Fieberkrankheiten, seltene hämorrhagische
(Hämorrhagisches Fieber, argentinisches; Junin-Virus; Hämorrhagisches Fieber, bolivianisches; Machupo-Virus; Hämorrhagisches Fieber, venezolanisches; Guanarito-Virus; Hämorrhagisches Fieber, brasilianisches; Sabia-Virus; Nephropathia epidemica; Hantaan-Virus; Puumala-Virus; Dobrava-Virus; Seoul-Virus; Pulmonales Hantavirussyndrom; Marburg-Krankheit; Marburg-Virus; Ebola-Krankheit; Ebola-Virus; Lassa-Fieber; Lassa-Virus)
Was sind hämorrhagische Fieberkrankheiten?
Hämorrhagische Fiebererkrankungen werden durch Viren verursacht. Diese Viren besitzen ein tierisches Reservoir, d. h. sie verweilen im Körper von Tieren und können dann auf den Menschen übergehen.
Viele dieser Viruserkrankungen sind harmlos, verlaufen beim Menschen mit Fieber und grippeähnlichen Beschwerden und heilen aus. Sie können aber auch einen schweren Verlauf nehmen und je nach Erreger zahlreiche andere Organe wie das Gehirn, die Lungen, das Herz, den Darm oder die Nieren befallen.
Eine schwere Komplikation der Erkrankungen ist eine erhöhte Blutungsneigung (Hämorrhagie). Deshalb bezeichnet man diese fieberhaften Viruskrankheiten auch als hämorrhagische Fieberkrankheiten, die auch einen tödlichen Ausgang nehmen können.
Zu den hämorrhagisch verlaufenden Fieberkrankheiten, die weltweit, in unseren Regionen allerdings selten vorkommen, zählen:
- Argentinisches Hämorrhagisches Fieber durch das Junin-Virus
- Bolivianisches Hämorrhagisches Fieber durch das Machupo-Virus
- Brasilianisches Hämorrhagisches Fieber durch das Sabia-Virus
- Venezuelanisches Hämorrhagisches Fieber durch das Guanarito-Virus
- Ebola-Krankheit durch das Ebola-Virus
- Lassa-Fieber durch das Lassa-Virus
- Marburg-Krankheit durch das Marburg-Virus
- Hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom (Nierenschädigung) durch das Hantaan-Virus, durch das Dobrava-Virus oder durch das Seoul-Virus
- Hämorrhagisches Fieber mit Lungenschädigung (Pulmonales Hanta-Virus-Syndrom) durch das Sin Nombre-Virus
- Hämorrhagisches Fieber mit Nephropathia epidemica durch das Puumala-Virus
Wo kommen die hämorrhagischen Fieberkrankheiten vor?
Viele der hämorrhagischen Fiebererkrankungen wurden nach dem Ort ihres ersten Auftretens benannt, jedoch sind sie verbreiteter als ursprünglich angenommen. Aufgrund der immer größeren Mobilität des Menschen, des weltweiten Handels mit Tieren und des ungewollten Transportes der Erreger, treten die Erkrankungen auch außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes auf.
- Argentinisches Hämorrhagisches Fieber in Zentral-Argentinien
- Bolivianisches Hämorrhagisches Fieber in Bolivien
- Brasilianisches Hämorrhagisches Fieber in Brasilien (Region Sao Paulo)
- Venezuelanisches Hämorrhagisches Fieber in Venezuela
- Ebola-Krankheit in Afrika (Kongo, Sudan, Uganda, Zaire, Gabun, Elfenbeinküste, Liberia)
- Lassa-Fieber in Westafrika
- Marburg-Krankheit in Zentralafrika
- Hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom (Nierenschädigung) in China, Korea, Europa
- Hämorrhagisches Fieber mit Lungenschädigung (Pulmonales Hanta-Virus-Syndrom)
- Hämorrhagisches Fieber mit Nephropathia epidemica in Europa
Wie bekommt man diese Erkrankungen?
Das argentinische, brasilianische, bolivianische und venezuelanische hämorrhagische Fieber sowie Infektionen durch Hantaan-, Puumala- Dobrava-, Seoul-, Sin Nombre- und Lassaviren werden durch Ausscheidungen von Nagetieren (Mäuse, Ratten) auf den Menschen übertragen. In Europa sind vor allem Personen gefährdet, die häufig Kontakt zu Nagetieren und ihren Ausscheidungen haben. Dazu gehören z. B. Waldarbeiter.
Bei der Marburg- und Ebola-Viruskrankheit sind Affen die Überträger. Hat die Erkrankung auf Menschen übergegriffen, so können diese sich ähnlich wie bei einer Grippeerkrankung über eine so genannte Tröpfcheninfektion gegenseitig infizieren. Dabei ist die Ansteckungsgefahr besonders hoch beim Marburg- und Ebola-Fieber. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bislang nicht beobachtet beim hämorrhagischen Fieber mit Nierenschädigung sowie bei der Nephropathia epidemica.
Welche Krankheitszeichen treten auf?
Entwickelt man nach einem Aufenthalt in den Infektionsgebieten bzw. nach Kontakt mit Erkrankten Symptome, die einer schweren Grippe ähneln und kommen dann Zeichen einer Organbeteiligung und Blutungen hinzu, sollte man an eine hämorrhagische Fieberkrankheit denken und unverzüglich einen Arzt aufsuchen.
