen vorkommen.
Außerdem können sich Menschen, die mit infizierten Tieren oder Personen in Kontakt kommen, anstecken. Dazu zählen z. B. Schlachter, Metzger, Beschäftigte in der Fleischverarbeitung und in Abdeckereibetrieben sowie Fellhändler durch den Kontakt mit Tieren oder Fleisch sowie medizinisches Personal durch den Kontakt mit Erkrankten.
Im Einzelnen werden die Erkrankungen wie folgt übertragen:
- Hämorrhagisches Dengue-Fieber, Dengue-Schocksyndrom durch Stechmücken
- Rift-Tal-Fieber durch Stechmücken, Großsäugetiere und evtl. durch infizierte Menschen
- Krim-Kongo-Fieber durch Zecken, Großsäugetiere und infizierte Menschen
- Kayasanurwald-Krankheit durch Zecken
- Hämorrhagisches Omsk-Fieber durch Zecken und Nagetiere
- Gelbfieber durch Stechmücken
Welche Krankheitszeichen gibt es?
Viele dieser Erkrankungen sind harmlos, verlaufen beim Menschen mit Fieber und grippeähnlichen Beschwerden und heilen dann aus. Zunächst leiden die Betroffenen meist unter starken Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen, gelegentlich tritt auch ein Hautausschlag auf.
Bei wenigen Patienten kann es jedoch im weiteren Verlauf zu Blutungen kommen, die sich vor allem mit Nasenbluten, Hautblutungen, Bluterbrechen, blutiger Urin und blutigem, schwarzem Stuhlgang bemerkbar machen. Die Krankheit kann einen schweren Verlauf bis hin zum Kreislaufschock aufgrund des Blutverlustes und Organversagen nehmen. Es können je nach Erreger zahlreiche Organe wie das Gehirn, die Leber, die Lunge, das Herz, der Darm oder die Nieren befallen sein.
Entwickelt man nach einem Aufenthalt in den Infektionsgebieten bzw. nach Kontakt mit Erkrankten Symptome, die einer schweren Grippe ähneln und kommen dann Zeichen einer Organbeteiligung und Blutungen hinzu, sollte man an eine hämorrhagische Fieberkrankheit denken und unverzüglich einen Arzt aufsuchen.
Wie wird die Verdachtsdiagnose gesichert?
Die Krankengeschichte, ein Aufenthalt in den jeweiligen Verbreitungsgebieten der Erkrankung sowie das Ergebnis der körperlichen Untersuchung können den Verdacht auf eine hämorrhagische Fiebererkrankung lenken. Untersuchungen von Blut und Urin auf Virusbestandteile bestätigen den Verdacht.
Der eindeutige Beweis erfolgt durch zusätzliche spezielle Blutuntersuchungen, die zum Teil sehr aufwendig sind und deren Ergebnis einige Tage auf sich warten lassen kann. Beweisend für die Diagnose ist der Nachweis der Viren im Blut mittels Zellkultur oder Tierversuch.
Wichtig ist es, den Arzt auf einen früheren Aufenthalt in dem Infektionsgebiet bzw. auf Kontakt mit Kranken aufmerksam zu machen.
Wie kann man die Erkrankungen behandeln?
Bei den meisten Viruserkrankungen ist eine ursächliche Therapie nicht möglich, man behandelt daher symptomatisch. Oft ist eine intensivmedizinische Behandlung mit Bettruhe, fiebersenkenden Maßnahmen, reichlich Flüssigkeitszufuhr, ggf. mit Infusionen über die Vene, und eine ausreichende Schmerzmittelgabe notwendig.
Bei einigen dieser Krankheiten kann die Gabe von so genannten antiviralen Medikamenten (z. B. Ribavirin), welche die Vermehrung der Viren hemmen, nützlich sein. Bei schweren Verläufen kann unter Umständen eine Behandlung mit Interferonen und Rekonvaleszentenserum erwogen werden. Beim Rekonvaleszentenserum handelt es sich um Blutserum von Menschen, die die Infektionskrankheit überstanden und Antikörper gegen den Erreger gebildet haben. Dieses Serum wird den Erkrankten verabreicht. Gelegentlich kann es dabei zu Unverträglichkeitsreaktionen kommen.
Wie verlaufen die hämorrhagischen Fieberkrankheiten?
Je nachdem, welche Krankheit vorliegt, kann diese sehr mild, evtl. auch unbemerkt verlaufen. Andere, z. B. das Rift-Tal-Fieber und das Krim-Kongo-Fieber, haben bei schweren Verläufen eine hohe Sterblichkeit, die auch durch maximale intensivmedizinische Maßnahmen nicht beeinflusst werden kann.
Unter maximaler Therapie auf einer Intensivstation sind die Überlebenszahlen allerdings deutlich besser. Bei schweren Verläufen kann die Genesungsphase sehr lange dauern.
Wie kann man sich vor diesen Krankheiten schützen?
Der sicherste Schutz besteht im Meiden der Infektionsgebiete. Jedoch bietet dies keinen absoluten Schutz, da die Krankheiten durch unerkannt Infizierte weiterverbreitet werden können.
Wichtig ist, dass man sich beim Aufenthalt in tropischen Ländern vor Stechmücken, z. B. durch das Tragen langärmeliger Kleidung sowie mit einem Moskitonetz über dem Bett, schützt. Man verringert dadurch auch das Risiko einer Infizierung mit vielen anderen durch Mücken übertragenen tropischen Erkrankungen. Zecken sollten baldmöglichst entfernt werden. Von Tierkadavern sollte man sich fernhalten.
Medizinisches Personal muss beim Umgang mit, besonders an Krim-Kongo-Fieber und Rift-Tal-Fieber Erkrankten, höchste Vorsicht walten lassen und Schutzmaßnahmen ergreifen (z. B. Handschuhe beim Kontakt mit Körperflüssigkeiten des Kranken tragen).
Gegen Gelbfieber ist eine Impfung möglich. Ein Impfstoff ist beim hämorrhagischen Dengue-Fieber in der Erprobung. Gegen Rift-Tal-Fieber, Omsk-Fieber, Krim-Kongo-Fieber und die Kayasanurwald-Krankheit gibt es Impfstoffe, deren Wirkung aber zum Teil nicht zuverlässig ist.
Einige Erkrankungen hinterlassen nach durchgemachter Infektion eine lebenslange Immunität.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Dobler, G.: Gefahr für Reisende und medizinisches Personal? Virale hämorrhagische Fieber. Klinikarzt 32, S. 196-201 (2003).
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).
Robert-Koch-Institut: www.rki.de (2004).
CRM Handbuch zur Reisemedizinischen Beratung (Ausgabe Mai 2000).
Kretschmer/Kusch/Scherbaum: Reisemedizin. Urban & Fischer (1999).
Lang: Tropenmedizin in Klinik und Praxis. Thieme (2000).
Diesfeld, H. J.: Praktische Reise- und Tropenmedizin. Thieme (1997).


