Gonorrhoe
(Tripper)
Was ist Gonorrhoe?
Gonorrhoe (Tripper) ist eine sexuell übertragbare Krankheit (Geschlechtskrankheit). Sie wird durch Bakterien, die Neisseria gonorrhoeae, auch Gonokokken genannt, ausgelöst. Dem Volksmund ist die Gonorrhoe auch als Tripper bekannt.
Die sexuell übertragbaren Krankheiten (Sexually Transmitted Diseases oder kurz STD) bezeichnet man auch als spezifische Geschlechtskrankheiten, da hier ein bestimmter Erreger ein für diese Infektion typisches Krankheitsbild verursacht. Zu den STD zählt z. B. auch die Syphilis (Lues), die durch Treponema pallidum ausgelöst wird. Demgegenüber stehen die so genannten unspezifischen Genitalerkrankungen, die durch verschiedene Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten hervorgerufen werden. Die Symptome der spezifischen und unspezifischen Geschlechtskrankheiten können sich ähneln.
In westlichen Ländern erkranken derzeit rund fünf von 100.000 Menschen jährlich neu an Gonorrhoe, weltweit sind es ungefähr 62 Millionen. Im Zusammenhang mit der HIV-Epidemie und der Anwendung von so genanntem Safer Sex mit Kondomen ist die Anzahl der Gonorrhoe-Erkrankungen bis 1988 zurückgegangen, steigt jetzt allerdings wieder an. In Afrika und in fernöstlichen Ländern infizieren sich wesentlich mehr Menschen mit dieser Geschlechtskrankheit. Gonorrhoe kommt besonders bei jungen, sexuell aktiven Menschen mit häufigem Partnerwechsel vor.
Wie bekommt man Gonorrhoe?
Gonorrhoe wird fast ausschließlich durch Geschlechtsverkehr übertragen. Je nach sexueller Praktik erfolgt die Infektion auf genitalem, analem oder oralem Weg.
Während der Geburt können Mütter, die Gonorrhoe haben, die Infektion auf ihr Kind übertragen. Die Erkrankung äußert sich bei den Neugeborenen dann mit schweren Entzündungen der Augen, die unbehandelt zu Blindheit führen können. Um dies zu verhindern, tropfte man früher allen Neugeborenen Silbernitrat in die Augen. Diese "Crédésche Prophylaxe" wird heutzutage in Form von Polyvidon-Jod in Europa von vielen Ärzten und Kliniken empfohlen und durchgeführt.
Wie äußert sich die Erkrankung?
Nicht jede Infektion bereitet auch Beschwerden. So bemerken nur rund die Hälfte der Frauen und etwa 75 Prozent der Männer, dass sie sich mit Gonokokken angesteckt haben.
Bei Männern macht sich die Erkrankung zwei bis 14 Tage nach der Infektion zunächst durch eine Entzündung der Harnröhre (Urethritis) mit Schmerzen und Jucken beim Wasserlassen bemerkbar. Außerdem tritt ein eitriger, gelblicher Ausfluss - das so genannte "Bonjour-Tröpfchen" - aus der Harnröhre aus. Gefürchtete Komplikationen sind eine Nebenhodenentzündung (Epididymitis) und eine Entzündung der Prostata (Prostatitis) mit Schmerzen im Bereich des Dammes bzw. des Hodens.
Bei Frauen führt Gonorrhoe ebenfalls häufig zu einer Harnröhrenentzündung. Da Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen auch Zeichen eines gewöhnlichen Harnwegsinfektes sind, wird die Diagnose der Gonorrhoe zunächst oft verkannt. Ist die Scheide mitbefallen, kann es außerdem zu einer Entzündung der Bartholinischen Schleimdrüsen kommen. Neben starken Schmerzen klagen die Frauen dann über einen übelriechenden Ausfluss. Komplikationen einer Gonorrhoe bei der Frau sind Entzündungen der inneren Geschlechtsorgane wie der Gebärmutter (Endometritis) oder der Eileiter (Salpingitis).
Sowohl bei Männern als auch bei Frauen kann die Gonorrhoe zu Unfruchtbarkeit (Sterilität) führen.
