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Cholesteatom des Mittelohrs


(Knocheneiterung, chronische; Perlgeschwulst)


Was ist ein Cholesteatom des Mittelohrs?


Ein Cholesteatom, ein so genanntes Perlgeschwulst, ist ein gutartiger Tumor, bei dem eine chronisch eitrige Knochenentzündung entsteht, die den Knochen zerstören kann. Bei chronischen Mittelohrentzündungen wird in 60 Prozent aller Fälle ein Cholesteatom diagnostiziert. Die Knocheneiterung schreitet langsam fort und greift die Gehörknöchelchen im Mittelohr und den umgebenden Schädelknochen, das so genannte Felsenbein, an.

Wie entsteht diese Erkrankung?


Ein Cholesteatom entsteht, wenn äußere Hautschichten des Trommelfells bzw. des Gehörgangs in das Mittelohr einwachsen und einen Entzündungsprozess auslösen. Bei dauerhaften Belüftungsstörungen mit Unterdruck im Mittelohr kann eine Einziehung des Trommelfells in den Mittelohrraum entstehen. Man spricht von einer Trommelfellretraktion. In solchen Einziehungen kann sich ein Cholesteatom entwickeln. Auch über ein Loch am oberen Rand des Trommelfells können äußere Hautschichten in die Mittelohrräume eindringen und Auslöser eines Cholesteatoms sein.

Sonderfälle sind angeborene Cholesteatome, die hinter einem intakten Trommelfell wachsen und wahrscheinlich während der Embryonalzeit entstehen. Zu so genannten traumatischen Cholesteatomen kann es kommen, wenn nach einem Schädel- bzw. Felsenbeinbruch äußere Hautschichten entlang des Knochenbruchspaltes in das Mittelohr eindringen.

Welche Beschwerden sind typisch bei einem Cholesteatom des Mittelohrs?


Das Cholesteatom im Mittelohr verursacht anfangs keine auffälligen Beschwerden. Infolge der Entzündung kommt es dann wiederholt zu Ohrenlaufen, dabei fließt ein Sekret ab, welches häufig einen unangenehmen Geruch hat. Zusätzlich entwickelt sich typischerweise eine zunehmende Hörminderung auf der betroffenen Seite.

Bei einem fortgeschrittenen Perlgeschwulst sind angrenzende anatomische Strukturen wie das Hör- und Gleichgewichtsorgan, der Gesichtsnerv, die Hirnhäute sowie das Gehirn gefährdet. Zeichen einer Beteiligung des Gehirns sind Fieber, Nackensteife, bohrende Kopfschmerzen, Bewusstseinstrübungen und Krampfanfälle. Bei Schädigung des Innenohrs und Gleichgewichtsorgans sind eine Innenohrschwerhörigkeit bis hin zur Ertaubung sowie Schwindel mit Übelkeit und Erbrechen möglich.

Der Knochenkanal des Gesichtsnervs verläuft in unmittelbarer Nähe des Mittelohrs. Das Cholesteatom kann diesen Kanal zerstören. Greift die Entzündung dann auf den Gesichtsnerv über, kann sich über Wochen langsam eine einseitige Lähmung des Gesichtsnervs entwickeln (Fazialisparese).

Wie stellt der Arzt die Diagnose?


Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt stellt die Diagnose anhand der Vorgeschichte, der Beschwerden und der Untersuchungsergebnisse. Das Ohr bzw. die Trommelfelle werden mit einem Mikroskop untersucht und das Gehör überprüft. Meist lässt sich eine Störung der Schallübertragung im Mittelohr feststellen (so genannte Schallleitungsschwerhörigkeit).

Folgende Untersuchungen können notwendig sein. Dazu zählen:
  • Ausführliche Hals-Nasen-Ohren-Untersuchung (v. a. Nase, Nasenrachen und Nasennebenhöhlen)
  • Röntgenaufnahmen bzw. Computertomografie der Felsenbeine
  • Gleichgewichtsprüfungen
  • Neurologische Untersuchungen mit Prüfung der Gesichtsnervenfunktion
  • Bakteriologische Untersuchung (Abstrich für Nachweis von Erregern und Austestung der Wirksamkeit von Antibiotika)
  • Spezielle Hörprüfungen


Wie wird ein Cholesteatom behandelt?


