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Gehörgangsentzündung



(Otitis externa; Gehörgangsekzem; Gehörgangsfurunkel)


Wodurch entsteht eine Gehörgangsentzündung?


Der äußere Gehörgang ist etwa drei Zentimeter lang und liegt zwischen Trommelfell und äußerem Ohr.
Meist durch Bakterien, seltener durch Pilze, kann es zu einer Entzündung der Gehörgangshaut kommen. Auch allergische Reaktionen bilden gelegentlich den Ausgangspunkt für die Erkrankung. Der medizinische Fachbegriff für die Entzündung des äußeren Gehörgangs lautet Otitis externa. Ist das Trommelfell mitbetroffen, spricht man von einer Myringitis.

Die Entzündung wird durch Hautschäden begünstigt, beispielsweise durch kleine Verletzungen im Gehörgang durch Wattestäbchen oder durch chlorhaltiges oder unsauberes Wasser im Gehörgang nach einem Schwimmbadbesuch. Bei einem Gehörgangsekzem und bei Allergien kann die Haut entzündlich reagieren. Häufige Allergieauslöser sind Hörgeräte, Seifen, Kosmetika und Haarwaschmittel.

Als Exostosen bezeichnet man knöcherne Einengungen im Gehörgangskanal. Sie können die Selbstreinigung im Gehörgang behindern und zu Entzündungen führen. Bei chronischer Mittelohrentzündung kann durch das aus dem Mittelohr ablaufende entzündliche Sekret eine Gehörgangsentzündung entstehen.

Menschen, die an einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder an allgemeiner Abwehrschwäche leiden, erkranken häufiger an einer Otitis externa. Auch ein chronisches Hautekzem und Pilzinfektionen gehen häufig mit wiederholten Gehörgangsentzündungen einher. Außerdem kann übermäßiges Reinigen des Gehörganges die Entstehung der Krankheit begünstigen.

Welche Beschwerden macht eine Gehörgangsentzündung?


Im Vordergrund einer Gehörgangsentzündung stehen die oft sehr starken, stechenden Ohrenschmerzen. Bei Druck auf die Ohrmuschel verstärkt sich dieser Schmerz. Kauen und Sprechen können beeinträchtigt sein.

Ist der Gehörgang ganz oder teilweise zugeschwollen, resultiert eine Hörminderung. Entzündliches, schmieriges Sekret läuft häufig zusätzlich aus dem Ohr. Im Vorfeld besteht oft Ohrenjucken, was bei Pilzbefall im Gehörgang auch das einzige Symptom sein kann.

Wie wird eine Gehörgangsentzündung festgestellt?


Wichtig ist die genaue Untersuchung und Betrachtung des Gehörgangs und des Trommelfells durch den Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Dazu benutzt er einen Ohrspiegel (Otoskop).

Daran können sich folgende Untersuchungen anschließen:
  • Abstrich des Ohrsekrets und anschließende mikrobiologische Untersuchung zur Identifizierung des Erregers (wichtig zur Prüfung der Wirksamkeit der Antibiotika)
  • Hörprüfungen
  • Blutuntersuchungen (z. B. Blutbild, Entzündungszeichen, Blutzucker)

Im Einzelfall und bei Verdacht auf Grunderkrankungen oder Komplikationen werden spezielle Untersuchungen veranlasst. Dazu zählen z. B.:
  • öntgenaufnahmen oder eine Computertomografie z. B. des Felsenbeins
  • Knochenszintigrafie (Untersuchung mit radioaktiv markierten Substanzen)
  • Glukosebelastungstest bei Verdacht auf Diabetes mellitus
  • Allergietest bei Verdacht auf eine allergische Ursache

Wie wird eine Gehörgangsentzündung behandelt?


Zunächst muss der Gehörgang sorgfältig gereinigt und Sekret und Schorf ggf. mit einem kleinen Sauger entfernt werden. Anschließend wird der entzündete Gehörgang lokal behandelt, mit Tropfen oder Salben, die abschwellende, reinigende, austrocknende und antientzündliche Wirkstoffe (Antibiotika, Anti-Pilzmittel, Kortison, Alkohollösung) enthalten. Meist werden diese Substanzen auf einen Mullstreifen aufgetragen und in den Gehörgang eingelegt. Die Reinigung und Einlage muss bei Bedarf mehrfach wiederholt werden.

