Diphtherie
Was ist eine Diphtherie?
Die Diphtherie ist eine Infektionskrankheit, die durch das Gift (Toxin) eines Bakteriums (Corynebacterium diphtheriae) verursacht wird. Es kommt zu einer Entzündung der Schleimhäute vor allem des Rachens, der Mandeln, des Kehlkopfes und der Luftröhre. Seltener sind auch die Bindehaut der Augen, die Nase und die Haut betroffen. Es bilden sich dabei so genannte Pseudomembranen (Beläge) auf den Schleimhäuten.
Die Infektion erfolgt überwiegend durch Tröpfcheninfektion. Durch engen Kontakt mit Erkrankten werden dabei die Bakterien beim Husten oder Niesen weitergegeben. Eine Schmierinfektion über Haut und Gegenstände ist bei einer Haut- und Wundinfektion der Diphtherie möglich.
Welche Beschwerden treten bei einer Diphtherie auf?
Hat man sich mit dem Bakterium angesteckt, muss die Krankheit nicht unbedingt ausbrechen: Bei etwa 98 Prozent der Infizierten verläuft sie völlig unauffällig. Kommt es doch zum Ausbruch der Diphtherie, geschieht das etwa zwei bis sechs Tage nach erfolgter Ansteckung (Inkubationszeit).
Befällt die Diphtherie den Rachenraum und die Mandeln, äußert sie sich vor allem mit Halsschmerzen und einem geröteten und geschwollenen Rachen. Fest haftende, grau-weiße Beläge bilden sich auf der Rachenschleimhaut. Der Erkrankte fällt durch einen süßlich-fauligen Mundgeruch auf, fühlt sich schwer krank und hat Kopfschmerzen, geschwollene Lymphknoten sowie gelegentlich auch Fieber. Wenn der Kehlkopf beteiligt ist, treten Schluckbeschwerden und Heiserkeit hinzu. Nach vier bis fünf Tagen hat die Erkrankung ihren Höhepunkt erreicht und heilt anschließend in der Regel aus.
Typisch für die Haut- und Wunddiphtherie sind oberflächliche, schlecht heilende Geschwüre mit grau-braunen fest haftenden Belägen. Eine weitere Sonderform ist die besonders bei Säuglingen auftretende Nasendiphtherie mit eitrig-blutigem Schnupfen. Bei der Augendiphtherie schwellen die Bindehäute der Augen an und es tritt ein blutig-eitriger Ausfluss auf.
Welche Komplikationen sind gefürchtet?
Vor allem wegen der Gefahr schwerwiegender Komplikationen ist die Diphtherie eine ernstzunehmende und gefürchtete Erkrankung. Komplikationen entstehen durch die Aussaat der Bakterien über das Blut in andere Organe. Betroffen sind dann vor allem das Herz, die Nieren und das Nervensystem.
Schmerzhafte Schwellungen der Halslymphknoten, des Rachens und des Kehlkopfes können zu Luftnot bis zu Erstickungsanfällen führen. Die Erkrankten atmen rasch und oberflächlich und müssen unter Umständen künstlich beatmet werden.
Die Diphtherie kann auch einen sehr schweren Verlauf nehmen. Heftiges Krankheitsgefühl, hohes Fieber, eine Herz-Kreislauf-Belastung bis hin zum Schock, Nierenschäden und blutige Schleimhäute kennzeichnen diese so genannte toxische oder maligne Diphtherie. Bei 20 bis 25 Prozent der Erkrankten kommt es zu einer Herzschädigung, die sich mit Herzrasen und Herzrhythmusstörungen äußert. In vielen Fällen kann sich das Herz vollständig davon erholen, es kann jedoch auch noch Wochen nach der Erkrankung zum plötzlichen Herzstillstand kommen. Sind die Nieren betroffen, besteht die Möglichkeit einer vollständigen Ausheilung bzw. bleibender Schäden bis hin zum Nierenversagen.
Lähmungen der Augenmuskeln, der Schlundmuskulatur mit häufigem Verschlucken sowie Lähmungen an Rumpf, Armen und Beinen sind die mögliche Folge der nervenschädigenden Wirkung des Diphtherie-Toxins.
Wie wird die Erkrankung diagnostiziert?