Gonorrhoe kommt nicht nur im Genitalbereich vor. Beim Analverkehr kann sich der Enddarm entzünden. Dies macht häufig keine oder nur wenig Beschwerden, gelegentlich finden sich schleimig-eitrige Beimengungen im Stuhl. Eine Gonorrhoe im Mund- und Rachenbereich entsteht durch oralen Geschlechtsverkehr. Auch hier leiden die Betroffenen in den meisten Fällen nur unter leichten Beschwerden im Sinne einer Rachen- oder Mandelentzündung.
Die Blutvergiftung durch Gonokokken, die Gonokokkensepsis, ist eine seltene aber schwere Komplikation. Dabei streuen die Gonokokken vom Ort der Infektion über die Blutbahn in den Körper. Die Betroffenen leiden unter Fieber, Schüttelfrost und dem so genannten "Dermatitis-Arthritis-Syndrom". Es ist durch Schmerzen einzelner großer Gelenke und eitrige Gelenkentzündungen, sowie durch blutgefüllte Bläschen an Fingern und Zehen gekennzeichnet.
In schweren Fällen kann eine Gonorrhoe auch zu einer Gehirnhautentzündung (Meningitis) sowie einer Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) und des Herzbeutels (Perikarditis) führen.
Wie wird die Gonorrhoe diagnostiziert?
Mit Hilfe eines Abstrichs aus der Harnröhre, dem Gebärmutterhals, dem Rachen (bei oralem Verkehr) oder dem After kann man die Erreger der Gonorrhoe, die Gonokokken, in dem eitrigen Sekret nachweisen. Dabei werden die Erreger mit einer speziellen Färbemethode (Gramfärbung) unter dem Mikroskop als so genannte gramnegative Diplokokken sichtbar gemacht. Dieses Verfahren liefert bei etwa 60 Prozent der Frauen und 90 Prozent der Männer die Diagnose.
Daneben kann der Erreger der Gonorrhoe auf einem speziellen Nährboden angezüchtet werden und die Gonorrhoe so von anderen Geschlechtskrankheiten unterschieden werden. Zusätzlich sollte eine Sensibilitätstestung der Erreger gegen Antibiotika durchgeführt werden. Im Urin kann ein PCR-Test angewendet werden.
Es sollte immer auch nach gleichzeitig bestehenden anderen Geschlechtserkrankungen gesucht werden.
Wie wird die Gonorrhoe behandelt?
Es ist wichtig, dass sowohl die Erkrankten als auch deren Partner untersucht und behandelt werden. Die Therapie der Gonorrhoe erfolgt mit Antibiotika. Antibiotika sind Medikamente, die Bakterien abtöten und damit deren weitere Ausbreitung im Körper verhindern. Die Therapie muss konsequent und ohne Unterbrechung durchgeführt und der Erfolg vom Arzt durch Blutuntersuchungen kontrolliert werden.
Lange Zeit wurde die Gonorrhoe mit Penizillin behandelt. Wegen der Zunahme von Gonokokken, die gegen Penizillin resistent sind, also nicht auf Penizillin ansprechen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten heutzutage die Antibiotika Spectinomycin oder Ceftriaxon anzuwenden.
Als unerwünschte Wirkungen der Antibiotika kann es zu allergischen Reaktionen, Mundtrockenheit, Magen-Darm-Beschwerden sowie zu Blutbildveränderungen kommen. Schwere Nebenwirkungen der Antibiotikatherapie wie Schäden an Nieren und anderen Organen sind selten.
Wie kann man einer Gonorrhoe vorbeugen?
Bei einer bestehenden Gonorrhoe sollte immer auch der Partner untersucht und ggf. behandelt werden, damit es nicht zur erneuten Infektion kommt.
Schützen kann man sich vor einer Infektion mit Gonokokken durch das Benutzen von Kondomen und das Meiden häufig wechselnder Sexualpartner.
Impressum
Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: September 2002
Autor: Dr. med. Martina Waitz
Letzte Aktualisierung: September 2005
Durch: Dr. med. Maria-Anna Schoppmeyer und Dr. med. Dirk Nonhoff (Facharzt für Allgemeinmedizin)
Literatur/Leitlinien/EBM:
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2005).
Sökeland, J.: Urologie. Thieme (2002).
Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Leitlinien der Deutschen Urologen: Synopse der sexuell übertragbaren Erkrankungen (STDs) mit Primärsymptomen im männlichen Genitale. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 043/037 (November 2002).
Goerke, K.: Klinikleitfaden Gynäkologie und Geburtshilfe. Urban & Fischer (2000).


