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Grippe



(Virusgrippe; Influenza)


Was versteht man unter Grippe?


Die Grippe (Influenza) ist eine durch Influenzaviren hervorgerufene Viruserkrankung. Die Influenzaviren kommen in den drei Typen A, B und C vor. Aber nur die beiden Typen A und B sind für den Menschen relevant, der Typ C verursacht beim Menschen allenfalls harmlose Erkrankungen.

Die Typen A und B bringen häufig neue Subtypen und Varianten hervor. Daher kann ein Mensch, der aufgrund einer Infektion oder einer Schutzimpfung bereits Antikörper gegen das Influenzavirus gebildet hat, trotzdem mehrmals - sogar in kurzen Zeitabständen - an einer Grippe erkranken.

Die Viren breiten sich schnell aus und können regionale, aber auch weltweite Epidemien mit schweren Erkrankungen verursachen. An der letzten weltweiten Pandemie, der Hongkong-Grippe, starben von 1968-1970 etwa eine Millionen Menschen. Eine Pandemie kann nicht vorhergesagt werden, es muss aber immer mit ihrem Auftreten gerechnet werden. Die letzte größere Grippewelle in Deutschland trat in der Saison 1995/1996 auf.

Jedes neu isolierte Influenzavirus erhält nach internationaler Übereinkunft eine Bezeichnung, aus der Information zum Typ, zum Fundort und zum Jahr des Auftretens hervorgehen.

Eine Impfung gegen den jeweils aktuell häufigen Typ des Grippevirus ist möglich. Sie sollte wegen der Fähigkeit der Grippeviren, sich ständig zu verändern, jährlich wiederholt werden.

Wie ansteckend ist Grippe?


Grippe ist sehr ansteckend. Es reichen bereits geringe Virusmengen für eine Ansteckung aus. Die Grippe wird meist durch den direkten, manchmal flüchtigen Kontakt zu Erkrankten übertragen. Die Übertragung erfolgt über die im Speichel enthaltenen Viren beim Husten und Niesen (Tröpfcheninfektion).

Auch infizierte Personen, die keine Beschwerden haben, können bereits infektiös sein. Erst nach der fieberhaften Krankheitsphase, gewöhnlich nach drei bis fünf Tagen, endet die Ansteckungsgefahr.

Aufgrund der leichten Übertragbarkeit kann es zur explosionsartigen Verbreitung (Epidemie) in der ganzen Bevölkerung kommen. Obwohl die Impfstoffe jährlich den veränderten Viren angepasst werden, bietet auch eine Grippeimpfung bei Kontakt mit einem neuen Grippevirus keinen umfassenden Schutz vor einer Erkrankung.

Wie wird die Grippeerkrankung festgestellt?


In der Regel bricht die Grippe ein bis drei Tage nach Kontakt mit einem Infizierten aus. Sie kann häufig nicht von einer gewöhnlichen Erkältung unterschieden werden, kann jedoch auch mit schweren Krankheitssymptomen einhergehen. Dann tritt plötzlich hohes Fieber bis 40 °C in Verbindung mit Schüttelfrost, Schweißausbrüchen, starken Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Kopfschmerzen auf.

Die Grippe ist begleitet von schweren Erschöpfungszuständen, die den Betroffenen zur Bettruhe zwingen können. Die Atemwege sind mit starkem Husten, Schnupfen und Halsschmerzen in Mitleidenschaft gezogen. Nach Abklingen der akuten Krankheitszeichen fühlt sich der Betroffene noch etwa zwei Wochen lang abgeschlagen und wenig belastbar.

Meist wird die Diagnose einer Grippe anhand dieser Symptome und dem Wissen einer bekannten Grippe-Epidemie gestellt. Eine eindeutige Diagnose kann jedoch nur durch einen Virusnachweis, zum Beispiel aus einem Nasen- oder Rachenabstrich, oder durch einen Antigennachweis in einer Blutuntersuchung gestellt werden. Dies sollte immer bei schweren Verläufen und beim Auftreten von Komplikationen geschehen.

Wird bei einer Person der Virus nachgewiesen, muss der behandelnde Arzt dem jeweiligen Gesundheitsamt die Erkrankung melden. Seit dem 1. Januar 2001 ist der direkte Nachweis von Influenza gemäß dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) meldepflichtig.

Alle Meldedaten direkter Virusnachweise von Influenza laufen beim Robert-Koch-Institut in Berlin zusammen. Diese Datenerfassung ermöglicht wiederum der Weltgesundheitsorganisation WHO die genaue Untersuchung der Viren, um für das kommende Jahr den Grippeimpfstoff den Veränderungen der Viren anpassen zu können.

Welche Komplikationen können auftreten?


Obwohl eine Grippeerkrankung auch symptomarm verlaufen kann, sind schwere Komplikationen bekannt. Bei Kleinkindern ist der so genannte Pseudokrupp eine häufige Komplikation. Hierbei handelt es sich um einen entzündlichen Befall des Kehlkopfes mit bellendem Husten und Luftnot.

