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Gelenkverletzungen



(Distorsion; Verstauchung; Bänderzerrung; Luxation; Verrenkung)


Was ist ein Gelenk, und wie ist es aufgebaut?


Ein Gelenk ist die Verbindungsstelle zwischen zwei oder mehreren Knochen (z. B. Ellenbogengelenk). Die Gelenke sorgen also für die Beweglichkeit unseres Skeletts. Die Bezeichnung eines Gelenkes, beispielsweise Kugelgelenk (Schultergelenk) oder Scharniergelenk (zwischen Oberarm und Elle), richtet sich nach der Gelenkform und der Beweglichkeit der beteiligten Knochen.

Ein Gelenk besteht aus zueinander passenden Gelenkflächen, die zumeist mit Knorpel überzogen sind. Umhüllt wird das Gelenk von einer straffen Kapsel, die aus zwei Schichten besteht. Die äußere Schicht aus straffem Bindegewebe gibt dem Gelenk Stabilität und geht am Knorpelrand in die Knochenhaut (Periost) über. Die innere Schicht (Membrana synovialis) enthält neben elastischen Fasern und Blutgefäßen auch Nerven und ist daher schmerzempfindlich. Außerdem bildet die Gelenkinnenhaut eine klare eiweißhaltige Gelenkflüssigkeit, die so genannte Gelenkschmiere (Synovia), die in den Gelenkspalt abgegeben wird. Der Gelenkspalt (oder die Gelenkhöhle) befindet sich zwischen den Gelenkflächen. Die Gelenkschmiere vermindert nicht nur die Reibung an den Gelenkflächen, sondern ernährt auch gleichzeitig den gefäßlosen Knorpel. Von außen wird die Gelenkkapsel oft von zusätzlichen Bändern umgeben (Kapselbandapparat), die dem Gelenk besonders in Belastungssituationen Halt geben. Im Knie verlaufen auch Bänder (die Kreuzbänder) innerhalb des Gelenkes. Sie verhindern die Verschiebung des Unterschenkels nach vorne oder hinten.

An Stellen, die besonderen mechanischen Belastungen ausgesetzt sind (z. B. Ellenbogen), befinden sich Schleimbeutel (Bursae). Diese flüssigkeitsgefüllten Pufferkissen sorgen für günstigere Druckverhältnisse bei Bewegungen. Sie erleichtern das Aufeinandergleiten von Muskeln oder Sehnen auf den Knochen. In manchen Gelenken (z. B. im Kiefergelenk) findet man auch knorpelige Gelenkzwischenscheiben (Disci articulares). Sie erleichtern die Gelenkmechanik, reduzieren die Reibung und schützen dadurch die Gelenkflächen vor übermäßiger Belastung. Im Kniegelenk gibt es zwei halbmondförmige Zwischenknorpelscheiben, den inneren und den äußeren Meniskus. Die Menisken können ihre Lage im Knie verändern, so dass im Kniegelenk auch geringe Drehbewegungen möglich sind. Die meisten Gelenke sind außen von Muskeln, Sehnen und Bindegewebe (Weichteilmantel) umgeben.

Was versteht man unter Gelenkverletzungen?


Unter dem Begriff Gelenkverletzungen fasst man alle Schäden am Kapsel-Bandapparat, an knorpeligen Strukturen und an den knöchernen Gelenkflächen zusammen. Die seltenen offenen Gelenkverletzungen können auch durch Stiche oder Schüsse verursacht werden. Geschlossene Gelenkverletzungen teilt man in Prellungen, Zerrungen, Bandrisse, Verrenkungen und Verrenkungsbrüche ein. Wenn ein Bruchspalt bis ins Gelenk zieht, ohne dass sich die Gelenkflächen gegeneinander verschieben, spricht man von einem Gelenkbruch. Auch an den Gelenk-Zwischenscheiben oder am Knorpel können Schäden entstehen. Sie können unabhängig von knöchernen Verletzungen auftreten oder diese begleiten.

