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Gallenblasenentzündung



(Cholezystitis)


Was ist eine Gallenblasenentzündung?


Die Gallenblase dient als Speicherorgan für die von der Leber produzierte Gallenflüssigkeit.

Nach großen Mahlzeiten, und hier insbesondere nach fettreichen, gibt die Gallenblase die gespeicherte Gallenflüssigkeit über den Gallengang in den Zwölffingerdarm (Duodenum) ab, um dort die Fettverdauung zu unterstützen.

Von einer Cholezystitis spricht man, wenn sich die Wand der Gallenblase entzündet.

Was sind die Ursachen für eine Gallenblasenentzündung?


In den meisten Fällen lösen Gallensteine eine Entzündung der Gallenblase aus. Wenn die Gallensteine beispielsweise die Mündungsstelle des Gallenganges verstopfen und so den ungehinderten Abfluss der Gallenflüssigkeit in den Dünndarm verhindern, entsteht ein Rückstau in der Gallenblase.

Aufgrund dieses Verschlusses kommt es durch chemische oder mechanische Faktoren zu einer Entzündung, der dann eine Bakterienbesiedlung, z. B. aus dem Darm, folgen kann, welcheden entzündlichen Prozess weiter verstärkt.

Zu den selteneren Ursachen einer Gallenblasenentzündung gehören größere Bauchoperationen, Entzündungen anderer innerer Organe, starke Verbrennungen oder ein schwerer Unfall.
Exakte Zahlen zur Häufigkeit der Cholezystitis gibt es nicht. Von Gallensteinen, der Hauptursache für eine Gallenblasenentzündung sind Frauen dreimal häufiger betroffen als Männer.

Wie äußert sich eine Gallenblasenentzündung?


Eine Gallenblasenentzündung macht sich in aller Regel durch plötzlich auftretende, stechende Schmerzen im rechten Oberbauch bemerkbar, meist begleitet von Fieber und Schüttelfrost. Die krampfartigen Leibschmerzen treten immer dann auf, wenn sich die Gallenblase zusammenzieht und lassen danach typischerweise wieder nach. Ein solcher Schmerz, der sozusagen und kommt und geht, wird als Kolik bezeichnet.

In einigen Fällen tritt bei einer Gallenblasenentzündung auch Erbrechen, eine Entfärbung des Stuhls oder auch eine leichte Gelbsucht auf. Meist ist der Gallengang dann teilweise durch einen Stein verschlossen.

Grundsätzlich unterscheidet man eine akute von einer häufig wiederkehrenden (chronischen) Entzündung.

Was sind die Folgen einer Gallenblasenentzündung?


Eine unbehandelte akute Gallenblasenentzündung kann lebensgefährliche Folgen haben, etwa wenn die. Gallenblase einreißt (perforieren). Dabei entleert sich die sehr aggressive Gallenflüssigkeit in die freie Bauchhöhle, was zu einer schweren Entzündung des gesamten Bauchraumes führen kann (Peritonitis, Bauchfellentzündung).

Außerdem besteht die Gefahr, dass die Entzündung auf die Leber übergreift und hier einen Leberabszess, also eine abgekapselte Entzündung, auslöst. In manchen Fällen können Gallensteine bis in den Darm wandern und dort zu weiteren Komplikationen wie z. B. einem Darmverschluss führen.

Wiederkehrende Gallenblasenentzündungen erhöhen zudem das Risiko, an Gallenblasenkrebs zu erkranken.

Wie wird eine Gallenblasenentzündung erkannt?


Die genannten Symptome geben dem Arzt erste Hinweise auf eine Entzündung der Gallenblase. Besonders der kolikartige Schmerz und die Zunahme der Beschwerden nach dem Genuss fettreicher Mahlzeiten sind typisch für die Erkrankung, vor allem bei Patienten, die gleichzeitig unter Gallensteinen leiden.

Durch Abtasten des Bauches kann der Arzt den Ort der Schmerzen genauer feststellen. Eine Blutuntersuchung gibt Hinweise auf ein entzündliches Geschehen im Körper. Außerdem können die Werte für die Gallenfarbstoffe (Bilirubin) und einige Leberenzyme erhöht sein. Bei Verdacht auf eine Cholezystitis führt der Arzt dann eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) des Bauches durch. mit der er Gallensteine, eine verdickte Gallenblasenwand, eine möglicherweise perforierte Gallenblase oder Leberabszesse sichtbar machen kann.

Besteht der Verdacht auf Gallensteine im Gallengang, lässt sich das mit Hilfe eines endoskopisches Verfahren (ERC, endoskopisch-retrograde Cholangiografie) überprüfen, mit dem man manchmal die Steine auch gleich entfernen kann. Dabei wird, ähnlich wie bei einer Magenspiegelung, ein Endoskop (bestehend aus einem Schlauch mit einer Kamera) über den Mund bis in den Zwölffingerdarm vorgeschoben und ein Kontrastmittel in den einmündenden Gallengang gespritzt. Das erlaubt es ihm, die Durchgängigkeit des Gallengangs auf dem Röntgenmonitor zu beurteilen. Bei kleinen unkomplizierten Steinen kann man diese gegebenenfalls über das Endoskop abtragen.