Die Grippeviren schwächen die Immunabwehr und schädigen die Schleimhäute der Atemwege. So erleichtern sie bestimmten Bakterien das Eindringen in die Atemwege und die Lunge. Man nennt dies dann eine bakterielle Superinfektion, die sich auf die bestehende Virusgrippe gesetzt hat. Hiervon sind meist ältere Menschen oberhalb des 60. Lebensjahres sowie Kinder unterhalb des 4. Lebensjahres betroffen sowie Personen mit Vorerkrankungen oder Abwehrschwäche. Sie entwickeln nicht selten eine Lungenentzündung (Pneumonie). Insbesondere bei abwehrgeschwächten sowie chronisch lungenkranken Menschen stellt eine solche Lungenentzündung eine ernste Komplikation dar.

Weniger häufig, aber ebenso gefährlich ist die Entzündung des Herzmuskelgewebes (Myokarditis). Ähnlich verhält es sich mit der Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns (Meningoenzephalitis). Sehr selten werden Nerven geschädigt. So kann beispielsweise nach einer Grippeerkrankung das Riechvermögen geschädigt sein.

Wie wird Grippe behandelt?


Bei vielen Erkrankten sind Bettruhe, schmerzlindernde und fiebersenkende Maßnahmen zur Heilung ausreichend. Wie bei allen fieberhaften Erkrankungen muss auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Zusätzlich können abschwellende Nasentropfen sowie schleimlösende und fiebersenkende Medikamente angewandt werden. Besteht der Verdacht auf eine bakterielle Superinfektion, werden Antibiotika (Bakterien abtötende Medikamente) eingesetzt.
In den ersten 24 bis 48 Stunden nach Einsetzen der Symptome können so genannte Neuraminidase-Hemmer gegeben werden. Sie wirken gegen Influenza Typ A und B und blockieren die Wirkung eines Virusenzyms, der Neuraminidase, einem Bestandteil der Virushülle. Werden sie gehemmt, können die Viren sich nicht mehr vermehren, und die Ausbreitung der Infektion im Körper wird gestoppt. Zurzeit sind zwei Substanzen aus dieser Klasse auf dem Markt, Oseltamivir als Kapsel oder Suspension und Zanamivir zur Inhalation. Während Oseltamivir ab dem ersten Lebensjahr zugelassen ist, darf Zanamivir erst ab dem 12. Lebensjahr angewendet werden.

Wie kann man vorbeugen?


Zur allgemeinen Vorbeugung dienen alle Maßnahmen, die das Immunsystem stärken. Dazu gehört eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und die Vermeidung von schädigenden Umwelteinflüssen. Daneben sollte man von Grippekranken Abstand halten und insbesondere in den Wintermonaten Menschenansammlungen (öffentliche Verkehrsmittel, Ämter, Kaufhäuser etc.) meiden. Ebenso sollten grundlegende hygienische Regeln beachtet werden wie z. B. das Vermeiden von Anhusten, Anniesen sowie Händereichen. Einen sicheren Schutz bieten diese Maßnahmen aber nicht.

Für eine wirksamere Vorbeugung steht die Grippeschutzimpfung zur Verfügung. Da die Grippeviren sich ständig verändern, sollte die Impfung jährlich, vorzugsweise im Herbst (September bis November), wiederholt werden. Die Impfstoffe werden den veränderten Viren kontinuierlich angepasst.

Die ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut empfiehlt eine Impfung für Personen über 60 Jahre sowie für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer bestehenden Erkrankung wie z. B. chronische Lungen-, Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenerkrankungen sowie Diabetes mellitus und andere Stoffwechselerkrankungen, Immunschwäche oder einer HIV-Infektion. Auf jeden Fall sollten Bewohner von Alters- und Pflegeheimen geimpft werden. Für Personen, die beruflich gefährdet sind, wie zum Beispiel medizinisches Personal und Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr, ist ebenfalls eine Impfung empfehlenswert. Die Impfung ist sehr gut verträglich. Personen mit Hühnereiweiß-Allergie dürfen jedoch nicht geimpft werden.

Bei Aufenthalten im außereuropäischen Ausland ist zu berücksichtigen, dass die Grippe regional bedingt unterschiedlich auftritt. Die Hauptaktivität findet auf der Südhalbkugel in den Monaten April bis September und auf der Nordhalbkugel in den Monaten Oktober bis März statt.

Impressum


Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: November 2001
Autor: Hubertus Fries (Facharzt für Innere Medizin)
Letzte Aktualisierung: April 2005
Durch: Dr. med. Maria-Anna Schoppmeyer

Literatur/Leitlinien/EBM:


Robert Koch Institut (http://www.rki.de): Ratgeber Infektionskrankheiten, Influenza (7/2004).

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).

Schaberg,T.: Diagnostik, Therapie und Prävention der Influenza (Virusgrippe).
Pneumologie 27-33 (2003).

Thiemes Innere Medizin (TIM). Thieme (2000).
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