In der Regel ist eine direkte oder indirekte Gewalteinwirkung (Schlag, Sturz, Aufprall oder Stauchung) die Ursache von Gelenkverletzungen. Je nach Verletzungsmechanismus sind auch mehrere Bereiche des Gelenkapparats gleichzeitig betroffen. Unter Umständen können Gelenkknorpel, Kapselbandapparat und der Knochen derart geschädigt werden, dass das Gelenk in seiner Funktion dauerhaft beeinträchtigt bleibt.
Auch Entzündungen, Stoffwechselerkrankungen, Tumoren, die Bluterkrankheit oder ein übermäßiger Gelenkverschleiß können zu Schäden an den Gelenken führen. In diesen Fällen spricht man jedoch von Gelenkerkrankungen, auf die hier nicht eingegangen werden kann.

Welche Verletzungsformen können auftreten?



Gelenkprellung (Kontusion)


Gelenkprellungen sind sehr häufig und entstehen durch direkte stumpfe Gewalteinwirkung (Schlag, Stoß, Sturz) auf das Gelenk. Bei einer indirekt fortgeleiteten Belastung spricht man von einer Stauchung. Durch die Verletzung kommt es zu Blutergüssen und zur Schwellung des umliegenden Gewebes. Gewebeschwellung und Nervenirritation führen dann zu einer schmerzbedingten Bewegungseinschränkung in dem betroffenen Gelenk. Reißt dabei auch die Innenschicht der Kapsel, entsteht ein blutiger Gelenkerguss (Hämarthros). Zur Entlastung des Knies, aber auch zur Abgrenzung von anderen Flüssigkeitsansammlungen, die als Folge eines Reizzustandes entstehen können, kann dann eine Gelenkpunktion notwendig sein. Bei jedem blutigen Erguss muss der Arzt zusätzliche Schädigungen im Kniegelenk, z. B. Knorpelschäden und Brüche, ausschließen, oft im Rahmen einer Gelenkspiegelung.

Prellungen heilen in aller Regel ohne Komplikationen von selbst wieder ab. Bei einer akuten Prellung kann eine Kühlung der Entwicklung eines großen Blutergusses entgegenwirken. Schmerzen werden mit Medikamenten behandelt, die oft auch entzündungshemmend und abschwellend wirken. Das Gelenk sollte geschont, hochgelagert und zum Beispiel mittels Schiene ruhiggestellt werden. Zusätzlich können kühlende Salben und Umschläge unterstützend wirken und den Heilungsprozess beschleunigen.

Verletzungen am Kapselbandapparat


Stabilisierende Bänder sind mit der Gelenkkapsel meist eng verwoben, deshalb werden die beiden Strukturen häufig gemeinsam verletzt. Zur Überbeanspruchung des Kapselbandapparats kommt es zum Beispiel beim "Umknicken" mit dem Sprunggelenk. Je nach Ausdehnung der Schädigung spricht man von Zerrung (Distorsion, elastische Dehnung), Überdehnung oder einem kompletten Riss (Ruptur) der Gelenkkapsel und der Bänder.

Zerrungen und Dehnungen verursachen zu Beginn meist einen starken lokalen Schmerz über den gedehnten Bandstrukturen bzw. den Bandansatzpunkten. Durch die anschließende Kapselschwellung entwickelt sich meist ein Druckschmerz über dem Gelenkanteil. Oft schwillt das Gelenk stark an und lässt sich nur unter heftigen Schmerzen bewegen. Zerrungen werden häufig wesentlich schmerzhafter empfunden als komplette Bänderrisse. Nachdem begleitende Verletzungen an den Knochen durch Röntgenaufnahmen ausgeschlossen sind, werden Zerrungen genau so wie Prellungen behandelt. Bei Überdehnungen ist zunächst eine Ruhigstellung des Gelenkes ratsam.

Bänder können prinzipiell an jeder Stelle reißen, wobei es typische Verletzungsmuster gibt: Den Riss in der Mitte, an der Knochenhaut oder an jenem Knochenstück, an dem das Band ansetzt. Beim Bandausrisses bleibt das Band selber intakt. Diese Form der Bandverletzung kommt z. B. am Seitenband des Daumengrundgelenks recht häufig vor.
Komplette Bandrisse gehen meist mit einem Stabilitätsverlust des Gelenkes einher. Aufgrund der hohen Belastung der Beine sind das Sprunggelenk und das Kniegelenk am häufigsten betroffen. Beim Ski-Unfall wird beispielsweise das Kniegelenk oft so stark verdreht, dass neben der ausgeprägten Überdehnung des Kapselbandapparates auch Bänder (Seiten- und Kreuzbänder) reißen und die Menisken geschädigt werden.

