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Depressionen




Was versteht man unter einer Depression?


Traurigkeit und Niedergeschlagenheit sind Empfindungen, die alle Menschen im Laufe ihres Lebens erfahren. Oft sind Verluste, private oder berufliche Enttäuschungen oder Misserfolge so belastend, dass sie alle Lebensbereiche negativ beeinflussen. Doch diese Gefühle gehen in der Regel vorbei, machen neuen Empfindungen Platz und die Stimmung hellt wieder auf. Aus medizinischer Sicht handelt es sich dabei nicht um eine Depression, sondern um eine "normale" Reaktion unserer Psyche auf bestimmte Lebensprobleme.

Als Depression im medizinischen Sinne bezeichnet man eine behandlungsbedürftige psychiatrische Erkrankung, die durch eine gedrückte Stimmung, den Verlust von Interesse und Freude und einer erhöhten Ermüdbarkeit geprägt ist. Typisch ist eine "Trauer ohne Grund" oder auch ein "Gefühl der Gefühllosigkeit.

Im Gegensatz zu einer normalen Traurigkeit ist der an einer Depression Erkrankte nicht in der Lage, sich aus eigener Kraft von der gedrückten Stimmung zu befreien. Sein privater wie beruflicher Alltag wird dadurch erheblich beeinträchtigt. Die Depression beeinflusst das gesamte körperliche Empfinden, das Denken, die Gefühle und das Verhalten des Erkrankten sowie die Bezüge zur eigenen Person, zum Umfeld und zu seiner Zukunft. Dies kann dazu führen, dass schwerst depressive Menschen unfähig sind, den eigenen Lebensverpflichtungen nachzukommen, sie schaffen es manchmal kaum, morgens aus dem Bett aufzustehen.

An einer Depression zu erkranken bedeutet aber weder "verrückt" zu sein, noch heißt das, dass Betroffene gefährdeter sind, eine andere psychiatrische Erkrankung wie eine Schizophrenie oder eine Demenz zu entwickeln. Der Realitätsbezug und die Orientierung zur eigenen Person bleiben bei der Depression erhalten. Die Depression ist eine Erkrankung der Stimmung und Gefühle, die mit modernen Therapiemethoden gut zu behandeln ist.

Wie häufig tritt eine Depression auf?


Die Depression ist die häufigste psychische Störung unserer Bevölkerung. Die Angaben zum Erkrankungsrisiko sind sehr unterschiedlich und hängen von verschiedenen Definitionsansätzen und Typen von Depressionen ab.

Man kann aber davon ausgehen, dass das Risiko, einmal im Leben an einer Depression zu erkranken, bei ca. 10 bis 15 Prozent liegt. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Grundsätzlich kann eine Depression in jedem Lebensalter auftreten, jedoch beginnen 50 Prozent der Erkrankungen vor dem 40. Lebensjahr.

Wodurch wird eine Depression verursacht?


Die genauen Ursachen einer Depression sind noch nicht geklärt.
Man weiß, dass der Stoffwechsel im Gehirn der Betroffenen verändert ist. So ist die Konzentration bestimmter Botenstoffe, die Nervensignale weiterleiten (Neurotransmitter), insbesondere das Serotonin und das Noradrenalin, im Vergleich zu Gesunden verändert, meist erniedrigt.

Man geht davon aus, dass bei Entstehung einer Depression verschiedene Faktoren beteiligt sind und erst ein Zusammenspiel dieser Faktoren die Krankheit auslöst.
Dabei scheint eine Erkrankungsbereitschaft genetisch bedingt zu sein. So haben Angehörige ersten Grades (z. B. Kinder, Geschwister) ein doppelt so hohes Risiko zu erkranken. Dies allein würde jedoch noch keine Depression verursachen.

Weitere ursächliche Faktoren können z. B. organische Veränderungen im Gehirn, psychische und psychosoziale Umstände, Persönlichkeitsfaktoren, fehlgeleitete Lernvorgänge oder ungelöste innere Konflikte sein. So treten Depressionen häufig nach belastenden Lebensereignissen (z. B. Tod eines nahe stehenden Menschen, Scheidung) auf - besonders einschneidend scheinen diese Ereignisse für den Betroffenen zu sein, wenn er sich diesen hilflos ausgesetzt fühlt, und er sich nicht in der Lage sieht, die veränderte Situation zu bewältigen. Auch wurde festgestellt, dass Menschen, die an Depressionen erkranken, häufig schon vorher ein "freudloses Leben führen: Oft bestehen nur wenige befriedigende soziale Kontakte und es werden auch kaum Freizeitaktivitäten ausgeführt.

