Grauer Star
(Katarakt)
Was ist Grauer Star?
Als Grauen Star bezeichnet man eine Eintrübung der ursprünglich klaren Augenlinse mit nachfolgender Verschlechterung des Sehvermögens. Seine medizinische Bezeichnung Katarakt leitet sich von dem griechischen Wort katarrhaktes für "herabfallend" her. Damals glaubte man, dass die Trübung durch ein vor dem Auge herabfallendes Häutchen hervorgerufen würde.
Die Katarakt ist eine der häufigsten Ursachen für Erblindung weltweit, vor allem in den Entwicklungsländern. In den reicheren Industrienationen ist der Verlust des Sehvermögens durch den Grauen Star eine Seltenheit, weil die Erkrankung gut durch eine Operation behandelt werden kann.
Der Graue Star ist vor allem eine Erkrankung des Alters. Bei den über 75-Jährigen sind knapp 40 Prozent der Männer und über 45 Prozent der Frauen von einer deutlichen Linsentrübung mit Sehverschlechterung von mehr als 40 Prozent betroffen. Eines von 250 Neugeborenen leidet an einer angeborenen Form der Katarakt.
Wie entsteht Grauer Star?
Die Linsentrübung gehört bis zu einem gewissen Grad zum natürlichen Alterungsprozess des Auges. Entsprechend häufig ist der so genannte Altersstar (Katarakta senilis), der über 90 Prozent der Katarakte ausmacht.
Seltenere Ursachen sind die Zuckerkrankheit (Katarakta diabetica), angeborene Formen (Katarakta congenita) oder Verletzungen des Auges (Katarakta traumatica). Es wird vermutet, dass auch das Rauchen, Mangelernährung, manche Medikamente (z. B. Steroide) und Strahlen (Röntgen-, Infrarot-, UV-Strahlen) eine Linsentrübung beschleunigen können. Im Rahmen einiger Stoffwechselerkrankungen (Morbus Wilson, Tetanie, Myotonie, Hauterkrankungen) kommt es ebenfalls gehäuft zu einer Katarakt.
Einer Katarakt bei Neugeborenen kann eine Virusinfektion der Mutter während der Schwangerschaft (z. B. Röteln) oder genetische Defekte zu Grunde liegen.
Welche Beschwerden macht der Graue Star?
Im Vordergrund steht die Sehverschlechterung. Die Beschwerden beginnen dabei schleichend und werden von den Betroffenen oft lange nicht bemerkt, weil sich das Auge an die langsamen Veränderungen gewöhnt. Erst wenn seine Anpassungsfähigkeit erschöpft ist, nehmen die Betroffenen das Nachlassen des Sehvermögens wahr. Konturen sehen sie zunehmend unscharf, alles erscheint nebelig, wie durch einen Schleier oder eine Scheibe aus Milchglas.
Durch die verminderte Brechkraft der Linse kommt es zur Kurzsichtigkeit. Kontraste verlieren an Schärfe, Farben verlieren ihre Leuchtkraft. Das Auge reagiert immer empfindlicher auf direktes Licht: Helles Tageslicht und entgegenkommende Scheinwerfer bei Nacht blenden stärker als zuvor. Auch Doppelbilder können in manchen Fällen auftreten. Im Spätstadium verschlechtert sich die Sehkraft so stark, dass es fast zur völligen Erblindung kommt. Die Graufärbung der Linse ist dann schon deutlich sichtbar für andere zu erkennen. Schmerzen entstehen dabei nicht.
Eine Komplikation der unbehandelten Katarakt ist die Entwicklung eines Grünen Stars (Glaukom) durch Austritt der verflüssigten Augenlinse in die vordere Augenkammer. Die Abflusswege des Augenwassers können in Folge dessen verstopfen und den Druck im Inneren des Auges gefährlich ansteigen lassen.
Bei Neugeborenen kann eine Linsentrübung zu einer gestörten Sehentwicklung führen. Die kindliche Erkrankung muss rechtzeitig erkannt und behandelt werden, um eine Schwachsichtigkeit und Schielstellung des betroffenen Auges zu vermeiden.
Welche Untersuchungen werden durchgeführt?
Grauer Star kann schon früh, noch vor dem Auftreten erster Beschwerden, bei der augenärztlichen Untersuchung diagnostiziert werden. Der Augenarzt benutzt dazu eine Spaltlampe, die eine mikroskopische Betrachtung des äußeren Auges und der Linse ermöglicht. Vor der Untersuchung wird die Pupille meist mit Augentropfen erweitert.
Stark fortgeschrittene Stadien der Katarakt (reife Katarakt) sind schon mit bloßem Auge als weißliche oder gräuliche Trübung sichtbar. Routinemäßig prüft der Augenarzt zusätzlich das Sehvermögen und sieht nach, ob weitere Augenerkrankungen vorliegen.