Das Zerreißen der Gelenkkapsel führt zu einem Austritt der Gelenkflüssigkeit, zur Bildung von Blutergüssen und damit zu einer Schwellung des umliegenden Weichteilgewebes und zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung im Gelenk.
Während Bänderrisse früher fast immer operativ behandelt wurden, erreicht heute die nichtoperative frühfunktionelle Therapie in vielen Fällen gleich gute Ergebnisse, zum Beispiel bei frischen Außenbandrupturen am Sprunggelenk.

Verrenkung (Luxation)


Kommt es durch eine plötzliche, stark einwirkende Gewalt zu einer Verschiebung der Gelenkflächen gegeneinander, spricht man von einer Subluxation (teilweise Verschiebung der Gelenkflächen) oder, bei einer kompletten Verschiebung der Gelenkflächen, von einer Luxation. Das heißt, die Gelenkflächen stehen nicht mehr, wie sie eigentlich sollten, übereinander, sondern versetzt oder nebeneinander. Bei derartigen Verletzungen kommt es fast immer zur ausgedehnten Zerreißung des Kapselbandapparates und häufig auch zu Verletzungen an den knorpeligen Gelenkflächen. Kommen noch Brüche der knöchernen Strukturen hinzu, spricht man von Verrenkungsbrüchen (Luxationsfraktur).

Verrenkungen sind äußerlich oft an der Fehlstellung des Gelenks zu erkennen. Gewohnheitsmäßige Verrenkungen kommen zum Beispiel bei einem "Schlottergelenk vor. Hierbei sind die Bandstrukturen chronisch so überdehnt ("ausgeleiert), dass das Gelenk leicht aus- und wieder einzurenken ist (häufig bei Schultergelenken). Bei Verrenkungen können häufig Schäden an den örtlichen Blutgefäßen und Nerven als Begleitverletzung auftreten.
Ein luxiertes Gelenk sollte vom Arzt unter Zug so bald als möglich wieder eingerenkt werden. Da diese Maßnahme starke Schmerzen verursachen kann, bekommen die Patienten entweder ein starkes Schmerzmittel oder eine kurze Vollnarkose. Ist das Gelenk eingerenkt, wird es für einen gewissen Zeitraum ruhig gestellt.. Ausgedehnte Begleitverletzungen und Verrenkungsbrüche müssen meist operativ versorgt werden.

Gelenkknorpelverletzung


Im Rahmen einer Prellung, einer Verrenkung oder eines Bruchs werden die knorpeligen Gelenkflächen nicht selten mit verletzt. Der Knorpel kann einreißen oder eingedrückt werden, manchmal werden Knorpelstücke (teilweise auch kombinierte Knorpel-Knochenstücke) abgesprengt. Schäden am Knorpel erkennt man in der Regel durch eine Gelenkspiegelung, da reine Knorpelverletzungen auf einer Röntgenaufnahme nicht sichtbar sind.

Oberflächliche, geringe Knorpelschäden machen meist keine oder nur sehr geringe Beschwerden. Bei ausgeprägten Knorpel-Knochen-Schäden bildet sich meist ein blutiger Gelenkerguss. Ziel der Therapie ist die Wiederherstellung einer möglichst ebenen Gelenkfläche mit ausreichend Knorpelbelag. Größere Knorpel-Knochen-Fragmente werden operativ fixiert, kleinere werden entfernt, da sie nicht einheilen. Knorpelschäden erfordern meist eine längere Entlastung des betroffenen Körperabschnittes. Nach ausgeprägten Knorpelverletzungen kommt es selbst nach optimaler Behandlung nicht selten zu einem vorzeitigen Gelenkverschleiß.

Verletzung der Zwischenscheiben


Die meisten Gelenkverletzungen dieser Art treten an den Menisken des Kniegelenkes auf, bei Unfällen oft in Kombination mit Band- und Kapselverletzungen. Daher ist das Beschwerdebild unterschiedlich ausgeprägt. Eine Heilung von Verletzungen der Menisken ist nur im gefäßversorgten Randbereich möglich. Abgerissene Stücke können die Gelenkmechanik beeinträchtigen. Die operative Therapie geschieht meistens mittels Gelenkspiegelung. In manchen Fällen lassen sich kleine Risse in den Menisken nähen. Teilstücke, die nicht mehr einheilen können, müssen entfernt werden.

