Colitis ulcerosa
Was ist eine Colitis ulcerosa?
Die Colitis ulcerosa ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des Dickdarms, die am häufigsten zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auftritt. Die Entzündung beginnt meist im Enddarm und breitet sich von dort kontinuierlich auf die darüber gelegenen Dickdarmanteile aus. In ca. 25 - 30 Prozent der Fälle kommt es zu einem Befall des gesamten Dickdarms. Dabei bilden sich Geschwüre (Ulzerationen) auf den oberflächlichen Schleimhautschichten.
Die Erkrankung äußert sich mit blutig-schleimigen Durchfällen und krampfartigen Bauchschmerzen.
Sie verläuft überwiegend in Schüben, d. h. beschwerdefreie Phasen werden durch mehr oder weniger heftige Krankheitsattacken unterbrochen.
In etwa zehn Prozent der Fälle beobachtet man einen kontinuierlichen Verlauf der Colitis ulcerosa ohne Zeiten der Beschwerdefreiheit. Selten äußert sie sich durch plötzliche und schwere Symptome, die zu einem Schock führen können.
Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen liegt bei ca. vier pro 100.000 Einwohner. Somit stellt die Colitis ulcerosa neben dem Morbus Crohn die häufigste chronisch-entzündliche Darmerkrankung dar.
Welche Ursachen führen zu einer Colitis ulcerosa?
Die eigentliche Ursache der Colitis ulcerosa ist weitgehend unbekannt. Für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wird angenommen, dass eine Vielzahl von Faktoren an der Entstehung beteiligt ist.
So vermutet man unter anderem, dass Autoimmunprozesse die entzündliche Reaktion verursachen. Hierbei richten sich Abwehrzellen gegen körpereigene Zellstrukturen.
Im Einzelnen werden für die Entstehung einer Colitis ulcerosa folgende Faktoren diskutiert:
- Autoimmunreaktionen (Bildung von Antikörpern gegen körpereigenes Gewebe)
- Familiäre (genetische) Belastung
- Ernährungsgewohnheiten
- Stress und psychische Belastung
- Infektionen
Welche Beschwerden verursacht die Erkrankung?
Das führende Symptom der Colitis ulcerosa stellen schleimig-blutige Durchfälle mit zum Teil krampfartigen Schmerzen vor dem Stuhlgang dar.
Je nach Schweregrad der Erkrankung können auch allgemeine Infektzeichen wie Fieber und Schüttelfrost auftreten.
Welche Komplikationen können bei einer Colitis ulcerosa auftreten?
Bei Kindern, die an Colitis ulcerosa leiden, kann es zu Wachstumsstörungen kommen. Bei Erwachsenen führt die Erkrankung durch die ständigen Durchfälle und die Appetitminderung zu einem Gewichtsverlust und möglicherweise zu Mangelerscheinungen.
Die Geschwüre im Darm können z. T. massive Blutungen verursachen. Der andauernde Reizzustand führt zu einem erhöhten Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken. Das Risiko steigt mit dem Grad des entzündlichen Darmbefalls und der Dauer der Erkrankung.
Eine lebensbedrohliche Komplikation der Colitis ulcerosa ist das so genannte toxische Megakolon, ein erheblich erweiterter Dickdarm. Im Röntgenbild erkennt man drastisch gedehnte Darmschlingen. Die Patienten haben starke Bauchschmerzen, Fieber, Krämpfe und Verstopfung. Sie erbrechen und der Bauch ist aufgetrieben und hart.
Die überdehnte und entzündete Darmwand kann leicht einreißen. Eine solche Darmperforation kann zu einer Bauchfellentzündung und einer Blutvergiftung führen.
Andere begleitende Beschwerden, die nicht den Darm betreffen, können z. B. Gelenkentzündungen, Leber- und Gallenwegsentzündungen, Augenentzündungen und verschiedenartige Hauterscheinungen sein.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Neben einem ausführlichen Gespräch über die Art, Intensität und den Verlauf der Beschwerden, eventuelle Begleit- oder Vorerkrankungen wird der Arzt eine gründliche körperliche Untersuchung durchführen. Insbesondere bei Verdacht auf eine entzündliche Darmerkrankung gehört auch eine rektale Untersuchung dazu. Zur Labordiagnostik gehört eine Blutuntersuchung, hierbei wird besonders auf Entzündungswerte geachtet, und Stuhlproben, die auf Bakterien und möglicherweise enthaltene Blutspuren untersucht werden.
An weiteren Untersuchungen wird ein Ultraschall des gesamten Bauchraumes und eine Darmspiegelung durchgeführt. Zur Diagnosesicherung müssen eventuell Gewebeproben des Darmes entnommen werden. Eine Darmspiegelung sollte allerdings nicht während eines akuten Entzündungsschubes, sondern in den beschwerdefreien Intervallen erfolgen, da ansonsten die Gefahr von Komplikationen zu groß ist.