Darüber hinaus liegen bei depressiven Menschen meist typische negative Denkmuster vor, die die Entstehung der Erkrankung begünstigen und sich auch aufrechterhaltend auf die Symptomatik auswirken. So neigen Depressive beispielsweise oft stark zu Schuldgefühlen, welche die ohnehin schon gedrückte Stimmung noch weiter negativ beeinflussen. Auch körperliche Erkrankungen und hormonelle Umstellungen (z. B. während der Wechseljahre oder nach einer Entbindung) kommen als auslösende Ursachen für eine Depression in Betracht.

Davon zu unterscheiden sind allerdings Depressionen aufgrund einer bekannten körperlichen Ursache. In diesem Fall spricht man von so genannten "sekundären Depressionen". So können zahlreiche körperliche Erkrankungen, wie z. B. Schilddrüsenerkrankungen, Hormonstörungen, die Parkinson-Krankheit, Gehirntumoren, Demenzen, eine Herzschwäche, aber auch Medikamente (z. B. Betablocker, Kortison und einige Antibiotika) eine depressive Symptomatik auslösen.

Insbesondere lang dauernde und immer wiederkehrende (chronische) Erkrankungen sowie Suchterkrankungen führen häufig zu sekundären Depressionen.

Welche Symptome kennzeichnen die Erkrankung?


Jeder Mensch kennt Phasen im Leben, in denen er sich erschöpft und niedergeschlagen fühlt. Dabei muss es sich noch nicht um eine Depression handeln, dies kann auch eine "normale" Reaktion unserer Psyche auf bestimmte Lebenssituationen darstellen. Der Übergang zwischen einer "normalen" Traurigkeit und einer Depression ist fließend, und ihre Abgrenzung ist nicht immer eindeutig.

Insgesamt kann sich die Depression in einer Vielzahl von psychischen als auch körperlichen Symptomen äußern. Die wichtigsten Symptome sind:
  • depressive Stimmung (oft ohne jeden Anlass), mit allen Übergängen von leichter Bedrücktheit bis zur tiefen Traurigkeit und zum versteinerten "Nichts mehr fühlen können"
  • Verlust von Interesse und Freude an normalen Aktivitäten und Vergnügungen
  • erhöhte Ermüdbarkeit
  • Schlafstörungen
  • verminderte Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Schuldgefühle und Gefühle der Wertlosigkeit
  • vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Unentschlossenheit, teilweise auch bei einfachen Entscheidungen
  • negative Zukunftsgedanken
  • Suizidgedanken
  • Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme
  • innere Unruhe
  • vermindertes sexuelles Interesse
  • körperliche Symptome wie Schwindel, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden usw., für die der Arzt keine organische Ursache finden kann

Wie wird die Diagnose gestellt?


Besteht der Verdacht auf eine Depression, sollte in jedem Fall ein Arzt, im Idealfall ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, oder ein Psychologischer Psychotherapeut aufgesucht werden. Die Diagnose wird anhand der Symptomatik gestellt, d. h. es gibt kein Untersuchungsverfahren, das eine Depression sicher nachweist.

Im Mittelpunkt der Diagnostik steht ein ausführliches Gespräch, in dem die aktuellen Beschwerden und Vorerkrankungen, aber auch die Lebens- und Familiengeschichte und bestehende Probleme berücksichtigt werden. Weitere Hinweise auf die Erkrankung und deren Ausmaß können psychologische Tests (z. B. Hamilton-Depressionsskala, Beck-Depression-Inventar) oder einfache Fragebögen liefern. Häufig werden die Betroffenen auch gebeten, Tagesprotokolle zu erstellen, um einen Einblick zu gewinnen, in welchen Aspekten und in welchem Ausmaß sich die depressive Erkrankung im Alltag auswirkt.

Wichtig ist, eine körperliche Ursache auszuschließen. Dies erfolgt durch eine gründliche körperliche Untersuchung und durch die Bestimmung verschiedener Blutwerte. Außerdem kann eine Hirnstrommessung (EEG) und in besonderen Fällen eine Computertomografie des Kopfes (CCT) durchgeführt werden. Auf diese Weise kann man Veränderungen des Gehirns, z. B. Tumoren oder einen Hirninfarkt (Schlaganfall) ausschließen.