Gelenkbruch (Gelenkfraktur)


Von einem Bruch (Fraktur) spricht man bei einer vollständigen Durchtrennung des Knochens. Ein Knochenriss wird als Fissur bezeichnet. Je nach Entstehungsmechanismus (Schlag, Stauchung, Verbiegung) unterscheidet man Kompressions-, Abriss-, Trümmer-, Dreh-, oder Biegefrakturen.
Zieht der Bruchspalt bis ins Gelenk, liegt ein Gelenkbruch vor. Von Gelenkbrüchen sind am häufigsten das Handgelenk (Fahrradsturz, Inline-Skating), das Sprunggelenk (Sportunfall) und das Kniegelenk (Ski-, Motorradunfall) betroffen.

Bei Knochenbrüchen im Bereich der Gelenke ist eine Bewegung in den meisten Fällen nicht mehr oder nur unter starken Schmerzen möglich. Das Gelenk ist meist stark geschwollen (Gelenkerguss) und abnorm beweglich. Schon geringste Bewegungen oder Druck von außen verursachen erhebliche Schmerzen. Teilweise kommt es auch zu Mitverletzungen größerer Gefäße und Nerven des Kapselbandapparates und der Menisken Knochen gehören zu den sehr stark durchbluteten Geweben im Körper. Deshalb können Knochenbrüche mit oder ohne Verletzungen größerer Gefäße (z. B. der Beinarterie am Kniegelenk) zu erheblichen inneren Blutverlusten und damit bis zum Schock führen.

Nicht erkannte Knochenbrüche, auch wenn es sich nur um kleine Knochenabsprengungen im Bereich eines Gelenkes handelt, können unbehandelt zu einem dauerhaften Funktionsverlust des Gelenks führen. Aus diesem Grund sollten bei jeder schmerzhaften Bewegungseinschränkung eines Gelenks, die durch einen Sturz oder Unfall entstanden ist, Röntgenaufnahmen angefertigt werden, um einen Bruch der Gelenkknochen sicher auszuschließen.

Wie können Gelenkverletzungen erkannt werden?


In der Regel fragt der Arzt nach dem genauen Unfallhergang. Der Patient sollte dem Arzt auch mitteilen, wie lange der Unfall zuliegt liegt und ob Vorerkrankungen (z. B. eine Arthrose in dem betroffenen Gelenk) bestehen.
Die körperliche Untersuchung richtet sich unter anderem nach dem vorliegenden Befund. So wird ein schmerzhaftes, nach einem länger zurückliegenden Unfall von außen unauffällig erscheinendes, Kniegelenk eingehend klinisch untersucht, das heißt der Arzt testet welche Bewegungseinschränkungen es gibt.. Im Gegensatz dazu wird nach einem kurz zurückliegenden Unfall mit stark geschwollenem Gelenk die körperliche Untersuchung auf die Prüfung von Begleitverletzungen beschränkt (Gefühlsstörungen, Durchblutungsstörungen).

Röntgenuntersuchungen dienen der Diagnose von Brüchen und Verrenkungen und sollten zum Ausschluss von kleinen Ausrissen oder Fissuren auch bei geringen Beschwerden angefertigt werden. Röntgenaufnahmen werden in mindestens zwei Ebenen durchgeführt, damit der Arzt einen räumlichen Eindruck von einer Fraktur gewinnt und kleinere Verletzungen nicht auf Grund von Überlagerungen übersieht. Bei einigen Gelenken können zusätzliche Spezialaufnahmen aus bestimmten Winkeln die Diagnose erleichtern. Verletzungen von Bändern, Sehnen, Muskeln, Knorpel oder Zwischenscheiben sind im Röntgenbild nicht direkt sichtbar. Bei "gehaltenen Aufnahmen (z. B. am Sprunggelenk) wird - nach Ausschluss einer Fraktur - das Gelenk durch einen Spanner "aufgebogen". Die Aufklappbarkeit ist ein Indiz für die Schwere der Verletzung des Außenbandes. Da hier große individuelle Unterschiede bestehen, werden oft beide Gelenke geröntgt, um Seitendifferenzen mit in die Interpretation einzubeziehen. Auch Schichtaufnahmen können für die Diagnose von Fissuren und Absprengungen hilfreich sein.