Antibiotika sind Medikamente, die Bakterien abtöten und damit deren weitere Ausbreitung im Körper verhindern. Als unerwünschte Wirkungen der Antibiotika kann es zu allergischen Reaktionen, selten zu Mundtrockenheit, Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden sowie zu Blutbildveränderungen kommen. Schwere Nebenwirkungen der Antibiotika-Therapie wie Schäden an Nieren und anderen Organen sind selten. Ähnliches gilt für Medikamente, die Pilze abtöten (Antimykotika). Bei lokaler Behandlung mit Salben oder Tropfen sind diese Nebenwirkungen aber extrem selten.

Kortison bewirkt eine Entzündungshemmung. Bei längerfristiger Anwendung von Kortison, vor allem in höherer Dosierung, treten zum Teil schwere Nebenwirkungen auf, die bei lokaler Anwendung als Salbenstreifen oder Tropfen im Ohr in der Regel nicht zu befürchten sind. Auch hier kann es in Einzelfällen eher zu (allergischen) Reizungen der Ohrschleimhaut bei Unverträglichkeit des Medikamentes kommen.

Alkohol wirkt in erster Linie desinfizierend. Bei der Anwendung treten gelegentlich schmerzhafte Schleimhautreizungen auf.

Wenn nötig, ergänzen Schmerzmittel die Behandlung. Hier eignen sich z. B. die so genannten NSAIR (nicht-steroidale Antirheumatika) wie die Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen.
Diese Schmerzmittel wirken über die Hemmung von Substanzen, die an Schmerz- und Entzündungsprozessen beteiligt sind. Sie sind bei kurzfristiger Anwendung und in angepasster Dosierung in der Regel gut verträglich. Als Nebenwirkungen der Schmerzmittel werden am häufigsten Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, gelegentlich auch allergische Überempfindlichkeitsreaktionen beobachtet.

Risikopatienten (z. B. Diabetikern) erhalten die Antibiotika zusätzlich als Tabletten. Man sollte zusätzlich auf eine optimale Einstellung der Blutzuckerwerte achten und einen eventuell entgleisten Diabetes behandeln lassen.

Welche Komplikationen sind bei einer Gehörgangsentzündung möglich?


Aus der Entzündung des äußeren Gehörgangs kann sich ein Gehörgangsekzem (Otitis externa diffusa) entwickeln. Eine Infektion der Haarbälge im Bereich des äußeren Gehörgangs mit Staphylokokken bezeichnet man als Gehörgangsfurunkel (Otitis externa circumscripta).

Die Gehörgangsentzündung kann sich auch in die Umgebung, also in die Ohrmuschel, die Lymphknoten oder die Ohrspeicheldrüse ausbreiten. Bei immun- bzw. abwehrgeschwächten Menschen wie Diabetikern können bestimmte Bakterien (Pseudomonas aeruginosa) den umliegenden Knochen angreifen und zerstören.

Diese so genannte Otitis externa maligna kann einen schweren Verlauf mit Hirnnervenausfällen (z. B. Gesichtslähmung) und stärksten Schmerzen nehmen und muss über mehrere Wochen mit einer hochdosierten Pseudomonas-wirksamen Antibiotikatherapie und ggf. auch durch einen operativen Eingriff behandelt werden.

Kann man einer Gehörgangsentzündung vorbeugen?


Man sollte keine Wattestäbchen und andere Gegenstände für eine Reinigung im Gehörgang benutzen. Ohrenschmalz im Gehörgang schützt die Haut im Gehörgang und muss nicht entfernt werden.

Schwimm- und Wassersportler können durch eine sorgfältige Pflege des Ohres, ggf. mit Salben und Ölen, Gehörgangsentzündungen vorbeugen. Nach dem Baden kann man den Gehörgang zum Beispiel auch mit einem Fön trocknen.

Ist eine Allergie die Ursache für eine Gehörgangsentzündung, sollte die auslösende Substanz gemieden werden. Zuckerkranke müssen auf eine optimale Einstellung ihres Stoffwechsels achten, um wiederholte Gehörgangsentzündungen zu vermeiden.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme (3. Auflage 1999).

Boenninghaus, H.G.: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Springer (12. Auflage 2005).

Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme (2. Auflage 2004).

Strutz, J.: Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- u. Halschirurgie. Thieme (2001).

Naumann, H. H.: Differentialdiagnose in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme (2. Auflage 1998).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie: Otitis externa. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 017/002 (Erstellung: August 1996. Überarbeitung: Juni 2001).
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