Zunächst leiden die Betroffenen meist unter starken Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen, gelegentlich tritt auch ein Hautausschlag auf.
Bei wenigen Patienten kommt es im weiteren Verlauf zu Blutungen, die sich vor allem mit Nasenbluten, Hautblutungen, Bluterbrechen, blutigem Urin und blutigem und schwarzem Stuhlgang bemerkbar machen. Die Krankheit kann einen schweren Verlauf bis hin zum Kreislaufschock und Organversagen nehmen.
Wie wird die Verdachtsdiagnose gesichert?
Die Krankengeschichte, ein Aufenthalt in den jeweiligen Verbreitungsgebieten der Erkrankung sowie das Ergebnis der körperlichen Untersuchung können den Verdacht auf eine hämorrhagische Fiebererkrankung lenken. Untersuchungen von Blut und Urin auf Virusbestandteile bestätigen den Verdacht.
Der eindeutige Beweis erfolgt durch zusätzliche spezielle Blutuntersuchungen, die zum Teil sehr aufwendig sind und deren Ergebnis einige Tage auf sich warten lassen kann. Beweisend für die Diagnose ist der Nachweis der Viren im Blut mittels Zellkultur oder Tierversuch.
Wichtig ist es, den Arzt auf einen früheren Aufenthalt in dem Infektionsgebiet bzw. auf Kontakt mit Kranken aufmerksam zu machen.
Wie kann man diese Erkrankungen behandeln?
Bei den meisten Viruserkrankungen ist eine ursächliche Behandlung nicht möglich, man behandelt daher symptomatisch. Oft ist eine intensivmedizinische Behandlung mit Bettruhe, fiebersenkenden Maßnahmen, reichlich Flüssigkeitszufuhr, ggf. mit Infusionen über die Vene, und eine ausreichende Schmerzmittelgabe notwendig.
Beim argentinischen, bolivianischen, venezuelanischen und brasilianischen hämorrhagischen Fieber, beim Lassa-Fieber sowie beim hämorrhagischen Fieber mit renalem Syndrom kann die Gabe von so genannten antiviralen Medikamenten (z. B. Ribavirin), welche die Vermehrung der Viren hemmen, nützlich sein. Bei den anderen Krankheiten ist der günstige Einfluss von Ribavirin nicht gesichert.
Bei schweren Verläufen kann auch eine Behandlung mit Interferonen und Rekonvaleszentenserum sinnvoll sein. Beim Rekonvaleszentenserum handelt es sich um Blutserum von Menschen, die die Infektionskrankheit überstanden und Antikörper gegen den Erreger gebildet haben. Dieses Serum wird den Erkrankten verabreicht. Gelegentlich kann es dabei zu Unverträglichkeitsreaktionen kommen.
Beim hämorrhagischen Fieber mit renalem Syndrom (Nierenbeteiligung) kann oftmals nur eine Dialysebehandlung (künstliche Blutwäsche) lebensrettend sein.
Wie verlaufen die hämorrhagischen Fieberkrankheiten?
Je nachdem, welche Krankheit vorliegt, kann diese sehr mild, eventuell sogar unbemerkt verlaufen. Andere, z. B. die Marburg- und Ebola-Krankheit, haben eine sehr hohe Sterblichkeit, die auch durch maximale intensivmedizinische Maßnahmen nicht beeinflusst werden kann.
Unter maximaler Therapie auf einer Intensivstation sind die Überlebenszahlen allerdings deutlich besser. Bei schweren Verläufen kann die Genesungsphase sehr lange dauern.
Wie kann man sich vor diesen Krankheiten schützen?
Der sicherste Schutz besteht im Meiden der Infektionsgebiete. Da dies nicht immer möglich ist, sollten Lebensmittel vor Nagetieren sicher aufbewahrt werden.
In einigen Fällen kann virushaltiger Staub eingeatmet werden (so genannte Mähdrescherkrankheit in Argentinien) oder durch kleinste Hautdefekte eindringen. Da beispielsweise das Marburg- und Ebola-Fieber durch Affen übertragen wird, sollte man den Kontakt mit importierten Affen meiden.
Auch von Mensch zu Mensch können einige dieser Erkrankungen übertragen werden, daher müssen erkrankte Personen isoliert werden, das medizinische Personal muss durch geeignete Maßnahmen geschützt werden.
Ein Impfstoff existiert bisher nur für das argentinische sowie das bolivianische hämorrhagische Fieber. Bei einigen anderen Erkrankungen ist er in der Entwicklung.
Impressum
Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: September 2000
Autor: Dr. med. Karl Addicks
Letzte Aktualisierung: April 2005
Durch: Dr. med. Maria-Anna Schoppmeyer
Literatur/Leitlinien/EBM:
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).
Robert-Koch-Institut: www.rki.de (2004).
Dobler, G.: Gefahr für Reisende und medizinisches Personal? Virale hämorrhagische Fieber. Klinikarzt 32, S. 196-201 (2003).
CRM Handbuch zur Reisemedizinischen Beratung (Ausgabe Mai 2000).
Lang: Tropenmedizin in Klinik und Praxis. Thieme (2000).
Kretschmer/Kusch/Scherbaum: Reisemedizin. Urban & Fischer (1999).
Diesfeld, H. J.: Praktische Reise- und Tropenmedizin. Thieme (1997).