In Einzelfällen können weitere röntgenologische Methoden zum Einsatz kommen, beispielsweise die Computertomografie (CT) oder die Kernspintomografie (NMR, MRT), bei denen die Gelenke insgesamt und mit allen Weichteilen dargestellt werden. Vor allem die Kernspintomografie hat in der Diagnostik von Gelenkverletzungen an Bedeutung gewonnen.

Heute können auch mittels Ultraschall einige Verletzungen und ihre Folgen diagnostiziert werden. Hierzu gehören Meniskusverletzungen, gelenknahe Bänderrisse und Gelenkergüsse.
Die Arthrografie bezeichnet das Einbringen von Kontrastmittel (und Luft) in ein Gelenk und die anschließende röntgenologische Darstellung. Das Verfahren ist durch Arthroskopie und Kernspintomografie allerdings weitgehend abgelöst worden. Manchmal wird die Arthrografie noch mit der Kernspintomografie kombiniert. Nachteil der Methode ist, dass das Kontrastmittel mittels Gelenkpunktion eingespritzt wird und deshalb eine gewisse Infektionsgefahr besteht.

Knorpelverletzungen und Verletzungen der Zwischenscheiben (z. B. der Menisken im Knie) werden durch die Spiegelung des Gelenkes (Arthroskopie) diagnostiziert und können oft gleichzeitig behandelt werden. Bei der Arthroskopie führt der Arzt durch kleine Schnitte verschiedene Instrumente ins Knie ein. Über diese "Kanäle wird eine Optik mit Lichtkanal eingebracht und die Gelenkhöhle mit Wasser aufgefüllt. Mit Hilfe von speziellen Instrumenten (Zangen, Nahtinstrumenten etc.) kann er dann im Gelenk unter Sicht operieren. Eine sehr seltene - aber schwerwiegende - Komplikation ist die Infektion eines Gelenkes, die theoretisch bei jeder Operation auftreten kann. Selten entstehen auch Knorpelverletzungen, Blutungen oder Gefäß- und Nervenverletzungen.

Eine Kniegelenkpunktion kann aus diagnostischen Gründen erfolgen, wenn man beispielsweise wissen will, ob der Gelenkserguss blutig oder "nur serös, also klar, ist. Ein blutiger Erguss weist auf eine Verletzung der Kapsel, der Bänder oder des Knochens hin. Klare Flüssigkeit wird von der Gelenk-Innenhaut als Reaktion auf einen Reiz, z. B. eine Überlastung, produziert. Gleichzeitig stellt die Punktion auch eine Behandlung dar, weil sie Druckschmerzen nimmt und das Gelenk entlastet. Die größte Gefahr ist auch hierbei die Infektion. Daher muss absolut steril gearbeitet werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?


Da die Behandlungsmöglichkeiten sehr vielfältig sind und die Behandlungen nicht immer einheitlich durchgeführt werden, sind allgemeingültige Aussagen zur Therapie nur schwer möglich. Die Behandlung und die Prognose von Gelenkverletzungen hängen im Wesentlichen vom betroffenen Gelenk, der Verletzungsart, dem Ausmaß der Verletzung und vom Alter des Patienten ab.

Prellungen und Zerrungen heilen meist ohne Komplikationen in zwei bis drei Wochen von selbst aus. Um einer Schwellung entgegen zu wirken, sollte das Gelenk geschont und hochgelagert werden. Kühlende Umschläge oder Salben wirken unterstützend und können den Heilungsprozess beschleunigen.

Eine sehr häufige Verletzung ist der Riss (Ruptur) des Außenbandes am oberen Sprunggelenk. Während früher frische Rupturen nahezu immer operativ versorgt wurden, erreicht man heute mit der frühfunktionellen Therapie oft gleich gute Ergebnisse. Hierbei trägt der Patient (meist für sechs Wochen) eine Schiene, die ein erneutes Umknicken des Fußes verhindert. Nach Rückgang der Schwellung kann er das Bein belasten.

