Cholera
Was ist Cholera?
Cholera ist eine infektiöse Erkrankung des Darmes, die durch das Zellgift (Toxin) des Bakteriums Vibrio cholerae ausgelöst wird. Die Inkubationszeit, die Zeit, die zwischen Ansteckung und Auftreten erster Krankheitserscheinungen liegt, beträgt zwei bis fünf Tage. Viele Infektionen verlaufen milde, in schweren Fällen führt sie aber zu extremen, wässrigen "reiswasserartigen" Durchfällen, die eine rasche Behandlung erforderlich machen.
Brutstätte des Erregers der Cholera ist das indische Gangesdelta. Gebiete, in denen Cholera gehäuft vorkommt, sind Lateinamerika, Afrika und Südasien (insbesondere Indien und Bangladesch). Unter schlechten Hygienebedingungen treten immer wieder Epidemien (Masseninfektionen) auf.
Die Gefahr für Reisende, an schwerer Cholera zu erkranken, ist relativ gering. Die Erkrankung tritt bevorzugt bei unterernährten, vorerkrankten Menschen auf.
Wie bekommt man Cholera?
Die Infektion erfolgt immer durch orale Aufnahme der Erreger. Bei schlechten hygienischen Bedingungen kann sich die Krankheit schnell ausbreiten.
Cholera-Bakterien sind Wasserkeime, die sich besonders über verunreinigtes Trinkwasser verbreiten und durch den Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln übertragen werden. Infektionsquellen können roher oder ungenügend gekochter Fisch, Meeresfrüchte und Gemüse, das während der Lagerung oder Zubereitung mit den Bakterien in Kontakt gekommen ist, sein.
Eine Übertragung direkt von Mensch zu Mensch ist zwar möglich, jedoch äußerst selten.
Die Bakterien gelangen in den Dünndarm und vermehren sich. Dabei produzieren die Keime einen Giftstoff (Enterotoxin), der die Darmschleimhaut angreift. Die Folge ist eine Hypersekretion und eine verstärkte Motilität des Dünndarms.
Welche Beschwerden treten bei der Erkrankung auf?
Die mildere Verlaufsform der Cholera ist von einem normalen Reisedurchfall schwer zu unterscheiden. Die schwereren Verlaufsformen der Cholera treten vor allem bei unterernährten, vorerkrankten und abwehrgeschwächten Menschen auf.
Nach der kurzen Inkubationszeit treten starke, wässrige Durchfälle auf. Begleitet sind sie oft von Übelkeit und Erbrechen.
Es kommt zu einem extremen Wasser- und Elektrolytverlust (bis zu 20 Liter pro Tag), der innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich werden kann. Eine beginnende Austrocknung äußert sich mit Blutdruckabfall und schnellem Puls, niedriger Körpertemperatur und einer stark verminderten Urinausscheidung.
Wie stellt der Arzt die Diagnose?
Sollten Reisende erst zu Hause erkranken, ist es umgehend erforderlich, einen Arzt aufzusuchen und ihm die Beschwerden zu schildern und auch das Reisegebiet zu nennen, in dem man sich aufgehalten hat.
Besteht der Verdacht auf Cholera, kann die Diagnose nur mit dem Nachweis des Erregers im Stuhl oder Erbrochenem gestellt werden. Entweder gelingt eine Schnelldiagnose unter dem Mikroskop oder es muss eine Kultur angelegt werden. Dazu wird eine Probe des zu untersuchenden Materials auf einen speziellen Nährboden gegeben. Verdächtige Bakterienkolonien können durch bestimmte biochemische Reaktionen identifiziert werden.
Wie wird Cholera behandelt?
Entscheidend in der Behandlung der Cholera ist der Ausgleich des Wasser- und Mineralstoffverlustes.
Die zu ersetzenden Substanzen werden in schwereren Fällen über Infusionen zugeführt. Der Verlust und der anschließende Ersatz der großen Mengen an Flüssigkeit und Mineralstoffen kann den Kreislauf, das Herz und die Nieren stark belasten, weshalb die Behandlung stationär erfolgen sollte. Außerdem ist eine Isolation des Erkrankten erforderlich, um die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten.
Zusätzlich werden Antibiotika gegeben, die die Cholera-Bakterien abtöten und damit eine weitere Ausbreitung im Körper verhindern. Als unerwünschte Wirkungen der Antibiotika kann es zu allergischen Reaktionen, Mundtrockenheit, Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden sowie zu Blutbildveränderungen kommen.
Medikamente, die die Darmtätigkeit hemmen, dürfen nicht eingenommen werden. Dies würde dazu führen, dass die schädigenden Bakterien noch länger im Darm verweilen und sich weiter vermehren können.
Wie ist die Prognose?
Wird die Cholera rechtzeitig behandelt, ist die Erkrankung gut zu beeinflussen und heilbar. Meist sind es unterernährte und abwehrgeschwächte Menschen in schlechtem Allgemeinzustand, die die Infektion nicht überleben. Ohne Therapie endet die Cholera in über der Hälfte der Fälle tödlich.
Lässt sich die Krankheit vermeiden?
Der Schutz durch eine Choleraimpfung ist unvollständig und hält auch nur maximal sechs Monate an. So ist nicht garantiert, dass geimpfte Menschen sich nicht doch mit dem Erreger infizieren können.
Dies erklärt, warum Vorsichtsmaßnahmen zur Prophylaxe unbedingt eingehalten werden sollten. Zu beachten sind folgende Hygiene-Regeln:
- Vor und nach dem Essen immer die Hände waschen.
- Immer auf die Qualität des Essens und Trinkens achten.
- Nur abgekochtes Leitungswasser verwenden.
- Nur gut gekochte Speisen oder Dosennahrung essen.
- Nur Obst essen, das man selbst schälen kann.
- Auf Eis, Eiswürfel und rohen Salat verzichten.
Impressum
Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: Oktober 2002
Autor: Dr. med. Martina Waitz
Letzte Aktualisierung: April 2005
Durch: Janna Christoffers, Medizinjournalistin
Literatur/Leitlinien/EBM:
Kretschmer, H.; Kusch, G.; Scherbaum, H.: Reisemedizin. Urban & Fischer (1999)
Lang, W.; Löscher, T.: Tropenmedizin in Klinik und Praxis. Thieme (2000)
Robert-Koch-Institut: Steckbriefe seltener und "importierter" Bakterien - Cholera.
Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung: Akute Gastroenteritis (Brechdurchfall).
AWMF-Leitlinien-Register Nr. 068/003. (Erstellung: 2002).