Ein Blick auf die Rachenhinterwand lenkt neben dem typischen Erscheinungsbild des Patienten den Verdacht auf eine Diphtherie. Der Arzt macht einen Abstrich von der Schleimhaut; das entnommene Material wird in einem Labor auf Keime untersucht. Das Corynebacterium diphtheriae kann auf einem Nährboden angezüchtet und nach drei bis vier Tagen nachgewiesen werden. Unter dem Mikroskop zeigen sich jedoch schon früher erste Hinweise auf eine Diphtherie.
Außerdem wird das Blut des Patienten untersucht. Das Diphtherie-Toxin und das Diphtherie-Toxin-Gen können im Labor mittels etwas aufwändigerer immunologischer Verfahren nachgewiesen werden. In Ausnahmefällen werden Antikörper gegen das Diphtherie-Toxin bestimmt. Dieser Nachweis ist allerdings nicht sehr zuverlässig, da die Infektion mit dem Bakterium nicht immer zu einer Antikörperbildung führt.
Beim Verdacht auf eine Diphtherie sollte umgehend die Therapie beginnen, um einem schweren Verlauf vorzubeugen.
Wie behandelt man eine Diphtherie?
Wenn der Verdacht auf eine Diphtherie besteht, muss unverzüglich ein Gegengift (Antitoxin) verabreicht werden. Das Diphtherie-Antitoxin stammt aus dem Blut von Pferden und wird in den Muskel gespritzt. Wegen möglicher allergischer Reaktionen muss vor der Verabreichung auf jeden Fall die Verträglichkeit getestet werden. Dazu wird verdünntes Pferdeserum (wässriger Anteil des Blutes) unter die Haut gespritzt und geprüft, ob sich eine Unverträglichkeit bemerkbar macht. Ein erster Hinweis auf Unverträglichkeit wäre in Form von Hautquaddeln mit Rötungen und Juckreiz erkennbar.
Die medikamentöse Therapie mit Antibiotika dient der Abtötung der Diphtherie-Bakterien und verhindert ihre weitere Ausbreitung. Die Antibiotika haben jedoch keinen Einfluss auf die Toxine und ihre Folgen. Als unerwünschte Nebenwirkungen der Therapie kann es zu allergischen Reaktionen, Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden oder Blutbildveränderungen kommen. Nieren- oder andere Organschäden sind selten.
Strenge Bettruhe ist für fünf bis sechs Wochen sinnvoll, vor allem um das Herz und den Kreislauf zu schonen. Auch ist auf eine ausreichende Flüssigkeits- und Kalorienzufuhr zu achten. Bei schwerem Verlauf muss im Krankenhaus, ggf. auf einer Intensivstation, behandelt werden.
Bei einem unkomplizierten Verlauf der Diphtherie sind die Aussichten auf eine vollständige Heilung ohne bleibende Schäden gut. Bei einer toxischen Diphtherie mit einer Herzmuskelentzündung oder schwerer Kehlkopfentzündung ist die Prognose hingegen oft weniger günstig.
Wie kann man sich vor einer Diphtherie schützen?
Um die Umgebung vor einer Ansteckung zu schützen, sollte ein an Diphtherie Erkrankter isoliert werden. Kontaktpersonen, die nicht über einen ausreichenden Impfschutz verfügen, müssen sich umgehend einer Auffrischimpfung unterziehen. Auch bei ihnen wird ein Rachenabstrich vorgenommen und untersucht. Anschließend verabreicht man sieben Tage lang ein Antibiotikum zur Vorbeugung. Kontaktpersonen dürfen Kindereinrichtungen wie Kindergärten und Schulen eine Woche lang nicht besuchen.
Durch die Diphtherie-Impfung ist die Erkrankung seit 1955 in Deutschland selten geworden. Nach einer Grundimmunisierung bestehend aus drei Einzelimpfungen (Injektionen mit einem Totimpfstoff) erfolgt alle zehn Jahre eine Auffrischimpfung. Die Impfung gegen Diphtherie wird in der Regel in Kombination mit der gegen Tetanus durchgeführt.
Auch noch nichtgeimpfte Erwachsene oder Personen mit fehlendem Impfnachweis erhalten zwei Impfungen im Abstand von vier bis acht Wochen und eine dritte Impfung sechs Monate nach der zweiten Impfung.
Literatur/Leitlinien/EBM:
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2005).
Marre, R.; Mertens, T.; Trautmann, M.; Vanek, E.: Klinische Infektiologie. Urban & Fischer (2000).
Sitzmann, F.C.: Pädiatrie. Duale Reihe. Thieme (2.Aufl. 2002).
Robert-Koch-Institut: Ratgeber Infektionskrankheiten: Diphtherie (2004).
http://www.rki.de