Generell ist man heute - auch nach einer Operation - bestrebt, das Gelenk so früh wie möglich wieder zu bewegen, um zu verhindern, dass sich die Bänder und Sehnen versteifen. Durch Bewegungsübungen, Muskelaufbautraining und Physikalische Therapien soll die Funktion des betroffenen Gelenkes baldmöglichst und weitestgehend wieder hergestellt werden.

Knorpelverletzungen sind oft schwierig zu behandeln. Größere Knorpel-Knochen-Stücke werden chirurgisch fixiert und können gut einheilen. Kleinere abgesprengte Stücke behindern die Gelenkmechanik und müssen operativ entfernt werden. Nach ausgeprägten Knorpelverletzungen kann es trotz optimaler Behandlung zu einem vorzeitigen Gelenkverschleiß (Arthrose) kommen.
Soweit als möglich wird heute versucht, notwendige Operationen arthroskopisch durchzuführen. Dies gilt vor allem für das Kniegelenk, aber auch für das Sprung- und das Handgelenk.

Ist der Knochen mit betroffen, gilt als Voraussetzung für eine gute Heilung, dass die Knochenfragmente in der ursprünglichen Stellung aufeinander stehen. Um dies zu erreichen, muss man einen verschobenen Bruch wieder einrichten. Bei der manuellen Einrichtung versucht der Arzt, die Fragmente durch Zug und Gegenzug sowie Druck weitgehend stabil aufeinander zu stellen, um das Gelenk anschließend in Gips oder einem Tape-Verband zu fixieren und ruhig zu stellen. Gelingt das nicht, müssen die Fragmente operativ (z. B. durch Schrauben oder Drähte) miteinander fixiert werden.

Gelenkbrüche und offene Gelenkverletzungen müssen fast immer operativ behandelt werden. Im Anschluss daran erfolgt meist eine längere Ruhigstellung des Gelenkes. Knochenbrüche heilen in der Regel innerhalb von sechs bis zwölf Wochen aus.

Die Schmerzbekämpfung bei Gelenkverletzungen richtet sich nach der Ursache. Nach einer akuten Verletzung mit Schwellung lindert Kälte die Beschwerden (Eis nie direkt auf die Haut, immer ein Tuch dazwischen legen!), bei chronischen Beschwerden kann sowohl Wärme als auch Kälte wohltuend sein. Für die Therapie der Schmerzen stehen darüber hinaus eine ganze Reihe von medikamentösen, physikalischen, psychologischen oder alternativen Möglichkeiten zur Verfügung.
Bei einem Gelenkerguss (vor allem im Kniegelenk) kann eine Punktion zur Schmerzlinderung notwendig sein. Dabei wird mit einer Kanüle von außen ins Kniegelenk gestochen und Flüssigkeit abgesaugt. Auch hier besteht die Möglichkeit einer Infektion (sehr selten), weshalb absolut steril gearbeitet werden muss.

Bei einer therapeutischen Ruhigstellung der Beine (auch wenn nur eine Gipsschiene angelegt wird) muss generell eine Thrombosevorsorge erfolgen. Dies wird durch Spritzen von Heparin (oder ähnlichen Medikamenten, welche die Blutgerinnung beeinflussen) unter die Haut erreicht. Bei Verletzungen der Haut oder offenen Gelenkverletzungen muss der Tetanusschutz (Schutz vor Wundstarrkrampf) überprüft und ggf. vervollständigt werden. In diesen Fällen und bei größeren Operationen werden auch Antibiotika eingesetzt, um eine Gelenkinfektion zu vermeiden.

Welche Komplikationen können auftreten?


Komplikationen treten insbesondere nach ausgeprägten Verletzungen des Kapselbandapparates oder komplizierten Gelenkbrüchen auf. Beim Unfall können Gefäße und Nerven mitverletzt werden, weshalb immer geprüft werden muss, ob Durchblutungsstörungen und Gefühlsstörungen bzw. Bewegungseinschränkungen aufgetreten sind. Auch nach dem Einrenken eines Bruches oder als Folge einer Operation kann es zu Gefäßverletzungen und Nervenschäden kommen.