Auch sollten andere psychische Erkrankungen, insbesondere Sucht- und Angsterkrankungen sowie Persönlichkeitsstörungen, in deren Folge nicht selten Depressionen auftreten, ausgeschlossen werden.

Besonders wichtig zur Beurteilung, ob es sich um eine behandlungsbedürftige Krankheit handelt, ist die Intensität und Dauer der depressiven Symptomatik, sowie das Ausmaß der daraus resultierenden Beeinträchtigungen des Alltages und das subjektive Leiden, das die Erkrankung beim Betroffenen verursacht.

Je nach Ausprägung der Symptomatik unterteilt man die Depression in eine leichte, mittelschwere und schwere Form. Auch unterscheidet man Depressionen nach der jeweiligen Verlaufsform, d. h. ob eine anhaltende depressive Verstimmung vorliegt oder die Symptomatik in Phasen auftritt.

Wie verläuft eine Depression und wie ist die Prognose?


Die Depression verläuft typischerweise in Episoden, wobei eine Episode unbehandelt im Schnitt etwa drei bis zwölf Monate dauert.

Folgende Verlaufsformen sind möglich:
  • Rund 30 Prozent der Betroffenen erleiden nur eine einmalige depressive Episode und sind anschließend beschwerdefrei.
  • Bei etwa 60 Prozent kommt es zu wiederholten depressiven Episoden. Dazwischen können sie von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren vollkommen beschwerdefrei sein. Bei einer Sonderform, der manisch-depressiven Erkrankung, treten neben den depressiven Episoden auch manische Episoden auf. Unter Manie versteht man eine der Depression entgegen gesetzte Gefühlslage mit ausgeprägt gehobener Stimmung. Die Erkrankten fühlen sich geradezu euphorisch, neigen zu unüberlegten, übermütigen Verhaltensweisen (z. B. Verschwendungssucht) und überschätzen häufig ihre eigenen Fähigkeiten.
  • Ca. 10 bis 15 Prozent der Betroffenen leiden unter dauerhaften Depressionen, die Symptomatik ist dabei meist schwächer ausgeprägt als bei episodischem Verlauf. Die Erkrankung ist chronisch.
Insgesamt ist die Prognose jedoch gut. Bei den meisten Patienten können die depressiven Episoden durch eine konsequente Behandlung durchbrochen und völlig zum Abklingen gebracht werden.

Wie wird eine Depression behandelt?


Die Behandlung der Depression zielt auf eine vollständige Rückbildung der akuten Symptomatik sowie auf die Vorbeugung von Rückfällen.

Die Hauptpfeiler der Depressions-Behandlung sind die Psychotherapie und die medikamentöse Therapie mit Antidepressiva. Welche Therapieform im Einzelfall angewendet wird, sollte individuell unter Berücksichtigung der Schwere und Art der Symptome, als auch der Wünsche des Betroffenen entschieden werden.
Darüber hinaus benötigt der Erkrankte genügend Möglichkeiten, um über seine Ängste und Sorgen sprechen zu können. Die behandelnden Ärzte brauchen ausreichend Zeit und Raum, um den Betroffenen umfangreich über seine Erkrankung und alle notwendigen Therapieschritte aufzuklären. Besonderes Augenmerk muss während der Behandlung auf eine Selbstmordgefährdung gerichtet werden. Immerhin leiden 50 Prozent der Betroffenen an Selbstmordgedanken und 10 bis15 Prozent sterben durch Selbstmord.

Bei leichten Depressionen kann eine alleinige Psychotherapie ausreichen. Bei der mittelschweren und schweren Depression ist die medikamentöse Behandlung mit einem Antidepressivum notwendig; sie wird idealerweise durch eine Psychotherapie ergänzt.

Bei körperlich verursachten Depressionen steht zunächst die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. Je nach Ausprägung der Symptomatik kann jedoch im Einzelfall auch zusätzlich eine Psychotherapie und eine medikamentöse Therapie erfolgen.

Insbesondere wenn Selbstmordgefahr besteht oder eine häusliche Verwahrlosung anzunehmen ist, sollte der Erkrankte unbedingt in einer Klinik behandelt werden.