Neugeborene werden bei der U2, der zweiten kinderärztlichen Untersuchung, auf das Vorliegen einer Linsentrübung kontrolliert.
Wie wird der Graue Star behandelt?
Die zunehmende Trübung der Linse bildet sich nicht von alleine zurück und kann auch mit Medikamenten nicht aufgehalten werden. - Einzige wirksame Therapie ist die Operation. Die Staroperation gehört zu den häufigsten operativen Eingriffen überhaupt und wird im deutschsprachigen Raum etwa 500.000 mal pro Jahr durchgeführt. Ihre Ergebnisse sind im Allgemeinen sehr gut: Liegen keine anderen Augenerkrankungen vor, lässt sich bei über 90 Prozent der Patienten eine deutliche Sehverbesserung erreichen.
Um das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten, sollten mögliche Ursachen wie starke Sonneneinstrahlung vermieden werden. Falls eine Zuckerkrankheit vorliegt, ist eine besonders gute Behandlung notwendig.
Gemeinsam mit dem Arzt wird der Termin zur Operation festgelegt. Besondere Eile ist dabei meist nicht geboten, zu lange sollte man aber wegen der Gefahr eines Glaukoms nicht warten. Im Endeffekt muss der Patient selbst entscheiden, wann sein Sehvermögen so eingeschränkt ist, dass es den täglichen Anforderungen nicht mehr genügt. Bis zur Operation kann die Sehschärfe mit Hilfe einer Brille oder Kontaktlinsen gebessert werden. Die Operation wird generell empfohlen, wenn die Sehverschlechterung zu Beeinträchtigungen im Beruf, Alltag oder Straßenverkehr geführt hat. Medizinisch notwendig ist sie, wenn die Entwicklung eines Grünen Stars unmittelbar zu befürchten ist, oder die Augenlinse durch eine Verletzung stark zerstört wurde.
Normalerweise ist zur Operation kein Krankenhausaufenthalt notwendig und die Patienten dürfen schon wenige Stunden nach dem Eingriff nach Hause gehen. Wer jedoch Zuhause keine Hilfe hat, oder in schlechtem gesundheitlichem Zustand ist, kann einige Tage im Krankenhaus bleiben.
Wie wird die Operation durchgeführt?
Die Operation wird im Allgemeinen in lokaler Betäubung vorgenommen, auf Wunsch des Patienten kann sie aber auch unter Vollnarkose stattfinden.
Die getrübte Augenlinse wird während des Eingriffs komplett entfernt und durch eine Kunstlinse ersetzt. Ein kleiner Einschnitt am Rand der Hornhaut reicht für den Wechsel aus. Damit es besser heilt, wird das Auge kurze Zeit mit einer desinfizierenden Salbe bestrichen und abgedeckt. In den folgenden Tagen überprüft der Arzt mehrfach den Operationserfolg und die komplikationslose Heilung.
Es folgen Kontrollen im Abstand von mehreren Monaten, schließlich jährliche Untersuchungen. Obwohl meist schon direkt nach der Operation eine deutliche Sehverbesserung eintritt, dauert es noch zwischen drei Wochen und drei Monaten, bis das Auge abgeschwollen und die endgültige Sehschärfe erreicht ist. Erst dann kann eine neue Brille angepasst werden. Zur Überbrückung ist die Verordnung einer Übergangs-Brille möglich.
Eine mögliche Komplikation der Staroperation ist die Trübung der Linsenkapsel , der so genannte Nachstar. Ihr Auftreten wird bei den jährlichen augenärztlichen Kontrollen überprüft und kann mit Hilfe eines erneuten Eingriffs behandelt werden. Seltene Komplikationen der Operation sind die Blutung und Infektion der Wunde.
Ob eine Staroperation mit Einsatz einer Kunstlinse bei Neugeborenen vorgenommen wird, ist vom Ausmaß der Linsentrübung, der Geschwindigkeit ihres Fortschreitens und vom Alter des Kindes abhängig. Kinderarzt und Augenarzt arbeiten dabei eng zusammen und beraten ausführlich über Operationsalternativen und nachfolgende Rehabilitation des Kindes.
Impressum
Copyright: Sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: Oktober 2002
Autor: Jochen Niehaus
Letzte Aktualisierung: Januar 2005
Durch: Ulrich Kraft (Arzt)
Literatur/Leitlinien/EBM:
Lang, G. K.: Augenheilkunde. Thieme (3. Auflage 2004).
Sachsenweger, M.: Augenheilkunde. MLP Duale Reihe. Thieme (2002).
Leitlinien des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA).
BVA Leitlinie Nr.19 a: Operation der Katarakt (Grauer Star) im Erwachsenenalter (Juni 1999).
Leitlinien des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA).
BVA Leitlinie Nr. 19: Katarakt (Grauer Star) im Erwachsenenalter (Dezember 1998).


