Candidose
(Candidiasis; Hefepilzinfektion; Hautpilzinfektion; Hautkandidose; Soor; Mundsoor)
Was ist eine Candidose?
Eine Candidose ist eine Infektion der Haut und/oder der Schleimhäute oder innerer Organe mit einem Hefepilz der Gattung Candida. Am häufigsten findet man den Erreger Candida albicans (albicans = weißlich). Oft wird bei dieser Erkrankung auch der Begriff "Soor" verwendet.
Wie kommt es zu einer Candidose?
Der menschliche Körper ist natürlicherweise von vielen Kleinstlebewesen besiedelt, wie z. B. Bakterien und Pilzen. Sie halten sich unter anderem auf der Haut und auf den Schleimhäuten auf, wie etwa im Rachen, im Magen-Darm-Trakt, am Penis oder in der Scheide. Die meisten von ihnen haben keine krankmachende Wirkung, sondern helfen sogar dabei, Krankheitserreger abzuwehren.
Mit anderen dieser Mikroorganismen hingegen leben wir nur so lange im Einklang, bis eine Veränderung das natürliche Gleichgewicht stört. Man hat festgestellt, dass ca. 20 Prozent aller gesunden Menschen Candida albicans auf ihrer Haut tragen und dass bei bis zu 60 Prozent der Pilz in unbedenklichen Mengen im Verdauungstrakt zu finden ist. Bei diesen Personen kann es zu einer Candidose kommen, wenn das natürliche Gleichgewicht der Kleinstlebewesen gestört wird und die Pilze sich ungehemmt vermehren können.
Candida albicans bevorzugt, wie alle Pilze, feucht warme Lebensbedingungen. Diese können durch äußere Einflüsse wie z. B. Feuchtigkeitsstau durch Bekleidung (v. a. synthetische Kleidung, Windeln) oder bei Übergewicht in den Hautfalten entstehen. Das Gleichgewicht der Kleinstlebewesen im und am menschlichen Körper kann durch Umgang mit Chemikalien, Arbeiten im Nassen, Zuckerkrankheit oder andere Stoffwechselstörungen, Krebserkrankungen, HIV-Infektionen und Medikamente wie z. B. Antibiotika, Kortison oder die Anti-Baby-Pille gestört werden. Auch schwangere Frauen sind anfälliger für Pilzinfektionen.
Menschen, die an einer Candidose leiden, können den Erreger auch auf andere Personen übertragen, entweder durch direkten Kontakt oder über gemeinsam benutzte Gegenstände, z. B. ein Handtuch. Findet der Pilz günstige Lebensbedingungen vor, kann die betroffene Person ebenfalls erkranken.
Welche Stellen des Körpers können betroffen sein?
Am häufigsten sind die Schleimhäute vor allem von Mund, After, Scheide und Penis betroffen. Aber auch die gesamte Haut einschließlich der Mundwinkel und der Nagelbetten, sowie alle innere Organe können in seltenen Fällen von einer Candidose befallen werden. Oft findet man die Pilzinfektion in Hautfalten bei übergewichtigen Menschen, beispielsweise unter den Brüsten oder in der Leistengegend, sowie zwischen den Fingern und Zehen. Auch andere Körperregionen, die schlecht belüftet werden, können befallen sein, z. B. die Windelregion bei Säuglingen. An diesen Stellen macht sich eine Candidose durch oberflächliche, leicht nässende und oft rötliche Hautveränderungen bemerkbar, die mehr oder weniger stark jucken. Lediglich eine Candidose der Nagelbetten kann auch Schmerzen verursachen.
Im Mund unterscheidet man eine akute (Mundsoor) von einer chronischen Candidose. Die akute Form tritt üblicherweise bei Säuglingen und erwachsenen Menschen mit schweren Erkrankungen (z. B. AIDS, Krebs) auf. Sie macht sich durch stippchenförmige, weißliche Beläge bemerkbar, unter denen sich eine hochrote, leicht blutende Schleimhaut befindet. Die Betroffenen verspüren meistens Geschmacksstörungen oder ein Pelzigkeitsgefühl, selten auch Schmerzen. Bei Säuglingen kann sich ein Mundsoor auch durch eine Trinkschwäche und leichtes Fieber bemerkbar machen. Ist zusätzlich auch die Speiseröhre befallen, können weitere Beschwerden wie Sodbrennen, Schluckbeschwerden, Schmerzen hinter dem Brustbein, Schluckauf oder Erbrechen auftreten. Von der chronischen Candidose des Mundes sind überwiegend Zahnprothesenträger betroffen. Bei ihnen finden sich Rötungen und Schwellungen an den Kontaktstellen der Prothesenteile, oft am harten Gaumen. Sie verursachen nur leichte Missempfindungen oder bleiben sogar unbemerkt. Außerdem findet man eine Candidose häufig bei Patienten, die regelmäßig kortisonhaltige Sprays benutzen wie beispielsweise Asthmatiker. Die Patienten sollte als Vorsichtsmaßnahme nach dem Spraygebrauch den Mund ausspülen.