Die Risiken der ERC sind vergleichbar denen einer Magenspiegelung und beziehen sich im Allgemeinen auf Verletzungen, Reizungen und Entzündungen der Schleimhäute von Speiseröhre, Magen, oberem Dünndarm und zusätzlich Entzündungen der Bauchspeicheldrüse oder des Gallengangs. Selten kann es bei der ERC, z. B. im Rahmen der Steinentfernung, auch zu Verletzungen mit nachfolgenden Blutungen kommen.

Wenn der Arzt mit allen diesen Methoden keine eindeutige Diagnose stellen kann, führt er in der Regel zusätzlich eine Computertomografie.

Wie wird eine Gallenblasenentzündung behandelt?


Eine Gallenblasenentzündung sollte im Krankenhaus behandelt werden. Dort bekommt der Patient Antibiotika, ein Schmerzmittel und zusätzliche Flüssigkeit per Infusion in eine Vene.
Ganz grundsätzlich richtet sich die Therapie nach Ursache und Schwere der Cholezystitis.
Bei einer schwachen Entzündung und/oder kleinen Steinen reichen krampflösende Mittel, die dem Stein den natürlichen Weg aus dem Gallengang in den Darm erleichtern, oft aus. . Das Abwandern der Steine lässt sich aber auch durch einen kleinen endoskopischen Eingriff im Rahmen der oben beschriebenen ERC erleichtert.

Eine akute Gallenblasenentzündung sollte nach Auftreten der Beschwerden so schnell wie möglich (innerhalb von ein bis fünf Tagen) operiert werden. In den meisten Fällen entfernt der Chirurg die gesamte Gallenblase (Cholezystektomie), auch um das Risiko der Krebsentstehung bei einer chronischen Gallenblasenentzündung zu senken. Der Eingriff erfolgt heute oft mittels der so genannten Knopflochchirurgie (laparoskopische Cholezystektomie). Dies ist in der Regel schonender, hinterlässt kleinere Narben und der Patient erholt sich nach der Operation schneller.
Sind die Steine größer, ist die Entzündung bereits fortgeschritten oder sind Komplikationen aufgetreten, gilt das herkömmliche Operationsverfahren unter Öffnung der Bauchdecke als sicherer, da hier das Risiko einer versehentlichen Verletzung des Magens oder Darms geringer ist. Beiden Methoden ist das seltene Risiko einer Gallenwegsverletzung gemein, die nicht lebensbedrohlich sein muss, aber durch Verengungen und nachfolgende Komplikationen das Leben langfristig beeinträchtigen kann. Beide Operationsarten müssen in Vollnarkose durchgeführt werden.

Das Fehlen der Gallenblase hat in der Regel nur geringe Nachteile. Schließlich wird die Gallenflüssigkeit ja weiterhin in der Leber produziert. Da die Gallenflüssigkeit aber nicht mehr gespeichert werden kann, leiden manche Patienten nach der Operation bei sehr fetten oder stark gewürzten bzw. angebratenen Speisen unter einem Völlegefühl im Oberbauch oder leichtem Durchfall. Daher sollten sie in den ersten Wochen auf fettarme und leicht bekömmliche Speisen achten. Aufgrund der Anpassungsfähigkeit des Körpers verringern sich die Beschwerden aber meistens innerhalb des ersten halben Jahres. Viele Patienten sind schon direkt nach dem Eingriff beschwerdefrei und können wieder alles essen.

Wie kann man einer Gallenblasenentzündung vorbeugen?


Einer Gallenblasenentzündung kann man indirekt vorbeugen, indem man das Risiko für die Entstehung von Gallensteinen vermindert.  durch eine entsprechende Lebensweise.

Besonders wichtig ist das bei Menschen mit bereits bestehenden Steine, die keine Beschwerden verursachen. Diese können manchmal kleiner werden oder sogar verschwinden, wenn man einige Regeln beachtet. Diese Regeln betreffen in erster Linie die Ernährung. Lebensmittel mit hohem Gehalt an Cholesterin wie z. B. Butter und Eier und anderen tierischen Fetten gilt es zu vermeiden. Da auch Übergewicht häufig eine Ursache für Gallensteine ist, sollte man, wenn man zu viel wiegt, abnehmen. Allerdings können Radikaldiäten ebenso zur Steinbildung führen. Es empfiehlt sich daher eine langfristige Ernährungsumstellung auf fettarme, ausgewogene Kost mit einem hohen Ballaststoffanteil. Durch die Aufnahme ausreichender Flüssigkeitsmengen (zwei bis drei Liter pro Tag) lässt sich dem Auskristallisieren der Gallebestandteile vorbeugen.

Unterstützend empfiehlt sich ausreichende körperliche Betätigung, z. B. durch regelmäßige Spaziergänge, Treppensteigen oder sportliche Aktivität.

Sobald Beschwerden auftreten, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Medizinisches Wissensnetzwerk evidence.de der Universität Witten/Herdecke: Patientenleitlinie Gallensteine (2002). http://www.patientenleitlinien.de/Gallensteine/gallensteine.html

Harrisons Innere Medizin, ABW Wissenschaftsverlag (15. Auflage 2002)

Beers M.H., Berkow R.: Das MSD-Manual der Diagnostik und Therapie. Urban & Fischer (2000).

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Leitlinie Behandlung von Gallensteinen (2000).
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