Wie wir eine Colitis ulcerosa behandelt?
Die Therapie der Colitis ulcerosa steht auf vier Säulen:
- Ernährungstherapie
- Medikamentöse Therapie
- Chirurgische Therapie
- Begleitende Psychotherapie
Eine spezielle Diät bei Colitis ulcerosa gibt es nicht. Dennoch beeinflussen bestimmte Nahrungsmittel die Beschwerden. Insbesondere sollte auf ballaststoffreiche Speisen verzichtet und auf eine ausreichende Vitaminzufuhr geachtet werden. Oft hat der Patient selbst Erfahrungen gesammelt, welche Speisen gut verträglich und welche Nahrungsmittel zu meiden sind, da sie Beschwerden oder sogar einen entzündlichen Schub provozieren.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat Empfehlungen herausgegeben, die unter Vermeidung individueller Unverträglichkeiten einer Mangelernährung vorbeugen soll. Auch eine Ernährungsberatung kann im Einzelfall sinnvoll sein.
Medikamentöse Therapie:
Das Therapieziel im akuten Schub der Colitis ulcerosa ist zum einen das Zurückdrängen der Entzündung, zum anderen soll eine bleibende Schädigung und eine weitere Ausbreitung der Erkrankung mit möglichen Komplikationen vermieden werden.
Je nach Schweregrad und Ort der Entzündung werden verschiedene Medikamente eingesetzt. Hierzu zählen Aminosalizylate, die zur Standardtherapie der Colitis ulcerosa gehören. Ist lediglich der Enddarm und linksseitige Dickdarm befallen, kann diese Substanz als Zäpfchen verabreicht werden. Bei einem ausgedehnteren Befall des Dickdarmes oder im akuten Stadium werden Aminosalizylate in Tablettenform gegeben. Ergänzend werden Kortikosteroide verabreicht. Nebenwirkungen, die bei längerer Anwendung beobachtet werden, sind bei einer kurzfristigen Einnahme nicht zu befürchten.
In schweren akuten Schüben einer Colitis ulcerosa oder bei chronischen Verläufen, die auf andere Therapien nicht mehr ansprechen, können Immunsuppressiva gegeben werden. Diese Substanzen unterdrücken das körpereigene Abwehrsystem.
Chirurgische Therapie:
Ein chirurgisches Eingreifen ist dann in Erwägung zu ziehen, wenn schwere Schübe der Erkrankung häufig sind und sich der Allgemeinzustand des Patienten stetig verschlechtert, es zu Komplikationen kommt, oder eine medikamentöse Therapie längerfristig nicht möglich ist. Unbedingt notwendig ist eine operative Behandlung, wenn schwere Blutungen auftreten, ein toxisches Megakolon besteht, oder es bereits zu Perforationen der Darmwand gekommen ist.
In den meisten Fällen kann heutzutage kontinenzerhaltend operiert werden, d. h. der Darmschließmuskel kann belassen werden, so dass kein künstlicher Darmausgang erforderlich ist. Bei Teilentfernungen des Dickdarmes ist das Risiko oft zu hoch, dass die Erkrankung erneut ausbricht. So wird meist der gesamte Dickdarm entfernt. Methode der Wahl ist die so genannte ileoanale Pouch-Operation. Bei dieser Technik wird der untere Anteil des Dünndarmes über einen Beutel (pouch) mit dem Anus verbunden.
Begleitende Psychotherapie:
Die Diagnose einer Colitis ulcerosa an sich ist kein Grund für eine Psychotherapie, aber bei bestimmten Gegebenheiten ist eine ergänzende psychotherapeutische oder psychosomatische Behandlung zu empfehlen. Psychotherapie und Entspannungsübungen können einen positiven Effekt auf die Krankheitsbewältigung, das psychische Befinden und die Schmerzverarbeitung haben.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Dietel, M.; Dudenhausen, J.; Suttorp, N.: Harrisons Innere Medizin. ABW Wissenschaftsverlagsgesellschaft mbH, (16.Aufl. 2005)
Herrlinger, K.; Stange, E.F.: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen.
Der Internist 9, S. 1151-1173 (2003).
Hoffmann, J.C..; Kroesen, A.J.; Klump, B.: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Thieme (2004)
Schumpelick, V.; Bleese, N.M.; Mommsen, U.: Chirurgie. Thieme (6.Aufl. 2003).
Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten: Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa.
AWMF-Leitlinien-Register Nr. 021/009. (Aktualisierung: 2004).