Lässt sich die Stabilität des Gelenkes nicht in ausreichendem Maße wieder herstellen, ist manchmal ein so genanntes "Schlottergelenk" die Folge. Beim "Schlottergelenk" führt die fortwährende Instabilität des Gelenkes ständig zu kleinsten Schädigungen an den knorpeligen Gelenkflächen, was dann häufig in einen frühzeitigen Gelenkverschleiß (Arthrose) mündet. Selbst bei einer optimalen Versorgung lässt sich insbesondere bei der Behandlung der Kreuzbänder eine dauerhafte Gelenkstabilität nicht immer erreichen.

Ist der Knochen mitbeteiligt, kann es zu Störungen der Knochenheilung kommen. Von einer verzögerten Knochenheilung spricht man, wenn die Bruchstelle innerhalb von 20 Wochen noch nicht knöchern verheilt ist. Danach besteht die Gefahr, dass sich ein so genanntes Falschgelenk (Pseudarthrose) bildet, bei dem ein Knochenspalt bestehen bleibt. Ursachen sind meist eine unzureichende Ruhigstellung, ausgeprägte Knochendefekte oder eine unzureichende Durchblutung der Fragmente.

Abgesehen von der Bildung von Pseudarthrosen, kann nach schweren Gelenkverletzungen auch eine dauerhafte Bewegungseinschränkung oder eine Versteifung in dem betroffenen Gelenk resultieren. Bei offenen Gelenkverletzungen besteht die Gefahr, dass sich das Gelenk infiziert, was unter Umständen weitere operative Eingriffe notwendig macht.
Insgesamt gesehen sind diese Komplikationen zwar selten, können jedoch auch trotz optimaler Behandlung auftreten.

Was kann man tun, um Gelenkverletzungen zu vermeiden?


Bestimmte Sportarten wie Skifahren, Skaten, Fußball. sind besonders unfallträchtig im Hinblick auf Gelenkverletzungen. Will man nicht darauf verzichten, sollte man auf eine gute Schutzausrüstung Wert legen (z. B. beim Skaten nicht ohne Gelenkschützer und Helm fahren) und vorab Aufwärmübungen machen. In Trainingskursen können Falltechniken geübt werden (Skaten), die helfen, schlimmere Verletzungen zu vermeiden. Natürlich darf man Sport nicht alkoholisiert oder unter Einfluss anderer Drogen ausüben, da die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit nachlassen und man nicht nur sich, sondern auch andere gefährdet.

Im häuslichen Umfeld sollte man "Stolperstellen vermeiden (z. B. hochgeschlagene Teppichkanten und herumliegende Spielsachen). Dies gilt besonders für ältere Menschen und Sehbehinderte.
Des Weiteren macht es Sinn, bei Spaziergängen und Ausflügen auf geeignetes Schuhwerk zu achten. Pfennigabsätze auf gepflasterten Straßen sind beispielsweise nicht zu empfehlen.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Pschyrembel: Klinisches und Therapeutisches Wörterbuch. Walter de Gruyter (1999).

Wirth, C.J.: Praxis der Orthopädie, Band 1, Konservative Orthopädie. Thieme (2000).

Wirth, C.J.: Praxis der Orthopädie, Band 2, Operative Orthopädie. Thieme (2000).

Debrunner, A.M.: Orthopädie und Orthopädische Chirurgie. Huber (4. Auflage 2002).

Krämer, J.; Grifka, J.: Orthopädie. Springer (2005)

Jerasch, J.: Sportmedizin-Kompendium (1999).

Niethard, F.U.; Pfeil, J.: Orthopädie. MLP Duale Reihe. Thieme (2003).

Niethard, F.U. Orthopädie compact. Thieme (2005)


Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie und des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie: Frische Außenbandruptur oberes Sprunggelenk. AWMF-Leitlinie Nr. 033/023
http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/033-023.htm (letzte Überarbeitung April 2002).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie und des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie: Meniskuserkrankungen. AWMF-Leitlinie Nr. 033/006
http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/033-006.htm (letzte Überarbeitung April 2002).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie und des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie: Malleolarfraktur. AWMF-Leitlinie Nr. 033/010
http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/033-010.htm (letzte Überarbeitung April 2002).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie und des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie: Frische und alte vordere Kreuzbandruptur. AWMF-Leitlinie Nr. 033/008
http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/033-008.htm (letzte Überarbeitung April 2002).
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