Jedes Cholesteatom sollte rechtzeitig operativ behandelt werden. Vorrangiges Ziel ist die vollständige Entfernung des Perlgeschwulsts, so dass die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Auftretens möglichst gering gehalten wird. Der Arzt kann mit dem Patienten den Operationstermin planen, um beispielsweise notwendige Vorbehandlungen durchzuführen. Bei Komplikationen sollte aber unverzüglich behandelt werden. Die Operation eines Cholesteatoms erfolgt in der Regel im Krankenhaus und in Vollnarkose. Zur Entfernung der entzündlichen Bereiche wird ein Mikroskop benutzt, um wichtige Strukturen in der Umgebung des Mittelohrs zu schonen (Innenohr mit Hör- und Gleichgewichtsorgan, Gesichtsnerv, Hirnhaut, Gehirn und große Blutgefäße).

Kleine Cholesteatome können durch den Gehörgang operiert werden. Bei unzureichender Übersicht im Operationsgebiet, bei einem Rezidiv und bei größeren Perlgeschwulsten operiert man in der Regel durch einen Zugang in dem hinter dem Ohr gelegenen Knochen, dem Warzenfortsatz. Der Knochen, der die hintere Gehörgangswand bildet, muss dabei möglicherweise mitentfernt werden. Der Gehörgang und die Höhle im Warzenfortsatz sind danach verbunden. Diesen Raum nennt man Radikalhöhle. Sie muss später von einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt regelmäßig kontrolliert, gereinigt und gepflegt werden. Abhängig von der Ausbreitung des Cholesteatoms kann die hintere Gehörgangswand auch bestehen bleiben.

Gleichzeitig kann ein Trommelfellloch verschlossen und eine defekte Gehörknöchelchenkette zur Wiederherstellung der Schallübertragung rekonstruiert werden. Vor der eigentlichen Operation des Cholesteatoms sind unter Umständen vorbereitende Eingriffe, beispielsweise an Nase und Nebenhöhlen, erforderlich, um die Mittelohrbelüftung zu verbessern.

Zur Vorbereitung auf einen operativen Eingriff ist möglicherweise die Gabe von Antibiotika (Bakterien abtötende Mittel) erforderlich, um Entzündungen zurückzudrängen. Diese Antibiotika werden als Ohrentropfen oder als Tabletten verabreicht. Bei starken Entzündungen verringert die Gabe von Antibiotika vor der Operation die Gefahr von Komplikationen.

Welche Risiken birgt eine Operation?


Grundsätzlich können bei dem Eingriff angrenzende Strukturen verletzt werden (Hör- und Gleichgewichtsorgan, Gesichtsnerv, Hirnhäute, Gehirn, Blutleiter des Gehirns), so dass es zu entsprechenden Folgeerscheinungen wie beispielsweise ein Hörverlust auf dem betroffenen Ohr oder einer Lähmung des Gesichtsnervs resultieren kann. Diese Risiken sind allerdings sehr selten; in den überwiegenden Fällen kann das Cholesteatom ohne Komplikationen komplett ausgeräumt werden, und das Gehör verbessert sich nach der Behandlung.

Nach der Operation treten manchmal Ohrenlaufen, Ohrensausen, Geschmacksstörungen, eine überschießende Narbenbildung am Hautschnitt hinter dem Ohr sowie eine Entzündung am Ohrmuschelknorpel auf. Selten verzögert sich die Heilung eines Trommelfellersatzes.

Trotz einer optimalen Operation kann es zu einer erneuten Cholesteatombildung kommen.

Gibt es andere Behandlungsmöglichkeiten?


Ein Cholesteatom ist ein fortschreitender Prozess ohne Tendenz zur Ausheilung. Wird nicht operiert, sind langfristig schwere und in einem weit fortgeschrittenen Stadium auch potenziell lebensbedrohliche Komplikationen möglich. Dazu zählen eine Schwerhörigkeit bis hin zur Ertaubung des Ohrs sowie Schwindel, Gesichtsnervenlähmung, Hirnhaut- und Hirnentzündung sowie ein Hirnabszess. Um diese Komplikationen zu verhindern, sollte deshalb möglichst frühzeitig operiert werden.

Impressum


Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: August 2001
Autor: Dr. med. Christoph Kopsidis (Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde)
Lektor: Dr. med. Vera Wittenberg (Fachärztin für Anästhesiologie)
Letzte Aktualisierung: Oktober 2005
Durch: Janna Christoffers, Medizinjournalistin

Literatur/Leitlinien/EBM:


Arnold, W.; Ganzer, U.; Largiader, F.; Sturm, A.; Wicki, O.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme (4.Aufl. 2005).

Boenninghaus, H.G.; Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Springer (12.Aufl. 2004).

Probst, R.; Grevers, G.; Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme (2.Aufl. 2004).

Strutz, J.; Mann, W.: Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- u. Halschirurgie. Thieme (2001).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie:
Cholesteatom.
AWMF-Leitlinien-Register Nr. 017/006. (Aktualisierung: 2001).
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