Ein Pilznachweis im Darm wird oft überbewertet, da Candida albicans bei vielen Menschen im Darm vorkommt, ohne Symptome zu verursachen. Wegweisend ist die Keimzahl in einer Stuhlprobe. 100.000 bis 10.000.000 Pilze pro Milliliter Stuhl gelten als normal. Werte darüber können für Beschwerden wie Durchfall, Krämpfe oder Bauchschmerzen verantwortlich sein. Bei Frauen können die Candida-Erreger aus dem Darm die Scheide besiedeln. Vor allem bei immer wiederkehrenden Pilzinfektionen der Scheide sollte an diesen Übertragungsweg gedacht werden.
Wenn Juckreiz, Brennen oder Schmerzen im Scheidenbereich sowie weißlich, bröckeliger Ausfluss auftreten, sollte an eine Pilzinfektion der Scheide in Betracht gezogen werden. Eine Candidose des Penis macht sich durch Rötung, Schuppung und Juckreiz der betroffenen Stelle bemerkbar. Selten ist die Eichel geschwollen. Gleichzeitig kann auch die Harnröhre mitbetroffen sein. Dies ist bei Männern häufiger der Fall als bei Frauen. In diesem Fall kommen Schmerzen beim Wasserlassen hinzu.
Ein Candida-Befall der inneren Organe (Candidiasis) ist sehr selten. In diesen Fällen sind die Pilze in die Blutbahn übergetreten und haben sich in einem oder mehreren Organen abgesiedelt. Das geschieht nur dann, wenn die körpereigenen Abwehrkräfte beispielsweise bei AIDS oder durch Medikamente erheblich geschwächt sind.
Wie wird eine Candidose festgestellt?
An allen sichtbaren Stellen erfolgt die Diagnose zunächst durch Betrachtung der betroffenen Bereiche. Die Haut- und Schleimhautveränderungen sind oft so eindeutig, dass der Arzt allein auf diesem Weg eine Candidose erkennen kann. Zur Sicherung der Diagnose sollte aber zusätzlich mit einem Wattestäbchen ein Abstrich von dem befallenen Bereich genommen werden. Das Wattestäbchen wird dann auf einer kleinen Glasplatte ausgestrichen. Der Ausstrich wird angefärbt und mikroskopisch untersucht, um festzustellen, ob Pilze vorhanden sind.
Will man ganz sicher sein, dass es sich um Candida-Erreger handelt, wird das Wattestäbchen auf einem speziellen Nährboden ausgestrichen (Kultur). Hier vermehren sich die Pilze innerhalb von 24 bis 48 Stunden und bilden so genannte Kolonien. In einem Labor können die Kolonien dann weiter untersucht werden. Auf diese Weise wird der Erreger genau bestimmt. Falls erforderlich, können dabei auch die speziell wirksamen Antipilzmittel ermittelt werden.
Besteht Verdacht auf eine übermäßige Candida-Besiedlung des Darmes, werden Stuhlproben in ein Labor geschickt. Dort wird untersucht, ob und wie viele Candida-Erreger im Stuhl vorhanden sind. 100.000 bis 10.000.000 Pilze pro Milliliter Stuhl gelten als normal.
Der Befall innerer Organe kann durch eine Blutuntersuchung festgestellt werden. Blut wird entnommen und in ein Labor geschickt, wo man untersucht, ob Candida-Erreger im Blut vorhanden sind. Auch durch eine Gewebeprobe des betroffenen Organs kann eine Candidose diagnostiziert werden.
Wie wird eine Candidose behandelt?
Besteht Verdacht auf eine Candidose, sollte auf jeden Fall ein Arzt (Hautarzt, Kinderarzt, Frauenarzt etc.) aufgesucht werden. Eine wichtige Voraussetzung zur erfolgreichen Behandlung einer Candidose ist die Therapie oder Beseitigung der auslösenden Ursache. Nicht selten ist eine Candidose das erste Symptom einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Die optimale Blutzuckereinstellung ist bei Zuckerkranken immer der erste Schritt zur Abheilung der Pilzinfektion. Übergewichtige sollten ihr Körpergewicht normalisieren oder zumindest reduzieren. Das Trockenhalten der Hautfalten mit Mullstreifen begünstigt zusätzlich die Heilung. Werden Medikamente wie Antibiotika, Kortison oder die Anti-Baby-Pille eingenommen, ist zu überlegen, ob das Medikament abgesetzt oder reduziert werden kann.
Darüber hinaus stehen Medikamente zur Verfügung, die Pilze abtöten oder ihre Vermehrung hemmen, die so genannten Antimykotika (mykos = Pilz). Es gibt sie als Salben, Cremes, Gele, Lösungen zum Gurgeln oder Einreiben, Scheidenzäpfchen, Tabletten und als Infusion. Da eine Candidose unbehandelt selten von alleine verschwindet, sondern sich eher verschlechtert oder weiter ausbreitet, sollten diese Mittel zum Einsatz kommen. In den meisten Fällen führt eine örtliche Behandlung mit Salben, Cremes, Lösungen oder Scheidenzäpfchen über mehrere Tage zum Erfolg. Sie sind im Allgemeinen gut verträglich und rufen bei nur wenigen Menschen Überempfindlichkeitsreaktionen mit Brennen, Rötung oder Juckreiz hervor.