Was bewirkt eine Psychotherapie?


Die Psychotherapie dient dazu, die seelischen Gründe der Erkrankung zu ermitteln und zu behandeln.
Man kann sie in einen verhaltenstherapeutischen und einen tiefenpsychologischen Ansatz unterteilen.

Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass es sich bei der Depression um ein "erlerntes Fehlverhalten" oder fehlgeleitete Denkvorgänge handelt. Durch neue Einsichten in das eigene Verhalten und Denken sowie das Einüben neuer Verhaltens- und Denkweisen soll die Erkrankung überwunden werden. So ist ein wichtiger Baustein der Therapie der Aufbau von positiven Aktivitäten: Auch wenn es den Betroffenen anfänglich sehr schwer fällt, wieder aktiver zu werden, werden in der Therapie angenehme Tätigkeiten erarbeitet und dann schrittweise in den Alltag eingebaut, um so die Lebensqualität zu erhöhen. Belastende Lebensereignisse werden in der Therapie thematisiert und neue Problemlösungsmöglichkeiten entwickelt. Ziel ist es allgemein, die sozialen Fähigkeiten und das Selbstvertrauen des Depressiven zu verbessern.

Insbesondere der Nutzen der kognitiven Verhaltenstherapie (bezieht sich vor allem auf negative Denkschemata) ist am deutlichsten nachgewiesen: Die übertriebenen und verallgemeinernden negativen Annahmen, mit denen sich depressive Personen häufig belasten (z. B. "Ich bin an allem Schuld), werden in der Therapie anhand der Realität überprüft und gemeinsam angemessenere Denkmuster erarbeitet.

Die Tiefenpsychologie geht davon aus, dass die Depression durch einen unbewussten inneren Konflikt bedingt ist, der durch negative Erlebnisse in der individuellen Geschichte entstanden ist. Für die Entstehung von Depressionen werden dabei insbesondere frühe Verlusterfahrungen als bedeutsam angesehen. Die frühkindlichen Erfahrungen sollen in der Therapie rekonstruiert und bearbeitet werden, so dass es zu einer Neutralisierung der bestehenden Konflikte kommt.

Eine Wirksamkeit konnte mittlerweile auch für die interpersonelle Therapie belegt werden. Im Mittelpunkt der Therapie stehen hier die Beziehungen des Erkrankten zu seinen Mitmenschen.

Zahlreiche andere Therapieformen, wie z. B. Musik-, Kunst-, Tanz-, Körpertherapien werden zwar angeboten, aber wissenschaftliche Untersuchungen konnten eine Wirksamkeit bisher nicht ausreichend belegen. Das heißt jedoch nicht, dass sie im Einzelfall nicht hilfreich sein können.

Wie sieht die medikamentöse Therapie aus?


Medikamente zur gezielten Behandlung von Depressionen nennt man Antidepressiva.
Sie bewirken bei der Mehrzahl der Betroffenen, dass die Symptome innerhalb von zwei bis sechs Wochen abklingen.

Antidepressiva beeinflussen den Stoffwechsel des Gehirns, insbesondere die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin. Sie fördern die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen und regulieren so den aus der Balance geratenen Stoffwechsel.

Die Auswahl des geeigneten Antidepressivums trifft der behandelnde Arzt abhängig von den Beschwerden, dem Wirkungseintritt sowie anderen körperlichen Erkrankungen und Nebenwirkungen.
Antidepressiva entfalten ihre Wirkung nicht sofort, sondern mit einer Verzögerung von bis zu vier Wochen. Falls notwendig, können zur Überbrückung andere beruhigende Medikamente eingenommen werden.

Außerdem gibt es Johanniskrautpräparate. Sie eignen sich allerdings nur zur Behandlung der leichten Depression und müssen ausreichend hoch dosiert werden.

Wenn die akute Symptomatik abgeklungen ist, dürfen die Medikamente keinesfalls abgesetzt werden, da es ein hohes Rückfallrisiko gibt. Empfohlen wird eine Weiterbehandlung für vier bis sechs Monate.
Anschließend sollte mit dem behandelnden Arzt besprochen werden, ob eine längerfristige rückfallverhütende Behandlung notwendig ist. Eine solche weitere Behandlung über mehrere Jahre ist insbesondere dann empfehlenswert, wenn in der Vergangenheit mehr als zwei Episoden innerhalb von fünf Jahren aufgetreten sind.