Bleibt die Behandlung erfolglos oder kehrt die Candidose immer wieder, kann eine Therapie mit Tabletten erforderlich sein. Hierbei sind die häufigsten Nebenwirkungen Magen-Darm-Beschwerden mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.
Umstritten ist, ob bei einer Pilzinfektion der Scheide der Partner mitbehandelt werden muss. Erkrankt eine Frau in kurzen Abständen immer wieder, ist es allerdings sinnvoll, durch Pilzkulturen festzustellen, ob der Partner den gleichen Erreger trägt, an dem die Frau immer wieder erkrankt. Ist das der Fall, wird auch Partner behandelt, auch wenn er beschwerdefrei ist. Darüber hinaus kann durch eine Stuhluntersuchung geklärt werden, ob eine übermäßige Darmbesiedlung mit Pilzen (mehr als 100.000 bis 10.000.000 Pilze pro Milliliter Stuhl) vorliegt. In diesem Fall sollte zusammen mit einem Internisten eine Therapie festgelegt werden und eine Diätberatung erfolgen. Die Pilze des Darms können die Scheide immer wieder neu besiedeln. Eine Therapie des Darmes zielt dann darauf ab, die Pilzzahl im Darm auf das normale Maß zu senken.
Zu der seltenen Candidose der inneren Organe kommt es nur, wenn der Körper sehr geschwächt ist. Sie muss immer mit einer Infusionstherapie (Gabe der Medikamente über die Vene als Infusion) behandelt werden. Ohne Behandlung kann eine Candidose innerer Organe durch den damit verbundenen Funktionsverlust der Organe zum Tod führen. Der Erfolg der Behandlung dieser schweren Form der Candidose hängt oftmals von der Schwere der begleitenden Grunderkrankung ab.
Was kann man selber tun?
Wichtig ist, die vom Arzt verordnete Therapie so lange wie angeordnet durchzuführen. Die Beschwerden verschwinden nach Beginn der Behandlung meist rasch. Wird die Therapie zu früh beendet, kann es schnell zu einem Rückfall kommen.
Zur Therapieunterstützung und zur Vermeidung von Candidosen ist es erforderlich, den Pilzen keine günstigen Lebensräume zu bieten. Ausreichende Hygiene schafft hier Abhilfe, wozu neben regelmäßigem Waschen auch gründliches Abtrocknen gehört. Übergewichtige sollten darauf achten, alle Hautfalten zu säubern und trocken zu halten, ggf. durch die Einlage von Mullstreifen. Handtücher sollten nicht gemeinsam benutzt werden. Baumwollunterwäsche ermöglicht es der Haut zu atmen und Feuchtigkeit abzutransportieren. Kleidung und Socken sollten immer trocken sein und regelmäßig gewechselt werden. Das Tragen von Sandalen oder Lederschuhen statt Gummischuhen hilft, einer Pilzinfektion vorzubeugen.
Auch die Ernährung hat Auswirkungen auf das natürliche Gleichgewicht der Kleinstlebewesen an und im menschlichen Körper. Sind die Nahrung und damit die Körperausscheidungen sehr zuckerhaltig, finden Pilze optimale Bedingungen zur Vermehrung vor. Bei einer Pilztherapie müssen nach dem Auftragen der Salbe die Hände gewaschen werden.
Zur Vermeidung von Mundsoor, gerade bei Säuglingen, sollte der Mund nur mit sauberen gewaschenen Händen in Kontakt kommen. Das Gleiche gilt für die Brustwarzen der Mutter beim Stillen der Kinder. Flaschensauger und Schnuller sollten sorgfältig sterilisiert werden.
Diabetikern ist zu empfehlen, ihren Blutzuckerspiegel optimal einzustellen. Medikamente wie Antibiotika und Kortison sollte man nur so lange wie erforderlich einnehmen.
Um Pilzinfektionen in der Scheide zu vermeiden, sollte der Intimbereich nur mit Wasser gereinigt und auf den Gebrauch von Intimsprays und Seife verzichtet werden. Wichtig ist auch, beim Gang zur Toilette auf die nötige Hygiene zu achten.
Impressum
Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: Juni 2002
Autor: Dr. med. Susanne Classen (Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe)
Letzte Aktualisierung: Januar 2005
Durch: Dr. med. Dirk Nonhoff
Literatur/Leitlinien/EBM:
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Korting HC, Schaller M: Neue Entwicklungen in der Mykologie.
Deutsches Ärzteblatt 97: A-1682-1684 (2000).
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Young GL, Jewell D.: Topical treatment for vaginal candidiasis in pregnancy (Cochrane Review).
In: The Cochrane Library, Issue 3 (2000).
Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft: Candidose der Haut, Orale Candidose, Candidose des weiblichen Genitale.