Antidepressiva haben wie jedes Medikament auch Nebenwirkungen. Im Beipackzettel sind auch sehr seltene Nebenwirkungen aufgeführt, die man als Patient ohne weitere Informationen nur schwer einordnen kann. Insgesamt gesehen überwiegt in der Regel der große Nutzen der antidepressiven Wirkung gegenüber den Nebenwirkungen.

Häufige Nebenwirkungen sind z. B. Müdigkeit, aber auch Unruhe, Schwindel, Mundtrockenheit, Übelkeit, Verstopfung, Kreislaufstörungen, Kopfschmerzen oder eine Gewichtszunahme. Das Auftreten von Nebenwirkungen ist individuell verschieden und kann nicht vorhergesagt werden.
Nebenwirkungen treten bevorzugt zu Beginn der medikamentösen Therapie auf und bilden sich häufig im Verlauf der Behandlung zurück, ohne dass die Dosis des Medikamentes verändert werden muss. Bestehen die Nebenwirkungen weiter, sollte nochmals Risiko und Nutzen abgewogen und eventuell ein Präparatwechsel erwogen werden.

Es existieren jedoch auch falsche Meinungen über Antidepressiva, die einige Betroffene von ihrem Gebrauch abhalten. Richtig ist allerdings:
  • Antidepressiva machen nicht abhängig
  • Antidepressiva verändern nicht die Persönlichkeit
  • Antidepressiva sind keine dämpfenden Medikamente, die die Probleme des Betroffenen verdecken. Vielmehr lässt sich mit Antidepressiva gezielt gegen die depressive Störung vorgehen. Insbesondere bei schwerer depressiver Symptomatik kann oft erst durch die antriebssteigernde Wirkung der Antidepressiva die Aufnahme einer psychotherapeutischen Behandlung ermöglicht werden.

Gibt es noch weitere Behandlungsmöglichkeiten?


Lichttherapie
Die Wirksamkeit der Lichttherapie ist nur bei der kleinen Gruppe der "saisonal abhängigen Depressionen", den so genannten Winterdepressionen belegt. Wie der Name schon besagt, treten die Symptome überwiegend jahreszeitenabhängig in den Herbst- und Wintermonaten auf. Man vermutet einen Lichtmangel als Mitursache, dem man durch die Lichttherapie entgegen wirkt.

Während der Behandlung sitzt der Patient ca. 30 bis 40 Minuten täglich über mehrere Tage vor einer speziellen Lichtquelle. Durch das Licht wird die Netzhaut im Auge gereizt. Dies führt zur Ausschüttung bestimmter Botenstoffe im Gehirn, die einen positiven Einfluss auf die Depression haben. Die Lichttherapie sollte aber nur als unterstützendes Verfahren betrachtet werden.

Schlafentzugstherapie
Die Mehrzahl der depressiven Patienten leidet unter Schlafstörungen. Zwar verstärkt der gestörte Schlaf die Depression zum einen, andererseits kann sich ein vorübergehender kontrollierter Schlafentzug auch positiv auf die Stimmung auswirken. Der Entzug von Schlaf kann deshalb therapeutisch genutzt werden.

Dafür muss der Patient eine ganze Nacht oder die zweite Nachthälfte und den darauf folgenden Tag wach bleiben. Dadurch kommt es bei vielen Patienten zu einer Stimmungsaufhellung, die ein bis zwei Tage anhält. Durch diese vorübergehende Entlastung schöpfen viele Patienten wieder Hoffnung, dass die Depression unterbrochen werden kann. Dieses Therapieverfahren wird meist nur unter stationären Bedingungen eingesetzt.

Elektrokrampftherapie (EKT)
Bei schweren Depressionen, die auf andere Behandlungsversuche nicht anschlagen, kann die Elektrokrampftherapie ein sehr wirksames Verfahren in der stationären Behandlung sein.

Durch einen kurzen elektrischen Stromstoß wird ein künstlicher epileptischer Anfall ausgelöst, der ca. 20 bis 30 Sekunden dauert. Da das Verfahren unter Kurznarkose durchgeführt wird, bekommt der Patient den elektrischen Stimulationsvorgang sowie den Krampfanfall nicht mit. Es sind mehrere Anwendungen, verteilt über ca. drei Wochen, erforderlich.

Bei den meisten Patienten, die auf die anderen Behandlungen nicht ansprechen, kann die EKT die depressive Phase durchbrechen, auch wenn diese schon Monate oder Jahre andauert. Im Anschluss muss eine medikamentöse und eine Psychotherapie erfolgen, um erneute Rückfälle zu verhindern.

Was können Angehörige tun?


Die Depression kann einen Menschen stark verändern. Familie und Freunde stehen vor einer schwierigen Situation. Sie wissen häufig nicht, wie sie mit der Erkrankung umgehen sollen und sind besorgt.

Oft reagieren Angehörige auch mit Wut auf den Betroffenen, da die Symptome für den Außenstehenden nicht nachvollziehbar sind. Dauert die Erkrankung länger an, sind die Angehörigen zunehmend überlastet und überfordert. Ganz wichtig ist es deswegen, eigene Bedürfnisse nicht zu vernachlässigen, sich Freiräume zu schaffen oder den Kontakt zu anderen Angehörigen in Selbsthilfegruppen zu suchen.

Was Angehörige noch beachten sollten:
  • Akzeptieren Sie die Depression als Erkrankung, die Freud- und Interessenlosigkeit entspringen nicht einer bösen Absicht des Betroffenen, sondern werden von ihm selbst als sehr quälend empfunden.
  • Versuchen Sie nicht, den Betroffenen von der Grundlosigkeit seiner Traurigkeit zu überzeugen und vermeiden sie gut gemeinte Ratschläge, wie: "Das wird schon wieder, es ist doch alles gar nicht so schlimm". Der Betroffene wird sich nicht verstanden fühlen und sich noch mehr abkapseln.
  • Versuchen Sie, geduldig zu bleiben, und wenden Sie sich nicht von dem Betroffenen ab, auch wenn er abweisend erscheint. Rufen Sie sich immer in Erinnerung, dass es sich um eine Erkrankung handelt, die in der Regel vorübergeht, und der Ihr Angehöriger ebenfalls machtlos gegenüber steht.
  • Motivieren Sie Ihren Angehörigen, einen Arzt aufzusuchen und die Behandlung konsequent wahrzunehmen. Helfen Sie ihm, sich über die Erkrankung zu informieren.
  • Überfordern Sie den Erkrankten nicht. Aufgrund der typischen Antriebsarmut ist er vor allem in der akuten Erkrankungsphase nicht in der Lage, selbst einfache Aktivitäten durchzuführen.
  • Nehmen Sie Äußerungen Ihres Angehörigen, nicht mehr leben zu wollen, ernst, und teilen Sie dieses umgehend dem behandelnden Arzt mit.
  • Verhindern Sie, dass der Betroffene wichtige Entscheidungen während seiner Erkrankung trifft. Durch die Depression ist die Wahrnehmung der Realität verzerrt und es könnte zu Entscheidungen kommen, die nach der Erkrankung anders bewertet werden.

Literatur/Leitlinien/EBM:



Benkert, O.; Hippius, H.; Anghelescu, I: Psychiatrische Pharmakotherapie. Springer (5.Aufl. 2004).

Berger, M.; Stieglitz, R.-D.: Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer (2000).

Gaebel, W.; Falkai, P.: Praxisleitlinien in Psychiatrie und Psychotherapie, Band 5: Affektive Erkrankungen. Steinkopff (2001).

Hautzinger, M.: Kognitive Verhaltenstherapie bei Depressionen. BeltzPVU (6.Aufl. 2003).

Hoffmann, N.; Hofmann, B.: Depression. Informationsmaterial für Betroffene und Patienten. Pabst Science Publishers (2002).

Kompetenznetz Depression
www.kompetenznetz-depression.de


Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie: Depressive Episoden und rezidivierende depressive Störungen.
AWMF-Leitlinien-Register Nr. 028/005. (Letzte Aktualisierung: 2003).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Deutsche Gesellschaft für Psychotherapeutische Medizin (DGPM), Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT),
Deutsches Kollegium Psychosomatische Medizin (DKPM), Allgemeine Ärztliche Gesellschaft für Psychotherapie (AÄGP): Psychotherapie der Depression.
AWMF-Leitlinien-Register Nr. 051/023. (Erstellung: 2002).
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